LED-Fernseher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin

1.9.2012

News Corp. Ltd.

Umsatz 2011: $ 33,405 Mrd. (€ 23,998 Mrd.)

Geschäftsfelder

Die News-Corp.-Aktivitäten einer Branche sind in jedem Land als eigene Gesellschaft mit weiteren Untergesellschaften eingetragen. Murdoch selbst dominiert sämtliche wichtigen Entscheidungen bis in die Einzelunternehmen hinein. Dabei gelten seine Manager und Statthalter als Untergebene, die die Anweisungen ihres Chefs ausführen bzw. in seinem Sinne handeln. Die US-Aktivitäten der News Corp. sind in der News America Holding Inc. (News America) zusammengefasst, deren Führungsspitze zwar offiziell eigenständig, de facto aber von der News-Corp.-Chefetage in Personalunion besetzt ist. Seit 1998 firmiert mit News Corp. Europe (mit Sitz in Rom) erstmals eine eigene europäische Konzerntochter, der allerdings News-Corp.-Aktivitäten in Großbritannien nicht unterstehen. Sie soll eher den italienischen Markt erschließen.

Fernsehen
Am 9. Oktober 2006 feierte die Fox Broadcasting Company, die Serienhits wie "24" oder "Dr. House" produziert, ihr 20. Jubiläum. "The Simpsons" ist mit der im September 2009 angelaufenen 21. Staffel zur am längsten laufenden US-Prime Time-Serie aller Zeiten avanciert.

Seit 1996 ist der als Nachrichtenkanal getarnte rechte Propaganda-Sender "Fox News Channel" on Air. Während traditionelle Nachrichtensender wie CNN in den USA in den letzten Jahren dramatisch an Zuschauern verloren haben, konnte Fox News in den Ratings stetig zulegen. Der Sender erwirtschaftet in manchen Timeslots längst mehr Gewinne als MSNBC, CNN sowie die Nachrichtenformate von NBC, ABC und CBS zusammen. Bekanntestes Gesicht von Fox News ist Kommentator Bill O'Reilly, dem 2005 von einer Mitarbeiterin vorgeworfen wurde, sie sexuell belästigt und genötigt zu haben. Vermutlich im Zuge einer hohen Geldzahlung, einigten sich O'Reilly und die Produzentin auf eine außergerichtliche Verständigung. Nummer zwei in Sachen fragwürdiger Popularität bei Fox News ist der auch im Radio aktive Kommentator Glenn Beck. Beck sorgt in seiner nach ihm benannten täglichen Sendung regelmäßig für Skandale, etwa wenn er Präsident als "Rassisten mit einem tiefsitzen Hass auf weiße Menschen" bezeichnet, Bürgerrechtler wie Van Jones oder Milliardäre wie George Soros als "Kommunisten" diffamiert oder abstruse Verschwörungstheorien über die progressive Bewegung in den USA in die Welt setzt. Im Zuge seiner extremer werdenden Meinungsäußerungen, fallender Einschaltquoten, und Werbeboykotten entschied das Fox-Management, Becks Vertrag zu Jahresende nicht zu verlängern.

Fox News berichtet seit 2009 geradezu exzessiv über die sogenannten "Tea-Party"-Proteste. Medienbeobachter und NGOs beschuldigten Fox News daraufhin, die Proteste in seinem Programm beworben und größer dargestellt zu haben, als sie tatsächlich waren. Wie der der Demokratischen Partei nahe stehende Medien-Think Tank MediaMatters.org etwa entlarvte, sorgten Fox-Mitarbeiter bei der Berichterstattung über die Proteste dafür, die Demonstranten im Hintergrund anzustacheln. Anita Dunn, die inzwischen nicht mehr amtierende Pressesprecherin des Weißen Haus, bezeichnete Fox News in einem Interview als "Kommunikationsarm der Republikanischen Partei", der eher "als politischer Gegner und nicht als neutraler Nachrichtensender" anzusehen sei. Die Kritiker von Fox News sind inzwischen selbst unter Angehörigen des Murdoch-Clans zu finden. Elisabeth und James Murdoch sollen sich in der Vergangenheit immer häufiger bei ihrem Vater über die mangelnden journalistischen Standards und die rassistische Berichterstattung beschwert haben. Rupert Murdochs Schwiegersohn Matthew Freud erzählte der New York Times jüngst, dass ein Teil der Murdoch-Familie "beschämt" wegen des Fox News-Programms sei. Derweil sucht Fox News-Chef Roger Ailes fieberhaft nach einem republikanischen Kandidaten, der 2012 Obama beerben soll. Sarah Palin, die für ihre Fox News-Auftritte eine Million US-Dollar pro Jahr erhält, hat wohl keine Chance mehr. Ailes hält sie für "dumm".

Am 15. Oktober 2007 wurde der neue Wirtschaftskabelfernsehkanal "Fox Business Network" mit 31,5 Millionen angeschlossenen Haushalten gestartet. Damit will der Konzern einen eigenen Business-Fernsehkanal unter dem wertvollen Label Wall Street Journal etablieren, der in Konkurrenz zum Marktführer CNBC gehen soll, wobei das Wall Street Journal bis 2012 mit CNBC einen exklusiven Inhaltelieferungsvertrag hat. Im Gegensatz zu Fox News ist "FBN" aber noch zu keiner Erfolgsgeschichte geworden. Die Mehrheit der dort ausgestrahlten Formate haben in der Regel weniger als 70.000 Zuschauer zu verzeichnen. Anfang 2012 sah sich das Management zu drastischen Maßnahmen gezwungen: das gesamte Line-Up der prestigeträchtigen Donnerstags-PrimeTime wurde gecancelt und durch Wiederholungen ersetzt.

Besonders erfolgreich ist momentan der Kabelkanal FX, der eigens produzierte Serien ("Sons of Anarchy", "Its always Sunny in Philadelphia") sowie Filme ausstrahlt, die besonders eine jüngere, männliche Zielgruppe ansprechen. Um dem wachsenden hispanischen Bevölkerungsanteil Rechnung zu tragen wurde im Sommer 2012 der spanischsprachige Ableger MundoFox gestartet.

Gemeinsam mit den Medienkonzernen Walt Disney und NBC Universal betreibt News Corp. zudem die erfolgreiche TV-Plattform Hulu.com, deren Börsengang wohl 2011 durchgeführt wird.

Film
Die Produktionsschmiede „Twentieth Century Fox Film Corporation“ hat in der Vergangenheit Klassiker wie „Star Wars“, „Die Hard“ oder „Avatar“ produziert. 2011 war für das Studio durchaus erfolgreich. Es war insbesondere Blockbuster wie "Rise of the Planet of the Apes" oder "X-Men: First Class" die zu einem positiven Geschäftsergebnis des gesamten News Corp.-Konzern beitrugen.

Print
Wie groß Rupert Murdochs Einfluss auf seine Zeitungsredakteure ist, zeigte sich Anfang 2003, als der zweite Golf-Krieg unmittelbar bevorstand. Von den damals 175 Tageszeitungen im Besitz der News Corporation befürworteten ausnahmslos alle in entsprechenden Leitartikeln die Invasion des Iraks.

Die Printsparte von News Corp. befindet sch in Zeiten des allgemeinen Zeitungssterbens in einer ernsthaften Krise und wurde im Sommer 2012 als eigenständiges Unternehmen ausgegliedert. Murdoch legte zudem alle offiziellen Ämter in der Zeitungsparte nieder und wird der News International Group nur noch beratend zur Seite stehen. In Großbritannien stellte Murdoch im Zuge des Abhörskandals mit der "News of the World" eine seiner vier Zeitungen ("The Times of London", "The Sunday Times" und "The Sun") ein. "The Sun" erscheint als Ersatz seit Februar 2012 dafür auch am Sonntag.

Die "New York Post" (ebenso wie das Wall Street Journal weiterhin Teil des Mutterkonzern News Corp.) bringt dem Konzern jedes Jahr Verluste im zweistelligen Millionenbereich ein, wird jedoch von Murdoch nicht verkauft oder aufgelöst, da sie neben dem Nachrichtensender Fox News als das wichtigste politische Sprachrohr des Unternehmens gilt. Die ehemalige Redakteurin Sandra Guzman verklagte die Zeitung und deren Management im November 2009, nachdem sie entlassen wurde, als sie sich gegen die Veröffentlichung einer Karikatur aussprach, die Präsident Obama als Schimpansen darstellte, der von Polizisten erschossen wird. Ihr Vorwurf lautete, dass weibliche sowie afro-amerikanische, bzw. hispanische Mitarbeiter der New York Post systematisch diskriminiert werden. In einem 36-seitigen Schreiben an ein New Yorker Bezirksgericht schildert Guzman die vermeintlich erschreckende Arbeitsatmosphäre in der Redaktion, bei der die Schikane der nicht-weißen Mitarbeiter sowie die sexuelle Belästigung von deren Kolleginnen auf der Tagesordnung stehen.

Im Jahr 2007 gelangte Murdoch nach zähen Verhandlungen mit der Bancroft-Familie in den Besitz des "Wall Street Journals". Unter seiner Ägide führte er erfolgreich eine Zahlmauer für den Zugang zur Webseite ein. Mittlerweile verzeichnet der Onlineauftritt 1,1 Millionen zahlende Abonnenten. Kritiker, wie etwa der "New York Times"-Redakteur David Carr, werfen Murdoch jedoch vor, das "Wall Street Journal" innerhalb von zwei Jahren in ein rechtes Meinungsblatt verwandelt zu haben, das mehr Wert auf Stimmungsmache gegen die Obama-Administration als auf nüchterne Berichterstattung aus der Finanzwelt legt. Bei der im Sommer 2010 gestarteten "Greater New York"-Sparte des Journals handelt es sich um nichts anderes als einen Frontalangriff auf die "New York Times" und Verleger Arthur Sulzberger, Murdochs Erzfeind im Zeitungswesen.

Bücher
1989 akquirierte News Corp. den britischen Traditionsverlag Collins und fusionierte ihn mit dem US-amerikanischen Verlag Harper & Row. Heute veröffentlicht Harper Collins Bücher über 30 Verlagstöchter. Die erfolgreichste Veröffentlichung der jüngsten Zeit war "Going Rogue", die von einem Ghostwriter verfasste Autobiographie der 2008 gescheiterten Vize-Präsidentschaftskandidatin Sarah Palin.

Internet
Fox Interactive Media wurde 2005 als neuer Internet-Bereich aufgebaut. Bis Mai 2006 wurden für digitale Medien mehr als 1,5 Milliarden Dollar ausgegeben. Zu den Neuerwerbungen gehörten die Videospiel-Websites von IGN Entertainment, das Lifestyle-Portal AskMen.com, die College-Sport-Website scout.com, das Job-Portal Simplyhired.com, der IMDB-Konkurrent Rotten Tomatoes sowie die Foto-Sharing-Site Photobucket. Gemeinsam mit NBC wurde die TV-Streamingplattform Hulu gestartet, die bereits ausgestrahlte Fernsehprogramme von NBC und Fox in Nordamerika online abrufbar macht und durch Werbung finanziert wird. Inzwischen wurden Rotten Tomatoes und Photobucket wieder verkauft, da sie nicht den gewünschten Profit abwarfen. Der größte Flop in der Unternehmensgeschichte war jedoch der Kauf der inzwischen in der Versenkung verschwundenen Social Community MySpace. 2005 für knapp 600 Millionen US-Dollar gekauft, trennte sich News Corp. sechs Jahre später wieder von dem Netzwerk, das einst mehr Mitglieder hatte als Facebook. Um die Online-Aktivitäten besser zu koordinieren, wurde Ende März 2009 eigens der Posten des "Chief Digital Officer" geschaffen, der von dem AOL-Veteran Jonathan Miller bekleidet wird.

Games
Im April 2010 wagte News Corp. einen ernsthaften ersten Schritt in den Video- und Computerspiel-Sektor. Der Konzern kaufte für eine nicht bekannte Summe das Drei-Mann-Unternehmen Irata Labs, das zuvor mit dem Twitter-Spiel "Spymaster" auf sich aufmerksam gemacht hatte. Im Februar 2011 folgte der Kauf der Social-Games-Publisher Making Fun, der sich auf Spiele für Social Communities und Smartphones spezialisiert hat. Die Games-Sparte von News Corp wird von Sean Ryan angeführt.


Bildung
Seit 2010 hält News Corp. 90 Prozent der Anteile an Wireless Generation, einer New Yorker Firma, die interaktive Bildungssoftware produziert. Die Lernsparte wird von Joel Klein geleitet, der zuvor Vorsitzender des New Yorker Bildungsministerium war.

Sonstiges
Die Sparte News America Marketing generiert ihren Umsatz durch die Veröffentlichung von Zeitungs-Coupons für Lebensmittel und das Aufstellen von Werbematerial innerhalb von Supermärkten. Im Februar 2010 erklärte sich das Management von News America im Rahmen eines Rechtsstreits dazu bereit, 500 Millionen US-Dollar an Konkurrent Valassis Communications zu zahlen, um sich außergerichtlich zu einigen. News America wird vorgeworfen, kleineren Rivalen geschadet zu haben, indem Mitarbeiter bedroht und deren Computer ausgespäht wurden. Chef von News America Marketing ist Paul Carlucci, der bekannt ist für seine zweifelhafte Geschäftsführung. Carlucci erklärte seinen Untergebenen jüngst, dass sie ersetzt würden, wenn sie "liberale Bettnässer" seien. Um die Belegschaft zu motivieren, zeigte er eine Szene aus dem Film "The Untouchables", in der Al Capone einen unloyalen Mitstreiter mit einem Baseball-Schläger totschlägt.


Dossier

Medienpolitik

Die neuen technischen und inhaltlichen Entwicklungen der digitalen Medien sind eine Herausforderung für Medienmacher, Publikum und Politik. Journalisten müssen beispielsweise immer mehr Informationskanäle beobachten und große Mengen an Daten auswerten. Für die Bürger können die Veränderungen in der Medienlandschaft zu einer stärkeren (politischen) Beteiligung führen und Medien werden genutzt, um für politische Belange Aufmerksamkeit zu erzeugen. Neue Entwicklungen wie soziale Medien oder das Internet der Dinge werden bezüglich des Daten- und Verbraucherschutzes kontrovers diskutiert. Das Dossier möchte Grundlagen zum Rundfunk- und Medienrecht vermitteln, die neuen Herausforderungen und Nutzungsmöglichkeiten aufzeigen und eine kritische Auseinandersetzung mit der sich ständig wandelnden Welt der Medien und der sie regulierenden Medienpolitik fördern.

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