BUNDESTAGSWAHL 2021 Mehr erfahren
LED-Fernseher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin

1.9.2012

News Corp. Ltd.

Umsatz 2011: $ 33,405 Mrd. (€ 23,998 Mrd.)

Aktuelle Entwicklung

Aufspaltung des Unternehmens
Der im Juni 2012 verkündete Plan, News Corp. in zwei separate Unternehmen aufzuspalten - einen Zeitungs-, Buch- und Bildungskonzern und ein Film- und Fernsehunternehmen - wurde von Aktionären und Teilen der Führungsebene mit Erleichterung aufgenommen. News Corps Nummer Zwei Chase Carey war der defizitäre und skandalerschütterte Zeitungsarm schon seit geraumer Zeit ein Dorn im Auge. Doch was nun vom Unternehmen und Rupert Murdoch selbst als Befreiungsschlag und wirtschaftlich sinnvoll bezeichnet wird, ist laut Experten nur Indiz, wie stark der Konzern vom britischen Abhörskandal wirklich getroffen wurde. Zeitungs-Nostalgiker Murdoch könnte der Ausgliederung (falls sie tatsächlich umgesetzt wird) nur zusgestimmt haben, um einen Putsch zuvorzukommen. Goldman Sachs beziffert den Wert des neuen ausgegliederten Print-Unternehmen, dass 175 Zeitungen umfasst, übrigens auf fünf Milliarden US-Dollar. Genauso viel zahlte Murdoch 2007 allein für die Übernahme einer einzelnen Zeitung, des "Wall Street Jounal".

2011 wurde News Corp. im Wesentlichen von drei Themen dominiert: der Abhörskandal in Großbritannien, die Einführung einer Bezahlwand für sämtliche Onlineinhalte, sowie die millionenschwere Lobbyarbeit zwecks Beeinflussung der Politik.

Abhörskandal
Der Skandal bezüglich illegaler Abhöraktionen bei der britischen Sonntagszeitung "News of the World" droht zumindest in Großbritannien den Anfang vom Ende der Meinungsmacht des Murdoch-Imperiums einzuläuten. Noch ist nicht abzusehen, welche weiteren Wellen die Affäre schlagen wird (das FBI untersucht gegenwärtig, ob News Corp.-Angestellte auch in den USA Opfer von Terrorattacken abgehört haben). Andere internationale Geschäftsaktivitäten - etwa der Vorstoß in den US-Bildungsmarkt oder die Expansion der internationalen Fox-Senderkette - gestalten sich zunehmend schwieriger in Anbetracht der Verfehlungen in Großbritannien.

Wenn die Affäre etwas Positives hat, dann dass die alte Debatte über Meinungsmacht und das Verhältnis zwischen Medien, Politik und Polizei neu entflammt ist. Rupert und James Murdoch räumten bei ihren Anhörungen im April 2012 vor dem Parlament zwar Versäumnisse ein, stritten jedoch erneut ab, persönlich von den Abhöraktionen gewusst zu haben. Auch vom Vorwurf, über Jahrzehnte hinweg britische Politiker im Gegenzug für positive Berichterstattung manipuliert zu haben, wollten beide nichts wissen. Kritiker bescheinigten den Murdochs daraufhin Realitätsverlust. Der Abschlussbericht des parlamentarischen Untersuchungsausschuss bezeichnete Rupert Murdoch in der Folge als "ungeeignet, ein Medienunternehmen zu führen".

Paid Content-Strategie
Rupert Murdochs Festhalten an einem sich im Sterben befindlichen Zeitungsgeschäft wurde lange als von Nostalgie geblendete Altersstarrheit interpretiert. Wenn sich News Corp. weiter an chronisch defizitäre Medien wie der "New York Post" oder der britischen "Times" festklammert, so die Sorge einiger Analysten, könnten die Verluste anhalten.

Um seine Kritiker Lügen zu strafen, sollen schrittweise alle Websiten von News Corps 174 Zeitungen ihren frei zugänglichen Content entfernt haben und stattdessen Bezahlabos anbieten - wobei der quantitative Niedergang der Leserschaft billigend in Kauf genommen wird. Zudem wurde Anfang 2011 eine neue Zeitung ("The Daily") ins Leben gerufen werden, die ausschließlich kostenpflichtig als App für Tablet-PC vertrieben wird (unmittelbar nach Launch jedoch als täglicher Gratis-Scan im Netz kursierte). Ein Jahr nach Start verzeichnet The Daily zwar 100,000 Nutzer, die jede Woche 99 cent bezahlen, mit seiner General Interest-Ausrichtung hat es das Blatt aber bislang nicht in den nationalen Diskurs geschafft. Nach den Präsidentschaftswahlen 2012 könnte das Experiment bereits wieder eingestellt werden.

Neben dem Webauftritt des Wall Street Journals, das bereits seit geraumer Zeit seine Leser zur Kasse bittet, verschwand im Juni 2010 auch der Onlineauftritt der "Times of London" hinter eine Paywall. Die Inhalte werden auf einer separaten Website nur gegen Bezahlung abrufbar gemacht, wobei der Preis für einen 24-stündigen Zugriff dem der Printausgabe entspricht (ein Pfund Sterling). Wie der "Guardian" einen Monat nach Beginn des Experiments ausrechnete, verringerte sich der Traffic zur Homepage um 90 Prozent. Im März 2011 hatte die "Times" 79,000 Online-Abonennten, die News Corp. 7,1 Millionen Pfund an Umsatz pro Jahr bescheren, eine Summe, die jedoch zu gering ist, die massiven Verluste der Printausgabe (71 Millionen US-Dollar im Kalenderjahr 2010) auszugleichen. Generell ist die Bereitschaft der Online-Leser Geld für Artikel zu zahlen, gering - seien sie noch so exklusiv und journalistisch hochwertig. Das Zukunftsmodell scheint er in einer "porösen" Bezahlmauer zu liegen, wie sie beim Onlineauftritt der New York Times erfolgreich eingeführt wurde.
Wahlkampf- und Parteispenden
Spätestens seit der im Sommer 2010 bekannt gewordenen Spende von News Corp. von einer Million US-Dollar an die Governors Association der Republikanischen Partei wird der letzte Zweifler einräumen müssen, dass es sich bei Murdochs Unternehmen nicht um einen Dienstleister für "fairen und ausgeglichenen" Journalismus handelt. Die im Vorfeld der Mid-Term-Wahlen getätigten Spenden - neben der Governors Association ging eine weitere Million an die Republikaner-nahe US Chamber of Commerce - überraschen nicht, stimmen sie doch mit den Meinungskolumnen und Kommentaren vom Wall Street Journal und Fox News überein.

Doch die Versuche, die politischen Rahmenbedingungen mit Geld zu beeinflussen, gehen darüber hinaus. Seitdem der Oberste Gerichtshof in den USA im Rahmen seines Urteils "Citizens United" sämtliche Beschränkungen für Konzerne aufgehoben hat, Wahlkampfspenden zu tätigen, hat News Corp. 2010 mindestens weitere 2,4 Millionen US-Dollar an Republikaner-nahe Gruppen gezahlt. Als im Zuge der Mid-Term-Wahlen in Kalifornien über "Proposition 24" abgestimmt wurde (ein Gesetz, das 1,7 Milliarden US-Dollar Steuererleichterungen von großen Konzernen rückgängig gemacht hätte) berichtete Fox Business eine Woche lang über die vermeintlich verheerenden Auswirkungen des Gesetzesentwurf. Den Zuschauern wurde dabei verschwiegen, dass News Corp. 1,3 Millionen US-Dollar an Organisationen zahlte, die "Proposition 24" erfolgreich bekämpften



Dossier

Medienpolitik

Die neuen technischen und inhaltlichen Entwicklungen der digitalen Medien sind eine Herausforderung für Medienmacher, Publikum und Politik. Journalisten müssen beispielsweise immer mehr Informationskanäle beobachten und große Mengen an Daten auswerten. Für die Bürger können die Veränderungen in der Medienlandschaft zu einer stärkeren (politischen) Beteiligung führen und Medien werden genutzt, um für politische Belange Aufmerksamkeit zu erzeugen. Neue Entwicklungen wie soziale Medien oder das Internet der Dinge werden bezüglich des Daten- und Verbraucherschutzes kontrovers diskutiert. Das Dossier möchte Grundlagen zum Rundfunk- und Medienrecht vermitteln, die neuen Herausforderungen und Nutzungsmöglichkeiten aufzeigen und eine kritische Auseinandersetzung mit der sich ständig wandelnden Welt der Medien und der sie regulierenden Medienpolitik fördern.

Mehr lesen