LED-Fernseher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin

1.9.2012

Viacom Inc./CBS Corp.

Umsatz 2011: $ 29,159 Mrd. (€ 20,948 Mrd.)

Geschichte und Profil

Von Filmstudios bis Autostoßstangen – die Aktivitäten des Viacom-Konzerns umfassten seit seiner Gründung die unterschiedlichsten Bereiche. Das Medien-Konglomerat in seiner heutigen Struktur ist das Ergebnis einer Vielzahl von Fusionen und Firmenübernahmen, die bis zu 90 Jahre zurückliegen.

Das 1928 gegründete Radiounternehmen CBS gehörte zunächst der Columbia Phonograph, dann dem Zigarrenbaron Sam Paley. Mit dem Eintritt ins TV-Geschäft in den 1940er Jahren erhielt CBS durch seine hochklassigen Programme den Beinamen "The Tiffany Network". Es war in den 1950er und -60er Jahren lange Zeit die Nummer Eins unter den großen Networks. Trotz vieler Turbulenzen in der Führungsetage konnte CBS seine Spitzenposition bis in die 70er Jahre halten.

1970 verbot die staatliche Telekommunikationsbehörde FCC, landesweiten TV-Networks wie CBS, Sendestationen und Kabelsysteme im gleichen Markt zu betreiben. Daher rief CBS Viacom Inc. ins Leben, das fortan die Programm-Distribution von CBS übernehmen sollte. Im Anschluss erwarb Viacom weitere TV- und Radiostationen und gründete 1978 den Pay-TV-Sender Showtime, der mit dem Warner Bros./Amex-Sender The Movie Channel zu Showtime Networks fusionierte. 1986 erwarb Viacom auch Warners Anteile an Showtime. Im Paket miterworben wurde ein damals noch unbedeutender, kleiner Musikkanal namens MTV, heute eine der weltweit stärksten TV-Marken und ein Sender, der heute über 480 Millionen Haushalte in 179 Ländern erreicht.

1987 erschien Sumner Redstone, bis heute Chef des Branchenriesen, auf der Bildfläche. Schon frühzeitig hatte er das Potenzial der Viacom-Beteiligungen erkannt und erwarb mit seinem Unternehmen National Amusements, Inc. (NAI), einer landesweiten Kinokette, rund 83 Prozent der Viacom-Anteile. Unter Redstones Führung ging Viacom auf Expansionskurs. Zum Aufwärmen wurde 1990 zunächst King Entertainment (Themenparks) aufgekauft. Es folgten 1994 für 8,4 Milliarden Dollar die Videovertriebskette Blockbuster und damit Anteile an der profilierten TV-Produktionsfirma Spelling Entertainment. Noch im gleichen Jahr zog Viacom nach hartem Kampf mit Barry Diller und einem von QVC geführten Konsortium schließlich das Hollywood-Studio Paramount für 10 Milliarden Dollar an sich. Nach der Paramount-Übernahme musste Viacom den hohen Investitionen Tribut zollen und zum Abbau des Schuldenberges Unternehmen abstoßen, darunter das Kabelnetz und zehn Radiostationen.

Das fehlende Glied in der Verwertungskette des Medienkonzerns war nur noch ein landesweites TV-Network. 1995 brachte Viacom gemeinsam mit Chris-Craft zunächst das United Paramount Network (UPN) auf Sendung. In einer der bis dato größten Fusionen der amerikanischen Rundfunkgeschichte übernahm im August 1995 der Elektronik-Konzern Westinghouse für 5,4 Milliarden Dollar CBS. Westinghouse-Chef Michael Jordan begann im Anschluss mit dem Umbau des Konzerns zu einem reinen Medienunternehmen. Beteiligungen am Bau von Atomkraftwerken, Turbinengeneratoren sowie Kühl- und Lüftungssystemen wurden abgestoßen. An alte Radio-Traditionen anknüpfend, erwarb Jordan mit Infinity Broadcasting Corporation die führende Radiokette der USA. Außerdem investierte er ins Kabel-TV-Geschäft und akquirierte u. a. The Nashville Network und Country Music Television . 1997 wurde aus Westinghouse CBS Corp., die 1999 schließlich von Viacom geschluckt wurde.

Doch massive Probleme traten auf. Nach einem erbitterten Rechtsstreit mit Universal wurden die Anteile an dem populärsten US-Kabelsender USA Networks veräußert. Zudem hielt die als Cash Cow eingekaufte Videokette Blockbuster nicht das, was ihr Name versprach. Viacom durchlief eine Krise. 1997 erreichte der Aktienkurs ein Rekord-Tief. In den Folgejahren erholte sich der Konzern und ging erneut auf Einkaufstour. Der größte Deal ist auf das Jahr 2000 datiert. Mit der Übernahme von CBS, für rund 45 Milliarden Dollar, entstand ein Firmenimperium, das mit über 24 Milliarden Dollar Umsatz zu den größten Medienkonzernen weltweit zählte. Mit der Fusion von Viacom und CBS fand zeitweilig wieder zusammen, was schon einmal zusammengehörte.

Nach zahlreichen Investitionen ins Internet übernahm Viacom 2001 für drei Milliarden Dollar die Black Entertainment Holdings (BET), eine Sendergruppe, die sich an Zuschauer afro-amerikanischer Herkunft richtet. 2004 spaltete Viacom die strauchelnden Blockbuster-Videotheken ab, deren Stammgeschäft zunehmend von der Konkurrenz neuer Medien bedroht wurde. Anfang 2006 wurde der Konzern zweigeteilt. Seither existieren die CBS Corp. und (new) Viacom Inc. parallel.


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