LED-Fernseher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin

1.9.2012

Viacom Inc./CBS Corp.

Umsatz 2011: $ 29,159 Mrd. (€ 20,948 Mrd.)

Management

Viacom-Chef Redstone präsentiert sich gerne als Verkörperung des amerikanischen Gründermythos'. Sein Vater zog als Linoleum-Händler in Boston von Haus zu Haus, bis er sich entschloss, ein Drive-In-Kino zu betreiben und den Familiennamen von Rothstein in Redstone umwandelte. Der Sohn ging zunächst nach Harvard, absolvierte die Law School, arbeitete im Justizministerium, ließ sich zwischenzeitlich als Anwalt nieder, um schließlich doch den Familienbetrieb zu übernehmen – die Saat seines Medienimperiums. Es war seine Zähigkeit, so Redstone in seiner Autobiographie, die während eines Hotelbrands aus dem Fenster hängend sein Überleben sicherte, dieselbe Zähigkeit, mit der er sich beim Aufbau seines Medienimperiums gegen alle Widerstände durchsetzte.

Doch so unbestritten Redstones Status als Unternehmer ist, seine Management-Fähigkeiten wurden immer wieder in Frage gestellt. In der Branche wird er nicht eben als praxisnaher "Hands-on-Executive" gerühmt. Zudem gilt er als schwieriger Chef, der niemanden neben sich duldet, in seiner Personalpolitik nicht auf Kontinuität setzt und Entscheidungen gerne aus dem Bauch heraus fällt. Spannungen gab es auch im Verhältnis Redstones zu Viacom-COO Mel Karmazin. Der ehemalige Radiomanager, als rigoroser Kostendrücker und Sanierer berüchtigt, war 2000 an die Viacom-Spitze berufen worden. Es gelang Karmazin jedoch nicht, den stagnierenden Aktienkurs des Unternehmens zu beflügeln. Belastend wirkte auch die anhaltend schwache Performance der Radiosparte Infinity – ein Bereich, mit dem Karmazin persönlich identifiziert wurde. Im Juni 2004, nach vier konfliktreichen Jahren, zog der Manager schließlich die Konsequenzen und trat von seinem Posten zurück.

Seitdem regieren die "Golden Boys of Television". Mit MTV-Chef Tom Freston und CBS-Chef Leslie Moonves installierte Sumner Redstone ein Gespann verdienstvoller TV-Manager an der Spitze des Konzerns. Freston war es gelungen, die Kabel-TV-Gruppe um MTV als Wachstumsmotor im Konzern zu etablieren. Moonves verdiente sich vor allem seine Meriten, indem er das siechende CBS Network in weniger als zehn Jahren wieder an die Branchenspitze zurückführte. Der Wechsel an der Konzernspitze wirkte entspannend nach innen wie nach außen. Karmazin war für sein hartes Kostenmanagement und seine konservative Einstellung gegenüber Investitionen in neue Geschäftsbereiche bekannt gewesen. Die Neuen, Moonves und Freston, gelten hingegen als smarte Business-People, die einen eher stilleren, pragmatischen Stil pflegen.

Im September 2006 kam es jedoch erneut zu einem Wechsel an der Konzernspitze. Dabei wurde Viacom-Eigner Sumner Redstone einmal mehr seinem Ruf als wenig zimperlicher Konzernherr gerecht. Wegen Meinungsverschiedenheiten im Hinblick auf die Internet-Strategie des Unternehmens und wohl auch aus Enttäuschung über die anhaltend schwache Performance der Viacom-Aktie feuerte Redstone den verdienten TV-Manager Freston nach dessen über 26-jähriger Konzernzugehörigkeit. Vor allem wurmte es den 82-Jährigen, bei der Übernahme der erfolgreichen MySpace -Webseite hinter Konkurrent Rupert Murdoch (News Corp. in der Mediendatenbank) das Nachsehen gehabt zu haben – was er vor allem Freston ankreidet. Besser machen soll es nun Phillipe Dauman (52), der an Frestons Stelle als President und CEO rückt, im Team mit Tom Dooley (49) auf dem neu geschaffenen Posten als Senior Vice President und Chief Administration Officer. Dauman, der bereits in den 90ern als Deputy Chairman im Unternehmen seinen Dienst verrichtete, gilt als Spezialist in Sachen Unternehmensübernahmen und war bereits in der Vergangenheit an zahlreichen Viacom-Deals beteiligt. Fortan soll dem Entertainment-Riesen kein wichtiger Deal durch die Lappen gehen. Die Spekulationen unter Analysten gegen Ende letzten Jahres, Viacom trage sich mit dem Plan einer Großfusion mit Firmen wie Yahoo! oder Comcast, haben bislang keine neue Nahrung erhalten.

Sumner Redstone hat Ende November 2006 wieder mit Personalquerelen zu kämpfen. Ein Neffe Redstones klagt gegen den Unternehmer. Er erhebt Anspruch auf einen Teil des Imperiums. Im Frühjahr 2006 war bereits Redstones Sohn Brent per Gericht gegen seinen Vater vorgegangen. Beide wollen nicht einsehen, dass alle Familienanteile der diversen Medienholdings von Redstone persönlich kontrolliert werden. Mit seinem Sohn konnte sich Redstone inzwischen einigen und dieser hat die Firma bereits verlassen. Obwohl eine Einigung mit dem Neffen noch aussteht, deutet nun vieles darauf hin, dass Redstone nicht fürchten muss, an Macht zu verlieren.

Kaum weniger spektakulär vollzog sich die Abkehr Redstones von seiner Tochter Shari, die (noch) an der Spitze der Familienholding National Amusements steht und bereits als seine Nachfolgerin auserkoren war. Vor Reportern eines amerikanischen Hochglanzmagazins gab Redstone auf die Frage nach seiner Nachfolge zu Protokoll, dass Shari in Ungnade gefallen sei: "Meine Tochter und ich haben freundliche Geschäftsdifferenzen", so Redstone. Jüngsten Presseberichten zufolge bahnt sich nun aber offenbar eine Einigung zwischen Vater und Tochter an, Shari hat sich angeblich bereit erklärt, für die Kontrolle über die konzerneigenen Kinoketten auf Anteile an der Dachgesellschaft Viacoms zu verzichten. Mit Finanzchef Michael Dolan verlor Viacom Ende 2007 einen weiteren Spitzenmanager. Dolans Aufgaben übernimmt der mächtige Verwaltungschef Thomas Dooley zusätzlich zu seinen eigenen.

Sumner Redstone lässt trotz seiner 83 Jahre keinen Zweifel daran, dass er alle Zügel im Unternehmen fest in der Hand hält und nur er persönlich über Regisseure wie Oliver Stone, Trickfiguren wie "Spongebob" und" Shrek" oder Fernsehstars wie David Letterman entscheidet. Mit dem Satz "Ich bin Viacom", verdeutlichte er Reportern gegenüber im Winter 2006 seine Position im Konzern.


Dossier

Medienpolitik

Die neuen technischen und inhaltlichen Entwicklungen der digitalen Medien sind eine Herausforderung für Medienmacher, Publikum und Politik. Journalisten müssen beispielsweise immer mehr Informationskanäle beobachten und große Mengen an Daten auswerten. Für die Bürger können die Veränderungen in der Medienlandschaft zu einer stärkeren (politischen) Beteiligung führen und Medien werden genutzt, um für politische Belange Aufmerksamkeit zu erzeugen. Neue Entwicklungen wie soziale Medien oder das Internet der Dinge werden bezüglich des Daten- und Verbraucherschutzes kontrovers diskutiert. Das Dossier möchte Grundlagen zum Rundfunk- und Medienrecht vermitteln, die neuen Herausforderungen und Nutzungsmöglichkeiten aufzeigen und eine kritische Auseinandersetzung mit der sich ständig wandelnden Welt der Medien und der sie regulierenden Medienpolitik fördern.

Mehr lesen

Dossier

Deutsche Fernsehgeschichte in Ost und West

Hier der "Tatort", dort der "Polizeiruf", hier die "Tagesschau, dort die "Aktuelle Kamera": Diese Sendungstitel stehen für TV-Ikonen in Ost und West. Welche Brüche und Gemeinsamkeiten zeichnet die Fernsehgeschichte im geteilten Deutschland aus? Was hat sich seit der Wende verändert?

Mehr lesen