LED-Fernseher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin

1.9.2012

Time Warner Inc.

Umsatz 2011: $ 28,974 Mrd. (€ 20,815 Mrd.)

Geschichte und Profil

Time Inc. entstand 1922. Die Gründer, Henry Luce und Briton Hadden waren damals erst 25 Jahre alt. Die Schulfreunde und späteren Kommilitonen in Yale hatten schon eine Weile mit dem Gedanken gespielt, ein wöchentliches Nachrichtenmagazin auf den Markt zu bringen. 100.000 US-Dollar wollten sie von Investoren einsammeln, um diese damals revolutionäre Idee umzusetzen. Doch sie mussten mit 86.000 Dollar auskommen, die sie von 72 Geldgebern zusammenkratzten. Am 3. März 1923 war die erste Ausgabe von Time an den Kiosken. Der Erfolg war enorm. Es dauerte nicht lange bis weitere Zeitschriften folgten: die Foto-Illustrierte Life, das Wirtschaftsmagazin Fortune, das Tratschblatt People. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Time Inc. nicht nur der größte Magazinverlag der USA, sondern weltweit. Leidenschaftliche Schreibe statt nüchterner Stil war das journalistische Konzept für die Zeitschriften. Als Verleger Luce einmal wegen der mangelnden Objektivität seiner Blätter kritisiert wurde, meinte er: „Wir erzählen die Wahrheit so, wie wir sie sehen.“

Das Filmstudio Warner Brothers entstand 1923, also nur ein Jahr nach dem Time-Verlag. Trotz der zeitlichen Nähe hätten die Umstände kaum unterschiedlicher sein können. Time Inc. entstand in New York City, dem Zentrum der US-Wirtschaftselite. Ihre jungen Gründer waren stark mit dem Establishment verbunden. Warner Brothers öffnete seine Pforten hingegen in einem hinterwäldlerischen Vorort von Los Angeles, wo es außer Sonne damals nicht allzu viel gab: Hollywood. Als Söhne polnischer Immigranten war den vier Brüdern Harry, Albert, Jack und Sam Warner eine Universitätsausbildung nicht vergönnt. Fasziniert vom Zauber der Filmwelt – damals noch in Schwarzweiß und ohne Ton – mieteten sie sich am Sunset Boulevard billige Geschäftsräume, um ihre ersten Zelluloidwerke zu produzieren. Der Anfang war hart, doch 1927 gelang mit „The Jazz Singer“ der Durchbruch. Es war der erste Tonfilm der Geschichte. Jack Warner bezweifelte anfangs die Erfolgschancen. „Wer will schon Filme sehen, in denen gesprochen wird?“, war seine erste Reaktion, als ihm das Projekt präsentiert wurde. Er und seine Brüder rangen sich trotzdem durch, „The Jazz Singer“ zu produzieren. Sie sollten es nicht bereuen. Mit den Gewinnen konnten sie sich ein großes Grundstück in Burbank nördlich von Hollywood kaufen und dort endlich ein richtiges Filmstudio betreiben. Das Gelände ist bis heute in jedem Warner Brothers Film im Vorspann zu sehen. Anders als Metro-Goldwyn-Mayer konzentrierten sich die Warner Brothers nicht auf glamouröse Monumentalfilme, sondern auf weniger riskante Produktionen, vor allem Gangsterfilme und Liebesdramen. Das brachte zwar weniger spannende Schlagzeilen, unterm Strich aber gesunde Geschäftszahlen. Zudem gab es hin und wieder Überraschungserfolge wie „Casablanca“ (1942) oder „Der Exorzist“ (1973). In den 1950er und 1960er Jahren erweiterte Warner sein Geschäftsfeld auf die Fernsehfilm- und Schallplattenproduktion.

1969 kaufte der CEO von Kinney National Service, Steven Ross, Warner Brothers für 400 Millionen US-Dollar. Nach zwei Jahren wurde der Merger in Warner Communications umbenannt und Steven Ross läutete mit seiner Unternehmenspolitik eine neue Ära ein. So wird er von Tim Wu in „The Master Switch“ als das „erste Exemplar des neuen Archetyps eines großen Medienmoguls“ bezeichnet. Er gelte als Modell für andere Firmen und Unternehmer wie Disneys Michael Eisner oder Barry Diller (Paramount). Das erste Medienkonglomerat umfasste in den 80er Jahren neben dem Warner Bros. Filmstudio, DC Comics, das Mad Magazine, den Videospieleentwickler Atari und das Fußballteam New York Cosmos. Ziel der Integration dieser verschiedenen Unternehmen ist die Erzeugung von Synergien.

Im Jahre 1989, mehr als 60 Jahre nach ihrer Gründung, entschlossen sich die amtierenden Chefs von Warner und Time zu einer Fusion. Geleitet wurden sie dabei von der Vorstellung, dass es wirtschaftlich sinnvoll sei, möglichst viele Mediengattungen unter ein Dach zu bringen. Die Idee eines so genannten „integrierten Medienkonzerns“ war geboren. Sie sollte in den folgenden Jahren viele weitere Fusionen in der Branche inspirieren. Obwohl sieben Jahre nach dem Zusammenschluss noch immer nicht ersichtlich war, ob und wie das geplante Zusammenspiel zwischen Film, Musik und Print wirklich funktioniert, entschloss sich der damalige Konzernchef Gerald Levin zu einem weiteren Milliarden-Deal: Er kaufte 1996 die CNN-Gruppe, zu der neben dem gleichnamigen Nachrichtensender auch Themenkanäle wie TNN und TNT sowie ein großes Filmlager gehörten, von Ted Turner für 8,5 Milliarden Dollar in Aktien. Der wegen seiner stark schwankenden Stimmungen oft als manisch-depressiv eingestufte Turner hatte im Jahre 1979 von Atlanta aus den ersten Sender gestartet, der rund um die Uhr Nachrichten zeigte. Anfangs wegen der ständigen Versprecher seiner jungen Korrespondenten als „Chicken Noodle Network“ verlacht, mauserte sich Turners „Cable News Network“ (CNN) in wenigen Jahren zur weltweiten Autorität für Nachrichten. Der Clou dabei: Auch dieses Geschäftsmodell funktionierte. Das bislang wenig profitable Genre der TV-Nachrichten brachte Turner satte Gewinne.

Am 10. Januar 2000 erfuhr die Welt, dass Levin mit dem CNN-Kauf seinen Appetit noch immer nicht gestillt hatte. Der Manager überraschte die Öffentlichkeit mit der Ankündigung, dass Time Warner mit dem Internetanbieter AOL verschmelzen werde. Der weltgrößte Betreiber klassischer, „alter“ Medien vereinte sich mit dem erfolgreichsten Spieler der digitalen, „neuen“ Medien. Betäubt vom Internetfieber der Börse feierte die Welt die Fusion damals als Meilenstein für die endgültige Transformation der Old in eine New Economy. Dass nach den Fusionskonditionen die AOL-Aktionäre 55 Prozent des gemeinsamen Giganten „AOL Time Warner“ halten würden, obwohl Time Warner mit 27,3 Milliarden Dollar Umsatz neun Mal größer war als AOL (Umsatz: 3,1 Milliarden Dollar) und auch mehr als doppelt soviel Nettogewinn erwirtschaftete (1,95 Milliarden Dollar gegenüber 762 Millionen Dollar), erschien damals völlig gerechtfertigt. Nach der Börsenbewertung hätte den AOL-Eignern sogar 70 Prozent zugestanden.

Die Warner Music Group (WMG), eine der vier größten Plattenfirmen weltweit, wurde im Februar 2004 von Time Warner an eine Investorengruppe unter der Leitung von Edgar Bronfman jun. verkauft, beteiligt an WMG ist nun auch der in Deutschland bekannte Haim Saban. Hauptsitz der Warner Music Group Germany Holding GmbH ist Hamburg.

Nach der Abspaltung von Warner Music wurde im Februar 2006 eine weitere Konzernsparte, die seit 2003 zum Verkauf stehende Time Warner Book Group von der französischen Mediengruppe Lagardère für 237,5 Millionen Dollar übernommen. Lagardère wird durch die Fusion zum drittgrößten Verlag der Welt. 2003 platzte kurz vor Abschluss ein Deal mit der Bertelsmann AG. Die Time-Warner-Verlagssparte steigerte ihre Werbeeinnahmen und trennte sich vom schwachen Time-Life-Direktmarketinggeschäft.

Die Fusion zwischen alten (Time Warner) und neuen Medien (AOL) blieb weitgehend erfolglos, weil es der Konzern verpasste, sinnvolle Synergien zu schaffen. Jeff Bewkes hat dem Online-Unternehmen daher eine radikale Neuausrichtung verordnet. AOL-Chef Jonathan Miller verkaufte folglich Ende März 2006 ein 5 Prozent-Anteils-Paket von AOL an den Konkurrenten und Suchmaschinengiganten Google für 1 Milliarde Dollar, mit dem Ziel, künftig mehr AOL-Inhalte auf Google-Resultatseiten gelistet zu finden. Auch verkaufte Miller das Zugangsgeschäft von AOL Deutschland im September 2006 an die Telekom Italia und deren Hamburger Tochter HanseNet für 675 Millionen Euro. Time Warner trennte sich kurz darauf vom AOL-Internetzugangsgeschäft in Frankreich für 365 Millionen Dollar, und die britische Carphone Warehouse Group erhielt im Oktober 2006 den Zuschlag für das Internet-Zugangsgeschäft von AOL in Großbritannien, was 370 Millionen Pfund (548 Millionen Euro) in bar eintrug. Durch den Verkauf des Zugangsgeschäfts in Deutschland, Frankreich und Großbritannien für insgesamt etwa 1,9 Mrd. Dollar steigerte die einstige Problemsparte AOL ihr operatives Einkommen um 38 Prozent auf 397 Mio. Dollar. Seit 2006 ist AOL ein werbefinanziertes Portal mit Nachrichten, Kleinanzeigen und Softwareanwendungen, das auch eine Kontextsuche mittels der Suchtechnologie von Surphace (bis Oktober 2009 Sphere) anbietet.

Im März 2006 startete Time Warner über das AOL-Portal das Angebot In2TV (heute: AolTV), über das die Nutzer Serienklassiker aus den eigenen Warner-Studios (z.B. „Two and a half men“, „Kotter“ oder „Beetlejuice“) abrufen können. Dabei setzte das Unternehmen auf Werbeeinnahmen anstelle von Download-Gebühren. Pro 30 Minuten Film werden bis zu zwei Minuten Werbespots gezeigt. Zudem können Anzeigen neben den Filmangeboten auf der Website lanciert werden.

Time Warner kaufte im Juli 2009 den Google-Anteil von 5 Prozent, den Google 2005 für rund 1 Mrd. US-Dollar erworben hatte, zurück, um diesen Teil an die Börse zu bringen. Google sah keine andere Chance, hat jedoch wohl weit weniger für seine Aktien erhalten, als es einst für sie ausgegeben hatte. Im letzten Quartal 2008 hatte Google 726 Millionen Dollar auf den Wert seiner AOL-Anteile abschreiben müssen.

Es dauerte nicht lange, bis die Internet-Blase an den Aktienmärkten platzte – und mit ihr die Euphorie. AOL Time Warner geriet in eine tiefe Krise. Levin trat im Juni 2002 als Chief Executive Officer zurück, AOL-Gründer Steve Case musste ein Jahr später seinen Posten als Chairman räumen. Neuer starker Mann im Konzern wurde Richard „Dick“ Parsons, ein Eigengewächs aus dem Hause Time Warner. Parsons besann sich wieder auf die Werte der „alten“ Medienwelt. Es gelang ihm, den schwer angeschlagenen Konzern zu sanieren und wieder auf Wachstumskurs zu bringen. Im Herbst 2003 strich er die drei Buchstaben „AOL“ aus dem Konzernnamen. Time Warner war wieder Time Warner. Ende 2009, nach acht Jahren, spaltete Time Warner Inc. seine Internetsparte AOL schließlich ab. Die Internetsparte wurde aus dem Konzern herausgelöst und am Folgetag als eigenständiges Unternehmen an der Börse gehandelt. Der Chef des Umbaus und der Mann, der AOL für die Börse aufhübschen soll, heißt seit Frühling 2009 Tim Armstrong, er ist ehemaliger Google-Manager. In Europa hatte sich der Konzern längst vom AOL-Geschäft mit Internetzugängen getrennt. Damit wird der Zusammenschluss zweier Unternehmen, der den Aktionären Rekordverluste einbrachte, rückgängig gemacht.

In den folgenden Jahren äußerte sich die Rückbesinnung auf einen reinen Medienkonzern (Dekonstruktion) in der Trennung von Time Warners Kabelgesellschaft Time Warner Cable. Im März 2009 wurde die bereits seit 2005 vorbereitete Trennung vollzogen und die Aktienanteile von 85 Prozent (9,25 Milliarden US-Dollar) an die derzeitigen Anteilseigner verkauft.



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