LED-Fernseher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin

1.9.2012

Time Warner Inc.

Umsatz 2011: $ 28,974 Mrd. (€ 20,815 Mrd.)

Geschäftsfelder

Film und Unterhaltung: Das Time-Warner-Film- und Unterhaltungsgeschäft mit Warner Bros., New Line Cinema und DC Entertainment erwirtschaftet seit mehreren Jahren konstant gute Zahlen. Die Eine-Milliarde-Dollar-Marke wird seit zehn Jahren in Folge von der Warner Bros. Pictures Group überschritten. Erfolge brachten beispielsweise New Lines’ „Herr der Ringe“-Franchise sowie andere Kino-Hits wie „Inception”, „Kampf der Titanen” oder „Valentinstag”.

Um Kosten zu sparen, wurde das Time Warner Hollywood-Studio New Line Cinema („The Lord of the Rings", "Nightmare on Elm Street", "Rush Hour" oder "Austin Powers“) in den größeren Konzernbereich Warner Bros. Entertainment Studio integriert.

Time Warner vertreibt seit Mai 2009 Filme und TV-Sendungen über seinen Long Tail-Service. Um „Klassiker“, ältere Fernsehshows und -serien und nicht stark nachgefragte Kinofilme jenseits der DVD loszuwerden, können sich Nutzer einloggen, um Ladenhüter-Filme der „Warner Archive Collection“ zu verschiedenen Gebühren herunterzuladen. Das Unternehmen verfügt über die Lizenzrechte von 6000 Filmen.

Als eine der „größten strategischen Chancen“ sieht Warner Bros. Entertainment den schnell wachsenden Markt für den Digitalvertrieb. Der Schwerpunkt liegt vor allem im Heimvideo-Bereich, in dem sich Time Warner insbesondere im Verkauf von DVDs und Blu-rays als das international marktführende Studio beschreibt. Im Jahr 2011 gewann vor allem der Vertrieb über Video-on-Demand-Plattformen sowie Electronic-Sell-Through (EST, Erwerb von Filmen oder Serien über elektronische Netzwerke) an Bedeutung, welcher über die Unternehmenstochter Warner Bros. Digital Distribution abgewickelt wird.

Fernsehen: Die ertragreichsten Unternehmen des Konzerns sind Home Box Office (HBO) und Turner Broadcasting Systems (TBS) mit CNN, TNT und dem Cartoon Network. TNT ist zu einem der meist beachteten Kabelkanäle der USA geworden, der Relaunch der TBS Superstation als Comedy-Plattform war ebenfalls erfolgreich. In mehr als 200 weiteren Staaten ist Turner mit einem breiten Portfolio, das auch digitale Inhalte umfasst, vertreten.

Die beiden Sender HBO und Cinemax in dem Netzwerk Home Box Office finanzieren sich nicht über Werbung, sondern über Abonnentenerlöse. Während HBO laut Unternehmensangaben zum führenden Pay-TV-Kanal der USA avancierte, zählen HBO und Cinemax weltweit zusammen 93 Millionen Abonnenten.Die mittlerweile auf 19 Digitalkanäle angewachsene Sendergruppe gilt als Cash Cow im Time-Warner-Konzernverbund. Im Geschäftsjahr 2011 erwirtschaften Home Box Office und Turner Broadcasting Systems mit einem Umsatz von 13,65 Milliarden US-Dollar fast die Hälfte (47 Prozent) des gesamten Konzernumsatzes. Frühzeitig setzte HBO auf eine aufwändige Eigenproduktionsstrategie, die in der Branche mit demütiger Hochachtung verfolgt wird. Mittlerweile machen hochwertige Eigenproduktionen rund ein Drittel der Sendezeit aus. Diesen Standard gilt es zu bewahren, damit auch die Kundenzahl gehalten werden kann.

Seit Anfang Februar 2011 werden Sendungen und Filme von TNT, TBS, CNN, HLN, truTV, Turner Classic Movies, Cartoon Network und Adult Swim auf der Comcast-Plattform Xfinity als Video-On-Demand angeboten. Zudem gibt es immer mehr Filme und Serien auch online sowie mobil. HBO Go und MAX Go sind über iPad, iPhone, iPod touch und einige Android Smartphones zu empfangen. Andere Plattformen wie Samsungs Smart TV oder Microsofts Xbox Spielkonsole werden ebenfalls für die Verbreitung genutzt. Der Bereich der mobilen Nutzung soll weiter ausgebaut werden.

Jüngst kaufte Turner Broadcasting Anfang August die Sportwebsite Bleacher Report. Es handelt sich laut comScore um die drittmeistbesuchte Sportnachrichtenwebsite in den USA. Insidern zufolge soll Turner 175 Millionen US-Dollar für die Website gezahlt haben, auf der engagierte Fans die Nachrichten mitgestalten. Mit dieser neuen Akquisition kann Turner Werbekunden bessere Pakete verkaufen und Inhalte cross-medial publizieren.

Verlage:Time Warners ältester Besitz, die Time Inc., ist laut Unternehmensangaben die Nummer Eins unter den US-Magazinverlagen und bietet derzeit 95 Titel in seinem Portfolio an. Time Inc. ist Herausgeber von "People", "Fortune" oder "Sports Illustrated". Die im Zuge der Finanzkrise schrumpfenden Anzeigenerlöse führten Ende 2008 nicht nur zu einer Streichung von 600 Stellen (sechs Prozent aller Time-Angestellten), sondern auch zu einer stärkeren Zentralisierung des Managements der verschiedenen Magazintitel. Alle Magazinmarken sind in die vier Gruppen Nachrichten, Sport, Unterhaltung und Lebensstil eingeteilt. Erfolgreiche Titel werden cross-medial online, über das Fernsehen, Satellitenradios, mobile Dienste oder in Form von Veranstaltungen verwertet. Laut Unternehmensangaben erreichen die Time-Publikationen fast jeden zweiten erwachsenen US-Bürger (138 Millionen erwachsene Time-Leser). Im Gegensatz zur Strategie des Gesamtkonzerns setzt Time Inc. auf die Transformation in einen Multi-Plattform-Verlag, der Inhalte kreiert, verkauft und an den Kunden liefert. Somit verfolgt das Unternehmen langfristig eine Abdeckung der vertikalen Wertschöpfungskette. Derzeit werden hinsichtlich der medialen Ebene vor allem im Onlinebereich Erfolge erzielt. Die Webseiten erreichen monatlich 50 Millionen Nutzer, sodass Time Inc. zu den 20 größten Medienunternehmen online zählt. Vor allem das Angebot für mobile Dienste wurde in den letzten beiden Jahren auf- und ausgebaut.

Die bestehende Weigerung von Time Inc., sich Apples Zeitschriftenkiosk Newsstand anzuschließen, wurde im Juni 2012 aufgebrochen. Der Grund für diesen Sinneswandel ist personeller Natur: Seit Januar 2012 ist Laura Lang neue Geschäftsführerin, die einem Deal mit Apple „Top Priorität“ einräumte. Die 21 US-Zeitschriftentitel sind nun auch als Tablet-Ausgaben erhältlich.

Games:Der Einstieg in die Games-Sparte wurde im Zuge der Umgestaltung des Konzerns nach dem Platzen der Dotcom-Blase in Ansätzen wieder rückgängig gemacht. Während Time Warner Entertainment noch im Dezember 2008 seine Anteile am britischen Game Publisher Eidos Interactive (früher SCi Entertainment) vergrößerte, über zehn Millionen zusätzliche Aktien an Eidos erwarb und auf diese Weise mit 19,9 Prozent den größten Anteilseigner stellte, wurden die Anteile drei Monate später im Februar 2009 an den japanischen Publisher Square Enix verkauft.

Time Warner, NBC-Universal, Bertelsmann, die Venture Capital-Unternehmen Rustic Canyon, Trinity und dcp sowie Hewlett Packard als deren strategischer Partner schlossen sich im Juli 2007 zusammen, um den erst im September 2006 gegründeten Spieleentwickler Trion World Network mit einer US-Millionensumme im zweistelligen Bereich zu fördern. Das vom Gamekonzern-Manager Lars Buttler, vom "Might & Magic"-Erfinder Jon Van Caneghem und anderen Gameveteranen aufgebaute Unternehmen hat sich der Entwicklung von Computerspielen, die über Breitbandanbindung gespielt werden, verschrieben. Vorbilder sind "World of Warcraft" und "Burning Crusade". Außer den Einmalkosten sollen Spieleumsätze außerdem über Teilnahmeabonnements generiert werden. Diverse Multiplayerspiele sollen wie TV-Serien entwickelt werden und online vertrieben werden. Geplant ist es, die Wünsche der Spieler zu berücksichtigen, um teure Flops zu verhindern. Für die neuen Produkte werden die Verbindungen zu den beteiligten Medienkonzernen und deren Content genutzt. Im April 2010 erfolgte eine Umbenennung in Trion Worlds. Das Unternehmen bezeichnet sich selbst als „führenden Anbieter und Entwickler von digital vernetzten Video-Spielen“.


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