LED-Fernseher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin

1.9.2012

Bertelsmann AG

Umsatz 2011: € 15,253 Mrd.

Geschäftsfelder

Fernsehen:

Die RTL Gruppe (u.a. RTL, RTL 2, Super RTL, Vox, n-tv), an der Bertelsmann über die RTL Group Verwaltungs- und Holding GmbH mit insgesamt 91,6 Prozent beteiligt ist, hat ihr Portfolio auf 42 TV- und 32 Radio-Stationen in zehn Ländern sowie ca. 30 Produktionsfirmen in insgesamt 40 Ländern ausgedehnt. Der europaweit größte Rundfunkanbieter setzte im Jahr 2010 mit 5,591 Milliarden Euro rund 7,8 Prozent mehr um als im Vorjahr (2009: 5,156 Milliarden Euro). Mit einem Anteil von mehr als 35 Prozent am Gesamtumsatz ist es die wichtigste ‚Cash Cow´ Bertelsmanns. Das Nettoergebnis (Operating EBIT) lag bei 1,109 Milliarden Euro. Der Zuwachs ist in erster Linie auf gestiegene Werbeeinnahmen in westeuropäischen Kernmärkten zurückzuführen. Insbesondere starke Geschäftsverläufe bei der Mediengruppe RTL Deutschland, bei der Groupe M6 in Frankreich und bei RTL Nederland führten zu diesem Ergebnis. Auf dem deutschen Markt erzielte RTL in der Hauptzielgruppe mit einem Zuschauermarktanteil von 35 Prozent einen Rekordwert. Erstmals seit 2003 setzte sich RTL Television auch beim Gesamtpublikum mit einem Marktanteil von 13,6 Prozent an die Spitze. Insbesondere Casting-Formate wie "Deutschland sucht den Superstar" waren beim Publikum besonders beliebt und erzielten Rekordeinschaltquoten. Sendungen wie "X Factor" werden auch in andere Länder importiert und lokal angepasst. So ist ein Ableger von "Das Supertalent" unter dem Titel "La France a un incroyable talent" auch Teil des französischen Fernsehprogramms auf M6. Die von Fremantle Media, der Produktionsfirma der RTL Group, produzierten Castingshows erzielten in allen Kernmärkten außerordentlich hohe Einschaltquoten und trugen 2010 für einen Anstieg des Umsatzes bei. Wie andere Geschäftsbereiche so investierte auch die RTL Group schwerpunktmäßig in digitale Geschäftsfelder wie Online-Videodienste und High-Definition-Angebote sowie in Diversifikationsgeschäfte. Rund 1,4 Milliarden Videoabrufe verzeichneten im Jahr 2010 die Online- und On-Demand-Plattformen in Europa. Mehr als 60 Apps werden derzeit von verschiedenen Tochterfirmen der RTL Group angeboten.

Seit Mitte Januar 2006 werden Fernsehserien über die Video-on-demand-Plattform RTL Now vertrieben. "RTL Now" ist, anders als Maxdome von ProSieben Sat.1, in die RTL.de-Websitestruktur integriert. Es wird nicht mit einem externen Zugangsprovider operiert. Auf der hauseigenen Seite Clipfish bietet RTL seit April 2007 Musikvideodownloads aus den Häusern Universal und Sony BMG gratis an.

Die RTL Group steigerte 2011 ihren Umsatz auf 5,8 Mrd. Euro (Vorjahr 5,6 Mrd. Euro). Insbesondere im Bereich der Fernsehproduktion konnte der Umsatz erhöht werden. So sorgte die Produktionsfirma Fremantle Media für positive Geschäftsergebnisse. Abgesehen von den Niederlanden stagnierte in Westeuropa der Fernseh-Werbemarkt. In Süd- und Osteuropa gab es noch deutlichere Rückgänge.

Musik:

Im November 2006 trennte sich Bertelsmann von seinem Musikverlag BMG Music Publishing, der an die Universal Music Group, einem Tochterunternehmen von Vivendi, verkauft wurde. Seit August 2008 hat sich Bertelsmann mit dem Verkauf seines 50-prozentigen Anteils an Sony BMG (an Joint Venture-Partner Sony) weiter aus dem Musikgeschäft zurückgezogen. Der Kaufpreis lag laut unternehmensnahen Kreisen wohl bei 1,5 Milliarden US-Dollar. Jedoch bereits ein Jahr später gründete der Konzern ein Joint Venture mit dem US-Finanzinvestor Kohlberg Kravis Roberts (KKR) im Bereich Musikrechtevermarktung. Strategisch konnte sich Bertelsmann mit diesem Schachzug an die zunehmenden Möglichkeiten der Digitalisierung anpassen und weiterhin in der Musikbranche Umsätze generieren. Das neue Unternehmen namens BMG Rights Management kaufte schließlich im September 2011 den amerikanischen Musikverlag Bug Music. Noch im März 2011 hatte die Bertelsmann AG zusammen mit dem Investor KKR einen Kauf von Warner Music in Betracht gezogen.

Presse:

Das Hamburger Verlagshaus Gruner + Jahr wurde 1965 von Richard Gruner, dem Inhaber einer Druckerei im schleswig-holsteinischen Itzehoe, und den Verlegern John Jahr und Gerd Bucerius in Hamburg gegründet. Das Unternehmen beschäftigt 13.337 (2011) Mitarbeiter und gibt Zeitschriften (mehr als 500), Zeitungen und Online-Angebote in mehr als 30 Ländern heraus. In Deutschland zählen insbesondere die Zeitschriften Stern, Geo, Capital, Neon und Brigitte zu den bekanntesten Titeln. Der Verlag ist aber nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen europäischen Ländern sowie in Russland oder der Volksrepublik China aktiv und erwirtschaftet rund 54 Prozent seines Umsatzes (2011) außerhalb von Deutschland. Gruner + Jahr gehört zu 74,9 Prozent der Bertelsmann AG und zu 25,1 Prozent der Hamburger Verlegerfamilie Jahr.

Gruner + Jahr ist seit dem Ausstieg des britischen Medienkonzerns Pearson im Jahr 2008 alleiniger Gesellschafter der Wirtschaftszeitung Financial Times Deutschland. Das Unternehmen hält 59,9 Prozent an der Motor Presse Stuttgart, einem der größten Special Interest-Zeitschriftenverlage in Europa. In den USA ist die G+J-Tochtergesellschaft Brown Printing eines der größten Offsetdruck-Unternehmen. Die im Jahr 2006 ausgerufene „Expand your Brand“-Strategie bestimmt auch weiterhin das unternehmerische Handeln des Verlags. Gemeint ist der multimediale Ausbau bestehender Angebote und Medienmarken. Internet-Plattformen und Communities, Events und Merchandising sollen aus den bewährten Zeitschriften gewinnbringende Produkte machen.

Jedoch auch in neu aufstrebende Märkte wird verstärkt investiert: So kaufte G+J im August 2011 78,75 Prozent der Anteile an dem indischen Zeitschriftenhaus MaXposure Media Group. Ende Januar 2012 wurde bekannt, dass die Anteilsmehrheit an dem größten Online- und Mobile-Vermarkter des Subkontinents NetworkPlay erworben werden soll.

In süd- und osteuropäischen Ländern musste Gruner + Jahr 2011 Einbußen verkraften. Zudem schlugen sich die Entwicklungskosten für Titelinnovationen und Digitalprojekte in einem im Vergleich zum Vorjahr um 10,4 Prozent schlechteren Operating EBIT nieder. In Deutschland war das Unternehmen erfolgreich und konnte den Umsatz steigern.

Medien- und Kommunikationsdienstleistungen:

Die zu Bertelsmann gehörende Arvato AG, einer der weltweit größten Medien- und Kommunikationsdienstleister, bietet, laut Selbstauskunft, alles „vom klassischen Druck bis zu modernen Dienstleistungen wie Servicecentern, Finanz-Clearing oder Mobile Services“. Inzwischen arbeitet in der Dienstleistungsparte rund die Hälfte aller weltweiten Bertelsmann-Angestellten. Der Umsatz erhöhte sich 2010 um 5,3 Prozent auf 5,1 Mrd. € (Vorjahr: 4,8 Mrd. €). Mit dem Projekt „Würzburg integriert!“ fiel 2007 zudem der Startschuss für die Zusammenarbeit von Arvato und öffentlicher Verwaltung in Deutschland. Ziel war es, kommunale Dienstleistungen zu übernehmen. Die Stadt Gütersloh beendete die Zusammenarbeit mit Arvato im Februar 2011, da sich das Projekt als zu ambitioniert herausstellte, wobei die gesetzten Ziele der Zeitersparnis, Personal- und Kostenreduzierung nicht erfüllt werden konnten.

2005 hatte Arvato, zusammen mit Gruner + Jahr und der Axel Springer AG, das Tiefdruck-Jointventure Prinovis gegründet. Ende März 2006 kaufte Arvato fünf Telekom-Call-Center hinzu. Doch während die Entwicklungen in Frankreich und in Deutschland dank des anhaltenden Trends zum Outsourcing von Dienstleistungen erfreulich verlaufen, verläuft das Geschäft in den USA und Italien schwierig. Anfang Dezember 2006 genehmigten die zuständigen Behörden in Brüssel ein Joint Venture zwischen der Bertelsmann-Tochter Arvato und der deutschen Vodafone-Tochter Vodafone D2, die gemeinsam Inhalte für Mobilfunk und einen Download-Service anbieten. Dazu kauften die Unternehmen des Joint Ventures Anteile an dem Unternehmen Moconta, das Kundenbindungsprogramme für Mobilfunkkunden entwickelt und vermarktet. Moconta trat dem Joint Venture ebenfalls bei. Bei der scoyo GmbH, einer Arvato-Tochter, entwickeln rund 50 Mitarbeiter Online-Formate, die Lerninhalte multimedial vermitteln sollen. Kinder und Jugendliche sollen mit Comic-Illustrationen, Info-Grafiken oder flash-animierten Spielewelten an Wissen herangeführt werden. Das Angebot soll für Deutschland gelten und später internationalisiert werden. Dieses Start-up, im Mai 2007 als SIA - study interactive gegründet, verfügt über ein Investitionsvolumen von 15 bis 20 Mio. Euro. Geschäftsführer von scoyo ist Ralf Schremper, der auch Leiter der Bertelsmann- Unternehmensentwicklung im Stab von Vorstandschef Hartmut Ostrowski ist. Mit dem Einstieg in den Bereich E-Learning-Lösungen konkretisierte der neue Arvato-Chef die vom Bertelsmann-Vorstandsvorsitzendem Hartmut Ostrowski zu Beginn des Jahres angekündigte Verlagerung auf die Bereiche Dienstleistung und Bildung.

Aufgrund von sich positiv entwickelnden Finanzdienstleistungs- und Customer-Care-Geschäften sowie IT-Services in Europa konnte Arvato 2011 den Umsatz auf 5,4 Mrd. Euro steigern. Mit der Ausweitung des chinesischen Logistiknetzwerks konnte dort ein starkes Wachstum verzeichnet werden.

Buchverlage:

Dank der hundertprozentigen Übernahme des amerikanischen Großverlags Random House ist Bertelsmann mit rund 11.000 Neuerscheinungen pro Jahr und 200 Verlagsablegern in 19 Ländern (z.B. Goldmann in Deutschland, Doubleday und Alfred A. Knopf in den USA sowie Ebury und Transworld in Großbritannien) zur weltweit größten Buchverlagsgruppe angewachsen. Bestsellerautoren wie J. K. Rowling („Harry Potter“), John Grisham („The Rainmaker“) oder Dan Brown („Da Vinci Code“) scheinen Bertelsmanns Marktposition in diesem Unternehmensbereich, in dem inzwischen 5.264 Angestellte (Stand: 31.12.2010) arbeiten, auch auf lange Sicht zu sichern.

Random House steigerte 2010 aufgrund eines erfolgreichen Titelportfolios, eines rasch wachsenden Digitalgeschäfts und positiver Währungseffekte sowohl Umsatz als auch operatives Ergebnis. Mit 1,8 Mrd. Euro lag der Umsatz um 6,1 Prozent höher als im Vorjahr (1,7 Mrd. Euro). Da 2010 der Verkauf von E-Readern und Tablet-PCs anstieg, dehnte das Unternehmen seine E-Book-Programme auf mehr als 25.000 Titel aus. Die Digitalverkäufe legten weltweit um 250 Prozent zu. Mehr als zwei Millionen Mal verkaufte sich elektronisch und gedruckt das Buch des früheren US-Präsidenten George W. Bush „Decision Points“ in den ersten acht Wochen. In Deutschland landete die Verlagsgruppe mit Thilo Sarrazins „Deutschland schafft sich ab“ einen Bestseller nach Verkaufszahlen (eine Million verkaufte Exemplare).

2010 übernahm die Verlagsgruppe Random House den Hörverlag DHV.

Das Digitalgeschäft für E-Books, digitale Zeitschriften- und Zeitungsinhalte soll mithilfe des Online-Kiosks "Pubbles", der im Oktober 2010 vom DPV Deutscher Pressevertrieb und der Direct Group gegründet wurde, ausgebaut werden. Derzeit ist ein Joint Venture mit dem Weltbild Verlag vorgesehen, der kürzlich von der EU Kommission genehmigt wurde. Demnach halten Bertelsmann und die Gruner + Jahr-Tochter Deutscher Pressevertrieb (dpv) jeweils 25 Prozent, wobei sich Weltbild und sein Partner Hugendubel die restlichen 50 Prozent teilen wollen. Derzeit (Stand: Juli 2012) sind 600 Zeitschriften des Netzwerks Pressekatalogs und über 800 Zeitungen und Magazine im Online-Kiosk eingebunden. In Konkurrenz zu "Pubbles" sind die Titel von Bauer und Burda auf der Plattform "Pageplace" der Telekom und die von Springer auf dem eigenen Onlineangebot iKiosk zu finden.

Deutliche Zuwächse gab es 2011 im Digitalgeschäft. Das E-Book-Angebot wurde auf inzwischen fast 40.000 Titel in englischer, deutscher und spanischer Sprache ausgeweitet. Nichtsdestotrotz nahm der Umsatz laut Unternehmensangaben aufgrund des Wechselkurses ab, während das Operating EBIT 2011 um 6,9 Prozent auf 185 Mio. Euro stieg (Vorjahr 173 Mio. Euro). Im deutschsprachigen Bereich war Walter Isaacsons Biografie „Steve Jobs“ das meistverkaufte Sachbuch des Jahres.

Digitaltechnologie:

Der Bertelsmann Digital Media Investments Fonds BDMI, der mit 50 Millionen Euro startete, soll den Güterslohern den direkten Zugang zu innovativen Technologien und Entwicklungen sichern. Die Ehefrau des Gründers Christoph Mohn, Shobhna, wechselte ins Management des im Oktober 2006 gegründeten Venture Capital Fonds. Die Internetplattform clipfish.de, die Online-Communities der Zeitschriften von Gruner + Jahr sowie die von Konzerntochter Arvato entwickelte Download-Plattform GNAB spülen geringe Gewinne in die Betriebskassen. Im Jahr 2010 erwarb BDMI mit der Online-Fremdsprachenschule „LearnShip“, dem Startup Deal United und dem Schulbuchanbieter Flat World Knowledge drei neue Beteiligungen. Der Shopping-Club „BuyVIP“ wurde im Oktober 2010 an Amazon veräußert.

Corporate

Der Bereich Corporate umfasst das Corporate Center mit allen Zentralstandorten des Bertelsmann-Konzerns sowie die Corporate Investments. Sowohl Umsatz als auch Operating EBIT mussten 2011 schwere Rückgänge verkraften. Einmal ergaben sich bei dem gemeinsam mit KKR betriebenen Musikrechteunternehmen BMG hohe Kosten. Zudem liegt dies in der Einberechnung der Rückgänge bei den Club- und Direktmarketinggeschäften begründet. Während die Buchclubs in Frankreich, Italien, USA und Großbritannien verkauft wurden, konnten für die Clubs in Tschechien, Russland, Slowakei und Ukraine keine Käufer gefunden werden. Im August 2012 wurde bekannt, dass nun das osteuropäische Geschäftssegment behalten werden soll, da dieses schließlich mit rund 100 Mio. Euro Umsatz schwarze Zahlen schreibt. In Deutschland, der Schweiz, Österreich und Spanien hält Bertelsmann auch noch Buchclubs.


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