LED-Fernseher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin

1.9.2012

Bertelsmann AG

Umsatz 2011: € 15,253 Mrd.

Aktuelle Entwicklung

Im Juni 2011 gab Bertelsmann die Auflösung des Unternehmensbereichs Direct Group bekannt.

Der designierte Vorstandschef Thomas Rabe gründete im Dezember 2011 ein Beratergremium, das Group Management Committee (GMC), welches die Internationalisierung des Konzerns vorantreiben soll. Ab dem 1. Januar 2012 berät und unterstützt das GMC den Bertelsmann-Vorstand bei Fragen der Konzernentwicklung, Konzernstrategie und konzernübergreifenden Themen. Vor allem für Lateinamerika und China sollen neue Geschäftsmöglichkeiten ausgelotet werden. Neben den Mitgliedern des Gesamtvorstands setzt sich das Gremium zusammen aus der Chefin des Corporate Centers in China Annabelle Lu Yong, der RTL-Deutschlandchefin Anke Schäferkordt, der Random House-Chefin Gail Rebuck in Großbritannien, der Leiterin der Unternehmenskommunikation von Bertelsmann Karin Schlautmann, dem weltweiten Chef der Club- und Direktmarketinggeschäfte Fernando Carro de Prada, dem CEO der französischen Fernsehgruppe M6 Nicolas de Tavernost und dem Bertelsmann-Personalchef Immanuel Hermreck.

Kurz nach dem Antritt von Thomas Rabe als neuer Vorstandsvorsitzender verkündete RTL-Chef Gerhard Zeiler Ende Februar 2012 seinen Rücktritt. Auf der Hauptversammlung im April will er abtreten. Seine Nachfolge soll mit der langjährigen Chefin von RTL Deutschland Anke Schäferkordt und Ex-ProSiebenSat.1-Chef Guillaume de Posch ein Führungsduo antreten. Obwohl Zeilers Vertrag vor anderthalb Jahren um fünf Jahre verlängert wurde, wolle er sich laut Bertelsmann-Aussagen neuen beruflichen Herausforderungen widmen. Insidern zufolge kommt sein Rückzug nicht überraschend. Schließlich hätten auch die ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Thomas Middelhoff, Gunter Thielen und Hartmut Ostrowski von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, sich ein Führungsteam zusammenzustellen. Unterschiedliche Auffassungen bezüglich des Budgets von RTL zwischen Rabe und Zeiler stärken die These, dass Rabe seinen Einfluss geltend machte.

Wenige Tage nach der Meldung über Zeilers Rücktritt verkündete Thomas Rabe, dass die Bertelsmann AG von RTL unabhängiger werden soll. Es müsse mehr als nur eine „Cash Cow“ geben. Zehn bis zwölf Wachstumsplattformen sollen in den nächsten fünf Jahren ausgebaut werden, sodass der Konzern breiter aufgestellt wird und internationaler agiert. So kann beispielsweise der Bildungsbereich in neu aufstrebenden Märkten wie Indien, Brasilien und China ausgebaut werden. Rabe geht es vor allem um ein besseres Klima, das die Umsetzung neuer Ideen ermöglicht und die besten Medienunternehmer zu Bertelsmann zieht.

Ein Anfang wurde schon gemacht: Mitte Februar 2012 ging Bertelsmann eine Partnerschaft mit der in Zürich gegründeten Community „Sandbox Network“ ein, die sich als „die weltweit führende Community von außergewöhnlich jungen Erneuerern“ versteht. Deren Mitglieder haben es sich auf die Fahnen geschrieben, vor ihrem 30. Geburtstag etwas auf der Welt zu bewegen.

Thomas Rabe strebt seit seinem Amtsantritt zu Beginn dieses Jahres einen Strategiewechsel an, wodurch der Konzern wachstumsstärker, digitaler und internationaler aufgestellt werden soll. Dies will er durch vier strategische Stoßrichtungen erreichen: „Erstens über die weitere Konsolidierung und Stärkung unseres Portfolios, zweitens durch eine beschleunigte digitale Transformation unserer Kerngeschäfte, drittens die Bildung neuer Wachstumsplattformen und viertens die Expansion in neue geografische Wachstumsregionen.“ Insbesondere China, Indien und Südamerika bergen aus Unternehmenssicht ein großes Potenzial und müssten weiter erschlossen werden. Auch im Bildungsbereich will Bertelsmann zukünftig mehr investieren. Zudem soll der Druckbereich in einer eigenen Sparte gebündelt werden. Die genaue Strategie wird derzeit noch ausgearbeitet und soll im August 2012 präsentiert werden. Bis dahin hat Thomas Rabe einen Investitionsstopp verhängt. Die Strategie der zunehmenden Digitalisierung wird personell jedoch weiter verfolgt. So wurde kürzlich (Juni 2012) der Burda-Manager Marcel Reichart abgeworben, um ihn unmittelbar dem Jung-Vorstand Thomas Hesse zu unterstellen.

Medienberichten zufolge bereitet sich der Konzern auf einen Börsengang vor. Dieser Vermutung liegt die Tatsache zugrunde, dass ein Wechsel der Rechtsform von Aktiengesellschaft in Europäische Aktiengesellschaft SE (Societas Europaea) sowie in Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) geplant ist. Die SE ermöglicht es der Familie Mohn weiterhin, die Kontrolle über den Konzern zu behalten, während „auf Ebene der KGaA frisches Geld“ aufgenommen werden kann.


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