LED-Fernseher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin

1.9.2012

Vivendi S.A.

Umsatz 2011: € 12,486 Mrd.

Management

Jean-René Fourtou (Jahrgang 1939) übernahm im Juli 2002 das Vivendi-Ruder von seinem gescheiterten Vorgänger Messier. Der Vertraute von Staatspräsident Chirac und als Sanierer geachtete Fourtou hatte vor seiner Berufung den fast bankrotten Konzern Rhône-Poulenc mit Hoechst zu Aventis zusammengeführt. Mit einem harten, aber notwendigen Sanierungskurs erfüllte Fourtou dann die in ihn gesetzten Erwartungen.

Im Mai 2005 zog sich Fourtou in den Aufsichtsrat zurück. Neuer Vorstandschef wurde die langjährige Nummer zwei im Konzern, Jean-Bernard Lévy. Der 55-Jährige diente zunächst in der öffentlichen Verwaltung unter anderem als Berater des Industrieministers Gérard Longuet. In dieser Position kam er bereits mit der damaligen Compagnie Générale des Eaux in Kontakt, als er dem Versorger eine private Telefonlizenz gewährte und damit den Grundstein für den heute erfolgreichsten Konzernteil legte. Ende Juni 2012 dann der Paukenschlag. Unerwartet muss Lévy gehen, nach zehn Jahren an der Spitze des Unternehmens. Er hatte sich, in Absetzung zu Aufsichtsrat-Chef Fourtou, gegen einen Umbau der Konzerns gesträubt, der nun offenbar näher rückt.

Nachfolger wird interimsweise Justiziar Jean-François Dubos, Jahrgang 1945, seit 1984 im Hause tätig, als Vivendi noch Compagnie générale des eaux hieß und ein Wasserversorger war. Jetzt ist Dubos der kulturbeflissene Chef des neuntgrößten Medienkonzerns der Welt: Generalsekretär des internationalen Lyrikfestivals von Aix en Provence, Vorstandsmitglied der „Rencontres de la photographie“ in Arles, Präsident des Zentrums für Barockmusik in Versailles.

Noch ein Wort zu letzten Spuren der Ära Messier, denn J6M ist irgendwie immer noch da: Zunächst stand Vivendi wegen „Bilanzbeschönigungen im Jahr 2000 bis 2002“ in New York vor Gericht und wurde am 29.1.2010 vom Disctrict Court für schuldig befunden. Jetzt drohen Strafzahlungen: der Anwalt der Klägerseite erwartet Entschädigungen in Höhe von vier Milliarden Dollar. Messier und der damalige Finanzvorstand Guillaume Hannezo wurden überraschenderweise freigesprochen. Vivendi legt Berufung ein.

Am 2. Juni 2010 dann war Prozessauftakt in Paris, auch hier stand Messier acht Jahre nach seinem Rauswurf bei Vivendi Universal vor Gericht, zusammen mit sechs weiteren ehemaligen Vivendi-Verantwortlichen: wegen Falschinformation der Finanzmärkte, Kursmanipulation und Untreue. Messier bestritt die Vorwürfe, bekannte sich aber reumütig bei seinem ersten Auftritt vor dem Richter zu „Exzessen bei der Kommunikation“. Am 21.1.2011 die Urteilssprüche: Messier wird für die Verbreitung von Falschinformationen zu drei Jahren Haft auf Bewährung und einer Geldstrafe von 150.000 Euro verurteilt, Seagram-Erbe Edgar Bronfman wegen Insiderhandels zu 15 Monaten Haft auf Bewährung und zu fünf Millionen Euro Geldstrafe, Guillaume Hannezo wegen Insiderhandels zu 15 Monaten Haft auf Bewährung und zu 850.000 Euro Geldstrafe. Messier und Bronfman legten Berufung ein.



Dossier

Medienpolitik

Die neuen technischen und inhaltlichen Entwicklungen der digitalen Medien sind eine Herausforderung für Medienmacher, Publikum und Politik. Journalisten müssen beispielsweise immer mehr Informationskanäle beobachten und große Mengen an Daten auswerten. Für die Bürger können die Veränderungen in der Medienlandschaft zu einer stärkeren (politischen) Beteiligung führen und Medien werden genutzt, um für politische Belange Aufmerksamkeit zu erzeugen. Neue Entwicklungen wie soziale Medien oder das Internet der Dinge werden bezüglich des Daten- und Verbraucherschutzes kontrovers diskutiert. Das Dossier möchte Grundlagen zum Rundfunk- und Medienrecht vermitteln, die neuen Herausforderungen und Nutzungsmöglichkeiten aufzeigen und eine kritische Auseinandersetzung mit der sich ständig wandelnden Welt der Medien und der sie regulierenden Medienpolitik fördern.

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