LED-Fernseher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin

1.9.2012

Vivendi S.A.

Umsatz 2011: € 12,486 Mrd.

Geschäftsfelder

Musik und Tonträger:

2011 sank der Umsatz von 4,45 Mrd. Euro auf 4,2 Mrd. Euro. Leicht gestiegene digital music sales konnten den Einbruch bei den physical sales (CD’s etc.) nicht wettmachen: Hier sank der Umsatz von 2,1 auf 1,8 Mrd. Euro. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass 2011 erstmalig mehr Musik digital als auf klassischem Weg verkauft wurde (wie etwa Rolling Stone am 6.1.2012 meldet). International besonders erfolgreich liefen 2011: Lady Gaga, Justin Bieber, Rihanna, Amy Winehouse. Auf Platz eins der Universal-Verkäufe in Deutschland: Rammstein. Es war der 11.11.2011, als gemeldet wurde: nach acht Jahrzehnten wird der traditionsreiche Plattenkonzern EMI zerschlagen, eine der vier Musikfirmen, die sich den Weltmarkt im schon lange kriselnden Musikgeschäft aufteilten (Universal, Sony Music, Warner, EMI). Nach monatelangen, komplizierten Bietergefechten ging der lukrative Musikverlag (mit Rechten an 1,3 Millionen Alben) für 2,2 Mrd. Dollar an ein Konsortium um den Sony-Konzern. Universal übernahm die EMI-Tonträgersparte für 1,9 Mrd. Dollar. Unter Vorbehalt: Das EMI/Vivendi-Geschäft gilt als kartellrechtlich schwierig, denn Universal und EMI würden gemeinsam fast 40 Prozent des Weltmarkts kontrollieren.

Zum weltgrößten Musikverlag war die Universal Music Group (UMG) Anfang September 2006 mit dem Kauf von BMG Music Publishing aufgestiegen (der Bertelsmann-Musikverlagssparte mit einem Katalog von etwa 1 Mio. Songtiteln), für 1,63 Mrd. Euro (Künstler: Justin Timberlake, Coldplay, Christina Aguilera, Puccini, Ravel). Weiterhin wurde Mitte Juni 2007 bekannt, dass Vivendi das unabhängige Plattenlabel Sanctuary Records für rund 66 Millionen Euro kauft. Neuzugänge im Vivendi-Portfolio waren somit u.a.: David Bowie, Elton John, Morrissey, Bob Marley, Deep Purple, die Scorpions, Joe Cocker und die Sex Pistols. Schon vor der Fusion mit EMI also war UMG die weltgrößte Musikfirma mit einem Marktanteil von über 25%.

Erwähnenswert auf dem Feld digitaler Vertriebswege (online und mobil, Musik und Video) ist der Launch der Musikvideo- und Entertainment-Website Vevo im Dezember 2009. Vevo wird betrieben von den Musik-Majors UMG und Sony Music Entertainment, steht allerdings außerhalb der USA und Kanada nicht zur Verfügung. Eigentlich sollte im Laufe des Jahres 2011 auch dem Rest der Welt ein Zugriff auf Vevo ermöglicht werden. Nach wie vor heißt es aber: „not available in your region“ (Stand: April 2012).

Fernsehen/Film:

Im Zentrum der TV-Sparte steht der Bezahlsender Canal Plus. Gegründet 1984 auf Initiative von Mitterand, wurde Canal+ eine von sechs verfügbaren terrestrischen Frequenzen zugesprochen. Die Canal Plus-Gruppe hatte Ende 2011 insgesamt 12,95 Mio. Abonnenten (davon 9,7 Mio. Abonnenten in Frankreich) und betreibt Filialen in Polen (Cyfra+), Vietnam (K+), den französischen Überseegebieten und im frankophonen Afrika (Canal Overseas), dazu das Programmbouquet CanalSat (vormals CanalSatellite. Mehr als 300 Kanäle, 60 davon exklusiv). Die 100-prozentige Tochter StudioCanal schließlich ist ein führender europäischer Akteur in den Bereichen Filmproduktion und -vertrieb mit einem Filmkatalog von über 5.000 Titeln. 2011 liefen die Geschäfte einigermaßen gut. Um 3,1% stieg der Gesamtumsatz, der operative Gewinn um 1,6%.

Im Februar 2006 fusionierte die Canal Plus-Gruppe mit dem Konkurrenten TPS. Damit endete die ruinöse Konkurrenz zwischen den beiden Satellitenanbietern TPS und CanalSatellite. Der Erfolg des digitalen terrestrischen Fernsehens und der immer populärer werdenden ADSL-TV-Angebote dürften die Einigung beflügelt haben. Mit vereinten Kräften wollte man der neuen Konkurrenz entgegentreten. Vivendi hielt zunächst 65 Prozent an dem neu formierten Canal+ France, die früheren TPS-Eigner waren mit 9,9 Prozent (TF1) und 5,1 Prozent (M6) dabei.

Ende November 2009 wurde bekannt, dass Vivendi für 744 Mio. Euro den TF1-Anteil übernimmt; am 6.2.2010 kam der 5,1-prozentige Anteil der RTL-Tochter M6 dazu (Kaufpreis: 384,2 Mio. Euro). Vivendi besitzt nunmehr 80% der Anteile an Canal+ France. Und auch die restlichen 20%, die der Verlagsriese Lagardère seit März 2006 hält, stehen zum Verkauf. Vivendi, eigentlich der logische Käufer, konnte sich zunächst nicht mit Lagardère über einen Preis einigen und hat mittlerweile von dem Geschäft Abstand genommen (so PDG Lévy Mitte November 2011 in Le Figaro). Jetzt plant Lagardère, seine 20% an die Börse zu bringen – wenn die Marktkonditionen sich verbessert haben („si les conditions du marché sont réunies“).

Weitere Nachrichten im Bereich Fernsehen:

Im Juli 2011 geben Canal Plus und Orange (Mobilfunk/Internet/TV-Tochter von France Télécom) ihre „strategische Partnerschaft“ bekannt. Dabei erwirbt die Canal+ Gruppe einen 33,33-prozentigen „non-controlling interest“ an der Orange Cinema Series (fünf digitale Filmkanäle), die ab 2012 auch über CanalSat empfangbar sein werden. Eine weitere „strategic partnership“ betrifft den 60-prozentigen Einstieg von Canal+ in das TV-Geschäft der Bolloré-Gruppe (Firmenkonglomerat des Milliardärs und Sarkozy-Vertrauten Vincent Bolloré), der am 8.9.2011 verkündet wird. Dabei übernimmt Canal+ für 465 Mio. Euro auch den mäßig erfolgreichen Film- und Seriensender Direct 8, empfangbar über Kabel, Satellit, TNT.

Mobilfunk und Festnetztelefonie:

Die Cash-Cow des Unternehmens bleibt die Mobilfunk-Tochter SFR (im April 2011 übernimmt Vivendi die restlichen 44% von der britischen Vodafone Group für 7,8 Milliarden Euro und hält nun 100% der Anteile), dem zweitgrößten Telekom-Anbieter in Frankreich, der 2011 rund 39% des Konzern-EBITA (Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) erwirtschaftete. Auch das marokkanische Telefongeschäft wirft gute Ergebnisse ab. Maroc Telecom (53%) erzielte ein operatives Ergebnis von 1.089 Millionen Euro, vor allem mit seinen mittlerweile über 17 Millionen Mobilfunk-Kunden. Dazu hält Maroc Telecom jeweils 51% der Anteile an den zuvor staatlichen Telefongesellschaften in Mauritanien, Burkina Faso, Gabun und Mali. Mitte November 2009 übernahm Vivendi auch den brasilianischen Telecom-Konzern GVT (100%) für 1,6 Mrd. Euro. Ein „Zukauf in Emerging Markets, um zukünftiges Wachstum zu generieren“, so CEO Lévy. Und tatsächlich: 2011 stieg das GVT-EBITA um nicht weniger als 43% auf 396 Mio. Euro.

Games:

Am 4.7.2008 fusionierte die bis dahin kleinste Konzerneinheit Vivendi Games mit dem US-Spielesoftware-Entwickler Activision. Unter dem Namen Activision Blizzard (Vivendi-Anteil: 60,32%) entstand so einer der weltgrößten und profitabelsten Hersteller von online- und konsolenbasierter Unterhaltungssoftware mit einem Umsatz 2011 von 3,43 Milliarden Euro. Gelistet an der Nasdaq und mit Sitz in Santa Monica, Kalifornien, stellt Activision Blizzard Games-Erfolge her wie „World of Warcraft“, „Call of Duty“, „Starcraft“ und „Diablo“.



Dossier

Medienpolitik

Die neuen technischen und inhaltlichen Entwicklungen der digitalen Medien sind eine Herausforderung für Medienmacher, Publikum und Politik. Journalisten müssen beispielsweise immer mehr Informationskanäle beobachten und große Mengen an Daten auswerten. Für die Bürger können die Veränderungen in der Medienlandschaft zu einer stärkeren (politischen) Beteiligung führen und Medien werden genutzt, um für politische Belange Aufmerksamkeit zu erzeugen. Neue Entwicklungen wie soziale Medien oder das Internet der Dinge werden bezüglich des Daten- und Verbraucherschutzes kontrovers diskutiert. Das Dossier möchte Grundlagen zum Rundfunk- und Medienrecht vermitteln, die neuen Herausforderungen und Nutzungsmöglichkeiten aufzeigen und eine kritische Auseinandersetzung mit der sich ständig wandelnden Welt der Medien und der sie regulierenden Medienpolitik fördern.

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