LED-Fernseher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin
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1.9.2012

Vivendi S.A.

Umsatz 2011: € 12,486 Mrd.

Vivendi ist der umsatzstärkste französische Medienkonzern. Weltweit liegt er auf Platz acht. Das Unternehmen musste sich allerdings infolge einer mißglückten Expansionsstrategie von vielen internationalen Aktivitäten trennen.
Blick auf das Hauptquartier der Vivendi SA in Paris.Vivendi - Frankreichs größter Medienkonzern. (© AP)

Überblick

Vivendi ist weltweit der neuntgrößte Medienkonzern (in Frankreich auf Platz eins), obwohl sich das Unternehmen infolge einer aberwitzigen Expansionsstrategie von vielen internationalen Aktivitäten trennen musste. 2011 erwirtschaftete der Konzern 57% seiner Umsätze im Bereich Telekommunikation (Umsätze, die im Ranking der Mediendatenbank nicht berücksichtigt werden). Dazu ist Vivendi ein bedeutender Inhalteproduzent mit der Pay-TV-Gruppe Canal+ (100%), der Universal Music Group (100%) und Activision Blizzard (60%), dem im Juli 2008 aus der Fusion von Vivendi Games und Activision entstandenen Weltmarktführer im Bereich Spieleentwicklung (für Computer, Konsolen, online).

Basisdaten

Hauptsitz: 42, avenue de Friedland, 75380 Paris CEDEX 08, Frankreich
Telefon: 0033-1-71 71 10 00
Telefax: 0033-1-71 71 10 01
Internet: www.vivendi.com

Branche: Film, Kino-Kette, Video/DVD, TV-Produktion, TV-Sendestationen, Free-TV, Pay-TV, Satelliten-TV, Rechtehandel, Multimedia, Tonträger, Telekommunikation
Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.01. - 31.12.
Gründungsjahr: 1853 (Compagnie Générale des Eaux), 1998 umbenannt in Vivendi, 2000 umbenannt in Vivendi Universal, 2006 umbenannt in Vivendi.

Geschäftsführung

Geschäftsführung / Vorstand:

  • Jean-Francois Dubos, Chairman of the Management Board and CEO (Interimsweise), General Counsel
  • Stéphan Roussel, Chairman and CEO of SFR
  • Abdeslam Ahizoune, Chairman of the Management Board of Maroc Telecom
  • Phillipe Capron, Chief Financial Officer of Vivendi
  • Amos Genish, CEO, GVT
  • Lucian Grainge, Co-Chief Executive Officer of Universal Music Group
  • Bertrand Meheut, Chairman of the Executive Board of Canal+ Group

Aufsichtsrat:
  • Jean-René Fourtou, Chairman of the Supervisory Board
  • Henri Lachmann*, Vice Chairman of the Supervisory Board and Chairman of the Supervisory Board of Schneider Electric S.A.
  • Claude Bébéar, Honorary Chairman of AXA Group
  • Daniel Camus*, Executive Director of EDF Group, Member of the Executive Committee
  • Jean-Yves Charlier*, CEO of Promethean Ltd.
  • Maureen Chiquet*, CEO of Chanel
  • Philippe Donnet*, Member of the Supervisory of Financière Miro
  • Dominique Hériard Dubreuil*, Chairwoman of the Board of Directors of Rémy Cointreau
  • Aliza Jabès*, President & CEO of Nuxe Group
  • Christophe de Margerie*, CEO of Total and Chairman of the Executive Committee
  • Pierre Rodocanachi*, CEO of Management Patrimonial Conseil
  • Jacqueline Tammenoms Bakker*, Chairwoman of the National Council for Environment and Infrastructure (Netherlands)
* Independent Member
Besitzverhältnisse (Stand am 21.4.2011; Anteile am Kapital): Black Rock, Inc. 5,02%, Capital Research and Management 4,64%, Amundi (Crédit Agricole AM/Société Générale AM) 4,05%, Groupe Société Générale AM 4,01%, CDC/FSI (Caisse des Dépôts et Consignations) 3,77%, Emirates International Investment Company LLC 2,81%, AllianceBernstein (Axa Investment Managers) 2,50%, Vivendi Group Savings Plan 2,01%, Natixis Asset Management 1,95%, Bank of America/Merrill Lynch 1,51%, BNP Paribas AM 1,24%, DNCA Finance et Leonardo Asset Management 1,00%, CNP Assurances 1,00%, Crédit Suisse Securities (Europe) Limited 0,99%, Prudencial Plc 0,89%, UBS Investment Bank 0,85%, CM-CIC AM 0,84%, Crédit Agricole Structured AM 0,54%, Abu Dhabi Investment Authority 0,51%, Rothschild-Asset Management 0,51%, Axa Rosenberg (Axa Investment Managers) 0,50%, Macquarie Group 0,49%, FIPAR International (CDG Maroc) 0,49%, RCAR – CDG Maroc 0,49%, Hermes Equity 0,49%, HBOS Plc 0,47%, AQR Capital Management 0,46%, Pension Reserve Fund 0,44%, SRM Advisers (Monaco) S.A.M. 0,41%, Groupama Asset Management 0,39%, Federal Finance Gestion 0,37%, TPG Axon Capital 0,35%, Veolia Environnement Group Savings Plan 0,23%, Treasury Shares 0,01%, Other Shareholders 53,79%.

Geschichte und Profil

Wer hoch steigt, fällt tief – auf kaum ein anderes Medienunternehmen trifft dieses Motto besser zu als auf Vivendi. Innerhalb eines knappen Jahrzehnts wurde aus dem altehrwürdigen Wasserversorger Compagnie Générale des Eaux (CGE, gegründet 1853) ein internationales Medienimperium, das in nur zwei Jahren den unerhörten Verlust von 37 Mrd. Euro anhäufte, in sich zusammenbrach und im Mediengeschäft heute nicht mehr als ein Schatten seiner einstigen Größe ist.

1987 stieg die CGE ins Mediengeschäft ein, zunächst im Bereich Mobilfunk (Gründung von SFR) und Filmproduktion (Générale d´Images). Zur strategischen Entwicklungsachse wurde der Kommunikationsbereich erst 1996, als Jean-Marie Messier, 1956 geboren und ehemaliger Student der École polytechnique und der Elitehochschule ENA (École nationale d'administration), die Konzernleitung übernahm. Gemeinsam mit der Mannesmann AG und British Telecom wurde 1996 der Festnetzanbieter Cegetel gegründet, der nach Zukauf des Festnetzes der französischen Eisenbahn SNCF zur Nummer zwei im französischen Markt aufstieg. Im Februar 1997 übernahm Messier die Kontrolle beim Medienkonzern Havas (Mutterkonzern von Canal+). Im Jahr darauf schluckte die CGE das Unternehmen komplett, wurde in Vivendi umgetauft und unternahm den Einstieg in den Multimediasektor mit dem Kauf des amerikanischen PC-Lernspieleherstellers Cendant Software.

Jean-Marie Messier forcierte nun die internationale Ausrichtung des Konzerns. Schulbuchverlage in Südamerika wanderten 1999 in das Unternehmensportfolio, der historische Kern des Unternehmens, die Umweltsparte, wurde durch den Kauf von US Filter verstärkt. Zudem engagierte sich Vivendi bei Monaco Telecom und den Festnetzanbietern Elektrim (Polen) und Matel (Ungarn). Ebenfalls 1999 kam es zur Fusion mit der französischen Kino- und Produktionsgruppe Pathé.

Im Jahr 2000 setzte das Unternehmen zum "großen Sprung nach vorn" an. Er sollte katastrophal scheitern: Auf dem Höhepunkt des Börsenbooms verkündete Messier die Fusion mit Canal+ und Seagram (Spirituosen, Universal Studios und Universal Music). Die Firma benannte sich in Vivendi Universal um und gliederte sich fortan in sechs Bereiche: Universal Music Group, Vivendi Universal Publishing (ex-Havas), TV&Film, Telekommunikation, Internet sowie Vivendi Environnement, das Messier an die Pariser Börse brachte. Trotz dieser für sich allein schon kolossalen Fusion setzte Vivendi Universal seinen Wachstumskurs unbeirrt fort, befeuert durch die Internet- und Medieneuphorie an der Börse. Noch im gleichen Jahr wurde der kenianische Mobilfunkbetreiber Kencell erworben, ebenso wie 35 Prozent der Maroc Telecom. Als Mitglied des Xfera-Konsortiums sicherte sich Messier sogar eine spanische UMTS-Lizenz. 2001 folgten weitere Dotcom-Unternehmen (u. a. MP3.com), der US-Schulbuch-Marktführer Houghton Mifflin und vor allem der Kauf von USA Networks sowie die Beteiligung am US-Satellitenbetreiber Echostar. Allein diese letzte Akquisition kostete 11,8 Mrd. Dollar.

Bei all dem rauschhaften Hochgefühl konnte Messier leicht vertuschen, dass die Deals alles andere als profitabel waren. Umso größer war die Überraschung, als Vivendi Universal im Geschäftsjahr 2001 13,6 Mrd. Euro Verlust machte, den höchsten in der französischen Wirtschaftsgeschichte. Als Messier dies als einfachen Bilanztrick abtat, drehte sich das öffentliche Klima endgültig. Das Publikum hatte genug von seinem nicht gerade bescheidenen Ex-Liebling, der sich tatsächlich gerne "J6M" nannte (ein J, sechs M´s), "Jean-Marie Messier moi-même maître du monde" (also "Ich selbst, Jean-Marie Messier, Herrscher der Welt"). Mehrere Monate neuer Enthüllungen über Bilanztricks, Pannen in der Unternehmenskommunikation und stetig sinkendem Aktienkurs brachten Messier schließlich zu Fall. Im Juli 2002 musste er auf Druck des Aufsichtsrates zurücktreten.

Zu diesem Zeitpunkt ächzte Vivendi unter einer Schuldenlast von 35 Mrd. Euro. Mit einem Verlust von 23,3 Mrd. Euro übertraf das Unternehmen den im Jahr zuvor aufgestellten Minusrekord nochmals deutlich. Nach dem Abgang des flamboyanten Messier wurde 2002 Jean-René Fourtou als Président-Directeur général verpflichtet und trat zur Sanierung an. In kurzer Zeit verkaufte er große Teile des Gesamtkonzerns, um der drückenden Schuldenlast zu entkommen. Nachdem man die Getränkesparte noch unter Messier abgestoßen hatte, trennte Fourtou sich von zahlreichen Geschäftsfeldern, die einst als Kernaktivitäten galten. So wurden u. a. die Anteile an BSkyB und Echostar veräußert. Es folgten die Satellitenbouquets in Italien, Benelux und Skandinavien, die Hardware-Sparte von Canal+, fast alle Anteile an der Umweltsparte Veolia, die Telekomaktivitäten in Monaco, Kenia, Ägypten, Ungarn und Polen, die Kinokette UCI sowie die Anteile an der Sportrechteagentur SportFive. Insgesamt wurden Aktivitäten mit einem Umsatz in Höhe von 24 Mrd. Euro verkauft – in dieser Zeit setzte Fourtou nur zwei Akquisitionen im Telekombereich durch. Für vier Milliarden Euro erhöhte das Unternehmen 2003 seinen Anteil am Telekomanbieter SFR-Cegetel um 26 Prozent; im Januar 2005 erhöhte Vivendi Universal seinen Anteil an Maroc Telecom auf 51 Prozent.

Der abschließende Sanierungsschritt erfolgte dann 2004 mit der Auslagerung von Vivendi Universal Entertainment in eine gemeinsame Firma mit der General-Electric-Tochter NBC. An dem so entstandenen Konglomerat NBC Universal hielt die Firma 20 Prozent – als reines Investment ohne strategische Kontrolle – bis zum Dezember 2009: nach monatelangen Verhandlungen verkaufte Vivendi den NBC Universal-Anteil für 5,8 Mrd. Euro an General Electric. NBC wiederum wurde dann im Zuge eines 30-Milliarden-Dollar-Megadeals in ein Gemeinschaftsunternehmen unter Führung von Comcast eingebracht.

Seit seinem Rückzug in den Aufsichtsrat 2005 arbeitet Fourtou mit seinem Nachfolger, Jean-Bernard Lévy, eng zusammen. Die beiden setzten Zeichen. Die Schaffung von NBC Universal, die Streichung von Universal aus dem Vivendi-Firmennamen und der Rückzug von der New Yorker Börse im August 2006 markierten den Schlussstrich unter die Ära Messier, dessen halsbrecherische Einkaufstour fast im Kollaps des gesamten Konzerns geendet wäre.

Management

Jean-René Fourtou (Jahrgang 1939) übernahm im Juli 2002 das Vivendi-Ruder von seinem gescheiterten Vorgänger Messier. Der Vertraute von Staatspräsident Chirac und als Sanierer geachtete Fourtou hatte vor seiner Berufung den fast bankrotten Konzern Rhône-Poulenc mit Hoechst zu Aventis zusammengeführt. Mit einem harten, aber notwendigen Sanierungskurs erfüllte Fourtou dann die in ihn gesetzten Erwartungen.

Im Mai 2005 zog sich Fourtou in den Aufsichtsrat zurück. Neuer Vorstandschef wurde die langjährige Nummer zwei im Konzern, Jean-Bernard Lévy. Der 55-Jährige diente zunächst in der öffentlichen Verwaltung unter anderem als Berater des Industrieministers Gérard Longuet. In dieser Position kam er bereits mit der damaligen Compagnie Générale des Eaux in Kontakt, als er dem Versorger eine private Telefonlizenz gewährte und damit den Grundstein für den heute erfolgreichsten Konzernteil legte. Ende Juni 2012 dann der Paukenschlag. Unerwartet muss Lévy gehen, nach zehn Jahren an der Spitze des Unternehmens. Er hatte sich, in Absetzung zu Aufsichtsrat-Chef Fourtou, gegen einen Umbau der Konzerns gesträubt, der nun offenbar näher rückt.

Nachfolger wird interimsweise Justiziar Jean-François Dubos, Jahrgang 1945, seit 1984 im Hause tätig, als Vivendi noch Compagnie générale des eaux hieß und ein Wasserversorger war. Jetzt ist Dubos der kulturbeflissene Chef des neuntgrößten Medienkonzerns der Welt: Generalsekretär des internationalen Lyrikfestivals von Aix en Provence, Vorstandsmitglied der „Rencontres de la photographie“ in Arles, Präsident des Zentrums für Barockmusik in Versailles.

Noch ein Wort zu letzten Spuren der Ära Messier, denn J6M ist irgendwie immer noch da: Zunächst stand Vivendi wegen „Bilanzbeschönigungen im Jahr 2000 bis 2002“ in New York vor Gericht und wurde am 29.1.2010 vom Disctrict Court für schuldig befunden. Jetzt drohen Strafzahlungen: der Anwalt der Klägerseite erwartet Entschädigungen in Höhe von vier Milliarden Dollar. Messier und der damalige Finanzvorstand Guillaume Hannezo wurden überraschenderweise freigesprochen. Vivendi legt Berufung ein.

Am 2. Juni 2010 dann war Prozessauftakt in Paris, auch hier stand Messier acht Jahre nach seinem Rauswurf bei Vivendi Universal vor Gericht, zusammen mit sechs weiteren ehemaligen Vivendi-Verantwortlichen: wegen Falschinformation der Finanzmärkte, Kursmanipulation und Untreue. Messier bestritt die Vorwürfe, bekannte sich aber reumütig bei seinem ersten Auftritt vor dem Richter zu „Exzessen bei der Kommunikation“. Am 21.1.2011 die Urteilssprüche: Messier wird für die Verbreitung von Falschinformationen zu drei Jahren Haft auf Bewährung und einer Geldstrafe von 150.000 Euro verurteilt, Seagram-Erbe Edgar Bronfman wegen Insiderhandels zu 15 Monaten Haft auf Bewährung und zu fünf Millionen Euro Geldstrafe, Guillaume Hannezo wegen Insiderhandels zu 15 Monaten Haft auf Bewährung und zu 850.000 Euro Geldstrafe. Messier und Bronfman legten Berufung ein.

Geschäftsfelder

Musik und Tonträger:

2011 sank der Umsatz von 4,45 Mrd. Euro auf 4,2 Mrd. Euro. Leicht gestiegene digital music sales konnten den Einbruch bei den physical sales (CD’s etc.) nicht wettmachen: Hier sank der Umsatz von 2,1 auf 1,8 Mrd. Euro. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass 2011 erstmalig mehr Musik digital als auf klassischem Weg verkauft wurde (wie etwa Rolling Stone am 6.1.2012 meldet). International besonders erfolgreich liefen 2011: Lady Gaga, Justin Bieber, Rihanna, Amy Winehouse. Auf Platz eins der Universal-Verkäufe in Deutschland: Rammstein. Es war der 11.11.2011, als gemeldet wurde: nach acht Jahrzehnten wird der traditionsreiche Plattenkonzern EMI zerschlagen, eine der vier Musikfirmen, die sich den Weltmarkt im schon lange kriselnden Musikgeschäft aufteilten (Universal, Sony Music, Warner, EMI). Nach monatelangen, komplizierten Bietergefechten ging der lukrative Musikverlag (mit Rechten an 1,3 Millionen Alben) für 2,2 Mrd. Dollar an ein Konsortium um den Sony-Konzern. Universal übernahm die EMI-Tonträgersparte für 1,9 Mrd. Dollar. Unter Vorbehalt: Das EMI/Vivendi-Geschäft gilt als kartellrechtlich schwierig, denn Universal und EMI würden gemeinsam fast 40 Prozent des Weltmarkts kontrollieren.

Zum weltgrößten Musikverlag war die Universal Music Group (UMG) Anfang September 2006 mit dem Kauf von BMG Music Publishing aufgestiegen (der Bertelsmann-Musikverlagssparte mit einem Katalog von etwa 1 Mio. Songtiteln), für 1,63 Mrd. Euro (Künstler: Justin Timberlake, Coldplay, Christina Aguilera, Puccini, Ravel). Weiterhin wurde Mitte Juni 2007 bekannt, dass Vivendi das unabhängige Plattenlabel Sanctuary Records für rund 66 Millionen Euro kauft. Neuzugänge im Vivendi-Portfolio waren somit u.a.: David Bowie, Elton John, Morrissey, Bob Marley, Deep Purple, die Scorpions, Joe Cocker und die Sex Pistols. Schon vor der Fusion mit EMI also war UMG die weltgrößte Musikfirma mit einem Marktanteil von über 25%.

Erwähnenswert auf dem Feld digitaler Vertriebswege (online und mobil, Musik und Video) ist der Launch der Musikvideo- und Entertainment-Website Vevo im Dezember 2009. Vevo wird betrieben von den Musik-Majors UMG und Sony Music Entertainment, steht allerdings außerhalb der USA und Kanada nicht zur Verfügung. Eigentlich sollte im Laufe des Jahres 2011 auch dem Rest der Welt ein Zugriff auf Vevo ermöglicht werden. Nach wie vor heißt es aber: „not available in your region“ (Stand: April 2012).

Fernsehen/Film:

Im Zentrum der TV-Sparte steht der Bezahlsender Canal Plus. Gegründet 1984 auf Initiative von Mitterand, wurde Canal+ eine von sechs verfügbaren terrestrischen Frequenzen zugesprochen. Die Canal Plus-Gruppe hatte Ende 2011 insgesamt 12,95 Mio. Abonnenten (davon 9,7 Mio. Abonnenten in Frankreich) und betreibt Filialen in Polen (Cyfra+), Vietnam (K+), den französischen Überseegebieten und im frankophonen Afrika (Canal Overseas), dazu das Programmbouquet CanalSat (vormals CanalSatellite. Mehr als 300 Kanäle, 60 davon exklusiv). Die 100-prozentige Tochter StudioCanal schließlich ist ein führender europäischer Akteur in den Bereichen Filmproduktion und -vertrieb mit einem Filmkatalog von über 5.000 Titeln. 2011 liefen die Geschäfte einigermaßen gut. Um 3,1% stieg der Gesamtumsatz, der operative Gewinn um 1,6%.

Im Februar 2006 fusionierte die Canal Plus-Gruppe mit dem Konkurrenten TPS. Damit endete die ruinöse Konkurrenz zwischen den beiden Satellitenanbietern TPS und CanalSatellite. Der Erfolg des digitalen terrestrischen Fernsehens und der immer populärer werdenden ADSL-TV-Angebote dürften die Einigung beflügelt haben. Mit vereinten Kräften wollte man der neuen Konkurrenz entgegentreten. Vivendi hielt zunächst 65 Prozent an dem neu formierten Canal+ France, die früheren TPS-Eigner waren mit 9,9 Prozent (TF1) und 5,1 Prozent (M6) dabei.

Ende November 2009 wurde bekannt, dass Vivendi für 744 Mio. Euro den TF1-Anteil übernimmt; am 6.2.2010 kam der 5,1-prozentige Anteil der RTL-Tochter M6 dazu (Kaufpreis: 384,2 Mio. Euro). Vivendi besitzt nunmehr 80% der Anteile an Canal+ France. Und auch die restlichen 20%, die der Verlagsriese Lagardère seit März 2006 hält, stehen zum Verkauf. Vivendi, eigentlich der logische Käufer, konnte sich zunächst nicht mit Lagardère über einen Preis einigen und hat mittlerweile von dem Geschäft Abstand genommen (so PDG Lévy Mitte November 2011 in Le Figaro). Jetzt plant Lagardère, seine 20% an die Börse zu bringen – wenn die Marktkonditionen sich verbessert haben („si les conditions du marché sont réunies“).

Weitere Nachrichten im Bereich Fernsehen:

Im Juli 2011 geben Canal Plus und Orange (Mobilfunk/Internet/TV-Tochter von France Télécom) ihre „strategische Partnerschaft“ bekannt. Dabei erwirbt die Canal+ Gruppe einen 33,33-prozentigen „non-controlling interest“ an der Orange Cinema Series (fünf digitale Filmkanäle), die ab 2012 auch über CanalSat empfangbar sein werden. Eine weitere „strategic partnership“ betrifft den 60-prozentigen Einstieg von Canal+ in das TV-Geschäft der Bolloré-Gruppe (Firmenkonglomerat des Milliardärs und Sarkozy-Vertrauten Vincent Bolloré), der am 8.9.2011 verkündet wird. Dabei übernimmt Canal+ für 465 Mio. Euro auch den mäßig erfolgreichen Film- und Seriensender Direct 8, empfangbar über Kabel, Satellit, TNT.

Mobilfunk und Festnetztelefonie:

Die Cash-Cow des Unternehmens bleibt die Mobilfunk-Tochter SFR (im April 2011 übernimmt Vivendi die restlichen 44% von der britischen Vodafone Group für 7,8 Milliarden Euro und hält nun 100% der Anteile), dem zweitgrößten Telekom-Anbieter in Frankreich, der 2011 rund 39% des Konzern-EBITA (Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) erwirtschaftete. Auch das marokkanische Telefongeschäft wirft gute Ergebnisse ab. Maroc Telecom (53%) erzielte ein operatives Ergebnis von 1.089 Millionen Euro, vor allem mit seinen mittlerweile über 17 Millionen Mobilfunk-Kunden. Dazu hält Maroc Telecom jeweils 51% der Anteile an den zuvor staatlichen Telefongesellschaften in Mauritanien, Burkina Faso, Gabun und Mali. Mitte November 2009 übernahm Vivendi auch den brasilianischen Telecom-Konzern GVT (100%) für 1,6 Mrd. Euro. Ein „Zukauf in Emerging Markets, um zukünftiges Wachstum zu generieren“, so CEO Lévy. Und tatsächlich: 2011 stieg das GVT-EBITA um nicht weniger als 43% auf 396 Mio. Euro.

Games:

Am 4.7.2008 fusionierte die bis dahin kleinste Konzerneinheit Vivendi Games mit dem US-Spielesoftware-Entwickler Activision. Unter dem Namen Activision Blizzard (Vivendi-Anteil: 60,32%) entstand so einer der weltgrößten und profitabelsten Hersteller von online- und konsolenbasierter Unterhaltungssoftware mit einem Umsatz 2011 von 3,43 Milliarden Euro. Gelistet an der Nasdaq und mit Sitz in Santa Monica, Kalifornien, stellt Activision Blizzard Games-Erfolge her wie „World of Warcraft“, „Call of Duty“, „Starcraft“ und „Diablo“.

Engagement in Deutschland

Lange war Vivendi vergleichsweise schwach im deutschen Markt präsent. Der Anteil am Musiksender Viva (Mitte 2004 an Viacom) und die Babelsberger Filmstudios wurden verkauft. Letztere für den symbolischen Preis von 1 Euro (und der Übernahme von 18 Mio. Euro Verbindlichkeiten) an das Investorengespann Carl Woebcken und Christoph Fisser. Heute steuert das Unternehmen über die Universal Entertainment GmbH in Berlin die Produktion und Vermarktung von Repertoire-Firmen wie Polydor, Island, A&M, Def Jam und Geffen.

Im Januar 2008 weitet Vivendi das Engagement in Deutschland wieder aus. Es wird bekannt, dass Vivendis 100-prozentige Filmtochter StudioCanal die deutsche Filmfirma Kinowelt (Leipzig) für geschätzte 70 Mio. Euro übernimmt. StudioCanal wird so einer der führenden unabhängigen Player in der europäischen Produktionslandschaft. Mittels Kinowelt verspricht man sich einen „direkten Zugang zum deutschen Markt“, v.a. zur Vermarktung des StudioCanal-Katalogs von rund 5.000 Titeln. Dabei sind Vivendi und Kinowelt alte Bekannte: Zuvor hatten die Deutschen Canal Plus-Produktionen vertrieben und ausgewertet. Kinowelts Rechtekatalog, einer der größten Deutschlands, umfasst ca. 10.000 Filme, darunter Klassiker von Regisseuren wie Werner Herzog, Volker Schlöndorff oder Rainer Werner Fassbinder. Am 1. September 2011 wird Kinowelt in StudioCanal umbenannt, der Sitz des Unternehmens wird nach Berlin verlegt. Im Dezember 2011 dann stärkt StudioCanal die Position im Bereich TV-Produktion mit der Übernahme des Münchner Eventfilm-Produzenten Tandem Communications („Die Tore der Welt“, „Die Säulen der Erde“).

Aktuelle Entwicklung

Am Abend des 28. Juni 2012 wird bekannt gegeben, dass Vivendi sich von CEO Jean-Bernard Lévy trennt, wegen „unterschiedlicher Auffassungen über die Strategie“. An der Börse stieg der Vivendi-Titel gleich um über fünf Prozent. Von Management- und Aktionärsseite wurde Lévy vorgeworfen, mit 7,8 Mrd. Euro einen viel zu hohen Preis für die 44-Prozent-Beteiligung des britischen Mobilfunkkonzerns Vodafone an SFR bezahlt zu haben. Aktionäre, Investoren und Aufsichtsratschef Fourtou setzen sich für einen radikalen Umbau ein und fordern eine Aufspaltung des Konzerns. Lévy war dagegen, hielt an der Strategie fest, die wesentlichen Konzernteile zusammenzuhalten, und war so nicht länger tragbar.

Unmittelbar ging daraufhin das Gerücht um, Vivendi wolle sich als erstes von der Games-Sparte Activision Blizzard trennen. Doch schon am 3.7. wurden Zweifel laut. Analysten gehen davon aus, dass es derzeit einfach keinen Kaufinteressenten gebe. Der weltgrößte Spiele-Publisher Activision sei zu groß, niemand (also weder Warner oder Disney, noch Microsoft) sei bereit, die für den 61-prozentigen Vivendi-Anteil notwendigen 8,1 Milliarden US-Dollar zu bezahlen.

Zuvor waren Anfang März 2012 die Ganzjahreszahlen für 2011 veröffentlicht worden. Danach war die Stimmung bei den Anlegern im Keller – trotz Rekordgewinn (2,95 Mrd. Euro Gewinn bei einem nahezu unveränderten Gesamtumsatz von 28,8 Mrd. Euro). Das Telekom-Geschäft in Brasilien (GVT) und die Spielesoftware von Activision-Blizzard erwiesen sich wieder als besonders lukrativ. Doch, wie gesagt, hielt sich die Freude bei den Aktionären in Grenzen. Denn zum einen soll die Dividende um 40 Cent auf 1 Euro gesenkt werden. Vor allem aber lag es an dem „ernüchternden Ausblick“, den Vivendi mit dem Jahresbericht verkündete. 2012 und 2013 rechne man nicht mit einem Gewinnwachstum – wegen höherer steuerlicher Belastungen und des Markteintritts eines nach SFR, France Télécom („Orange“) und Bouygues vierten Wettbewerbers im Mobilfunkgeschäft („Free“, Iliad S.A.).

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Informationen des Unternehmens: Presseberichterstattung:
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Dossier

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