LED-Fernseher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin

1.9.2012

Dish Network Corporation

Umsatz 2011: $ 14,048 Mrd. (€ 10,092 Mrd.)

Geschichte und Profil

Charles W. Ergen legte im Jahr 1980 den Grundstein für EchoStar Communications. Gemeinsam mit seiner Frau Cantey und James DeFranco gründete er zunächst die Firma Echosphere als Anbieter von Satelliten-Equipment. 1992 wurde dem Unternehmen eine DBS-Lizenz zugesprochen („direct broadcast satellite" – direkt empfangbares Satellitenfernsehen). Von da an setzte Ergen alles auf den jungen Satellitenmarkt, den er als Konkurrenz zur allmächtigen Kabelindustrie begriff. 1995 wurde Echosphere in EchoStar Communications umbenannt und 1996 das DBS-Angebot unter der Marke DISH („Digital Sky Highway“) platziert - mit Erfolg. Bereits 1997 ging EchoStar an die Börse. Nach dem einmillionsten Kunden im Jahr 1997 konnten 1999 schon drei Millionen vermeldet werden, Ende 2006 hatte Dish schon über 13 Millionen Abonnenten. Auf dem Weg zu einem Monopol am Himmel über Amerika, trafen sich im Jahr 2002 DirecTV und EchoStar, die beiden Marktführer für Satellitenfernsehen in den USA. DirecTV schien ein perfekter Fusions-Partner zu sein. Das Unternehmen gehört zu Hughes Electronic, dessen Firmengründer der legendäre, bereits zu Hollywood-Ehren gekommene, Industrielle und Flug-Fanatiker Howard Hughes war. Die US-Medienregulierungsbehörde Federal Communications Commission (FCC) untersagte jedoch den Zusammenschluss, da eine Marktdominanz im Bereich des Satellitenfernsehens von 91% die Folge gewesen wäre. Die gescheiterte Fusion kostete EchoStar die nicht unerhebliche Summe von 600 Millionen $, weil das Unternehmen eine Abstandszahlung an Hughes Electronics leisten musste. EchoStar erholte sich schnell von diesem Rückschlag und ist mittlerweile äußerst erfolgreich am US-Markt aufgestellt. Die insgesamt positive Entwicklung spiegelt sich vor allem in den Mitarbeiterzahlen wider. Waren im Jahr 1997 noch 1.930 Mitarbeiter bei EchoStar beschäftigt, so sind es nach letzten Angaben 26.000. Nicht unwesentlichen Anteil daran hat, laut Wall Street Journal, die im Sommer 2003 geschlossene Partnerschaft mit dem US-Telekomkonzern SBC, der zu AT&T gehört. Der SBC-EchoStar-Deal basiert auf "Bündelung", einer Praxis, bei der verschiedene Services in einer Rechnung zusammengefasst werden. Mit diesem Projekt ist SBC der erste große Telekom-Carrier der Fernseh-, Telefon- und Internet-Services in einem Paket verkauft. Am 6. Dezember 2007 wurde das Unternehmen schließlich in Dish Network Corporation umbenannt. Am 1.1.2009 ist die Vertriebspartnerschaft mit AT&T ausgelaufen. Der Kabelanbieter wird zukünftig mit dem Konkurrenten DirecTV zusammen arbeiten. In der Folge erodierten die Abonnentenzahlen der Dish-Services dramatisch. Allein im 4. Quartal 2008 suchten sich 100.000 Abonnenten einen neuen Anbieter.

Für große Aufregung hat das Werbeabkommen, das Echostar im April 2007 mit der Internetfirma Google geschlossen hat, gesorgt. Das „Pay-per-click“ System von Google soll in der Partnerschaft der beiden Unternehmen das erste Mal auf den TV-Markt übertragen werden. Die über die Set-Top-Boxen der Kunden gewonnenen Daten zum Zuschauerverhalten werden anonym ausgewertet. Es wird ermittelt, wie Werbung am besten zu platzieren ist, und wie viele Zuschauer von einer Werbemaßnahme erreicht wurden. Werbung kann so den erreichten Kontakten entsprechend abgerechnet werden. Der gezielte Einsatz von Werbung ist besonders in Zeiten einer immer größeren Ausdifferenzierung des Fernsehpublikums eine Innovation. Inzwischen vertreibt Google etwa ein Drittel der lokalen Werbezeiten von Dish. Seit Oktober 2007 kooperieren Dish und Google auch mit dem Marktforschungsunternehmen Nielsen, das die Daten aus den Settop-Boxen weiter ergänzt und auswertet. Der mit dieser Kooperation vollzogene Eintritt der Firma Google in den amerikanischen TV-Werbemarkt (zuletzt auf ein Volumen von 60 bis 70 Mrd. USD geschätzt), wird von der Branche kritisch beobachtet. Gerüchten zufolge ist bereits ein ähnlicher Deal mit DirecTV angestrebt.

Das Satelliten-Duell Dish gegen DirectTV führt weiterhin DirectTV an, obwohl Dish bis zum dritten Quartal 2007 zunächst höhere Wachstumsraten verzeichnet. Ende 2007 hat DirectTV seine Flotte um zwei Satelliten vergrößert und hat so mit 70 HD-Sendern seinen Vorsprung auf dem wachsenden Markt für High-Definition TV ausgebaut. Obwohl auch Dish HD-Pläne schmiedet und aktuell mit 25 HD-Sendern um Kunden wirbt, besteht die Gefahr, dass das Unternehmen ohne weitere kostspielige Investitionen in den Ausbau seiner Infrastrukturen für HD-TV ins Hintertreffen gerät. Dabei wird Dish ironischer Weise von einer Technik von vorgestern, vom traditionellen terrestrischen Fernsehen, bedroht. Dieses greift Bedürfnisse nach lokalen Inhalten auf und ist zudem kostenfrei empfangbar. Die Nutzungszeiten des Fernsehens sinken beständig zu Gunsten des Internets. Auch wenn der Untergang des Fernsehens oft beschworen wurde und bis heute nicht eingetreten ist, haben Satellitenanbieter mittelfristig durch das Fehlen des Rückkanals einen gravierenden Wettbewerbsnachteil.

Die größte Herausforderung für Dish ist es allerdings, auch im Zeitalter des Breitbandkabels ein zeitgemäßes Angebot aufrechtzuerhalten. Anbieter wie AT&T oder Verizon Communications kombinieren Telefon, Internet und Fernsehangebote in Form von Triple Play-Angeboten, bieten also alle 3 Kommunikationskanäle zu einem Preis aus einer Hand an. Triple Play wird durch günstigere Tarife und mehr verfügbare Bandbreiten immer attraktiver. Durch Triple Play-Flatrates egalisiert sich für die Nutzer mehrerer Kommunikationsmedien auf Dauer auch der Preisvorteil des Satellitenangebots. Der Einstieg in den Mobile-Entertainment Markt über die Submarke PocketDish wird das Preisproblem nicht lösen können. Dish begegnet dieser Herausforderung zurzeit mit Kooperationen. Allerdings wird es nicht leicht sein, gegen die Anfang 2009 geschmiedete Allianz zwischen AT&T und DirecTV zu bestehen. Zusätzlich lassen die steigenden Bandbreiten moderner DSL-Verbindungen den Vertrieb von Programmen über Satelliten obsolet erscheinen. Der einzig bleibende Wettbewerbsvorteil von Satellitenanbietern gegenüber Kabel- und Telekomanbietern ist neben geringeren Preisen die Verfügbarkeit auch in Regionen mit schlecht ausgebauter Infrastruktur. Dieser Faktor ist in einem Land von der Größe und unterschiedlichen Besiedelungsdichte der USA nicht zu unterschätzen – insgesamt nutzen etwa 32 Prozent der Pay-TV Abonnenten in den USA Satellitentechnik. Allerdings gehörte gerade diese Klientel auch zu den ersten Leidtragenden der Finanzkrise in den USA. Ob Pay-TV angesichts drohender Zwangsversteigerung zu den Prioritäten der unter Druck geratenen Hausbesitzer zählt, darf bezweifelt werden.


Dossier

Medienpolitik

Die neuen technischen und inhaltlichen Entwicklungen der digitalen Medien sind eine Herausforderung für Medienmacher, Publikum und Politik. Journalisten müssen beispielsweise immer mehr Informationskanäle beobachten und große Mengen an Daten auswerten. Für die Bürger können die Veränderungen in der Medienlandschaft zu einer stärkeren (politischen) Beteiligung führen und Medien werden genutzt, um für politische Belange Aufmerksamkeit zu erzeugen. Neue Entwicklungen wie soziale Medien oder das Internet der Dinge werden bezüglich des Daten- und Verbraucherschutzes kontrovers diskutiert. Das Dossier möchte Grundlagen zum Rundfunk- und Medienrecht vermitteln, die neuen Herausforderungen und Nutzungsmöglichkeiten aufzeigen und eine kritische Auseinandersetzung mit der sich ständig wandelnden Welt der Medien und der sie regulierenden Medienpolitik fördern.

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