LED-Fernseher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin

1.9.2012

Dish Network Corporation

Umsatz 2011: $ 14,048 Mrd. (€ 10,092 Mrd.)

Aktuelle Entwicklung

Die neue Front sind mobile Endgeräte wie Smartphones und Tablet-PCs. Hier testen die TV-Anbieter die Chance, ihre Programme über das Wohnzimmer hinaus zu verbreiten. Time Warner Cable bietet beispielsweise seit Mitte März 2011 eine so genannte App an, die 32 Kanäle auf Apples iPad darstellt. Dagegen klagten mehrere Programmrechteinhaber wie Viacom in langwierigen Prozessen.

Im April 2011 erwarb Dish Network die Konkursmasse der Videoverleihkette Blockbuster für 320,02 Mio Dollar, davon 228 Mio Dollar in Cash. Blockbuster musste im Herbst 2010 Konkurs anmelden. Mit zum Paket gehören Programmrechte sowie rund 1.700 Filialen landesweit und die technische Distribution übers Internet, die Blockbuster zu spät in Angriff genommen hatte.

Im zweiten Geschäftsquartal 2011 akquirierte Dish 135.000 neue zahlende Kunden netto, ein deutlicher Zuwachs im Vergleich zum Negativrekord im ersten Quartal.Die Gesamtanzahl der Verträge stieg leicht auf 14,056 Millionen. Die Echostar-Tochter steigerte ihren Gewinn deutlich von 257 auf 335 Millionen US-Dollar, der Umsatz kletterte von 3,17 auf 3,59 Milliarden US-Dollar.

Der größte Umsatzanteil entfiel auf das Abogeschäft, die Werbung und der Geräteverkauf spielen bei Dish traditionell nur eine untergeordnete bzw. gar keine Rolle. Der Konzern strahlt mehrere Hundert Sender aus, darunter auch 200 zum Teil regionalisierte HDTV-Kanäle. Diese bedienen Special-Interest-Segemente wie Major League Baseball und Autorennen, Echostar hatte vor kurzem den Satelliten-Anbieter Hughes übernommen, während Dish versuchen wird, das Inventar der insolventen Videothek Blockbuster im Bereich Video-on-Demand gegen die Konkurrenz von Netflix oder Comcast zu kapitalisieren. Auch Echostar legte zum Quartalsende Q 2/2011 seine Zahlen vor: Die Umsätze gingen um drei Prozent auf 584 Millionen US-Dollar zurück, der Gewinn stieg auf 18 Millionen US-Dollar. Im Vergleichsquartal des Vorjahres hatte Echostar noch einen Verlust in Höhe von 41 Millionen US-Dollar verzeichnet.

Das dritte Quartal 2011 bewegte sich mit gut 3,60 Mrd Dollar Umsätzen leicht über dem Niveau des Vorjahres. In den ersten neun Monaten des Jahres wurden kumulativ etwas über 9,8 Mrd Dollar Umsätze erreicht. Die Nettoeinnahmen im Quartal betrugen 319 Mio Dollar, für alle neun Monate 2011 knapp 1,19 Mrd Dollar. Die Zahl der Abonnenten verringerte sich um 111.000 auf insgesamt 13,945 Mio.

Mit neuen inhaltlichen Angeboten wie dem "Blockbuster Movie Pass" versucht Dish Network neue Erlösströme zu generieren. Aus über 100.000 Kinofilmen und TV-Serien können Abokunden Videos on Demand bestellen. Dazu kommt ein Sortiment aus 3.000 Videospielen für Xbox, PlayStation und Wii. Die Kosten dafür sind mit einer pauschalen Flatrate von 10 Dollar monatlich abgedeckt. Das Beispiel des Videoverleihers Netflix hat gezeigt, dass Kunden die Ausleihe über Videostreams akzeptieren. Ab September bietet der Sender zudem mit MLB Network einen neuen 24-Stundenkanal in HD-Bildqualität für Baseballfans an.

Langfristige Perspektiven verfolgt der Ausbau eines schneller LTE-Netzes für Datenverbindungen und vor allem mobile Videoangebote.Zu diesem Zweck hat Dish Network Frequenzen von DBSD North America und Terrestar Networks für insgesamt 2,78 Mrd Dollar erworben. Wenn der Ausbau abgeschlossen ist, sollen Dish-Kunden Videos auch auf mobilen Endgeräten wie Smartphones und dem stark wachsenden Markt der Tablet-PCs empfangen können. Die Übernahme ist seit Mitte März 2012 komplett. Noch ist nicht bekannt, wann die erworbenen Frequenzen für neue Angebote ausgebaut und vermarktet werden.

Im vierten Quartal 2011 berichtete der Gesamtkonzern einen Umsatz von 3,63 Mrd Dollar, 13 Prozent mehr als im Vergleichsquartal des Vorjahres 2010 mit 3,21 Mrd Dollar. Die Nettoeinnahmen beliefen sich auf 313 Mio Dollar, nach 252 Mio Dollar im Vergleichsquartal des Vorjahres. Das Gesamtjahr 2011 schloss mit einem Umsatz von 14,05 Mrd Dollar ab, 11 Prozent mehr als im Jahr 2010 mit 12,64 Mrd Dollar.Die Nettoeinnahmen beliefen sich auf 1,52 Mrd Dollar (verglichen mit 985 Mio Dollar im Jahr 2010.

Die Zahl der Abonnenten stieg im vierten Quartal um 22.000. Dennoch ging die Zahl der zahlenden Abonnenten fürs Gesamtjahr 2011 um 166.000 zurück, so dass Dish in insgesamt 13,967 Mio Haushalten gesehen wurde.

Die bedeutendste Programerweiterung des ersten Halbjahres 2012 ist ein Verbreitungsabkommen mit Univision Communications, dem Marktführer bei spansischsprachigen Programmen in den USA. Univision wird seinen Nachrichtensender Noticias, den Sportsender Univision Deportes und den Seriensender Telenovelas ins Programmbouquet von Dish Network inkorporieren.

Im ersten Quartal 2012 verbesserte Dish seine Umsätze um elf Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 3,58 Mrd Dollar. Die Nettoerlöse fielen von 549 auf 360 Mio Dollar (von Q1/2011 auf Q1/2012), bedingt durch Kosten aus dem Rechtsstreit mit dem Festplattenhersteller TiVo. Die Kundenbasis wuchs um 104.000 neue Abonnenten, so dass 14,071 Mio Haushalte erreicht wurden.

Im April 2012 kam mit James Moorhead ein neuer Marketingchef an Bord, der vorher bei vorher bei Procter & Gamble Großkunden betreute. Da der TV-Markt in den USA gesättigt ist, setzt die neue Marketingstrategie auf die Stärkung der Marke und auf neue Dienste wie den digitalen Aufzeichnungsdienst "Hopper", mit dem Kunden ihr Programm selber zusammenstellen können. Der Dienst bietet 2 Terabyte Onlinespeicher, was für 2.000 Stunden TV-Aufzeichnungen ausreicht. Automatisierte Aufnahmen von jeweils drei Stunden Primetime-Programm bietet "PrimeTime Anytime", das alle Programme der führenden Sender ABC, CBS, FOX und NBC mitschneidet.

Die Konvergenz der Medien nutzt Dish mit seinem "DISH Hopper"-Angebot, das eine Set-Top-Box zum virtuellen Videorekorder macht. Kunden, die diesen Dienst abonnieren, können bis zu drei Sendungen gleichzeitig aufnehmen und auf einer virtuellen Festplatte mit zwei Terabyte Speicherplatz unbegrenzt aufbewahren. Zudem ist der Dienst ans Internet angeschlossen, so dass Apps auch auf Fernsehgeräten herkömmlicher Bauart funktionieren. Dish bietet Apps für Nachrichten, Wetter, Sport, Spiele und Fotodienste ebenso an wie Twitter und Facebook auf dem Fernseher. Die jüngste Partnerschaft wurde im März 2012 mit dem Radiodienst Pandora geschlossen, dessen personalisierte Radios gleichfalls auf den Fernsehgeräten laufen.

Die Aufzeichnungen können so gestaltet werden, dass die Werbung übersprungen wird. Dieses so genannte "Auto-Hop Feature" führte zu Prozessen mit den großen Sendergruppen ABC, CBS, Fox und NBC, die um ihre Werbeeinnahmen fürchten.

Das zweite Quartal beendete Dish mit leicht von 3,59 auf 3,57 Mrd Dollar gesunkenen Umsätzen im Vergleich zum Vorjahresquartal. Die Erlöse sanken von 335 auf 226 Mio Dollar, bedingt durch den Verlust einer Lizenz zur Satellitenverbreitung. Dazu kamen gestiegene Programmkosten und höhere Kundengewinnungskosten. Die Zahl der Abonnenten ging um 10.000 leicht zurück auf insgesamt 14,061 Mio Haushalte. Fürs erste Halbjahr verzeichnete Dish um fünf Prozent auf 7,15 Mrd Dollar gestiegene Umsätze. Die Nettoerlöse sanken von 884 auf 586 Mio Dollar.

Die Programmverbreitung bleibt eine Daueraufgabe mit wechselndem Glück. Im Sommer machte die Auseinandersetzung mit der Sendergruppe AMC Network Schlagzeilen, die vornehmlich Kinofilme und Serien anbieten. Das bekannteste Produkt ist die Zombieserie "The Walking Dead". Dish hatte im Mai angekündigt, die Sender wegen mangelnden Zuschauerinteresses nicht mehr übertragen zu wollen. Letztlich ging es um die Höhe der Übertragungsentgelte. Während des Sommers schaltete Dish AMC ab, doch laufen die Verhandlungen weiter. Ähnliches Prozedere kennzeichnet die Verhandlung mit dem TV-Anbieter Big Ten Networks, einem Spezialisten für den in den USA sehr beliebten College Football.

Wachstum im traditionellen TV-Geschäft ist kaum zu erwarten, also macht sich Dish wie andere Anbieter auf die Suche nach neuen Geschäftsfeldern. Gemeinsam mit der Tochterfirma EchoStar wird Dish landesweit Breitbandinternetzugänge via Satellit anbieten, die Durchsatzgeschwindigkeiten bis zu 15 Megabit pro Sekunde erlauben. Damit hofft das Unternehmen bis zu zwei Mio neue Kunden für Internetdienste zu akquirieren. Der Ausbau der drahtlosen Netzwerke erfordert technisch versierte Partner und die Zustimmung der Kommunikationsaufsicht FCC, was den Ausbau zu einer mittelfristigen Aufgabe macht. Zu den heißesten Handelswaren gehören derzeit Frequenzspektren, die zwischen Sendern, Mobilfunknetzbetreibern und Technikdienstleistern zur wechselseitigen Nutzung vermietet oder verkauft werden.

Weniger um Neukunden als um strategische Ausrichtung geht es dem Satellitensender bei der Implementierung von IPTV-Lösungen, die TV-Programme über Apps auf Smartphones, Laptops oder Tablet PCs übertragen. Voraussetzung auf Kundenseite sind ein bestehendes Abo und die Installation der vom Sender bereit gestellten Software. Jüngster Neuzugang im ist das internationale Programmpaket DISHWorld.


Dossier

Medienpolitik

Die neuen technischen und inhaltlichen Entwicklungen der digitalen Medien sind eine Herausforderung für Medienmacher, Publikum und Politik. Journalisten müssen beispielsweise immer mehr Informationskanäle beobachten und große Mengen an Daten auswerten. Für die Bürger können die Veränderungen in der Medienlandschaft zu einer stärkeren (politischen) Beteiligung führen und Medien werden genutzt, um für politische Belange Aufmerksamkeit zu erzeugen. Neue Entwicklungen wie soziale Medien oder das Internet der Dinge werden bezüglich des Daten- und Verbraucherschutzes kontrovers diskutiert. Das Dossier möchte Grundlagen zum Rundfunk- und Medienrecht vermitteln, die neuen Herausforderungen und Nutzungsmöglichkeiten aufzeigen und eine kritische Auseinandersetzung mit der sich ständig wandelnden Welt der Medien und der sie regulierenden Medienpolitik fördern.

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