LED-Fernseher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin

1.9.2012

BBC

Umsatz 2011/12: £ 5,086 Mrd. (€ 5,893 Mrd.)

Geschichte und Profil

1927 erhielt die fünf Jahre zuvor als British Broadcasting Company gegründete British Broadcasting Corporation (BBC) ihre erste "Royal Charter", die sie, wie die Bank von England, zu einer staatlichen Institution außerhalb des Einflussbereichs der Regierung, nicht aber des Parlaments machte. Ausschließlich finanziert über eine so genannte „Licence Fee“ war so der unabhängige, öffentlich-rechtliche Rundfunk geboren. Kern des BBC-Programmauftrags ist bis heute, durch Information, Bildung und Unterhaltung „dem öffentlichen Interesse zu dienen“.

Zunächst auf den Hörfunk beschränkt, nahm die BBC 1946 den regelmäßigen Fernsehbetrieb auf, 1952 gelang mit der internationalen Live-Übertragung der Krönung von Elisabeth II. ein erster Durchbruch für das neue Medium. Bereits 1955 erhielt das BBC-Fernsehprogramm kommerzielle Konkurrenz durch die Einführung der werbefinanzierten, regional organisierten ITV-Sender (Independent Television).

Mitte der 60er Jahre wurde BBC und später erst, Anfang der 80er Jahre, auch dem Privatfernsehen, jeweils ein weiteres Programm (BBC 2 bzw. Channel Four) genehmigt. Seit dem Einstieg ins digitale Fernsehen Mitte der 90er Jahre baut die BBC planmäßig ihr Programmangebot aus. Durch Übernahme der eigentlich für einen kommerziellen Veranstalter vorgesehenen Lizenz für terrestrisches Digitalfernsehen in Großbritannien durch ein Konsortium aus BBC und Rupert Murdochs Pay-TV-Plattform BSkyB (FreeView) ist die öffentlich-rechtliche Anstalt dominierende Kraft im britischen TV-Markt.

Alle kommerziellen Aktivitäten der BBC sind – national wie international – seit 1994 im Tochterunternehmen BBC Worldwide zusammengefasst. Worldwide vermarktet die über die Rundfunkgebühr finanzierten Programminhalte und Spin-Offs wie Magazine, Bücher usw. und ist selbst – vor allem im Ausland – Programmveranstalter im Pay- wie im Free-TV. Alle Gewinne von BBC Worldwide werden an die BBC-Mutter zurückgeführt.

Alle BBC-TV- und Radio-Programme sind werbefrei und werden aus der Rundfunkgebühr finanziert, die in Großbritannien ausschließlich von TV-Zuschauern zu entrichten ist. Der Empfang von Radioprogrammen ist frei.

Der BBC wurde 2007 ursprünglich eine schrittweise Erhöhung der Gebühr auf 151,50 Pfund im Jahr 2012 zugestanden. Der Tag, an dem die Neuregelung der Rundfunkgebühr für die BBC verkündet wurde, war medial allerdings von trivialeren Ereignissen überschattet: In der britischen „Celebrity-Big-Brother“-Variante hatte sich die B-Prominenz gegenseitig mit rassistischen Bemerkungen überzogen. Die Klagen der BBC, dass sie wegen des für sie unbefriedigenden Deals bis 2012 mit mindestens 2 Milliarden Pfund (umgerechnet 2,9 Milliarden Euro) weniger auskommen muss als geplant, verhallten daher mehr oder weniger ungehört.

Dabei ist die Gebührenanpassung ein heftiger Traditionsbruch. Seit 1988 war die von Regierung und Unterhaus festgesetzte „Licence Fee“ an die Inflationsrate gekoppelt. Diese Indexierung ist in Großbritannien nun passé. Die Gebühr stieg 2007/2008 noch einmal um jeweils drei Prozent, und dieser Satz geht bis zum Auslaufen der Gebührenperiode 2012/2013 stufenweise weiter zurück. Die Journalistengewerkschaft NUJ protestierte energisch gegen dieses „Below-Inflation-Settlement“, es kam zu einzelnen Streiks bei der BBC. Der Generaldirektor betonte, dass die Finanzierungslücke Konsequenzen für das Programm haben könne, und kündigte eine hauseigene Bestandsaufnahme an, mit der Einsparmöglichkeiten aufgespürt werden sollten.

Weiteren Druck erhielt die BBC von Seiten des Mitte Juni 2009 veröffentlichten „Digital Britain Reports“: Erstmals wurde im von Lord Carter vorgelegten Weißbuch verlangt, die BBC solle ab 2013 von den Rundfunkgebühren 3,5% an ihre kommerziellen Rivalen abführen, um deren „Public-Service“-Angebote mitzufinanzieren. Weiterhin solle der Ausbau des Breitband-Internet-Netzes zum Teil aus den überschüssigen Gebühren aufgrund der günstigeren digitalen Rundfunkverbreitung („Digital Switchover Surplus“) finanziert werden. Zusätzlich sollen aus diesem Budget - 130 Mio. Pfund bis 2012 - drei Pilotprojekte für die Regionalnachrichten bei ITV gefördert werden. Diese „Regional News Programmes“ bilden den Kern der „Public-Service“-Auflagen für das werbefinanzierte Programm, waren laut dem größten britischen Privatsender aber wegen dramatischer Werbeeinbrüche nicht mehr bezahlbar. Auch die Gewinne der kommerziellen BBC-Tochter BBC Worldwide, die bislang komplett an die BBC zurückfließen, können laut Weißbuch ebenfalls künftig zugunsten von „Public-Service“-Angeboten bei anderen Sendern angezapft werden. Das Weißbuch ebnet auch den Weg zu einer Teilprivatisierung von BBC Worldwide und schlägt vor, dass andere Medienunternehmen in beschränktem Ausmaß Anteile an BBC Worldwide erwerben können sollen.


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