LED-Fernseher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin

1.9.2012

BBC

Umsatz 2011/12: £ 5,086 Mrd. (€ 5,893 Mrd.)

Geschäftsfelder

Fernsehen:
Bis 2012 verbreitet die BBC weiterhin auch analog ihre beiden TV-Programme BBC One (mit Regionalfenstern für Schottland, Nordirland, Wales und England) und BBC Two (mit Regionalfenstern für Schottland, Nordirland und Wales).

Freeview, die seit 2002 bestehende digitale terrestrische Plattform der BBC für rund 75 Programme, und Freesat, eine seit 2008 bestehende frei empfangbare digitale Satelliten-Plattform für bis zu 300 TV- und Radioprogramme, sind als Übertragungskanäle mittlerweile fest etabliert. Nach dem „switchover“ 2012 sollen auch die meisten der abgelegenen Haushalte Freeview empfangen können, die bis dahin eine Satellitenschüssel für Freesat benötigten um digital fernzusehen. Mit den beiden Übertragungstechniken ist die BBC endgültig zum wesentlichen Faktor im Medienmarkt der Zukunft geworden, da sie hier auch Programme anderer Anbieter verbreitet.

Nicht analog, dafür unter anderem über Freeview und Freesat betreibt die BBC sieben Programme im digitalen, terrestrischen Standard DVB-T bzw. in DVB-S: BBC Three (Zielgruppe junge Erwachsene), BBC Four (Kultur/Bildung), BBC HD (aufwändige Serien, Dokus und Großveranstaltungen), BBC News (Nachrichtenkanal), BBC Parliament (Live-Übertragungen aus Westminster) sowie die beiden Kinderkanäle CBBC (Children’s BBC) und das an Kleinkinder gerichtete Programm CBeebies. Zusätzlich wird BBCs erster Sender als BBC One HD ausgestrahlt, während der Regionalnachrichten jedoch nur mit hochgerechnetem Material in Standardauflösung. Der Sender BBC Alba, ein auf schottisches Programm spezialisiertes Joint-Venture mit Virgin Media, ist dort auch über Freeview und im Rest Großbritanniens nur über die anderen nicht-terrestrischen Übertragungswege empfangbar.

BBC Worldwide betreibt aktuell 24 TV-Sender (inkl. 3 Simulcasts), zum Teil als Joint-Ventures mit anderen Medienunternehmen. Sie sind über Satellit, Kabel, IPTV, zum Teil Internet-TV und nur außerhalb Großbritanniens auch terrestrisch zu empfangen. Hierzu gehören BBC Entertainment (BBC-Programm-Highlights), der internationale Nachrichtenkanal BBC World News, BBC HD (innerhalb Großbritanniens von der BBC ausgestrahlt), BBC America (auch simultan in HD), BBC Canada, BBC HD Scandinavia, BBC Knowledge (auch simultan in HD), BBC Lifestyle, die internationale Version des Kindersenders CBeebies, BBC Kids, der Sender UKTV für Australien und Neuseeland (auch simultan in HD) sowie das eigenständige, auch in Großbritannien zu empfangende Pay-TV-Paket UKTV (Joint-Venture mit Scripps Network).


Radio:
Derzeit senden fünf analoge UKW-Sendeketten: Radio 1 (Pop, Jugend), Radio 2 (allgemeine Unterhaltung), Radio 3 (E-Musik, Kultur), Radio 4 (Unterhaltung, Nachrichten, Hörspiele) und Radio 5 Live (Nachrichten, Sport), dazu kommen regionale Hörfunk-Programme für Schottland, Wales und Nordirland sowie rund 40 BBC-Lokalsender in England. Außerdem werden die Programme zum Großteil auch über digitale Rundfunk-Standards verbreitet, die zusätzlich fünf exklusive Sender bieten (siehe digitaler Rundfunk).

Fünf Radiokanäle betreibt die BBC exklusiv über digitale Sendetechnik: Radio 1Xtra (aktuelle Musik), Radio 4 Extra (Comedy, Hörspiele, Kinderprogramm), Radio 5 Live Sports Extra (mehr Kommentar als beim Schwestersender), Radio 6 Music (alternative und „indie“-Musik) sowie das an Migranten gerichtete Asian Network, das überwiegend in Englisch, zum Teil aber auch in diversen Sprachen aus Indien und angrenzenden Gebieten sendet. Landesweite BBC-Radiosender sind in digitaler Form neben DAB auch über DVB-T und -S empfangbar, bei den Programmen der britischen Teilnationen und Lokalsendern ist die Verfügbarkeit unterschiedlich. Der neue Standard DAB+, der unter anderem höhere Tonqualität bietet, spielt programm- und empfangstechnisch noch keine Rolle.

BBC World Service sendet in über 30 Sprachen und erreicht wöchentlich mindestens 140 Millionen Hörer in aller Welt. Traditionell über Kurzwelle zu empfangen, wird der "World Service" in mehr und mehr Ländern ganz oder teilweise auf UKW- und Mittelwelle-Frequenzen übernommen. Das in den vergangenen Jahren trotz heftiger interner und öffentlicher Kritik eingeschränkte Programmangebot wird vollständig über einen "Grant in Aid“, einen festen Etatposten des Außenministeriums finanziert, das aber keinerlei Einfluss auf den Programminhalt hat. Der World Service finanziert auch TV-Angebote wie die im März 2008 bzw. im Januar 2009 gestarteten Nachrichtenkanäle BBC Arabic Television und BBC Persian Television, die in erster Linie über Satellit empfangbar sind.


Digitaler Rundfunk:
Anders als die öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland ist die BBC bereits stärker in der Welt des digitalen Rundfunks aktiv und sieht sich selbst als treibende Kraft hinter dem für 2012 geplanten „switch off“ der analogen TV-Sender. Die Umstellung auf digitale Sendetechnik ist in einigen Regionen bereits komplett abgeschlossen und soll im TV-Bereich bis 2012 im ganzen Land die analogen Signale ersetzen - für die Radiosender steht jedoch noch kein „switch-off“-Datum fest.

Der Prozess, der mit dem „switch off“ der analogen Radio- und TV-Sender enden soll, wird „Digital Switchover“ genannt und durch das Non-Profit-Unternehmen „Digital UK Limited“ geleitet. Die Firma wurde 2005 im Auftrag der Regierung gegründet, ist in Besitz und wird finanziert von den öffentlichen Sendeanstalten (hauptsächlich der BBC) und Multiplex-Betreibern und arbeitet eng mit einigen Behörden zusammen. Digital UK und der „Digital Switchover Help Scheme“ (DSHS, Hilfe für Senioren und behinderte Menschen bei der Umstellung) waren im Geschäftsjahresbericht 2010/2011 der BBC zusammen mit £ 80,3 Mio. veranschlagt (vgl. „BBC Four“ £ 67,1 Mio.). Weiterhin informiert Digital UK beispielsweise auf Informationsveranstaltungen und dem zugehörigen Internetportal. Im September 2011 waren bereits mehr als die Hälfte der „TV-Regionen“ des Vereinigten Königreichs umgestellt. Der „switch off“ der Radioprogramme hat jedoch viele Gegner und wird den ursprünglich angepeilten Termin 2015 voraussichtlich weit verfehlen.


Internet:
Der Fokus der BBC auf das Digitale ist auch im klassischen Internet bemerkbar. Seit Sommer 2006 versucht Generaldirektor Mark Thompson mit seiner „Delivering-Creative-Future“-Strategie die BBC auf die Konvergenz der Medien einzustellen. Online-Interaktivität soll dabei speziell durch Web-2.0-Techniken wie das „Teilen“ von BBC-Programmen sowie Nutzer-Blogs und andere „Community“-Werkzeuge gefördert werden. Eines der ersten unter der Strategie vorgestellten Projekte war der im April 2007 vom BBC Trust durchgewinkte iPlayer - die BBC-Mediathek im Internet. Hier können bis zu sieben Tage nach der Ausstrahlung die meisten BBC-Sendungen online abgerufen werden. Seit September 2010 ist der Service in Version 3 verfügbar und bietet neben einer überarbeiteten Bedienung auch Verknüpfungen mit Twitter, Facebook und Windows Live Messenger, Empfehlungen von Freunden und Links zum Video-on-Demand-Programm anderer Sender. Der iPlayer ist in verschiedenen Varianten auch über den privaten Kabelnetzbetreiber Virgin Media, private Fernsehanbieter, Spielekonsolen und mobile Geräte verfügbar. Bis März 2011 waren allein für Entwicklung und Funktion des iPlayers £ 22,5 Mio. aufgewendet worden und es wird von zukünftigen Kosten in Höhe von £ 5,2 Mio. pro Jahr ausgegangen. Im Juli 2011 startete der iPlayer in 11 westeuropäischen Staaten als iPad-App, deren Programm größtenteils nur gegen eine Gebühr in Höhe von 50% der britischen Rundfunkgebühren verfügbar ist und somit die Beitragszahler im Vereinigten Königreich entlasten soll. Das Angebot von BBC Online wird stetig überarbeitet und soll in seiner neusten Form mit einer von Tablets bekannten Karussell-Navigation daherkommen. Die Menge der Inhalte auf der BBC-Homepage wurde dadurch drastisch reduziert, sodass die komplette Seite auf den Bildschirm eines iPad passt. Gleichzeitig wandert der Fokus von Nachrichten zum iPlayer. Es wird überlegt, das Design auch für Mobil-Websites und Seiten für internetfähige Fernsehgeräte zu verwenden sowie für thematisch abgegrenzte Webseiten wie BBC News


Lizenzhandel:
BBC Worldwide ist für den internationalen Rechtehandel mit BBC-Programmen und Ko-Produktionen zuständig.


Zeitschriften/Ton- und Bildträger:
Neben Magazinen gibt die BBC Hörbücher, Tonträger, DVDs und Lehrmaterialen zu den diversen BBC-Bildungsprogrammen sowie die Reiseführer-Reihe „Lonely Planet“ heraus. Der Löwenanteil der von BBC Worldwide verlegten Publikumszeitschriften wird voraussichtlich im Herbst 2011 an die Private Equity Firma Exponent verkauft werden. 34 BBC-Magazine, darunter das Programmheft „Radio Times“, „Top Gear“ oder „Gardener's World“, werden für 121 Millionen Pfund (138 Millionen Euro) verkauft. Die Titel, die auf BBC Sendungen beruhen, werden nicht vollständig, sondern in Form von Lizenzen an Exponent verkauft. Zentrale Marken von BBC Worldwide wie „Lonely Planet“ werden nur im Auftrag der BBC von Exponent verlegt. Das Office of Fair Trading muss den Deal jedoch vorerst absegnen.


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