LED-Fernseher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin
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1.9.2012

BBC

Umsatz 2011/12: £ 5,086 Mrd. (€ 5,893 Mrd.)

Die 1927 gegründete British Broadcasting Corporation ist die größte Rundfunkanstalt der Welt. Innerhalb Großbritanniens produziert die BBC gebührenfinanzierte Programme, die ihre Zuschauer "informieren, bilden und unterhalten" sollen.
Satellitenschüsseln außerhalb der British Broadcasting Corporation (BBC) in London.Die British Broadcasting Corporation mit Sitz in London strahlte erstmals 1946 neben Radio- auch Fernsehsendungen aus. (© AP)

Überblick


Die 1927 gegründete British Broadcasting Corporation ist die größte Rundfunkanstalt der Welt. Innerhalb Großbritanniens produziert die BBC ein ausschließlich gebührenfinanziertes Radio- und Fernsehprogramm, das seine Zuschauer "informieren, bilden und unterhalten" soll. Im Ausland erwirtschaftet der kommerziell agierende Arm BBC Worldwide durch das Betreiben von Fernsehsendern, die Lizenzierung von Fernsehformaten und die Veröffentlichung von Büchern zusätzliche Erträge, die an die Anstalt zurückgeführt werden und die Gebührenzahler entlasten sollen. Im Onlinebereich betreibt die BBC mit ihrer Homepage die reichweitenstärkste Internetseite Europas.

Basisdaten

Hauptsitz:
Broadcasting House,
Portlands Place,
London W1A 1AA,
Großbritannien
Telefon: 0044-20-7580-4468
Telefax: 0044-20-7765-1630
Internet: www.bbc.co.uk

Branche: Fernsehsender, Radio, Rechtehandel, TV-Produktion, TV-Spartenkanäle, Zeitschriften, Buchverlage
Rechtsform: Öffentlich-rechtliche Anstalt
Geschäftsjahr: 01.06. - 31.05.
Gründungsjahr: (1922) 1927


Geschäftsführung

BBC executive-directors:

Executive directors
  • George Entwistle, Director-General
  • Helen Boaden, Director, News
  • Tim Davie, Director, Audio & Music
  • George Entwistle, Director, Vision
  • Zarin Patel, Chief Financial Officer
  • Ralph Rivera, Director, Future Media
  • Caroline Thomson, Chief Operating Officer
Non-executive directors
  • Marcus Agius
  • Simon Burke
  • Sally Davis
  • Dame Fiona Reynolds
  • Dr Mike Lynch
  • Robert Webb
BBC Trust:
  • Lord Patten, Chairman
  • Diane Coyle, Vice Chairman
  • Richard Ayre, Trustee
  • Anthony Fry, Trustee
  • Alison Hastings, Trustee for England
  • Rotha Johnston, Trustee for North Ireland
  • David Liddiment, Trustee
  • Bill Mathews, Trustee for Scotland
  • Mehmuda Mian, Trustee
  • Elan Closs Stephens, Trustee for Wales
  • Suzanna Taverne, Trustee
  • Lord Williams, Trustee

Geschichte und Profil

1927 erhielt die fünf Jahre zuvor als British Broadcasting Company gegründete British Broadcasting Corporation (BBC) ihre erste "Royal Charter", die sie, wie die Bank von England, zu einer staatlichen Institution außerhalb des Einflussbereichs der Regierung, nicht aber des Parlaments machte. Ausschließlich finanziert über eine so genannte „Licence Fee“ war so der unabhängige, öffentlich-rechtliche Rundfunk geboren. Kern des BBC-Programmauftrags ist bis heute, durch Information, Bildung und Unterhaltung „dem öffentlichen Interesse zu dienen“.

Zunächst auf den Hörfunk beschränkt, nahm die BBC 1946 den regelmäßigen Fernsehbetrieb auf, 1952 gelang mit der internationalen Live-Übertragung der Krönung von Elisabeth II. ein erster Durchbruch für das neue Medium. Bereits 1955 erhielt das BBC-Fernsehprogramm kommerzielle Konkurrenz durch die Einführung der werbefinanzierten, regional organisierten ITV-Sender (Independent Television).

Mitte der 60er Jahre wurde BBC und später erst, Anfang der 80er Jahre, auch dem Privatfernsehen, jeweils ein weiteres Programm (BBC 2 bzw. Channel Four) genehmigt. Seit dem Einstieg ins digitale Fernsehen Mitte der 90er Jahre baut die BBC planmäßig ihr Programmangebot aus. Durch Übernahme der eigentlich für einen kommerziellen Veranstalter vorgesehenen Lizenz für terrestrisches Digitalfernsehen in Großbritannien durch ein Konsortium aus BBC und Rupert Murdochs Pay-TV-Plattform BSkyB (FreeView) ist die öffentlich-rechtliche Anstalt dominierende Kraft im britischen TV-Markt.

Alle kommerziellen Aktivitäten der BBC sind – national wie international – seit 1994 im Tochterunternehmen BBC Worldwide zusammengefasst. Worldwide vermarktet die über die Rundfunkgebühr finanzierten Programminhalte und Spin-Offs wie Magazine, Bücher usw. und ist selbst – vor allem im Ausland – Programmveranstalter im Pay- wie im Free-TV. Alle Gewinne von BBC Worldwide werden an die BBC-Mutter zurückgeführt.

Alle BBC-TV- und Radio-Programme sind werbefrei und werden aus der Rundfunkgebühr finanziert, die in Großbritannien ausschließlich von TV-Zuschauern zu entrichten ist. Der Empfang von Radioprogrammen ist frei.

Der BBC wurde 2007 ursprünglich eine schrittweise Erhöhung der Gebühr auf 151,50 Pfund im Jahr 2012 zugestanden. Der Tag, an dem die Neuregelung der Rundfunkgebühr für die BBC verkündet wurde, war medial allerdings von trivialeren Ereignissen überschattet: In der britischen „Celebrity-Big-Brother“-Variante hatte sich die B-Prominenz gegenseitig mit rassistischen Bemerkungen überzogen. Die Klagen der BBC, dass sie wegen des für sie unbefriedigenden Deals bis 2012 mit mindestens 2 Milliarden Pfund (umgerechnet 2,9 Milliarden Euro) weniger auskommen muss als geplant, verhallten daher mehr oder weniger ungehört.

Dabei ist die Gebührenanpassung ein heftiger Traditionsbruch. Seit 1988 war die von Regierung und Unterhaus festgesetzte „Licence Fee“ an die Inflationsrate gekoppelt. Diese Indexierung ist in Großbritannien nun passé. Die Gebühr stieg 2007/2008 noch einmal um jeweils drei Prozent, und dieser Satz geht bis zum Auslaufen der Gebührenperiode 2012/2013 stufenweise weiter zurück. Die Journalistengewerkschaft NUJ protestierte energisch gegen dieses „Below-Inflation-Settlement“, es kam zu einzelnen Streiks bei der BBC. Der Generaldirektor betonte, dass die Finanzierungslücke Konsequenzen für das Programm haben könne, und kündigte eine hauseigene Bestandsaufnahme an, mit der Einsparmöglichkeiten aufgespürt werden sollten.

Weiteren Druck erhielt die BBC von Seiten des Mitte Juni 2009 veröffentlichten „Digital Britain Reports“: Erstmals wurde im von Lord Carter vorgelegten Weißbuch verlangt, die BBC solle ab 2013 von den Rundfunkgebühren 3,5% an ihre kommerziellen Rivalen abführen, um deren „Public-Service“-Angebote mitzufinanzieren. Weiterhin solle der Ausbau des Breitband-Internet-Netzes zum Teil aus den überschüssigen Gebühren aufgrund der günstigeren digitalen Rundfunkverbreitung („Digital Switchover Surplus“) finanziert werden. Zusätzlich sollen aus diesem Budget - 130 Mio. Pfund bis 2012 - drei Pilotprojekte für die Regionalnachrichten bei ITV gefördert werden. Diese „Regional News Programmes“ bilden den Kern der „Public-Service“-Auflagen für das werbefinanzierte Programm, waren laut dem größten britischen Privatsender aber wegen dramatischer Werbeeinbrüche nicht mehr bezahlbar. Auch die Gewinne der kommerziellen BBC-Tochter BBC Worldwide, die bislang komplett an die BBC zurückfließen, können laut Weißbuch ebenfalls künftig zugunsten von „Public-Service“-Angeboten bei anderen Sendern angezapft werden. Das Weißbuch ebnet auch den Weg zu einer Teilprivatisierung von BBC Worldwide und schlägt vor, dass andere Medienunternehmen in beschränktem Ausmaß Anteile an BBC Worldwide erwerben können sollen.


Management

Mark Thompson war von 2004 bis 2012 Generaldirektor der BBC, ehe er als CEO der New York Times Company anheuerte. Sein Nachfolger ist der ehemalige Content-Chef George Entwistle. In der Vorentscheidung setzte er sich gegen Caroline Thomson durch, die das operative Geschäft der BBC managte. Unter Beobachtern galt Thomson lange als Favoritin auf den Posten des Generalsekretärs, der in der Geschichte der Anstalt noch nie von einer Frau bekleidet wurde. Letzlich setzte sich Entwistle jedoch mit seinem Zukunftskonzept beim BBC Trust durch. Entwistle, der auch die erste Wahl seines Vorgängers war, leitete bisher die Planung und Produktion sämtlicher BBC-Inhalte und Formate. Der 50-jährige leitete zuvor als Redakteur Nachrichtenformate wie Newsnight oder Panorama. In die Kritik geriet er zuletzt, als er die Beobachtern zufolge katastrophale Berichterstattung zum 60-jährigen Thronjubiläum von Königin Elizabeth verantwortete. Britische Medienkonzerne erneuerten nach der Nominierung von Entwistle ihre Forderung nach Abschaffung der BBC-Gebühren.

Die von Januar 2007 bis 2016 gültige neue „Royal Charter“ führte zu einschneidenden Reformen bei der BBC, insbesondere im obersten Management und bei der Selbstaufsicht der Anstalt. Geleitet wird die BBC von einem Management-Team („BBC Executive Board“), an dessen Spitze der Generaldirektor steht. Der Generaldirektor ist gleichzeitig als „oberster Chefredakteur“ für alle Programme verantwortlich. Die neue Charter schreibt, wie in britischen Vorständen üblich, verbindlich mindestens vier so genannte Non-Executive-Directors im Board vor, deren Position eher mit der eines Aufsichtsrates zu vergleichen ist. Die Position des erst 2004 eingeführten stellvertretenden Generaldirektors wurde 2011 im Zuge von umfassenden Kürzungen bei der BBC gestrichen.

Um „einsamen Entscheidungen“ des Generaldirektors vorzubeugen, wurde auch die bislang vom „Board of Governors“ ausgeübte Selbstkontrolle der BBC neu organisiert. An die Stelle der Governors, die einerseits oberste Management-Instanz und gleichzeitig das anstaltseigene Aufsichtsgremium darstellten, trat der „BBC Trust“. Er hat zwar keine direkten Management-Aufgaben mehr, verfügt aber über deutlich mehr Kompetenzen bei der Besetzung des Executive Board, das seit Januar 2007 als BBC-Exekutive firmiert. Außerdem soll der Trust die Programmleistung der BBC und ihre Übereinstimmung mit ihrem Programmauftrag detailliert überwachen. Zu diesem Gremium gehören Chairman, Vice-Chairman und zehn Trustees. Sie repräsentieren formal – ähnlich wie die Rundfunkräte in Deutschland – die gesellschaftliche Vielfalt im Land. Durch ihre im Vergleich zu deutschen Aufsichtsgremien viel geringere Zahl sind die einzelnen Trust-Mitglieder mächtiger. Anders als in Deutschland werden sie auch nicht von entsprechenden „Trägern des gesellschaftlichen Lebens“ nominiert, sondern von der Königin auf Vorschlag der Regierung ernannt.

Geschäftsfelder

Fernsehen:
Bis 2012 verbreitet die BBC weiterhin auch analog ihre beiden TV-Programme BBC One (mit Regionalfenstern für Schottland, Nordirland, Wales und England) und BBC Two (mit Regionalfenstern für Schottland, Nordirland und Wales).

Freeview, die seit 2002 bestehende digitale terrestrische Plattform der BBC für rund 75 Programme, und Freesat, eine seit 2008 bestehende frei empfangbare digitale Satelliten-Plattform für bis zu 300 TV- und Radioprogramme, sind als Übertragungskanäle mittlerweile fest etabliert. Nach dem „switchover“ 2012 sollen auch die meisten der abgelegenen Haushalte Freeview empfangen können, die bis dahin eine Satellitenschüssel für Freesat benötigten um digital fernzusehen. Mit den beiden Übertragungstechniken ist die BBC endgültig zum wesentlichen Faktor im Medienmarkt der Zukunft geworden, da sie hier auch Programme anderer Anbieter verbreitet.

Nicht analog, dafür unter anderem über Freeview und Freesat betreibt die BBC sieben Programme im digitalen, terrestrischen Standard DVB-T bzw. in DVB-S: BBC Three (Zielgruppe junge Erwachsene), BBC Four (Kultur/Bildung), BBC HD (aufwändige Serien, Dokus und Großveranstaltungen), BBC News (Nachrichtenkanal), BBC Parliament (Live-Übertragungen aus Westminster) sowie die beiden Kinderkanäle CBBC (Children’s BBC) und das an Kleinkinder gerichtete Programm CBeebies. Zusätzlich wird BBCs erster Sender als BBC One HD ausgestrahlt, während der Regionalnachrichten jedoch nur mit hochgerechnetem Material in Standardauflösung. Der Sender BBC Alba, ein auf schottisches Programm spezialisiertes Joint-Venture mit Virgin Media, ist dort auch über Freeview und im Rest Großbritanniens nur über die anderen nicht-terrestrischen Übertragungswege empfangbar.

BBC Worldwide betreibt aktuell 24 TV-Sender (inkl. 3 Simulcasts), zum Teil als Joint-Ventures mit anderen Medienunternehmen. Sie sind über Satellit, Kabel, IPTV, zum Teil Internet-TV und nur außerhalb Großbritanniens auch terrestrisch zu empfangen. Hierzu gehören BBC Entertainment (BBC-Programm-Highlights), der internationale Nachrichtenkanal BBC World News, BBC HD (innerhalb Großbritanniens von der BBC ausgestrahlt), BBC America (auch simultan in HD), BBC Canada, BBC HD Scandinavia, BBC Knowledge (auch simultan in HD), BBC Lifestyle, die internationale Version des Kindersenders CBeebies, BBC Kids, der Sender UKTV für Australien und Neuseeland (auch simultan in HD) sowie das eigenständige, auch in Großbritannien zu empfangende Pay-TV-Paket UKTV (Joint-Venture mit Scripps Network).


Radio:
Derzeit senden fünf analoge UKW-Sendeketten: Radio 1 (Pop, Jugend), Radio 2 (allgemeine Unterhaltung), Radio 3 (E-Musik, Kultur), Radio 4 (Unterhaltung, Nachrichten, Hörspiele) und Radio 5 Live (Nachrichten, Sport), dazu kommen regionale Hörfunk-Programme für Schottland, Wales und Nordirland sowie rund 40 BBC-Lokalsender in England. Außerdem werden die Programme zum Großteil auch über digitale Rundfunk-Standards verbreitet, die zusätzlich fünf exklusive Sender bieten (siehe digitaler Rundfunk).

Fünf Radiokanäle betreibt die BBC exklusiv über digitale Sendetechnik: Radio 1Xtra (aktuelle Musik), Radio 4 Extra (Comedy, Hörspiele, Kinderprogramm), Radio 5 Live Sports Extra (mehr Kommentar als beim Schwestersender), Radio 6 Music (alternative und „indie“-Musik) sowie das an Migranten gerichtete Asian Network, das überwiegend in Englisch, zum Teil aber auch in diversen Sprachen aus Indien und angrenzenden Gebieten sendet. Landesweite BBC-Radiosender sind in digitaler Form neben DAB auch über DVB-T und -S empfangbar, bei den Programmen der britischen Teilnationen und Lokalsendern ist die Verfügbarkeit unterschiedlich. Der neue Standard DAB+, der unter anderem höhere Tonqualität bietet, spielt programm- und empfangstechnisch noch keine Rolle.

BBC World Service sendet in über 30 Sprachen und erreicht wöchentlich mindestens 140 Millionen Hörer in aller Welt. Traditionell über Kurzwelle zu empfangen, wird der "World Service" in mehr und mehr Ländern ganz oder teilweise auf UKW- und Mittelwelle-Frequenzen übernommen. Das in den vergangenen Jahren trotz heftiger interner und öffentlicher Kritik eingeschränkte Programmangebot wird vollständig über einen "Grant in Aid“, einen festen Etatposten des Außenministeriums finanziert, das aber keinerlei Einfluss auf den Programminhalt hat. Der World Service finanziert auch TV-Angebote wie die im März 2008 bzw. im Januar 2009 gestarteten Nachrichtenkanäle BBC Arabic Television und BBC Persian Television, die in erster Linie über Satellit empfangbar sind.


Digitaler Rundfunk:
Anders als die öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland ist die BBC bereits stärker in der Welt des digitalen Rundfunks aktiv und sieht sich selbst als treibende Kraft hinter dem für 2012 geplanten „switch off“ der analogen TV-Sender. Die Umstellung auf digitale Sendetechnik ist in einigen Regionen bereits komplett abgeschlossen und soll im TV-Bereich bis 2012 im ganzen Land die analogen Signale ersetzen - für die Radiosender steht jedoch noch kein „switch-off“-Datum fest.

Der Prozess, der mit dem „switch off“ der analogen Radio- und TV-Sender enden soll, wird „Digital Switchover“ genannt und durch das Non-Profit-Unternehmen „Digital UK Limited“ geleitet. Die Firma wurde 2005 im Auftrag der Regierung gegründet, ist in Besitz und wird finanziert von den öffentlichen Sendeanstalten (hauptsächlich der BBC) und Multiplex-Betreibern und arbeitet eng mit einigen Behörden zusammen. Digital UK und der „Digital Switchover Help Scheme“ (DSHS, Hilfe für Senioren und behinderte Menschen bei der Umstellung) waren im Geschäftsjahresbericht 2010/2011 der BBC zusammen mit £ 80,3 Mio. veranschlagt (vgl. „BBC Four“ £ 67,1 Mio.). Weiterhin informiert Digital UK beispielsweise auf Informationsveranstaltungen und dem zugehörigen Internetportal. Im September 2011 waren bereits mehr als die Hälfte der „TV-Regionen“ des Vereinigten Königreichs umgestellt. Der „switch off“ der Radioprogramme hat jedoch viele Gegner und wird den ursprünglich angepeilten Termin 2015 voraussichtlich weit verfehlen.


Internet:
Der Fokus der BBC auf das Digitale ist auch im klassischen Internet bemerkbar. Seit Sommer 2006 versucht Generaldirektor Mark Thompson mit seiner „Delivering-Creative-Future“-Strategie die BBC auf die Konvergenz der Medien einzustellen. Online-Interaktivität soll dabei speziell durch Web-2.0-Techniken wie das „Teilen“ von BBC-Programmen sowie Nutzer-Blogs und andere „Community“-Werkzeuge gefördert werden. Eines der ersten unter der Strategie vorgestellten Projekte war der im April 2007 vom BBC Trust durchgewinkte iPlayer - die BBC-Mediathek im Internet. Hier können bis zu sieben Tage nach der Ausstrahlung die meisten BBC-Sendungen online abgerufen werden. Seit September 2010 ist der Service in Version 3 verfügbar und bietet neben einer überarbeiteten Bedienung auch Verknüpfungen mit Twitter, Facebook und Windows Live Messenger, Empfehlungen von Freunden und Links zum Video-on-Demand-Programm anderer Sender. Der iPlayer ist in verschiedenen Varianten auch über den privaten Kabelnetzbetreiber Virgin Media, private Fernsehanbieter, Spielekonsolen und mobile Geräte verfügbar. Bis März 2011 waren allein für Entwicklung und Funktion des iPlayers £ 22,5 Mio. aufgewendet worden und es wird von zukünftigen Kosten in Höhe von £ 5,2 Mio. pro Jahr ausgegangen. Im Juli 2011 startete der iPlayer in 11 westeuropäischen Staaten als iPad-App, deren Programm größtenteils nur gegen eine Gebühr in Höhe von 50% der britischen Rundfunkgebühren verfügbar ist und somit die Beitragszahler im Vereinigten Königreich entlasten soll. Das Angebot von BBC Online wird stetig überarbeitet und soll in seiner neusten Form mit einer von Tablets bekannten Karussell-Navigation daherkommen. Die Menge der Inhalte auf der BBC-Homepage wurde dadurch drastisch reduziert, sodass die komplette Seite auf den Bildschirm eines iPad passt. Gleichzeitig wandert der Fokus von Nachrichten zum iPlayer. Es wird überlegt, das Design auch für Mobil-Websites und Seiten für internetfähige Fernsehgeräte zu verwenden sowie für thematisch abgegrenzte Webseiten wie BBC News


Lizenzhandel:
BBC Worldwide ist für den internationalen Rechtehandel mit BBC-Programmen und Ko-Produktionen zuständig.


Zeitschriften/Ton- und Bildträger:
Neben Magazinen gibt die BBC Hörbücher, Tonträger, DVDs und Lehrmaterialen zu den diversen BBC-Bildungsprogrammen sowie die Reiseführer-Reihe „Lonely Planet“ heraus. Der Löwenanteil der von BBC Worldwide verlegten Publikumszeitschriften wird voraussichtlich im Herbst 2011 an die Private Equity Firma Exponent verkauft werden. 34 BBC-Magazine, darunter das Programmheft „Radio Times“, „Top Gear“ oder „Gardener's World“, werden für 121 Millionen Pfund (138 Millionen Euro) verkauft. Die Titel, die auf BBC Sendungen beruhen, werden nicht vollständig, sondern in Form von Lizenzen an Exponent verkauft. Zentrale Marken von BBC Worldwide wie „Lonely Planet“ werden nur im Auftrag der BBC von Exponent verlegt. Das Office of Fair Trading muss den Deal jedoch vorerst absegnen.

Engagement in Deutschland

Programm:
Der internationale, kommerzielle Nachrichtenkanal BBC World wird in den meisten deutschen Kabelfernsehnetzen weiterverbreitet, er kann außerdem per Satellit und in einigen DVB-T-Angeboten empfangen werden. Im Großraum Berlin verfügt außerdem das Radioprogramm des BBC World Service über eine eigene UKW-Frequenz. Die BBC kooperiert mit mehreren deutschen Fernsehsendern. Besonders eng sind - auch über die Europäische Rundfunk Union /European Broadcasting Union (EBU) - die traditionellen Kontakte zu den öffentlich-rechtlichen Anstalten. Aber auch Privatsender strahlen BBC-Produktionen aus; der zur RTL-Gruppe gehörende Kanal Vox sendet in Lizenz auch eine Programmstrecke unter dem Titel "BBC exklusiv".

In Berlin ist die BBC mit einem bi-medialen Korrespondentenbüro vertreten (Radio und TV), allerdings wurde 2005 im Zuge des Ausbaus des Brüsseler BBC-Büros die Zahl der Mitarbeiter deutlich reduziert. Derzeit hat die BBC nur einen festen Korrespondentenplatz in Berlin.

BBC Worldwide Germany:
BBC Worlwide, der kommerzielle Arm der BBC, seit 2004 wieder mit einem eigenen Büro in Deutschland vertreten und firmiert als BBC Worldwide Germany GmbH. Hauptgeschäftsfelder sind nach BBC-Angaben der Verkauf von TV-Rechten, Lizensierung von Video/DVD- sowie Zeitschriften- und Buchrechten und das Merchandising. Außerdem wird über die Niederlassung im Kölner Mediapark der Kontakt zur deutschen Produzentenszene gehalten, da die Zahl der länderübergreifenden Koproduktionen seit Jahren steigt. Geleitet wird das Büro von Isabelle Helle, die als "Head of German Speaking Territories" firmiert und auch für BBC-Belange in Österreich und der deutschsprachigen Schweiz zuständig ist. Unter www.bbcgermany.de bietet die BBC Informationen zu BBC-Programmen und Ausstrahlungsterminen auf deutschen Sendern, Video-on-Demand-Angeboten, Hintergrundinformationen zu ausgewählten Programmen sowie Merchandising – von der DVD bis zum klassischen Bildband.

Aktuelle Entwicklungen

„Delivering Quality First“: Die Entwicklungen dieses aktuellen Sparprogramms im Zuge des zweiten „Licence Fee Settlement“ lassen sich bereits bis zum Sommer 2006 zurückverfolgen, als der BBC-Generaldirektor die „Delivering-Creative-Future“-Strategie vorstellte. Das bis 2012 laufende Programm hat drei Grundpfeiler: Qualität - weniger, aber innovativere Sendungen; Verschlankung durch Kürzungen; Digitalisierung - Inhalte überall und zu jeder Zeit zur Verfügung stellen. Dies bedeutet Einsparungen in Höhe von £ 2 Mrd. bis 2013, unter anderem durch den Wegfall von mindestens 1500 Arbeitsplätzen von 2007 an und den Verkauf des „BBC Television Centre“ in London. Im Jahr 2011 will das Unternehmen vollständig in das traditionsreiche Londoner „Broadcasting House“ und in die „MediaCityUK“ in Salford (Raum Manchester) umgezogen sein.

Aufgrund eines durch die Wirtschaftskrise gebeutelten Staatshaushaltes entschied die Regierung Mitte Oktober, die eigentlich bis 2012 steigenden Rundfunkgebühren auf dem Niveau von 2010 - 145,50 Pfund - einzufrieren. Dieses neue „Licence Fee Settlement“ läuft bis Ende März 2017.

Weitere Einsparungen sollen unter anderem durch Kürzungen bei Gehältern (besonders beim Management) und erhöhte Ressourcen-Effizienz in den Gebäuden der BBC erreicht werden. Das ambitionierte Ziel bis 2017 ist, das Budget pro Jahr um insgesamt 20% effektiver auszugeben. Für den Zeitraum der Geschäftsjahre 2013/14 bis 2016/17 sind unter anderem folgende, große Änderungen geplant: Die BBC soll den Service BBC Monitoring und den Hauptanteil an dem walisischen TV-Sender S4C finanzieren, der Breitbandausbau soll mit 150 Mio. Pfund unterstützt werden und der BBC World Service wird von der BBC bezahlt werden. Dies führt voraussichtlich zu Kosten von 1,2 Mrd. Pfund in diesen vier Jahren. Bei der Beschreibung der Wege dieser Umsetzungen wird immer wieder das Mantra verbreitet: Effizienz, Einsparungen, Priorisierung.

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