LED-Fernseher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin

1.9.2012

Cablevision Systems Corp.

Umsatz 2011: $ 6,701 Mrd. (€ 4,814 Mrd.)

Geschichte und Profil

Cablevisions Gründervater "Chuck" Charles Dolan (Jahrgang 1926) gilt, auch unter seinen Mitstreitern, als einer der großen Pioniere des amerikanischen Kabelfernsehens. Ab Mitte der 50er Jahre war Dolan maßgeblich am Aufbau der Firma Sterling Manhattan Cable beteiligt, einem der ersten Kabel-TV-Anbieter in den USA. 1970 gründete Dolan für Sterling den ersten nationalen Pay-TV-Sender HBO und setzte Gerald Levin (später CEO von Time Warner) als Geschäftsführer an dessen Spitze. Unter Dolans Leitung ging das Unternehmen als Sterling Communications Anfang der 70er Jahre an die Börse. Partner und Hauptaktionär Time Inc. (80%) (heute Time Warner) scheute allerdings die hohen Investitionskosten und liquidierte Sterling bereits 1973 wieder. Als einziger Unternehmensteil wurde HBO von Time Inc. übernommen.

Daraufhin beschloss Charles Dolan, sich auf eigene Füße zu stellen, kaufte aus Sterlings Nachlass das New Yorker Kabelnetz mit 1.500 Abonnenten für 600.000 $ zurück und gründete Long Island Cable Communications Development. Das Unternehmen ging in New York und Chicago schnell auf Expansionskurs und nannte sich in Cablevision um. 1980 gründete Dolan das Tochterunternehmen Rainbow Programming (später Rainbow Media Holding) und entwickelte die Kabelsender American Movie Classics, Bravo und den äußerst erfolgreichen SportsChannel. 1986 ging Cablevision an die Börse. Dolan benötigte das Kapital, um seine Kabelaktivitäten mit inzwischen 600.000 Abonnenten weiter auszubauen. Gemeinsam mit NBC gründete der Konzern 1989 den Wirtschaftsnachrichtensender CNBC, verkaufte aber zwei Jahre später seine Anteile an NBC.

Durch Dolans aggressive Expansionsstrategie beim Ankauf von Kabelnetzen war der Konzern in den späten 80er und frühen 90er Jahren extrem verschuldet. Allein die Pay-Per-View-Übertragungen der Olympischen Sommerspiele in Barcelona brachten 1992 weitere 50 Mio. $ Verluste – ein Fehlschritt von Dolan, der in der Branche zeitweise belächelt wurde. In einer strategischen Neuorientierung besann sich Cablevision auf seine ansonsten erfolgreichen Sportprogramme und kaufte 1994 für 1,1 Mrd. $ in einem Joint Venture mit der ITT Corp. den Madison Square Garden (MSG), einschließlich der Arena, dem Basketball-Team der New York Knicks, der Eishockey-Mannschaft New York Rangers und dem Madison Square Garden Networks, einen Kabelsender mit über fünf Mio. Abonnenten.

Zu den Kabelsendern, die in der Rainbow Media Holdings zusammengefasst sind, kam im selben Jahr noch der Independent Film Channel hinzu. Mitte der 90er Jahre gab es immer wieder Fusionsgespräche mit US West Media, die aber letztlich an Dolans hohen Preisvorstellungen scheitern. Charles Dolan gab 1995, wohl auf Dringen des Aufsichtsrates, die Leitung des Konzerns an seinen Sohn James ab, ist aber nach wie vor aktiv an der Unternehmensführung beteiligt. Seit 1997 konzentriert Cablevision seine Kabelnetzaktivitäten, die ursprünglich über das ganze Land verteilt waren, auf New York, New Jersey und Connecticut. Dies geschah zum Teil durch den Verkauf anderer Kabelnetze oder durch Aktientausch mit TCI (heute AT&T Broadband). Des Weiteren verkaufte der Konzern über Rainbow Media gehaltene regionale Sportübertragungsrechte an Fox/Liberty, heute das Fox Sports Network der News Corp; Fox/Liberty bekam 40% von MSG und Cablevision erhielt Anteile am Fox Sports Net. 1998 kaufte der Konzern den Kinobetreiber Clearview Cinema und die Unterhaltungselektronikkette The Wiz. 1998 und 1999 wurde der Familienkonzern grundlegend umstrukturiert. Die meisten Aktivitäten wurden in der CSC Holding, der Rainbow Media Holding und der Cablevision Systems NY zusammengeführt, welche wiederum an der Börse gehandelte Töchter des Mutterkonzerns sind.

Nach schlechten Ergebnissen in den späten 80er und frühen 90er Jahren zeigte der Kurswechsel von Cablevision nur sehr gemischte Erfolge. Der Konzern konzentrierte sich als Kabelanbieter auf einige zusammenhängende Regionen und operierte dort als nahezu flächendeckender Anbieter (z.B. New York City 80%) äußerst profitabel. Cablevision bietet seitdem dort erfolgreich digitale Dienste wie High Speed Internet-Zugang und VOIP an. Bei dieser ‚Triple-Play’ Strategie (TV-Internet-Telefonie) gilt Cablevision als richtungsweisend. Der Kauf der Unterhaltungselektronik-Kette The Wiz führte allerdings nicht zu den erhofften Erfolgen. Cablevision hatte Ende 1998 die kränkelnde Handelskette für knapp 100 Mio. $ relativ günstig übernommen, mit dem Ziel, die Infrastruktur zum Verkauf der neuen digitalen Angebote zu nutzen. Die defizitäre Kette musste Anfang 2005 Konkurs anmelden.

Über den Satellitendienst Voom ging außerdem der andauernde Führungsmachtkampf im Hause Dolan in eine entscheidende Runde. Dolan Junior gewann und setzte gegen den Willen seines Vaters durch, das man sich im Laufe des Jahres 2005 aus dem Satellitengeschäft zurückzog. In einer dramatischen Vorstandssitzung wurde entschieden, kein weiteres Geld mehr in Voom zu investieren und den einzigen Satelliten an den Konkurrenten Echostar Communications zu veräußern. Die Verluste von Voom beliefen sich im ersten Jahr auf 661 Millionen US-Dollar. Die 21 HD-Kanäle von Voom wurden per Kooperationsabkommen an den Satellitenbetreiber Dish Network vermarktet. Die Entscheidung, sich von Voom zu trennen, hatte sowohl betriebliche als auch familiäre Konsequenzen: Zum einen wurden von Dolan Senior drei Mitglieder des Vorstands, die für einen Verkauf des Satellitengeschäfts plädierten, durch Ja-Sager ersetzt, zum Beispiel durch seinen Schwiegersohn. Zum anderen ist seitdem das Verhältnis von James zu seinem Vater und seinen ebenfalls im Unternehmen aktiven Brüdern Patrick und Thomas, letzterer war damals Chef von Voom, schwer gestört.

Ende Juli 2007 akzeptierte der Verwaltungsrat von Cablevision eine Offerte der Dolan-Familie, den börsennotierten Konzern zu privatisieren. Aufgrund einer „Zwei-Klassen-Struktur“ der Aktienpapiere hatten die Dolans bereits vor dem Buyout drei Viertel der Stimmrechte, obwohl sie nur rund ein Viertel der Aktienanteile hielten. Die Offerte von 36.26 US-Dollar pro Aktie (Gesamtpreis inklusive der Übernahme von Verbindlichkeiten: fast 23 Milliarden) war der dritte Versuch der Dolan-Familie, den Cablevision-Konzern in seiner Gesamtheit zu kontrollieren. Die Mehrheit der Aktionäre, die Minderheitsbeteiligungen besitzen, verweigerte jedoch im Oktober 2007 erneut ihre Zustimmung für eine Privatisierung. Prominentester Kritiker war Mario Gabelli, Chef von „Gamco Investors“ und im Besitz von sieben Prozent der Aktien. Er bezeichnete das Angebot von 36 US-Dollar pro Aktie als zu gering und schlug stattdessen einen Preis von 51 US-Dollar vor. Die Investoren-Legende „Super Mario“ Gabelli wies unter anderem darauf hin, dass auf diese Weise fast zwei Milliarden US-Dollar der Aktionäre in die Hände der Dolan-Familie fließen würden. Als Reaktion auf die gescheiterte Privatisierung erweiterte Charles Dolan den Aufsichtsrat um zwei weitere Familienmitglieder. Mittlerweile sitzen acht Angehörige des Dolan-Clans in dem Gremium, dessen Funktion als Kontrollorgan damit ad absurdum geführt wird. Zusätzlich wurde mit Catherine Bohigian erstmals eine Person eingestellt, die im Sinne von Cablevision Lobbyarbeit in Washington D.C. betreiben soll. Die Personalie ist vor allem deshalb interessant, da Bohigian ehemalige Beraterin des Vorsitzenden des FCC, Kevin Martin, ist und auch weiterhin auf der Gehaltsliste der Regulierungsbehörde steht.

Im Sommer 2008 stieg Cablevision in das Printgeschäft ein und kaufte die New Yorker Zeitung „Newsday“. 650 Millionen US-Dollar war Cablevision-CEO James Dolan bereit, an Sam Zell, Chef von Tribune zu zahlen. Damit stach er Rupert Murdoch aus, dessen Unternehmen News Corp. ein geringeres Angebot in Höhe von 580 Millionen US-Dollar abgegeben hatte. Cablevision bieten sich durch den Kauf exzellente crossmediale Möglichkeiten, da das Unternehmen im Großraum New York nun neben seinen Fernsehsendern und Sportteams auch über eine Zeitung mit einer Reichweite von mehr als drei Millionen Lesern verfügt. Eine positive Berichterstattung über die New York Knicks in der Newsday wird wohl zukünftig die Regel sein.


Dossier

Medienpolitik

Die neuen technischen und inhaltlichen Entwicklungen der digitalen Medien sind eine Herausforderung für Medienmacher, Publikum und Politik. Journalisten müssen beispielsweise immer mehr Informationskanäle beobachten und große Mengen an Daten auswerten. Für die Bürger können die Veränderungen in der Medienlandschaft zu einer stärkeren (politischen) Beteiligung führen und Medien werden genutzt, um für politische Belange Aufmerksamkeit zu erzeugen. Neue Entwicklungen wie soziale Medien oder das Internet der Dinge werden bezüglich des Daten- und Verbraucherschutzes kontrovers diskutiert. Das Dossier möchte Grundlagen zum Rundfunk- und Medienrecht vermitteln, die neuen Herausforderungen und Nutzungsmöglichkeiten aufzeigen und eine kritische Auseinandersetzung mit der sich ständig wandelnden Welt der Medien und der sie regulierenden Medienpolitik fördern.

Mehr lesen

Dossier

Deutsche Fernsehgeschichte in Ost und West

Hier der "Tatort", dort der "Polizeiruf", hier die "Tagesschau, dort die "Aktuelle Kamera": Diese Sendungstitel stehen für TV-Ikonen in Ost und West. Welche Brüche und Gemeinsamkeiten zeichnet die Fernsehgeschichte im geteilten Deutschland aus? Was hat sich seit der Wende verändert?

Mehr lesen