LED-Fernseher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin

1.9.2012

Cablevision Systems Corp.

Umsatz 2011: $ 6,701 Mrd. (€ 4,814 Mrd.)

Geschäftsfelder

Kabelnetze
Der Unternehmenszweig Optimum versorgt rund 3,1 Millionen Kunden und 600,000 Firmen im Großraum New York per Glasfaserverbindungen mit Digitalfernsehen („iO Interactive Optimum“), 2,8 Millionen Kunden mit Hochgeschwindigkeits-Internet („Optimum-Online“) und 1,9 Millionen Kunden mit digitalen Telefoniediensten („Optimum Voice“). Die Fernsehprogramme, die die Kabelkunden empfangen können, werden zunehmend im HD-Format übertragen (ESPNU, Disney Channel, ABC Family, Disney XD, ESPNEWS). Im März 2010 übertrug Cablevision mit der Eishockey-Partie New York Rangers vs. Islanders als erster Anbieter überhaupt ein Sportereignis im 3D-Format.

Fernsehsender
Die Tochtergesellschaft AMC Networks (ehemals Rainbow Media Holdings LLC) wurde im Sommer 2011 von Cablevision als eigenständige Firma aus dem Unternehmen ausgegliedert werden. Ziel der Ausgliederung war mutmaßlich ein schneller Verkauf des für größere Medienkonzerne hochattraktiven Content von AMC. Insbesondere die AMC-Erfolgsserien "Mad Men", "Breaking Bad" und "The Walking Dead" könnten von potenziellen Interessenten wie ABC (Walt Disney), Fox (News Corp.) oder Time Warner (HBO, TNT) noch erfolgreicher vermarktet und vertrieben werden. Der Verkauf könnte Cablevision bis zu 10 Milliarden US-Dollar in die Kassen spülen.

Madison Square Garden
Ebenfalls früher Teil von Cablevision war die Madison Square Garden-Sparte (MSG), die jedoch im März 2010 als eigenes Unternehmen aus Cablevision ausgegliedert wurde. Zu MSG gehört der komplette Komplex der gleichnamigen berühmte Arena in New York, sowie das NBA-Team New York Knicks (Basketball), das WNBA-Team New York Liberty (Frauen-Basketball) und das NHL-Team New York Rangers (Eishockey). Zudem ist die Madison Square Garden L.P. im Besitz des in Connecticut ansässigen Hockey-Teams Hartford Wolf Pack. Lobbyisten des Unternehmens versuchen seit Anfang 2011 das gesetzliche Verbot der Kampfsportart MMA im Bundesstaat New York zu kippen. Sollte dies gelingen könnten Kämpfe der Ultimate Fighting-Liga (UFC) im Madison Square Garden ausgetragen und ausgestrahlt werden - ein Millionengeschäft.

Zur Halle gehört auch ein eigener Fernsehsender, MSG Network, der die Spiele in der Arena aufzeichnet und in die heimischen Wohnzimmer der Fans überträgt. Andere Gebäudekomplexe, die zu MSG gehören, sind die in das Rockefeller Center integrierte Radio City Music Hall, in der seit den dreißiger Jahren Musik-, Theater- und Sportevents stattfinden und das Beacon Theatre am Broadway.

Mit der Ausgliederung der MSG-Sparte will sich das Unternehmen auf sein Kerngeschäft (Kabel- und Internetdienste) konzentrieren. Zudem beschert der "Spin-Off" Cablevision erheblich mehr Cash Flow: Investoren bekommen je eine Aktie von MSG für vier Aktien von Cablevision. Ein weiterer Grund für die Ausgliederung könnte sein, dass die Dolan-Familie ihr Cablevision-Unternehmen verkaufen möchte. Der ohne die Sport-Teams wesentlich schlankere und auf das Kabelgeschäft fokussierte Cablevision-Konzern ist für mögliche Käufer (wie etwa Time Warner Cable) weitaus attraktiver.

Kinos
Die 1994 gegründete Kino-Kette Clearview gehört seit 1998 zum Cablevision-Konzern. Clearview betreibt 48 Kinos im Großraum New York.

Lokale Medien
In der im August 2009 neu geschaffenen "Local Media Unit" vereint Cablevision seine regionalen, auf den Großraum New York beschränkten Print-, Fernseh- und Internetaktivitäten. Zum Präsident der Regionalsparte wurde Tad Smith ernannt, der zuvor CEO des Reed Business Information-Verlages (Teil des Medienkonzerns Reed Elsevier) war.

Seit 2008 befindet sich mit der im Großraum New York erscheinenden "Newsday" auch eine Tageszeitung im Portfolio von Cablevision. "Newsday" war 2008 das zehntauflagenstärkste Blatt der USA. Die Internetkunden von Cablevision können kostenlos auf die aktuellen Ausgaben der Zeitung zugreifen. Für alle anderen ist die Onlineausgabe seit Herbst 2009 nur noch gegen Bezahlung abrufbar. Diese von der Zeitungsindustrie mit enormen Interesse verfolgte paid content-Strategie, die auch auf alle Blätter von News Corp. angewandt werden soll, hat sich bisher nicht als Erfolgsstory entpuppt. Drei Monate nach Errichtung der "Pay-Wall" musste das "Newsday"-Management eingestehen, dass bisher nur 35 Personen bereit waren, 260 US-Dollar pro Jahr (bzw. fünf US-Dollar pro Woche) für ein Online-Abonnement der Zeitung auszugeben. Von den vier Millionen US-Dollar die der Relaunch der Onlineausgabe von Newsday kostete sind bei 35 Abonnenten bisher nur 9000 US-Dollar wieder an Cablevision zurückgeflossen.

Das wahre Motiv für das Errichten der Bezahlmauer wird jedoch immer deutlicher: Cablevision hat gar kein Interesse an einer wirtschaftlich florierenden Qualitätszeitung mit möglichst vielen Lesern. Stattdessen benutzt die Dolan-Familie "Newsday" für eine andere Strategie: Ziel ist es nicht, Profit durch die Newsday.com-Abonnenten zu erwirtschaften, sondern die Internet-Kunden von Cablevision am Wechsel des Providers zu hindern. Es zeigen sich hier die Abgründe des hochgradig konsolidierten US-Mediensystems, innerhalb dessen Kabelkonzerne im Besitz von Zeitungen gekommen sind. In Long Island, New York haben rund 75 Prozent aller Bewohner eine Internet-Flatrate von Cablevision. "Newsday" ist für die Bewohner von Long Island nach wie vor einer der wenigen Regionalzeitungen. Eine in Long Island ansässige Person, die das Onlineangebot von Newsday in der Vergangenheit regelmäßig nutzte und eine Internet-Flatrate von Cablevision hatte, soll so vom Providerwechsel abgehalten werden.

Derweil sinkt das Qualitätsniveau der Zeitung seit der Übernahme durch Cablevision rapide ab, wie ein lesenswerter Artikel des ebenfalls in Long Island ansässigen Wochenmagazin Long Island Press nahelegt. Demnach hat es CEO Dolan geschafft, innerhalb von zwei Jahren die Belegschaft der Zeitung gegen sich aufzubringen. Grund sind Massenentlassungen, Lohnkürzungen und Arbeitszeitverlängerungen, die in keiner Relation zu den Milliardengewinnen des Konzerns aus dem Kabelgeschäft stehen. Zudem greift die Dolan-Familie offensichtlich regelmäßig in die inhaltliche Ausrichtung der Zeitung ein. Im Januar 2010 etwa wurden der Sport-Redakteur John Macini sowie zwei weitere Journalisten gefeuert, da sie in einer Kolumne den Prozess gegen Eddy Curry wegen des Verdachts auf sexuelle Belästigung thematisierten. Eddy Curry ist ein Spieler des Basketball-Team New York Knicks, das vor der Ausgliederung der Madison Square Garden-Sparte Teil von Cablevision war. Mitglieder des News-Rooms, so "The Press", würden ihre Zeitung nur noch als Marketing-Tool für die anderen Geschäftsaktivitäten des Cablevisions-Konzern betrachten.

Die lokalen Fernsehaktivitäten konzentrieren sich im Wesentlichen auf News 12 Networks, das aus insgesamt sieben Nachrichtenkanälen besteht, die aus verschiedenen Bezirken von New York City berichten.


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