LED-Fernseher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin

1.9.2012

Bloomberg L.P.

Umsatz 2011: $ 7,600 Mrd. (€ 5,460 Mrd.)

Geschichte und Profil

Michael Bloomberg bemerkte schon früh, dass der weltweit betriebene Wirtschaftsjournalismus durch die Globalisierung eine Blütezeit erleben sollte. Er gründete 1981 das Unternehmen Innovative Marketing Systems und begann daraufhin mit der Vermarktung des Bloomberg Terminals. Der Bloomberg Terminal ist ein Computerterminal, der an einen Informationsdienst angeschlossen ist und mit dem Finanzdaten übertragen werden können. Das Angebot richtet sich vor allem an Fachkräfte, die in der Wirtschaftsbranche tätig sind. Die finanziellen Mittel für dieses Projekt stammen aus den geschätzten 10 Millionen USD Abfindung, die Bloomberg nach seinem Ausscheiden aus dem Unternehmen Salomon Brothers erhält. Seit Mitte der siebziger Jahre war Bloomberg dort als Leiter des Aktienhandels tätig gewesen. Er verließ das Unternehmen kurz nach dessen Privatisierung.

Bloombergs Medienunternehmen besteht heute neben dem reinen Informationsdienst auch aus einer Nachrichtenagentur, einem Fernsehprogramm, Radiosendern, einem Verlag und einem Onlinedienst. Diese Unternehmenszweige sollten ursprünglich vor allem der Vermarktung der Terminals dienen.

Der Finanzdienstleister Merrill Lynch & Co., Inc. wurde mit dem Kauf mehrerer Terminals der erste Kunde von Bloomberg und sicherte sich 1985 für 39 Millionen USD einen 30 prozentigen Anteil am Unternehmen. Mit dem Einstieg von Merill Lynch $& Co., Inc. begann auch die Serienproduktion der Bloomberg Terminals. Die Maschinen stehen heute in weltweit rund 180.000 Büros und Privatwohnungen, im Vatikan wie in der Redaktion der „New York Times“, und machen dank einer Monatsmiete pro Terminal von derzeit zwischen 1500 und 1800 USD den Hauptumsatz des Unternehmens aus.

Die achtziger Jahre markieren die erste Hochphase des Unternehmens. Mit der Zeit wurden die über die Terminals verbreiteten Daten wichtiger als die Maschinen selbst. Der Finanzdatenhandel wurde zum Kernsegment des Unternehmens, welches im Jahre 1986 in Bloomberg L.P. umbenannt wurde. Auch der Aktien-Crash 1987 konnte relativ unbeschadet überstanden werden, in der Folgezeit wurden sogar Auslandsbüros in London und Tokyo eröffnet.

Da Bloomberg am Anfang nur ein geringes Werbebudget zur Verfügung stand, gründete er 1990 die Nachrichtenagentur Bloomberg Business News, um dadurch eine höhere Medienpräsenz zu erreichen. Eine eigens eingerichtete Redaktion rekrutierte namhafte Journalisten, welche unter anderem vom Wall Street Journal und Forbes abgeworben wurden. Die Nachrichten werden seither direkt über die Terminals ausgestrahlt. Zeitungen wird die kostenlose Benutzung der "Bloombergs" angeboten, im Gegenzug müssen sich diese verpflichten, unter dem Anbieternamen Meldungen abzudrucken. Seither, so erklärte Bloomberg einmal seine Strategie, könne er sich über wohlwollende Kritik freuen, da das Unternehmen als zuverlässige Nachrichtenquelle gelte. Das Fachblatt "Columbia Journalism Review" spricht in diesem Zusammenhang davon, dass sich die Journalisten für Bloombergs Werbegeschenk „mit Tinte“ revanchierten. Zeitungen, die sein Informationsangebot zu selten nutzten, drohte Bloomberg regelmäßig mit Entzug.

1992 kaufte das Bloomberg Unternehmen eine New Yorker Radiostation und formte diese zu einem reinen Nachrichtensender um, es folgten ein hausinternes Fernsehstudio und eine Satelliten-TV-Station. 1994 erschien zum ersten Mal die Zeitschrift „Bloomberg Personal Finance Magazin“.

Im Internet stellte Bloomberg ab 1995 Geschäftsinformationen zur Verfügung. Kurz darauf wurden Informationsangebote, die bis dahin nur über die Terminals abrufbar waren, PC-kompatibel gemacht und auch an Drittanbieter weiterverkauft. Außerdem wurde in diesem Jahr das Bloomberg Tradebook eingeführt, ein elektronisches Handelssystem. Ein Jahr später wurde das Unternehmen erneut verlegerisch tätig und brachte mehrere Bücher heraus. Das Tagesprogramm des New Yorker Fernsehsenders WPXN wird seit 1996 ebenfalls von Bloomberg produziert. Michael Bloomberg kaufte 1996 für 200 Millionen USD zehn Prozent der Unternehmensanteile von Merrill Lynch zurück. Das Unternehmen hatte zu der Zeit einen geschätzten Marktwert von zwei Milliarden USD.

1998 verdrängte das Unternehmen Bridge Information Systems, das mittlerweile zu Reuters gehört, durch den Kauf der Down Jones Märkte Bloomberg von Platz zwei auf Platz drei der am häufigsten installierten Finanzinformationsterminals. Bloomberg vergrößerte sich trotzdem durch Kooperationen mit Internetfirmen sowie durch die Herausgabe der Magazine „Bloomberg Money“ (1998) und „Bloomberg Wealth Manager“ (1999). Auch eine Kooperation mit der Australischen Börse und einem spanischen Fernsehsender erweiterten das Tätigkeitsfeld des Unternehmens. 2000 wurde das E-Commerce-Portal von Merrill Lynch für Bloomberg-Kunden zugänglich gemacht. 2004 verkündete das Unternehmen, dass es den Sender E! Entertainment Television für die nächsten drei Jahre mit Wirtschaftssendungen beliefern werde.

Die ersten Jahre des neuen Jahrtausends waren für Bloomberg auch durch den harten Wettbewerb mit den beiden großen Konkurrenten Thomson und auf dem deutschen Markt vor allem mit Reuters geprägt. Im Jahr 2001 wurde Bloomberg auf Schadensersatz wegen Verbreitung einer Falschmeldung verklagt, die zu heftigen Kursverlusten des Unternehmens Emulex geführt hatte. Der Skandal löste Diskussionen darüber aus, ob der harte Wettbewerb zwischen den Informationsanbietern und der daraus resultierende Zeitdruck die Qualität der Berichterstattung zu stark beeinflusse. In dieser Zeit wurden bei Bloomberg auch mehrere Magazine eingestellt, darunter 2003 das bekannte „Bloomberg Personal Finance Magazine“. Im Gegenzug ist seitdem das bis dahin nur im Abonnement vertriebene „Bloomberg Markets“ auch im Einzelhandel erhältlich. Im gleichen Zeitraum wurden vor allem in der Belegschaft der Bloomberg-News-Sparte Stimmen laut, die einen Qualitätsverlust der Berichterstattung aufgrund eines journalistisch unqualifizierten Managements fürchteten. Nach einem Artikel der Welt sprachen Aussteiger von einem „journalistischen Sweat-Shop“. Der Protest gipfelte 2004 in der Bestrebung, eine Gewerkschaft zu gründen. Der Konkurrent Reuters freute sich über zahlreiche Bewerbungen aus dem Hause Bloomberg, viele Journalisten verließen das Unternehmen. Zur Unterstützung der Gewerkschaftsgründung wurde eine eigene Webseite ins Leben gerufen. Diese wurde von der Zeitungsgilde unterstützt. Mit der Seite sollten Angestellte davon überzeugt werden, an der Vorabstimmung für die Gewerkschaftsgründung teilzunehmen. Hierfür hätte die relative Mehrheit der Angestellten für eine Gewerkschaft stimmen müssen. Nach knapp zwei Jahren wurde die Webseite eingestellt, da sich nur sehr wenige Angestellte für eine Gewerkschaft aussprechen wollten. Gründe hierfür wurden zum einen in der sehr guten Bezahlung und den guten Arbeitsbedingungen gesehen als auch in der Angst vor einem drohenden Jobverlust.

Nach Bloombergs Ankündigung Ende 2004, nach seiner Amtszeit nicht mehr zum Unternehmen zurückzukehren, kochten die schon länger kursierenden Verkaufsgerüchte wieder hoch: Im Februar 2005 wurde spekuliert, ob die Microsoft Corperation die Firma übernehme, nachdem bereits Thomson und Pearson PLC als Interessenten gehandelt wurden. Die Übernahmespekulationen haben sich aber in den folgenden Jahren nicht bewahrheitet, vielmehr wurde Bloomberg selbst zum Käufer. Im April 2006 übernahm Bloomberg das Unternehmen Brainpower N.V., einen europäischen Investment-Software-Anbieter.

Im Oktober 2007 kam Bloomberg L.P. in die Schlagzeilen, weil erneut mehrere Frauen gegen das Unternehmen klagten. Es ging wie schon bei dem Prozess Anfang der 90er Jahre darum, dass Frauen, nachdem sie dem Unternehmen ihre Schwangerschaft mitgeteilt und Mutterschaftsurlaub genommen hatten, in der Bezahlung herabgestuft und auf schlechtere Posten versetzt wurden. Bloomberg begründete die Klagen gegen sein Unternehmen damit, dass er aufgrund seiner Popularität ein öffentlichkeitswirksames Ziel darstellen würde. Nur deshalb würde sein Unternehmen für etwas angeklagt, was auch in anderen Unternehmen nicht ungewöhnlich sei. Die Gerichtsverhandlungen förderten zutage, dass Michael Bloomberg wohl hingegen seinen Beteuerungen noch stark mit der Führungsspitze seines Unternehmens in Kontakt steht. Dies ist insofern interessant, da er die Mitarbeit in dem Unternehmen in Hinblick auf seinen Posten als Bürgermeister bisher verneint hatte. Die New York Times zitierte in diesem Zusammenhang allerdings Rechtsexperten, die das Verhalten Michael Bloombergs als legitim einstuften. Während ursprünglich nur vier Frauen im Oktober 2007 geklagt hatten, stieg die Zahl der Klägerinnen bis Mai 2008 auf insgesamt 61 an. Im Sommer 2011 wurde die Klage von einem Bundesgericht in erster Instanz zurückgewiesen.

Im Juli 2008 hatte der angeschlagene Finanzriese Merrill Lynch überraschend seinen Anteil von 20 Prozent an Bloomberg L.P. verkauft. Michael Bloomberg kaufte die Anteile für 4,5 Milliarden Dollar selbst auf.

Die 2007 einsetzende Wirtschafts- und Finanzkrise war Chance und Problemfall für Bloomberg zugleich. Chance, weil es für einen Finanzdienst nun viel zu berichten gibt. Problemfall, weil Bloombergs Geschäft auf der Vermietung von Finanzterminals beruht und Kunden abspringen: Allein durch die bankrott gegangene Bank Lehmann Brothers verlor Bloomberg 2007-2009 mehr als 3000 bis 4000 Kunden (von mehr als 290.000 Benutzern). Wirtschaftspublikationen schätzten, dass andere Banken mehrere Tausend Terminals zurückgegeben haben (laut BusinessWeek: 8000 Terminals). Krisenzeiten eröffnen aber auch neue Möglichkeiten: Da Zeitungen sparen müssen und Redakteure entlassen, bietet Bloomberg Zeitungen an, Finanzseiten für sie in Auftrag zu produzieren. Solche Outsourcing-Verträge hat Bloomberg mit weltweit zehn Zeitungen geschlossen, darunter dem Tagesanzeiger in Zürich und dem Miami Herald. Dabei bietet Bloomberg nicht nur Finanznachrichten an, sondern auch Themen wie Kultur und Gesundheit.

Im Wettbewerberfeld des Unternehmens wurde 2008 eine weit reichende Entscheidung getroffen. Die Fusion der Unternehmen Thomson (Kanada) und Reuters (Großbritannien), die in direkter Konkurrenz zum Angebot Bloombergs stehen, wurde genehmigt. Sowohl das neu geschaffene Unternehmen Thomson Reuters als auch Bloomberg haben nun Markanteile von ungefähr je einem Drittel. Noch ist nicht entschieden, wer von beiden letztendlich die Marktführerschaft übernimmt, und es wird vermutet, dass sich das Duopol noch einige Zeit halten wird.

An anderer Front betrieb Bloomberg eine massive Lobbying-Offensive die 2010 stattgefundene Fusion von Comcast und NBC-Universal (siehe News der Mediadb-Redaktion). Bloomberg brachte unter anderem vor, dass es durch den Merger zu einer Bevorzugung des NBC-Senders CNBC gegenüber dem Bloomberg Fernsehkanal sowie anderen Nachrichtenkanälen hinsichtlich der Kabelslot-Platzierungen kommen würde. Die Kampagne zahlte sich insofern aus, dass die Fusion mit strengen Auflagen seitens der Aufsichtsbehörde FCC bezüglich der gleichberechtigten Slot-Platzierung von Nachrichtensendern versehen wurde. 2011 reichte Bloomberg eine Beschwerde bei der FCC ein, wonach Comcast gegen die Auflagen verstoßen würde. Comcast reagierte mit einer eigenen Stellungnahme gegenüber der FCC, in der Bloomberg eine missbräuchliche Auslegung der Auflagenbestimmungen zum Ziele einer vorteilhafteren Positionierung des Bloomberg TV-Kanals vorgeworfen wurde (siehe Meldung in Variety vom 27.7.2011).


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