LED-Fernseher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin

1.9.2012

Bloomberg L.P.

Umsatz 2011: $ 7,600 Mrd. (€ 5,460 Mrd.)

Management

Michael Rubens Bloomberg wurde am 14. Februar 1942 geboren. Er stammt aus einer kleinbürgerlichen Familie und wuchs in einem kleinen Ort in Massachusetts auf. Demut und Bescheidenheit galten nie als Stärken von Bloomberg. "Ich glaube, dass ich alles besser kann" lautet einer seiner typischen Sprüche. Immerhin dürfte ihm sein Selbstbewusstsein geholfen haben, binnen 15 Jahren vom Sekretär zum Leiter des Aktienhandels bei Salomon Brothers aufzusteigen. Er war immer etwas früher und etwas länger im Büro als seine Vorgesetzten und wurde so zu einem der bestbezahlten Wall-Street-Broker der Investmentbank Salomon Brothers. 1981 aber ging sein Ehrgeiz zu weit: Bloomberg forderte mehr Macht und musste gehen. Er erhielt zehn Millionen USD als Abfindung, die er zum Aufbau seines Medienunternehmens nutzte.

Die Arbeitshaltung und Prinzipien, die er für seinen Erfolg als Börsenmakler verantwortlich machte, übertrug er auf seine neue Karriere als Medienunternehmer. In der hauseigenen Kantine liegen Snacks, Getränke und Obst zum Mitnehmen bereit. Er zahlt übertariflich. Dafür verlangt er von den Angestellten, dass sie hoch motiviert sind und auch Überstunden ohne Klagen hinnehmen. Jeder neue Mitarbeiter erhält das Buch des Chefs und eine dreihundertseitige Verhaltensfibel. Es gilt die Richtlinie, wonach Mitarbeiter, die Bloomberg verlassen, nicht erneut angestellt werden dürfen. Um Klagen wegen sexueller Belästigung zu vermeiden, zensiert Bloomberg seine Mitarbeiter und hat seinen Terminal für gewisse Ausdrücke gesperrt.

Im Februar 2001 hat sich Bloomberg, im aktuellen Forbes Ranking auf Platz 30 der reichsten Menschen der Welt (Stand 2011), aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen und widmet sich seither seiner dritten Karriere - der Politik. Eigentlich war er stets den Demokraten wohlgesinnt. Um seine Chancen zu erhöhen, ließ er sich jedoch von den Republikanern nominieren und wurde am 6. November 2001 zum Nachfolger von Rudolph Giuliani zum New Yorker Bürgermeister gewählt. Seine Wahl wurde von einigen kritisiert, da Bloomberg sein großes Vermögen für Wahlwerbung in gigantischen Ausmaßen genutzt hatte. Da er keine öffentlichen Gelder für den Wahlkampf in Anspruch nehmen musste, war er auch nicht an die damit einhergehende Beschränkung bei den Ausgaben gebunden. So investierte er insgesamt mehr in Eigenwerbung als alle anderen Konkurrenten zusammen. 2005 gewann Bloomberg erneut mit 59 Prozent der Stimmen und einem Abstand von 20 Prozent zur Konkurrenz. Wenngleich die Zustimmungswerte für Bloombergs Politik in Umfragen 2007 um 70 Prozent betrugen, fiel der Vorsprung an Wählerstimmen bei seiner Wiederwahl 2009 mit 5 Prozentpunkten Abstand (51 gegenüber 46) gegenüber seinem demokratischen Konkurrenten William Thompson unerwartet gering aus.

Die Tagesgeschäfte des Unternehmens führt seit Bloombergs Rückzug Matthew Winkler, ein ehemaliger Journalist des "Wall Street Journals". Eigentlich wollte Winkler Bloomberg nur interviewen, als dieser seine Terminals entwickelte. Bloomberg schien ihn aber so sehr zu überzeugen, dass Winkler bei ihm anheuerte und später Chefredakteur von Bloomberg News wurde. Zum Chairman von Bloomberg L.P. wurde Peter Grauer im März 2001 ernannt. Er ist seit 1996 Mitglied des Vorstandes. Vorher war er bei Donaldson, Lufkin & Jenrette als Managing Director tätig, außerdem gründete er die Private-Equity-Firmen DLJ Merchant Banking Partners und DLJ Investment Partners. Donaldson, Lufkin & Jenrette wurde 2000 von Credit Suisse übernommen. Für den europäischen Markt ist weiterhin Katherine Oliver eine wichtige Person. Sie hat als „Worldwide General Manager of Bloomberg Radio and Television“ innerhalb von fünf Jahren Bloomberg TV in Europa komplett aufgebaut.

Die Aufgaben des Top-Managements wurden im Februar 2005 neu verteilt. Dabei wurde Chairman Peter Grauers Position laut „New York Times“ gefestigt, CEO Lex Fenwick musste jedoch Einfluss abgeben und ist seit Mitte 2008 nur mehr für die Verkaufsabteilungen zuständig. Einige Angestellte hatten an seinen scheinbar ruppigen Ton Anstoß genommen. Tom Secunda (Forschung und Entwicklung) und Matthew Winkler (Redaktion) erhielten dem Vernehmen nach den gleichen Status wie Fenwick. Alle drei berichten an Grauer. Auch Winkler ist unter manchen Angestellten wegen seines als schlecht empfundenen Führungsstils nicht sehr beliebt. Von den angestellten Redakteuren wird auch beklagt, dass die Qualität der journalistischen Arbeit in der Bloomberg News Sparte Mängel aufweise, die durch ein unprofessionelles Management ausgelöst worden seien. Viele Journalisten hätten das Unternehmen aus diesem Grund in den vergangenen Jahren verlassen.

Michael Bloomberg selbst will angeblich nicht zu seiner Firma zurück, die mittlerweile eine neue Zentrale an Manhattans Upper East Side bezogen hat. Der Wert des 92-prozentigen Anteils von Bloomberg an seiner Firma wird heute auf 18 bis 19 Milliarden USD geschätzt. Er kann es sich leisten, als Bürgermeister für ein symbolisches Gehalt von einem US-Dollar zu arbeiten. Mit Bloombergs Überraschungssieg setzte eine Diskussion ein, ob und wie er das Amt mit seinen Interessen als Medienunternehmer vereinbaren kann - ohne Ergebnis, denn Bloomberg hält immer noch die übergroße Mehrheit der Anteile. Für dieses Verhalten spricht, dass er sich nie zu sehr in die journalistische Arbeit eingemischt habe, schreibt die "Washington Post". Selbst Kritiker erinnern sich an seine Fairness. Die wichtige Geschäftsbeziehung zur Investmentbank Merrill Lynch habe Bloombergs Reporter nicht gehindert, kritisch über das Finanzhaus zu berichten, obwohl Merrill Lynch als Erster die Terminals gemietet und später 20 Prozent der Firma erworben hat. Dabei lässt sich sagen: So wichtig die Redaktionen für das Marketing sind, so gering ist ihr Einfluss auf den Umsatz, der zu 83 Prozent aus dem Verkauf bzw. der Vermietung der Terminals kommt. Nur 2300 der rund 15000 Mitarbeiter gehören zur Redaktion. Das heißt, dass die Zukunft des Unternehmens nicht von den redaktionellen Innovationen abhängt, wie die New York Times analysiert. Das Hauptgeschäft von Bloomberg ist der Verkauf von Wirtschaftsdaten. Deshalb wird vor allem Tom Secunda, der zuständig ist für die Erhebung der Daten, für die Zukunft eine wichtige Rolle zugeschrieben.

Ende 2007 ernannte Bloomberg den stellvertretenden Bürgermeister von New York, Daniel L. Doctoroff, zum Präsidenten von Bloomberg L.P. Diese Ernennung führte zu Kritik, da Bloomberg zuvor Doctoroff all die delikaten medienbezogenen Sachverhalte regeln ließ, die er aus Gründen der möglichen Befangenheit als Besitzer eines großen Medienunternehmens nicht selbst bearbeiten konnte. Die Verhandlungen der Stadt New York und dem Breitbandnetzanbieter Verizon übernahm Doctoroff, da sich Bloomberg mit Bloomberg TV auch im Bereich Kabelfernsehen engagiert. Als der Finanzdienstleister Merill Lynch, der einen 20-prozentigen Anteil an Bloomberg L.P. hielt, aus Manhattan wegziehen wollte, verhandelte Doctoroff anstelle von Michael Bloomberg. Kritiker befürchten, dass Doctoroff gerade im Zusammenhang mit seinem Hintergrundwissen von den Verizon-Verhandlungen als Präsident von Bloomberg L.P. schon zu gut eingearbeitet ist. Die freundschaftliche Beziehung zwischen Doctoroff und Bloomberg wird auch als ein weiterer Hinweis dafür gesehen, dass Bloomberg sich nicht wie versprochen aus der Führung von Bloomberg L.P. heraushalten will.

Im Juli 2011 nahm Doctoroff schließlich auch den seit der Versetzung Fenwicks 2008 unbesetzten Posten des Chief Executive ein.

Im März 2008 hatte Doctoroff den Journalisten Norman Pearlstine als Chief Content Officer, also als Chef der Journalismus-Sparte des Unternehmens, eingesetzt. Dieser Schritt zog die Vermutung nach sich, dass sich Bloomberg L.P. in Zukunft stärker auf das Nachrichtengeschäft orientieren will, um im Fall eines Umsatzrückganges bei dem Verkauf der Bloomberg Terminals über ein zweites Standbein zu verfügen. Norman Pearlstine war vorher Spitzenredakteur bei Time Inc. und dem Wall Street Journal. Die Position bei Bloomberg wurde eigens für ihn geschaffen. Durch diesen Schritt soll womöglich der Einflussbereich von Winkler verkleinert werden, der wiederholt als Grund für das schlechte Betriebsklima in Bloombergs Newssparte genannt wurde.


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