LED-Fernseher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin

1.9.2012

Bloomberg L.P.

Umsatz 2011: $ 7,600 Mrd. (€ 5,460 Mrd.)

Geschäftsfelder

Informationsdienst
Der Informationsdienst Bloomberg Professional Service funktioniert als einheitliche Plattform, auf der interaktive Finanzdaten, Nachrichten, Berichte und Analysen dargestellt werden. Außerdem sind weitere Funktionen wie E-Mail und E-Commerce in die Plattform integriert. Das Interface-Design wird häufiger als unmodern moniert und mit dem Layout von MS DOS verglichen. Für die Nutzung des Informationsdienstes wurde lange Zeit ein so genannter Bloomberg Terminal benötigt, der in Form und Funktion einem Computerbildschirm ähnelt. Die Terminals informieren sekundenschnell über weltweite Börsenbewegungen. Der interaktive Online-Service richtet sich vor allem an Börsenmakler, er ist leichter zu handhaben als die lange schwerfälligen Informationsdienste von Reuters und Dow Jones. Bloomberg bot mit der Zeit neben Informationen zu Börsendaten und Unternehmensnachrichten auch Sportresultate, Wetterberichte und Horoskope ebenso wie Kinoprogramme und Menükarten ausgewählter Restaurants über seine Terminals an. Man wollte, so Bloomberg, den vielgeplagten Brokern auch Entspannungsmomente bieten, denn im Grunde, so die Philosophie des Firmenchefs, sollten "Arbeit und Privatleben doch eins sein".

Mittlerweile sind viele Informationen auch über die 1995 entstandene Internetseite abrufbar. Bloomberg forciert die Verbreitung von Bloomberg Anywhere, das aus Sicherheitsgründen nur über eine biometrische Personenerkennung zugänglich ist. Dadurch müssen Unternehmen für einzelne Angestellte einen kompletten Account bezahlen, während sich vorher mehrere Angestellte den Zugang zu einem Bloomberg Terminal teilen konnten. Auch Preisanhebungen haben unter den Kunden zu Unmut geführt. Bloomberg kann die genannten Änderungen relativ unproblematisch durchsetzen, da beispielsweise die Messaging-Funktion der Terminals ein weit verbreitetes Kommunikationsmittel in der Branche ist. Unternehmen sind auf die Kontaktmöglichkeit über die Terminals angewiesen, somit wird ein Anbieterwechsel erschwert.

Da die meisten Kunden für 17.000 bis 20.000 USD Jahresgebühr nur wenige der über 3000 Funktionen nutzen, ist fraglich, ob ein Konkurrent die wichtigsten Funktionen nicht billiger anbieten könnte. Problematisch für Bloomberg ist dabei vor allem die Konkurrenz aus dem Internet, zum Beispiel durch Yahoo Finance oder Google Finance. Diese Dienste sind zwar zurzeit noch nicht so ausgereift wie die Bloomberg Terminals, entwickeln sich allerdings schnell weiter und sind vor allen Dingen kostenlos. Bloombergs Hauptkonkurrent Thomson-Reuters scheint darüber hinaus durch eine breitere Angebotsstruktur für zukünftige Veränderungen des Marktes besser aufgestellt zu sein. Im Gegensatz zu Bloomberg ist dieser Informationsanbieter nicht vom Wohlergehen der Finanzbranche abhängig, da sein Kundenstamm beispielsweise auch aus Medizinern oder Wissenschaftlern besteht.

Auch vor diesem Hintergrund sind die aktuellen Bemühungen des Unternehmens zu verstehen, ihr Angebotssegment im Informationsdienst zu erweitern und neue Klientel anzusprechen. So wurden 2011 etwa die Dienste Bloomberg Law und Bloomberg Government ins Leben gerufen. Während Erstere gegen eine monatliche Pauschale von 450 USD einen Informations- und Datenbankservice zu Rechtsthemen bietet, zielt das in Washington ansässige Bloomberg Government vor allem auf die Nutzung durch Finanz- und Wirtschaftslobbyisten. Hier werden die Kunden gegen eine jährliche Nutzungsgebühr von 5700 USD mit aktuellsten Meldungen und Analysen rund um den Kongress, die Ministerien und das Weiße Haus beliefert. Im September 2011 vermeldete Bloomberg schließlich auch die Übernahme des auf Rechtsthemen spezialisierten Informationsdienstes Bureau of National Affairs Inc. Die Investition von knapp einer Milliarde USD für die renommierte Informations- und Forschungseinrichtung belegt die Ambitionen Bloombergs, das bislang stark von Wirtschaftsthemen geprägte Profil auch auf politischen und rechtsbezogenen Gebieten zu schärfen.

Nachrichtenagentur
1990 startet Bloomberg seine Nachrichtenagentur Bloomberg Business News (heute "Bloomberg News"), die zunächst nur Wirtschaftsnachrichten, mittlerweile aber auch Informationen aus Politik und Sport verbreitet. Rund 2.2000 Journalisten sind weltweit für Bloomberg News aktiv, sie produzieren täglich 5.000 Artikel. Neben den Bloomberg Medien, für die der Nachrichtendienst die wichtigste Quelle darstellt, verfügen auch noch 400 weitere Zeitungen und Zeitschriften über Lizenzen und können so auf das Informationsangebot zurückgreifen. Eine seit 2002 bestehende Kooperation mit der Zeitung Herald Tribune wurde Ende 2007 aufgelöst, da die Zeitung von da an mit Bloombergs starkem Konkurrenten Reuters zusammenarbeiten will.

TV & Radio
Seit 1994 gibt es Bloomberg TV. "Wenn man erfolgreich sein will, muss man alle Medien bedienen", sagt Bloomberg. Markant für Bloomberg TV war lange Zeit das Fensterprinzip eines geteilten Bildschirms, der sogenannte "Multiscreen". Neben dem normalen TV-Bild gab es noch verschiedene Informationsboxen mit den wichtigsten Aktienindizes, Devisenkursen und Infografiken auf der rechten Seite des Bildschirms sowie einen Presseticker und die aktuellen Aktienkurse am unteren Rand des Bildschirms als Laufband. Der Multiscreen wurde Mitte 2007 in den USA und in den darauf folgenden Monaten weltweit durch ein Vollbild ersetzt. Übrig blieben der Presseticker sowie der "Data Display Crawl", auf dem die Informationen dargestellt werden, die früher in den Infoboxen zu sehen waren. Im Presseticker laufen neben Finanzinformationen auch Sportergebnisse und Weltnachrichten. Das Netzwerk von Bloomberg TV besteht aus zehn eigenständigen Sendern, die in sieben Sprachen rund um die Uhr ausstrahlen. Weltweit könnten insgesamt 200 Millionen Haushalte erreicht werden, davon 43 Millionen in Europa. Das Programm von Bloomberg Radio wird von 840 Radiostationen weltweit übernommen und ausgestrahlt. Es handelt sich hierbei um ein reines Nachrichtenprogramm. Der Hauptsender von Bloomberg Radio ist BLOOMBERG 1130 (WBBR-AM) in New York.

Online
Das Internetangebot des Unternehmens Bloomberg.com wurde 1995 eingeführt. Neben aktuellen Marktdaten, Wirtschaftsnachrichten und Hintergrundberichten können die Nutzer auf umfassende Datenbanken zugreifen. Die Wirtschaftsdaten decken einen Großteil der Regionen der Welt ab und bieten zum Beispiel Informationen zu Währungen, Aktien und Fonds. Seit der Übernahme von BusinessWeek existiert mit Businessweek.com eine weitere Internet-Plattform. Beide Seiten werden vom Wirtschaftsmagazin BtoB in der Liste Media Power 50 als eine der besten Online-Werbevehikel im business-to-business-Bereich geführt. Das Magazin gibt 2011 als UMV-Werte (Unique monthly visitors) für beide Seiten die Raten von jeweils 26 (Bloomberg.com) und 9,4 Millionen (Businessweek.com) an. Bloomberg Television und Bloomberg Radio übertragen ihr Programm auf Bloomberg.com online. Ausgewählte Sendungen sind auch als Podcasts erhältlich. Bloomberg.com dient somit als Plattform für das gesamte Medienangebot des Unternehmens.

Print/Magazine
Bloomberg ist im Print-Bereich mit einem Buchverlag und einer Fachzeitschrift vertreten. Außerdem publiziert Bloomberg Auftragsarbeiten für wichtige Kunden, so zum Beispiel "On Investing" für Charles Schwab. Der Verlag Bloomberg Press verlegt Bücher zu finanzthematischen Fragestellungen sowohl für Fachpublikum als auch im General-Interest-Bereich. Seit 1996 sind bereit 140 Titel erschienen. Die Bücher werden von Finanzspezialisten, darunter auch Redakteure von Bloomberg News, geschrieben und erscheinen in mehr als zwanzig Sprachen. In den USA und Kanada verlegt Bloomberg Press die Economist Reihe. Das vom Unternehmensbereich "Periodicals Publishing" herausgegebene Magazin BLOOMBERG MARKETS erscheint monatlich und richtet sich speziell and die rund 250,000 Nutzer von Bloomberg Professional. Die Themen sind wirtschaftsbezogen, behandelt werden zum Beispiel Entwicklungen auf den Finanzmärkten, Unternehmensnachrichten, Personalia sowie verschiedene Schwerpunktthemen. Das Magazin wurde für seine journalistische Qualität mit über fünfzig Preisen ausgezeichnet. Seit 2000 wurden mehrere Magazine eingestellt, darunter das in England erscheinende Magazin "Bloomberg Money" (2001) und das in den USA erscheinende Magazin "Bloomberg Personal Finance" (2003). Eine Woche nach der Einstellung von "Bloomberg Personal Finance" verkündet das Unternehmen, dass das Magazin "Bloomberg Markets", welches bis dato nur als Abonnement erhältlich war, zukünftig auch über den Handel vertrieben werden soll.

2009 übernahm Bloomberg L.P. das defizitäre Wirtschaftsmagazin BusinessWeek von Medienkonzern McGraw-Hill. Über die Zahlungsmodalitäten wurde Stillschweigen vereinbart, laut einem Bericht von BusinessWeek in eigener Sache soll der Preis jedoch zwischen zwei und fünf Millionen US-Dollar inklusive der Übernahme von Schulden liegen. Neuer Vorsitzender des Magazins wurde Bloomberg-Chief Content Officer Norman Pearlstine. Für Bloomberg ist der Kauf des vor 80 Jahren gegründeten Magazins die erste Akquisition der Unternehmensgeschichte. Bisher verzichtete das Bloomberg-Management auf kostspielige Übernahmen, doch positive Synergieeffekte gaben den Ausschlag dafür, BusinessWeek in das Portfolio des Unternehmens zu integrieren. Künftig soll die Redaktion des nach wie vor in gedruckter Form erscheinenden Magazins das Bloomberg-Terminal sowie die diversen Onlineauftritte und Fernsehsender mit Informationen und Kommentaren anreichern.


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