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1.9.2012

Bloomberg L.P.

Umsatz 2011: $ 7,600 Mrd. (€ 5,460 Mrd.)

Bloomberg L.P. ist ein Informationsdienstleister, dessen Service vor allem aus der Übermittlung von Finanzdaten besteht. Mit dem Bloomberg Professional Service bietet Bloomberg den rund 250.000 professionellen Nutzern weltweit eine einheitliche Informationsplattform an.
TV personality Oprah Winfrey talks with New York Mayor Michael Bloomberg in Central Park, New York City, 17.09.2009Nachdem Unternehmensgründer Michael Bloomberg 2001 zum New Yorker Bürgermeister gewählt wurde, zog sich der Millardär aus der Unternehmensführung zurück. Das Foto zeigt Bloomberg im Gespräch mit TV-Moderatorin Oprah Winfrey im New Yorker Central Park im September 2009. (© picture-alliance/AP)

Überblick

Bloomberg L.P. ist ein globaler Informationsdienstleister, dessen Service hauptsächlich aus der Übermittlung von Finanzdaten besteht. Der Wert des Unternehmens wird auf 22 Mrd. USD geschätzt. Mit dem Bloomberg Professional Service bietet Bloomberg den rund 310.000 professionellen Nutzern weltweit eine einheitliche Plattform an, über die diverse Finanz- und Marktinformationen abgerufen werden können. Zu dem Medienunternehmen gehören außerdem weitere Informationsdienste, eine Nachrichtenagentur, ein Fernsehprogramm, Radiosender, ein Verlag und Onlinedienste. Bloomberg beschäftigt in 72 Ländern rund 15.000 Mitarbeiter, davon sind 2.300 als Reporter tätig. Michael Bloomberg ist mit einem Anteil von 88 Prozent nicht nur Gründer sondern auch Haupteigner des Unternehmens. Nach seiner Wahl zum Bürgermeister von New York zog sich Bloomberg 2001 aus der Unternehmensführung zurück. Seine nunmehr dritte Amtszeit endet voraussichtlich 2013.

Basisdaten

Hauptsitz:
Bloomberg L.P.
731 Lexington Avenue
New York, NY 10022
Telefon: +1-212-318-2000
Telefax: +1-917-369-5000
www.bloomberg.com

Branche: Nachrichtenagentur, Internet-Dienste, Free-TV, Radio, Zeitschriften, Buchverlag
Rechtsform: Private Company
Geschäftsjahr: 01.01.-31.12.
Gründungsjahr: 1981


Geschäftsführung

Management:
  • Daniel L. Doctoroff, President, CEO
  • Peter T. Grauer, Chairman
  • Beth Mazzeo, Data Products Division
  • Tom Secunda, Global Head of Financial Products and Services
  • Matthew Winkler, Editor in Chief, Bloomberg News
Aufsichtsrat:
  • Daniel L. Doctoroff
  • Tom Secunda
  • Peter T. Grauer
  • Louis Andreozzi J.D.
  • Arthur Levitt, Jr., Wisdom Tree Investments, Inc.
  • Jane Bryant Quinn, GSE Systems Inc.
  • Frank Savage, Savage Holdings
  • Richard DeScherer, Willkie Farr & Gallagher LLP
  • Hugh Lowenstein
Besitzverhältnisse: Michael Bloomberg (92%), Rest Streubesitz

Geschichte und Profil

Michael Bloomberg bemerkte schon früh, dass der weltweit betriebene Wirtschaftsjournalismus durch die Globalisierung eine Blütezeit erleben sollte. Er gründete 1981 das Unternehmen Innovative Marketing Systems und begann daraufhin mit der Vermarktung des Bloomberg Terminals. Der Bloomberg Terminal ist ein Computerterminal, der an einen Informationsdienst angeschlossen ist und mit dem Finanzdaten übertragen werden können. Das Angebot richtet sich vor allem an Fachkräfte, die in der Wirtschaftsbranche tätig sind. Die finanziellen Mittel für dieses Projekt stammen aus den geschätzten 10 Millionen USD Abfindung, die Bloomberg nach seinem Ausscheiden aus dem Unternehmen Salomon Brothers erhält. Seit Mitte der siebziger Jahre war Bloomberg dort als Leiter des Aktienhandels tätig gewesen. Er verließ das Unternehmen kurz nach dessen Privatisierung.

Bloombergs Medienunternehmen besteht heute neben dem reinen Informationsdienst auch aus einer Nachrichtenagentur, einem Fernsehprogramm, Radiosendern, einem Verlag und einem Onlinedienst. Diese Unternehmenszweige sollten ursprünglich vor allem der Vermarktung der Terminals dienen.

Der Finanzdienstleister Merrill Lynch & Co., Inc. wurde mit dem Kauf mehrerer Terminals der erste Kunde von Bloomberg und sicherte sich 1985 für 39 Millionen USD einen 30 prozentigen Anteil am Unternehmen. Mit dem Einstieg von Merill Lynch $& Co., Inc. begann auch die Serienproduktion der Bloomberg Terminals. Die Maschinen stehen heute in weltweit rund 180.000 Büros und Privatwohnungen, im Vatikan wie in der Redaktion der „New York Times“, und machen dank einer Monatsmiete pro Terminal von derzeit zwischen 1500 und 1800 USD den Hauptumsatz des Unternehmens aus.

Die achtziger Jahre markieren die erste Hochphase des Unternehmens. Mit der Zeit wurden die über die Terminals verbreiteten Daten wichtiger als die Maschinen selbst. Der Finanzdatenhandel wurde zum Kernsegment des Unternehmens, welches im Jahre 1986 in Bloomberg L.P. umbenannt wurde. Auch der Aktien-Crash 1987 konnte relativ unbeschadet überstanden werden, in der Folgezeit wurden sogar Auslandsbüros in London und Tokyo eröffnet.

Da Bloomberg am Anfang nur ein geringes Werbebudget zur Verfügung stand, gründete er 1990 die Nachrichtenagentur Bloomberg Business News, um dadurch eine höhere Medienpräsenz zu erreichen. Eine eigens eingerichtete Redaktion rekrutierte namhafte Journalisten, welche unter anderem vom Wall Street Journal und Forbes abgeworben wurden. Die Nachrichten werden seither direkt über die Terminals ausgestrahlt. Zeitungen wird die kostenlose Benutzung der "Bloombergs" angeboten, im Gegenzug müssen sich diese verpflichten, unter dem Anbieternamen Meldungen abzudrucken. Seither, so erklärte Bloomberg einmal seine Strategie, könne er sich über wohlwollende Kritik freuen, da das Unternehmen als zuverlässige Nachrichtenquelle gelte. Das Fachblatt "Columbia Journalism Review" spricht in diesem Zusammenhang davon, dass sich die Journalisten für Bloombergs Werbegeschenk „mit Tinte“ revanchierten. Zeitungen, die sein Informationsangebot zu selten nutzten, drohte Bloomberg regelmäßig mit Entzug.

1992 kaufte das Bloomberg Unternehmen eine New Yorker Radiostation und formte diese zu einem reinen Nachrichtensender um, es folgten ein hausinternes Fernsehstudio und eine Satelliten-TV-Station. 1994 erschien zum ersten Mal die Zeitschrift „Bloomberg Personal Finance Magazin“.

Im Internet stellte Bloomberg ab 1995 Geschäftsinformationen zur Verfügung. Kurz darauf wurden Informationsangebote, die bis dahin nur über die Terminals abrufbar waren, PC-kompatibel gemacht und auch an Drittanbieter weiterverkauft. Außerdem wurde in diesem Jahr das Bloomberg Tradebook eingeführt, ein elektronisches Handelssystem. Ein Jahr später wurde das Unternehmen erneut verlegerisch tätig und brachte mehrere Bücher heraus. Das Tagesprogramm des New Yorker Fernsehsenders WPXN wird seit 1996 ebenfalls von Bloomberg produziert. Michael Bloomberg kaufte 1996 für 200 Millionen USD zehn Prozent der Unternehmensanteile von Merrill Lynch zurück. Das Unternehmen hatte zu der Zeit einen geschätzten Marktwert von zwei Milliarden USD.

1998 verdrängte das Unternehmen Bridge Information Systems, das mittlerweile zu Reuters gehört, durch den Kauf der Down Jones Märkte Bloomberg von Platz zwei auf Platz drei der am häufigsten installierten Finanzinformationsterminals. Bloomberg vergrößerte sich trotzdem durch Kooperationen mit Internetfirmen sowie durch die Herausgabe der Magazine „Bloomberg Money“ (1998) und „Bloomberg Wealth Manager“ (1999). Auch eine Kooperation mit der Australischen Börse und einem spanischen Fernsehsender erweiterten das Tätigkeitsfeld des Unternehmens. 2000 wurde das E-Commerce-Portal von Merrill Lynch für Bloomberg-Kunden zugänglich gemacht. 2004 verkündete das Unternehmen, dass es den Sender E! Entertainment Television für die nächsten drei Jahre mit Wirtschaftssendungen beliefern werde.

Die ersten Jahre des neuen Jahrtausends waren für Bloomberg auch durch den harten Wettbewerb mit den beiden großen Konkurrenten Thomson und auf dem deutschen Markt vor allem mit Reuters geprägt. Im Jahr 2001 wurde Bloomberg auf Schadensersatz wegen Verbreitung einer Falschmeldung verklagt, die zu heftigen Kursverlusten des Unternehmens Emulex geführt hatte. Der Skandal löste Diskussionen darüber aus, ob der harte Wettbewerb zwischen den Informationsanbietern und der daraus resultierende Zeitdruck die Qualität der Berichterstattung zu stark beeinflusse. In dieser Zeit wurden bei Bloomberg auch mehrere Magazine eingestellt, darunter 2003 das bekannte „Bloomberg Personal Finance Magazine“. Im Gegenzug ist seitdem das bis dahin nur im Abonnement vertriebene „Bloomberg Markets“ auch im Einzelhandel erhältlich. Im gleichen Zeitraum wurden vor allem in der Belegschaft der Bloomberg-News-Sparte Stimmen laut, die einen Qualitätsverlust der Berichterstattung aufgrund eines journalistisch unqualifizierten Managements fürchteten. Nach einem Artikel der Welt sprachen Aussteiger von einem „journalistischen Sweat-Shop“. Der Protest gipfelte 2004 in der Bestrebung, eine Gewerkschaft zu gründen. Der Konkurrent Reuters freute sich über zahlreiche Bewerbungen aus dem Hause Bloomberg, viele Journalisten verließen das Unternehmen. Zur Unterstützung der Gewerkschaftsgründung wurde eine eigene Webseite ins Leben gerufen. Diese wurde von der Zeitungsgilde unterstützt. Mit der Seite sollten Angestellte davon überzeugt werden, an der Vorabstimmung für die Gewerkschaftsgründung teilzunehmen. Hierfür hätte die relative Mehrheit der Angestellten für eine Gewerkschaft stimmen müssen. Nach knapp zwei Jahren wurde die Webseite eingestellt, da sich nur sehr wenige Angestellte für eine Gewerkschaft aussprechen wollten. Gründe hierfür wurden zum einen in der sehr guten Bezahlung und den guten Arbeitsbedingungen gesehen als auch in der Angst vor einem drohenden Jobverlust.

Nach Bloombergs Ankündigung Ende 2004, nach seiner Amtszeit nicht mehr zum Unternehmen zurückzukehren, kochten die schon länger kursierenden Verkaufsgerüchte wieder hoch: Im Februar 2005 wurde spekuliert, ob die Microsoft Corperation die Firma übernehme, nachdem bereits Thomson und Pearson PLC als Interessenten gehandelt wurden. Die Übernahmespekulationen haben sich aber in den folgenden Jahren nicht bewahrheitet, vielmehr wurde Bloomberg selbst zum Käufer. Im April 2006 übernahm Bloomberg das Unternehmen Brainpower N.V., einen europäischen Investment-Software-Anbieter.

Im Oktober 2007 kam Bloomberg L.P. in die Schlagzeilen, weil erneut mehrere Frauen gegen das Unternehmen klagten. Es ging wie schon bei dem Prozess Anfang der 90er Jahre darum, dass Frauen, nachdem sie dem Unternehmen ihre Schwangerschaft mitgeteilt und Mutterschaftsurlaub genommen hatten, in der Bezahlung herabgestuft und auf schlechtere Posten versetzt wurden. Bloomberg begründete die Klagen gegen sein Unternehmen damit, dass er aufgrund seiner Popularität ein öffentlichkeitswirksames Ziel darstellen würde. Nur deshalb würde sein Unternehmen für etwas angeklagt, was auch in anderen Unternehmen nicht ungewöhnlich sei. Die Gerichtsverhandlungen förderten zutage, dass Michael Bloomberg wohl hingegen seinen Beteuerungen noch stark mit der Führungsspitze seines Unternehmens in Kontakt steht. Dies ist insofern interessant, da er die Mitarbeit in dem Unternehmen in Hinblick auf seinen Posten als Bürgermeister bisher verneint hatte. Die New York Times zitierte in diesem Zusammenhang allerdings Rechtsexperten, die das Verhalten Michael Bloombergs als legitim einstuften. Während ursprünglich nur vier Frauen im Oktober 2007 geklagt hatten, stieg die Zahl der Klägerinnen bis Mai 2008 auf insgesamt 61 an. Im Sommer 2011 wurde die Klage von einem Bundesgericht in erster Instanz zurückgewiesen.

Im Juli 2008 hatte der angeschlagene Finanzriese Merrill Lynch überraschend seinen Anteil von 20 Prozent an Bloomberg L.P. verkauft. Michael Bloomberg kaufte die Anteile für 4,5 Milliarden Dollar selbst auf.

Die 2007 einsetzende Wirtschafts- und Finanzkrise war Chance und Problemfall für Bloomberg zugleich. Chance, weil es für einen Finanzdienst nun viel zu berichten gibt. Problemfall, weil Bloombergs Geschäft auf der Vermietung von Finanzterminals beruht und Kunden abspringen: Allein durch die bankrott gegangene Bank Lehmann Brothers verlor Bloomberg 2007-2009 mehr als 3000 bis 4000 Kunden (von mehr als 290.000 Benutzern). Wirtschaftspublikationen schätzten, dass andere Banken mehrere Tausend Terminals zurückgegeben haben (laut BusinessWeek: 8000 Terminals). Krisenzeiten eröffnen aber auch neue Möglichkeiten: Da Zeitungen sparen müssen und Redakteure entlassen, bietet Bloomberg Zeitungen an, Finanzseiten für sie in Auftrag zu produzieren. Solche Outsourcing-Verträge hat Bloomberg mit weltweit zehn Zeitungen geschlossen, darunter dem Tagesanzeiger in Zürich und dem Miami Herald. Dabei bietet Bloomberg nicht nur Finanznachrichten an, sondern auch Themen wie Kultur und Gesundheit.

Im Wettbewerberfeld des Unternehmens wurde 2008 eine weit reichende Entscheidung getroffen. Die Fusion der Unternehmen Thomson (Kanada) und Reuters (Großbritannien), die in direkter Konkurrenz zum Angebot Bloombergs stehen, wurde genehmigt. Sowohl das neu geschaffene Unternehmen Thomson Reuters als auch Bloomberg haben nun Markanteile von ungefähr je einem Drittel. Noch ist nicht entschieden, wer von beiden letztendlich die Marktführerschaft übernimmt, und es wird vermutet, dass sich das Duopol noch einige Zeit halten wird.

An anderer Front betrieb Bloomberg eine massive Lobbying-Offensive die 2010 stattgefundene Fusion von Comcast und NBC-Universal (siehe News der Mediadb-Redaktion). Bloomberg brachte unter anderem vor, dass es durch den Merger zu einer Bevorzugung des NBC-Senders CNBC gegenüber dem Bloomberg Fernsehkanal sowie anderen Nachrichtenkanälen hinsichtlich der Kabelslot-Platzierungen kommen würde. Die Kampagne zahlte sich insofern aus, dass die Fusion mit strengen Auflagen seitens der Aufsichtsbehörde FCC bezüglich der gleichberechtigten Slot-Platzierung von Nachrichtensendern versehen wurde. 2011 reichte Bloomberg eine Beschwerde bei der FCC ein, wonach Comcast gegen die Auflagen verstoßen würde. Comcast reagierte mit einer eigenen Stellungnahme gegenüber der FCC, in der Bloomberg eine missbräuchliche Auslegung der Auflagenbestimmungen zum Ziele einer vorteilhafteren Positionierung des Bloomberg TV-Kanals vorgeworfen wurde (siehe Meldung in Variety vom 27.7.2011).

Management

Michael Rubens Bloomberg wurde am 14. Februar 1942 geboren. Er stammt aus einer kleinbürgerlichen Familie und wuchs in einem kleinen Ort in Massachusetts auf. Demut und Bescheidenheit galten nie als Stärken von Bloomberg. "Ich glaube, dass ich alles besser kann" lautet einer seiner typischen Sprüche. Immerhin dürfte ihm sein Selbstbewusstsein geholfen haben, binnen 15 Jahren vom Sekretär zum Leiter des Aktienhandels bei Salomon Brothers aufzusteigen. Er war immer etwas früher und etwas länger im Büro als seine Vorgesetzten und wurde so zu einem der bestbezahlten Wall-Street-Broker der Investmentbank Salomon Brothers. 1981 aber ging sein Ehrgeiz zu weit: Bloomberg forderte mehr Macht und musste gehen. Er erhielt zehn Millionen USD als Abfindung, die er zum Aufbau seines Medienunternehmens nutzte.

Die Arbeitshaltung und Prinzipien, die er für seinen Erfolg als Börsenmakler verantwortlich machte, übertrug er auf seine neue Karriere als Medienunternehmer. In der hauseigenen Kantine liegen Snacks, Getränke und Obst zum Mitnehmen bereit. Er zahlt übertariflich. Dafür verlangt er von den Angestellten, dass sie hoch motiviert sind und auch Überstunden ohne Klagen hinnehmen. Jeder neue Mitarbeiter erhält das Buch des Chefs und eine dreihundertseitige Verhaltensfibel. Es gilt die Richtlinie, wonach Mitarbeiter, die Bloomberg verlassen, nicht erneut angestellt werden dürfen. Um Klagen wegen sexueller Belästigung zu vermeiden, zensiert Bloomberg seine Mitarbeiter und hat seinen Terminal für gewisse Ausdrücke gesperrt.

Im Februar 2001 hat sich Bloomberg, im aktuellen Forbes Ranking auf Platz 30 der reichsten Menschen der Welt (Stand 2011), aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen und widmet sich seither seiner dritten Karriere - der Politik. Eigentlich war er stets den Demokraten wohlgesinnt. Um seine Chancen zu erhöhen, ließ er sich jedoch von den Republikanern nominieren und wurde am 6. November 2001 zum Nachfolger von Rudolph Giuliani zum New Yorker Bürgermeister gewählt. Seine Wahl wurde von einigen kritisiert, da Bloomberg sein großes Vermögen für Wahlwerbung in gigantischen Ausmaßen genutzt hatte. Da er keine öffentlichen Gelder für den Wahlkampf in Anspruch nehmen musste, war er auch nicht an die damit einhergehende Beschränkung bei den Ausgaben gebunden. So investierte er insgesamt mehr in Eigenwerbung als alle anderen Konkurrenten zusammen. 2005 gewann Bloomberg erneut mit 59 Prozent der Stimmen und einem Abstand von 20 Prozent zur Konkurrenz. Wenngleich die Zustimmungswerte für Bloombergs Politik in Umfragen 2007 um 70 Prozent betrugen, fiel der Vorsprung an Wählerstimmen bei seiner Wiederwahl 2009 mit 5 Prozentpunkten Abstand (51 gegenüber 46) gegenüber seinem demokratischen Konkurrenten William Thompson unerwartet gering aus.

Die Tagesgeschäfte des Unternehmens führt seit Bloombergs Rückzug Matthew Winkler, ein ehemaliger Journalist des "Wall Street Journals". Eigentlich wollte Winkler Bloomberg nur interviewen, als dieser seine Terminals entwickelte. Bloomberg schien ihn aber so sehr zu überzeugen, dass Winkler bei ihm anheuerte und später Chefredakteur von Bloomberg News wurde. Zum Chairman von Bloomberg L.P. wurde Peter Grauer im März 2001 ernannt. Er ist seit 1996 Mitglied des Vorstandes. Vorher war er bei Donaldson, Lufkin & Jenrette als Managing Director tätig, außerdem gründete er die Private-Equity-Firmen DLJ Merchant Banking Partners und DLJ Investment Partners. Donaldson, Lufkin & Jenrette wurde 2000 von Credit Suisse übernommen. Für den europäischen Markt ist weiterhin Katherine Oliver eine wichtige Person. Sie hat als „Worldwide General Manager of Bloomberg Radio and Television“ innerhalb von fünf Jahren Bloomberg TV in Europa komplett aufgebaut.

Die Aufgaben des Top-Managements wurden im Februar 2005 neu verteilt. Dabei wurde Chairman Peter Grauers Position laut „New York Times“ gefestigt, CEO Lex Fenwick musste jedoch Einfluss abgeben und ist seit Mitte 2008 nur mehr für die Verkaufsabteilungen zuständig. Einige Angestellte hatten an seinen scheinbar ruppigen Ton Anstoß genommen. Tom Secunda (Forschung und Entwicklung) und Matthew Winkler (Redaktion) erhielten dem Vernehmen nach den gleichen Status wie Fenwick. Alle drei berichten an Grauer. Auch Winkler ist unter manchen Angestellten wegen seines als schlecht empfundenen Führungsstils nicht sehr beliebt. Von den angestellten Redakteuren wird auch beklagt, dass die Qualität der journalistischen Arbeit in der Bloomberg News Sparte Mängel aufweise, die durch ein unprofessionelles Management ausgelöst worden seien. Viele Journalisten hätten das Unternehmen aus diesem Grund in den vergangenen Jahren verlassen.

Michael Bloomberg selbst will angeblich nicht zu seiner Firma zurück, die mittlerweile eine neue Zentrale an Manhattans Upper East Side bezogen hat. Der Wert des 92-prozentigen Anteils von Bloomberg an seiner Firma wird heute auf 18 bis 19 Milliarden USD geschätzt. Er kann es sich leisten, als Bürgermeister für ein symbolisches Gehalt von einem US-Dollar zu arbeiten. Mit Bloombergs Überraschungssieg setzte eine Diskussion ein, ob und wie er das Amt mit seinen Interessen als Medienunternehmer vereinbaren kann - ohne Ergebnis, denn Bloomberg hält immer noch die übergroße Mehrheit der Anteile. Für dieses Verhalten spricht, dass er sich nie zu sehr in die journalistische Arbeit eingemischt habe, schreibt die "Washington Post". Selbst Kritiker erinnern sich an seine Fairness. Die wichtige Geschäftsbeziehung zur Investmentbank Merrill Lynch habe Bloombergs Reporter nicht gehindert, kritisch über das Finanzhaus zu berichten, obwohl Merrill Lynch als Erster die Terminals gemietet und später 20 Prozent der Firma erworben hat. Dabei lässt sich sagen: So wichtig die Redaktionen für das Marketing sind, so gering ist ihr Einfluss auf den Umsatz, der zu 83 Prozent aus dem Verkauf bzw. der Vermietung der Terminals kommt. Nur 2300 der rund 15000 Mitarbeiter gehören zur Redaktion. Das heißt, dass die Zukunft des Unternehmens nicht von den redaktionellen Innovationen abhängt, wie die New York Times analysiert. Das Hauptgeschäft von Bloomberg ist der Verkauf von Wirtschaftsdaten. Deshalb wird vor allem Tom Secunda, der zuständig ist für die Erhebung der Daten, für die Zukunft eine wichtige Rolle zugeschrieben.

Ende 2007 ernannte Bloomberg den stellvertretenden Bürgermeister von New York, Daniel L. Doctoroff, zum Präsidenten von Bloomberg L.P. Diese Ernennung führte zu Kritik, da Bloomberg zuvor Doctoroff all die delikaten medienbezogenen Sachverhalte regeln ließ, die er aus Gründen der möglichen Befangenheit als Besitzer eines großen Medienunternehmens nicht selbst bearbeiten konnte. Die Verhandlungen der Stadt New York und dem Breitbandnetzanbieter Verizon übernahm Doctoroff, da sich Bloomberg mit Bloomberg TV auch im Bereich Kabelfernsehen engagiert. Als der Finanzdienstleister Merill Lynch, der einen 20-prozentigen Anteil an Bloomberg L.P. hielt, aus Manhattan wegziehen wollte, verhandelte Doctoroff anstelle von Michael Bloomberg. Kritiker befürchten, dass Doctoroff gerade im Zusammenhang mit seinem Hintergrundwissen von den Verizon-Verhandlungen als Präsident von Bloomberg L.P. schon zu gut eingearbeitet ist. Die freundschaftliche Beziehung zwischen Doctoroff und Bloomberg wird auch als ein weiterer Hinweis dafür gesehen, dass Bloomberg sich nicht wie versprochen aus der Führung von Bloomberg L.P. heraushalten will.

Im Juli 2011 nahm Doctoroff schließlich auch den seit der Versetzung Fenwicks 2008 unbesetzten Posten des Chief Executive ein.

Im März 2008 hatte Doctoroff den Journalisten Norman Pearlstine als Chief Content Officer, also als Chef der Journalismus-Sparte des Unternehmens, eingesetzt. Dieser Schritt zog die Vermutung nach sich, dass sich Bloomberg L.P. in Zukunft stärker auf das Nachrichtengeschäft orientieren will, um im Fall eines Umsatzrückganges bei dem Verkauf der Bloomberg Terminals über ein zweites Standbein zu verfügen. Norman Pearlstine war vorher Spitzenredakteur bei Time Inc. und dem Wall Street Journal. Die Position bei Bloomberg wurde eigens für ihn geschaffen. Durch diesen Schritt soll womöglich der Einflussbereich von Winkler verkleinert werden, der wiederholt als Grund für das schlechte Betriebsklima in Bloombergs Newssparte genannt wurde.

Geschäftsfelder

Informationsdienst
Der Informationsdienst Bloomberg Professional Service funktioniert als einheitliche Plattform, auf der interaktive Finanzdaten, Nachrichten, Berichte und Analysen dargestellt werden. Außerdem sind weitere Funktionen wie E-Mail und E-Commerce in die Plattform integriert. Das Interface-Design wird häufiger als unmodern moniert und mit dem Layout von MS DOS verglichen. Für die Nutzung des Informationsdienstes wurde lange Zeit ein so genannter Bloomberg Terminal benötigt, der in Form und Funktion einem Computerbildschirm ähnelt. Die Terminals informieren sekundenschnell über weltweite Börsenbewegungen. Der interaktive Online-Service richtet sich vor allem an Börsenmakler, er ist leichter zu handhaben als die lange schwerfälligen Informationsdienste von Reuters und Dow Jones. Bloomberg bot mit der Zeit neben Informationen zu Börsendaten und Unternehmensnachrichten auch Sportresultate, Wetterberichte und Horoskope ebenso wie Kinoprogramme und Menükarten ausgewählter Restaurants über seine Terminals an. Man wollte, so Bloomberg, den vielgeplagten Brokern auch Entspannungsmomente bieten, denn im Grunde, so die Philosophie des Firmenchefs, sollten "Arbeit und Privatleben doch eins sein".

Mittlerweile sind viele Informationen auch über die 1995 entstandene Internetseite abrufbar. Bloomberg forciert die Verbreitung von Bloomberg Anywhere, das aus Sicherheitsgründen nur über eine biometrische Personenerkennung zugänglich ist. Dadurch müssen Unternehmen für einzelne Angestellte einen kompletten Account bezahlen, während sich vorher mehrere Angestellte den Zugang zu einem Bloomberg Terminal teilen konnten. Auch Preisanhebungen haben unter den Kunden zu Unmut geführt. Bloomberg kann die genannten Änderungen relativ unproblematisch durchsetzen, da beispielsweise die Messaging-Funktion der Terminals ein weit verbreitetes Kommunikationsmittel in der Branche ist. Unternehmen sind auf die Kontaktmöglichkeit über die Terminals angewiesen, somit wird ein Anbieterwechsel erschwert.

Da die meisten Kunden für 17.000 bis 20.000 USD Jahresgebühr nur wenige der über 3000 Funktionen nutzen, ist fraglich, ob ein Konkurrent die wichtigsten Funktionen nicht billiger anbieten könnte. Problematisch für Bloomberg ist dabei vor allem die Konkurrenz aus dem Internet, zum Beispiel durch Yahoo Finance oder Google Finance. Diese Dienste sind zwar zurzeit noch nicht so ausgereift wie die Bloomberg Terminals, entwickeln sich allerdings schnell weiter und sind vor allen Dingen kostenlos. Bloombergs Hauptkonkurrent Thomson-Reuters scheint darüber hinaus durch eine breitere Angebotsstruktur für zukünftige Veränderungen des Marktes besser aufgestellt zu sein. Im Gegensatz zu Bloomberg ist dieser Informationsanbieter nicht vom Wohlergehen der Finanzbranche abhängig, da sein Kundenstamm beispielsweise auch aus Medizinern oder Wissenschaftlern besteht.

Auch vor diesem Hintergrund sind die aktuellen Bemühungen des Unternehmens zu verstehen, ihr Angebotssegment im Informationsdienst zu erweitern und neue Klientel anzusprechen. So wurden 2011 etwa die Dienste Bloomberg Law und Bloomberg Government ins Leben gerufen. Während Erstere gegen eine monatliche Pauschale von 450 USD einen Informations- und Datenbankservice zu Rechtsthemen bietet, zielt das in Washington ansässige Bloomberg Government vor allem auf die Nutzung durch Finanz- und Wirtschaftslobbyisten. Hier werden die Kunden gegen eine jährliche Nutzungsgebühr von 5700 USD mit aktuellsten Meldungen und Analysen rund um den Kongress, die Ministerien und das Weiße Haus beliefert. Im September 2011 vermeldete Bloomberg schließlich auch die Übernahme des auf Rechtsthemen spezialisierten Informationsdienstes Bureau of National Affairs Inc. Die Investition von knapp einer Milliarde USD für die renommierte Informations- und Forschungseinrichtung belegt die Ambitionen Bloombergs, das bislang stark von Wirtschaftsthemen geprägte Profil auch auf politischen und rechtsbezogenen Gebieten zu schärfen.

Nachrichtenagentur
1990 startet Bloomberg seine Nachrichtenagentur Bloomberg Business News (heute "Bloomberg News"), die zunächst nur Wirtschaftsnachrichten, mittlerweile aber auch Informationen aus Politik und Sport verbreitet. Rund 2.2000 Journalisten sind weltweit für Bloomberg News aktiv, sie produzieren täglich 5.000 Artikel. Neben den Bloomberg Medien, für die der Nachrichtendienst die wichtigste Quelle darstellt, verfügen auch noch 400 weitere Zeitungen und Zeitschriften über Lizenzen und können so auf das Informationsangebot zurückgreifen. Eine seit 2002 bestehende Kooperation mit der Zeitung Herald Tribune wurde Ende 2007 aufgelöst, da die Zeitung von da an mit Bloombergs starkem Konkurrenten Reuters zusammenarbeiten will.

TV & Radio
Seit 1994 gibt es Bloomberg TV. "Wenn man erfolgreich sein will, muss man alle Medien bedienen", sagt Bloomberg. Markant für Bloomberg TV war lange Zeit das Fensterprinzip eines geteilten Bildschirms, der sogenannte "Multiscreen". Neben dem normalen TV-Bild gab es noch verschiedene Informationsboxen mit den wichtigsten Aktienindizes, Devisenkursen und Infografiken auf der rechten Seite des Bildschirms sowie einen Presseticker und die aktuellen Aktienkurse am unteren Rand des Bildschirms als Laufband. Der Multiscreen wurde Mitte 2007 in den USA und in den darauf folgenden Monaten weltweit durch ein Vollbild ersetzt. Übrig blieben der Presseticker sowie der "Data Display Crawl", auf dem die Informationen dargestellt werden, die früher in den Infoboxen zu sehen waren. Im Presseticker laufen neben Finanzinformationen auch Sportergebnisse und Weltnachrichten. Das Netzwerk von Bloomberg TV besteht aus zehn eigenständigen Sendern, die in sieben Sprachen rund um die Uhr ausstrahlen. Weltweit könnten insgesamt 200 Millionen Haushalte erreicht werden, davon 43 Millionen in Europa. Das Programm von Bloomberg Radio wird von 840 Radiostationen weltweit übernommen und ausgestrahlt. Es handelt sich hierbei um ein reines Nachrichtenprogramm. Der Hauptsender von Bloomberg Radio ist BLOOMBERG 1130 (WBBR-AM) in New York.

Online
Das Internetangebot des Unternehmens Bloomberg.com wurde 1995 eingeführt. Neben aktuellen Marktdaten, Wirtschaftsnachrichten und Hintergrundberichten können die Nutzer auf umfassende Datenbanken zugreifen. Die Wirtschaftsdaten decken einen Großteil der Regionen der Welt ab und bieten zum Beispiel Informationen zu Währungen, Aktien und Fonds. Seit der Übernahme von BusinessWeek existiert mit Businessweek.com eine weitere Internet-Plattform. Beide Seiten werden vom Wirtschaftsmagazin BtoB in der Liste Media Power 50 als eine der besten Online-Werbevehikel im business-to-business-Bereich geführt. Das Magazin gibt 2011 als UMV-Werte (Unique monthly visitors) für beide Seiten die Raten von jeweils 26 (Bloomberg.com) und 9,4 Millionen (Businessweek.com) an. Bloomberg Television und Bloomberg Radio übertragen ihr Programm auf Bloomberg.com online. Ausgewählte Sendungen sind auch als Podcasts erhältlich. Bloomberg.com dient somit als Plattform für das gesamte Medienangebot des Unternehmens.

Print/Magazine
Bloomberg ist im Print-Bereich mit einem Buchverlag und einer Fachzeitschrift vertreten. Außerdem publiziert Bloomberg Auftragsarbeiten für wichtige Kunden, so zum Beispiel "On Investing" für Charles Schwab. Der Verlag Bloomberg Press verlegt Bücher zu finanzthematischen Fragestellungen sowohl für Fachpublikum als auch im General-Interest-Bereich. Seit 1996 sind bereit 140 Titel erschienen. Die Bücher werden von Finanzspezialisten, darunter auch Redakteure von Bloomberg News, geschrieben und erscheinen in mehr als zwanzig Sprachen. In den USA und Kanada verlegt Bloomberg Press die Economist Reihe. Das vom Unternehmensbereich "Periodicals Publishing" herausgegebene Magazin BLOOMBERG MARKETS erscheint monatlich und richtet sich speziell and die rund 250,000 Nutzer von Bloomberg Professional. Die Themen sind wirtschaftsbezogen, behandelt werden zum Beispiel Entwicklungen auf den Finanzmärkten, Unternehmensnachrichten, Personalia sowie verschiedene Schwerpunktthemen. Das Magazin wurde für seine journalistische Qualität mit über fünfzig Preisen ausgezeichnet. Seit 2000 wurden mehrere Magazine eingestellt, darunter das in England erscheinende Magazin "Bloomberg Money" (2001) und das in den USA erscheinende Magazin "Bloomberg Personal Finance" (2003). Eine Woche nach der Einstellung von "Bloomberg Personal Finance" verkündet das Unternehmen, dass das Magazin "Bloomberg Markets", welches bis dato nur als Abonnement erhältlich war, zukünftig auch über den Handel vertrieben werden soll.

2009 übernahm Bloomberg L.P. das defizitäre Wirtschaftsmagazin BusinessWeek von Medienkonzern McGraw-Hill. Über die Zahlungsmodalitäten wurde Stillschweigen vereinbart, laut einem Bericht von BusinessWeek in eigener Sache soll der Preis jedoch zwischen zwei und fünf Millionen US-Dollar inklusive der Übernahme von Schulden liegen. Neuer Vorsitzender des Magazins wurde Bloomberg-Chief Content Officer Norman Pearlstine. Für Bloomberg ist der Kauf des vor 80 Jahren gegründeten Magazins die erste Akquisition der Unternehmensgeschichte. Bisher verzichtete das Bloomberg-Management auf kostspielige Übernahmen, doch positive Synergieeffekte gaben den Ausschlag dafür, BusinessWeek in das Portfolio des Unternehmens zu integrieren. Künftig soll die Redaktion des nach wie vor in gedruckter Form erscheinenden Magazins das Bloomberg-Terminal sowie die diversen Onlineauftritte und Fernsehsender mit Informationen und Kommentaren anreichern.

Engagement in Deutschland

Das private deutsche Fernsehprogramm Bloomberg TV wird seit dem 4. August 1998 in Hessen ausgestrahlt und ist seit August 1997 bundesweit zu sehen. Sitz des Senders ist die Finanzmetropole Frankfurt am Main. Geschäftsführerin und Medienmanagerin für Bloomberg TV in Deutschland ist Una Evelyn Brodherr. Die Programmleitung wird von Ken Kohn verantwortet und der Chefredakteur von Bloomberg TV ist Wilhelm Kötting. Mittlerweile können 85 Prozent der deutschen Haushalte das werbefinanzierte Programm kostenlos empfangen. Über Kabel ist Bloomberg TV digital rund um die Uhr verfügbar, analog in bestimmten Zeitfenstern. Das Programm wird auch online über DSL und als IP-Stream übertragen. Nach einer Studie von forsa hatte Bloomberg TV 2006 durchschnittlich 769.000 Zuschauer pro Tag, über 60.000 mehr als noch 2005 (Quelle GWP/forsa 05/06 2006, BRD, E14+, BLOOMBERG Seher täglich). Mitte 2007 erweitert Bloomberg TV sein Programm in Deutschland. Hinzu kommen zwei neue Sportformate, ein Magazin für den Mittelstand und zwei Nachrichten-Service-Sendungen. Seit Anfang Oktober 2007 kooperiert Bloomberg in Deutschland außerdem mit dem Handelsblatt. Die gemeinsam gestaltete Marktberichterstattung "Marktplatz by Bloomberg" erscheint auf der letzen Seite der Finanzzeitung.

Aktuelle Entwicklungen

Wohl auch angesichts der Wirtschaftskrise und des zunehmenden Konkurrenzdrucks scheint sich ein Strategiewechsel in der bisherigen Unternehmenspolitik von Bloomberg L.P. abzuzeichnen. Galt das Unternehmen bislang als rein auf die Vermarktung von Wirtschaftsdaten beschränkt und in seiner Außendarstellung als zumindest verschlossen, findet seit dem Rückzug Bloombergs aus der Unternehmensführung eine Ausdehnung und Öffnung im Bezug auf Angebotsvielfalt und externe Unternehmenskommunikation statt. Darauf deuten Übernahmen wie die der BusinessWeek – die erste der Firmengeschichte – oder des Bureau of National Affairs ebenso hin wie die häufigere Interviewbereitschaft von Führungskräften des Konzerns (siehe Interviews in "Guardian" und "FAZ" mit Matthew Winkler und Peter Grauer). Wenngleich der Vertrieb von Wirtschaftsdaten auch in Zukunft das Kerngeschäft bleiben wird, soll der Anteil von Bloomberg Professional Service am Gesamtumsatz des Konzerns nach Aussage Peter Grauers bis 2016 von vormals 97 (2008) auf 75 Prozent schrumpfen. Neue ambitionierte Dienste wie Bloomberg Government oder Bloomberg Law weisen in diese Richtung.

Ende Mai 2011 wagte Bloomberg L.P. ferner den Eintritt in den Meinungsjournalismus. Der bislang dem Selbstverständnis nach politisch neutrale Finanzinformationsdienstleister und Medienkonzern wird künftig auf seiner Homepage und weiteren Kanälen (Bloomberg TV, Bloomberg Radio, BusinessWeek) täglich zwei Meinungskolumnen veröffentlichen, die sich vor allem mit wirtschafts- und außenpolitischen Fragen auseinandersetzen. Während in den vergangenen Wochen immer mehr Details bezüglich der neuen Bloomberg-Kolumnisten bekannt wurden, kann man immer mehr kritische Stimmen hören, die in Bloomberg View vor allem ein politisches Sprachrohr für den New Yorker Bürgermeister und Gründer des Unternehmens, Michael Bloomberg, sehen (siehe Dossier der Mediadb-Redaktion). Bloomberg View könnte Vorreiter für Michael Bloombergs weitere Karriereplanung sein: So denkt er seit geraumer Zeit darüber nach, die defizitäre New York Times zu kaufen, wenn seine dritte Amtszeit als Bürgermeister von New York abgeschlossen ist.

Bloomberg TV wird derweil immer mehr zu einem Wirtschaftskanal für Superreiche. Bestes Beispiel ist das neue Format "Titans at the Table" eine Talkshow, bei diverse milliardenschwere Hedgefond-Manager in teuren Restaurants die Vorzüge der Immobilien-Krise und Firmenpleiten diskutieren.

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Informationen des Unternehmens: Presseberichterstattung:
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