LED-Fernseher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin

1.9.2012

Globo Communicação e Participações S.A.

Umsatz 2011: BRL 11,000 Mrd. (€ 4,728 Mrd.)

Geschichte und Profil

Die Erfolgsgeschichte der Organizações Globo ist unteilbar mit der Familiendynastie Marinho – vor allem mit dem Sohn des Gründers, Roberto Marinho – verwoben. 1925 gründet dessen Vater Irineu das Blatt O Globo. Nur drei Wochen nach der Gründung stirbt Irineu und die Verantwortung für die Zeitung geht für die kommenden fünf Jahre auf einen Freund der Familie über. 1931 übernimmt Irineus ältester Sohn die Geschäfte, die er bis zu seinem Tod 2003 nicht mehr aus der Hand geben wird.

Mitten im Zweiten Weltkrieg, als das Radio wegen der Kriegsberichterstattung an Bedeutung stark zugenommen hat, gründet Roberto Marinho 1944 die erste Radiostation des Konzerns, Rádio Globo, die 1957 auch die Konzession zur Ausstrahlung von Fernsehprogrammen erhält. Überreicht wird sie vom damaligen Präsidenten Juscelino Kubitschek. Böse Zungen behaupten, Kubitschek habe sich mit der Konzession für die lediglich moderate Opposition der Mediengruppe Globo während seines Wahlkampfes bedankt. Damit jedenfalls beginnt der Aufstieg des Familienunternehmens zum größten Medienkonzern Südamerikas. Zwei Dinge spielen Marinho dabei in die Karten: die Militärdiktatur und die Unterstützung der US-amerikanischen Time-Life Company.

Am 24. Juli 1962 unterschreiben Time-Life und Globo ein Joint-Venture-Abkommen. Der Vertrag verpflichtet Gobo von Sendebeginn 1965 an, 30 Prozent seines Gewinns an Time-Life abzugeben. Als Gegenleistung erhält der Sender einen Kredit über umgerechnet etwa 20 Millionen Euro sowie umfangreiche technische Unterstützung. Der Deal widerspricht der brasilianischen Verfassung, sind doch ausländische Direktinvestitionen in Medienunternehmen verboten. Doch die Regierung drückt ein Auge zu. Das Abkommen steht aber auch im Widerspruch zur Geschäftspolitik des Gründers Irineu. Er hatte scharf gegen die Beteiligung ausländischen Kapitals an brasilianischen Unternehmen gekämpft.

Am 26. April 1965 geht der erste Globo-Sender, Canal 4, on air. Mit dem Kredit im Hintergrund kann Marinho seine Expansionsideen verwirklichen. Nur ein Jahr später weiht er TV Globo São Paulo ein, dessen Station er von einem Wettbewerber gekauft hat. In den folgenden Jahren geht die Shoppingtour weiter: 1968 Kauf und Einweihung von TV Globo Belo Horizonte, Anfang der 70er Jahre geschieht das gleiche mit TV Globo Recife und TV Globo Brasília. Auf Druck der Opposition muss Globo 1968 zwar den Vertrag mit Time-Life kündigen. Der Sender wird nationalisiert, der Joint-Venture-Partner ausbezahlt. Dennoch gelingt es Roberto innerhalb von lediglich sieben Jahren, die erste nationale Senderkette zu etablieren.

Den Ausbau der Kette ermöglicht die Militärdiktatur, die großzügig die erforderlichen Sendelizenzen vergibt, um über das Vehikel Fernsehen und mit Hilfe von Roberto Marinho ein nationales Bewusstsein für eine gemeinsame brasilianische Kultur zu schaffen. Der aufstrebende Marinho erscheint den Militärs für ihre Zwecke ideal: Er ist Inhaber der führenden Tageszeitung und des nationalen Radiosenders, er unterstützt die Militärs und er führt sein Unternehmen nach neuen ökonomischen Maßstäben.

Bis zum Ende der 60er Jahre ist für die Werbeindustrie nur die Primetime von 18 bis 22 Uhr interessant. Marinho setzt hier mit einem neuen Werbesystem an: Wer zu den besten Sendezeiten Werbung ausstrahlen will, muss auch Werbeminuten zu den ungeliebten Zeiten kaufen – die Konkurrenz hält am alten Konzept fest. Als erster Sender Brasiliens richtet sich TV Globo nach den Tagesabläufen und Gewohnheiten seiner Zuschauer. Das wird durch eine enge Bindung der Konsumenten belohnt, die sich verstanden fühlen, weil auf ihre Wünsche eingegangen wird. Ein Konzept, das bis heute bei Globo funktioniert – so zum Beispiel bei der Zeitung Extra.

1995 erschafft Marinho mit der Einweihung von Projac (Projeto Jacarepaguá) das größte TV- und Film Produktionszentrum Lateinamerikas. Auf 1,6 Millionen Quadratmetern stehen zehn Studios, sieben Produktionseinheiten und die neueste Digitaltechnik zur Verfügung. Gedacht dazu, das schlechte Image aus den Jahren der Militärdiktatur aufzupolieren, geschieht genau das Gegenteil. Vorwürfe werden laut, der Bau sei illegal gewesen, da er mit Subventionen der Regierung unterstützt wurde.

In den letzten Jahren vor seinem Tod lebt Roberto Marinho mehr und mehr in der Vergangenheit. Offiziell ist er weiterhin Präsident des Globo-Imperiums, in Interviews und Gesprächen spricht er allerdings immer häufiger ausschließlich von O Globo, der Zeitung, die sein Vater einst gründete. Als der Firmenpatriarch 2003 stirbt, übernimmt sein Sohn Roberto Irineu die Zügel. Er forciert die Ausrichtung des Unternehmens auf digitale Geschäftsfelder. Bei der Bilanzpressekonferenz 2009 verkündete der Enkel des Gründers stolz, dass das Unternehmen den digitalen Markt nicht nur zur Entwicklung neuer Technologien nutze, sondern auch neue Formate erfinde, um dem Leser zu jeder Zeit einen besseren Zugang zu seiner Tageszeitung und der Öffentlichkeit eine fundierte Meinungsbildung zu ermöglichen. „Wir sind heute die erste Wahl im Internet für alle, die in Brasilien nach journalistischen Inhalten suchen.“

Dies alles kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass den Organizações Globo aus Sicht der Konsumenten immer noch der Makel anhaftet, mit der Militärdiktatur paktiert und tendenziösen Journalismus betrieben zu haben. Auch ist den Menschen noch gut im Gedächtnis, dass sich die Globo-Gruppe Anfang der 80er Jahre, als der Prozess der Re-Demokratisierung Brasiliens sich zusehends beschleunigte, nicht von ihrer politischen Linie abbringen ließ und weiterhin die Diktatur unterstützte. Slogans wie „Das Volk ist nicht dumm, nieder mit dem Rede Globo“ (O povo não é bobo, abaixo a Rede Globo) haben ihren Weg aus den 80er Jahren ins neue Jahrtausend gefunden. Eine Studie aus dem Jahr 2009 belegt: Die Brasilianer stehen Globo nach wie vor kritisch gegenüber. Sowohl die Affäre um den Time-Life-Deal als auch die klare Bevorzugung Globos zu Zeiten der Militärdiktatur lassen die Konsumenten vermuten, dass die Erzeugnisse von Globo ihr Fähnchen nach dem politischen Wind drehen, wenn es gerade günstig erscheint. Belege für diese These liefert ihnen gegenwärtig auch die Tageszeitung O Globo. So hatte sich das Blatt entschieden gegen den damaligen Präsidentschaftskandidaten Inacio Lula da Silva bei dessen erster Kandidatur 1989 ausgesprochen und stattdessen den Gegenkandidaten Fernando Collor unterstützt. Die Führungsetage bei Globo sah Lula als „zu sehr limitiert, um wichtige Exekutivfunktionen zu erfüllen.“ Collor gewann. Erst 2002 schafft Lula den Wahlsieg. Nach zwei Legislaturperioden scheidet Lula nun im Herbst 2010 aus dem Amt. Er und Globo sind über die Zeit zu - vorgeblich - dicken Freunden geworden.

Ähnlich kompliziert lässt sich nun auch das Verhältnis zwischen Globo und der neuen Präsidentin Dilma Rousseff an. Während der Wahlkampagne stellten sich die Medien der Globo-Gruppe klar auf die Seite von Rousseff's schärfstem Konkurrenten, dem ehemaligen Bürgermeister von São Paulo, José Serra. Mit großer Beharrlichkeit wurden auch kleinste Skandale immer wieder aufs Tapet gebracht. Als bestes Beispiel lässt sich wohl die Lobby-Affäre um Dilmas Nachfolgerin als Stabschefin, Erenice Guerra nennen. Globo ließ in der Berichterstattung so lange keine Ruhe, bis Guerra zurücktrat. Gebracht hat es jedoch nur wenig: Durch die große Unterstützung des ehemaligen Präsidenten Lula war die Wahl Dilmas zu keinem Zeitpunkt in Gefahr. Es bleibt nun abzuwarten, wie sich das gespannte Verhältnis weiter entwickelt und ob es auch Dilma gelingt, einen vordergündigen Waffenstillstand mit der Globo-Gruppe zu schließen.


Dossier

Medienpolitik

Die neuen technischen und inhaltlichen Entwicklungen der digitalen Medien sind eine Herausforderung für Medienmacher, Publikum und Politik. Journalisten müssen beispielsweise immer mehr Informationskanäle beobachten und große Mengen an Daten auswerten. Für die Bürger können die Veränderungen in der Medienlandschaft zu einer stärkeren (politischen) Beteiligung führen und Medien werden genutzt, um für politische Belange Aufmerksamkeit zu erzeugen. Neue Entwicklungen wie soziale Medien oder das Internet der Dinge werden bezüglich des Daten- und Verbraucherschutzes kontrovers diskutiert. Das Dossier möchte Grundlagen zum Rundfunk- und Medienrecht vermitteln, die neuen Herausforderungen und Nutzungsmöglichkeiten aufzeigen und eine kritische Auseinandersetzung mit der sich ständig wandelnden Welt der Medien und der sie regulierenden Medienpolitik fördern.

Mehr lesen