LED-Fernseher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin

1.9.2012

Globo Communicação e Participações S.A.

Umsatz 2011: BRL 11,000 Mrd. (€ 4,728 Mrd.)

Management

Der Gründer: Irineu Marinho Coelho de Barros (*19.07.1876 - 21.08.1925)
Schon während der Schulzeit ist Irineu, der aus wohlsituierten Verhältnissen stammt, als Journalist, Publizist und Herausgeber aktiv. So gründet er bereits 1891 die beiden Schulzeitschriften A Pena und O Ensaio und arbeitet regelmäßig als Autor für die Zeitschrift O Fluminense. Nach seinem Umzug vom Rio-Vorort Nitéroi in die Stadt lernt er beim populären Diário de Notícias das Zeitungsgeschäft von der Pike auf. Er beginnt dort als Reporter, arbeitet sich bis zum Chefredakteur empor. Mit seiner Frau Francisca, die er 1903 heiratet, setzt er sechs Kinder in die Welt. Irineu arbeitet bei der angesehen Tagesszeitung A Notícia und wird 1911 Teilhaber der neu gegründeten ersten Abendzeitung Rios, der A Noite.

Mehr und mehr macht Irineu als Verteidiger nationaler Interessen auf sich aufmerksam und wird zum starken Kritiker des Kolonialismus und des Imperialismus. Er schießt sich vor allem auf die in Brasilien agierenden internationalen Großkonzerne ein. So ist ihm beispielsweise die Brasil Railway Co., die mehrheitlich in der Hand eines amerikanischen Investors ist, ein Dorn im Auge. Die ständigen Attacken gegen das Unternehmen und die ablehnende Haltung gegenüber ausländischen Investitionen führt letztendlich dazu, dass er 1924 während einer Europareise durch einen Finanztrick von seinem Gegner und Mitinhaber Geraldo Rocha als Minderheitsaktionär aus A Noite herausgedrängt wird – Rocha sympathisiert mit der Brasil Railway Company. 1925 gründet Irineu daraufhin seine eigene Zeitung, O Globo, dessen erste Ausgabe am 29. Juli mit einer Auflage von zunächst knapp 33.500 Exemplaren erscheint. Damit legt er den Grundstein für das heutige Globo-Imperium. Nur drei Wochen nach der Gründung der Zeitung erleidet Irineu einen tödlichen Herzinfarkt. Bis sein ältester Sohn Roberto in seine Fußstapfen treten kann, übernimmt auf Anraten der Mutter Francisca der Journalist Euricles de Matos den Posten des Chefredakteurs.

Jahre des Aufbaus:
Roberto Pisani Marinho (*3. Dezember 1904 - 06.08.2003)

Der Sohn Irineus hat die Gründungsphase von O Globo miterlebt, fühlt sich mit 21 Jahren zum Zeitpunkt des Todes seines Vaters den Aufgaben eines Chefredakteurs jedoch noch nicht gewachsen. Vielmehr entscheidet er sich – auch auf Anraten der Mutter Francisca –, als rechte Hand des Interimsgeschäftsführers und Chefredakteurs Euricles de Matos zu fungieren. In dieser Position lernt er alle Facetten des Zeitungsgeschäfts kennen und übernimmt 1931, fünf Jahre nach dem Tode de Matos die Leitung des Blattes. Die Brüder Ricardo und Rogério werden ebenfalls im Unternehmen eingesetzt, jedoch ist in der Familie klar geregelt, dass die Erbrangfolge den Ältesten begünstigt.

Und Roberto nutzt diese Chance. Kein anderer Brasilianer hat im 20. Jahrhundert wohl so viel Macht ausgeübt wie der Journalist und Unternehmer Roberto Marinho. Er führt und entwickelt das Unternehmen zum größten Medien- und Unterhaltungskonglomerat des Landes. In sieben Jahrzehnten häuft er ein privates Vermögen von rund einer Milliarde US-Dollar an, Forbes führt ihn als einen der reichsten Männer der Welt. Der Chef des Globo-Konzerns wird zu einer wichtigen Person des öffentlichen Lebens, er positioniert sich als Gönner von Kunstprojekten und gilt als frenetischer Sportfan. Bis ins hohe Alter nimmt er an Reitturnieren teil und ist mit der Harpune unter Wasser auf Großfischjagd. Zahlreiche Preise werden ihm verliehen (unter anderem der Emmy 1983), genauso wie die Ehrendoktorwürde verschiedener Universitäten. 1993 wird er in die brasilianische Academia de Letras gewählt, der Hüterin der brasilianischen Sprache und Kultur. 1977 gründet er die Stiftung Roberto Marinho, die keine monetären Ziele verfolgt, sondern sich für den Erhalt der Kultur und Umwelt in Brasilien einsetzt. Die Stiftung finanziert unter anderem die Restaurierung der Jesusstatue (Cristo Redentor) und der Nationalbibliothek, die Renaturierung des Botanischen Gartens in Rio und des Ibirapuera-Parks in Sao Paulo.

1946 heiratete Roberto Sellat Goulart, mit der er vier Söhne zeugt. Der älteste von ihnen, Roberto Irineu, führt heute das Familienimperium. Roberto senior heiratete noch zwei weitere Male und hinterlässt bei seinem Tod, knapp hundert Jahre alt, zwölf Enkel und sechs Urenkel.

Übergang ins moderne Zeitalter
Roberto Irineu Marinho (*13. Oktober 1947)

Wie schon sein Vater und auch sein Großvater lernt auch der neue Chef des Imperiums das Handwerk mit Fleiß, Ausdauer und von allen seinen Seiten kennen. Er beginnt 1963 im Konzern als Setzerlehrling, wird später Reporter und erhält, als sein Vater die Zeit für reif befindet, 1971 einen Direktorenposten. Im Gegensatz zu seinen beiden Vorgängern studiert er jedoch vor Antritt des Familienerbes BWL an der renommierten Fundação Getúlio Vargas. Es folgt ein Posten als Vizepräsident von Globo TV, dann wird er Vizepräsident der ganzen Organisation. Seit 1998 sitzt er in der Geschäftsführung und hält wohl in den letzten Jahren des Lebens seines Vaters mehr und mehr die Zügel in der Hand. Den Posten des Präsidenten übernimmt er jedoch erst offiziell, nachdem sein Vater 2003 gestorben ist. In der Pressemitteilung zur Übernahme nimmt sich der neue Präsident, der von seinen beiden Brüdern an der Spitze unterstützt wird, einiges vor: "Unsere Verpflichtung ist es, das Werk Robert Marinhos zu erweitern und das brasilianische Volk zu informieren, zu unterhalten und zu bilden. Wir tun dies, weil es wichtig ist für unsere gesamte Gesellschaft aber auch, weil wir ihn auf diesem Wege lebendig halten." Gleichzeitig mit der Übernahme durch Roberto Irineu wird auch bestätigt, dass seine beiden Brüder João Roberto (für Internationale Beziehungen) und José Robert (für Soziales und die Stiftung Roberto Marinho) dauerhaft zuständig sind. Der dritte Marinho an der Spitze des Unternehmens hat drei Kinder, zwei Töchter und einen Sohn.


Dossier

Medienpolitik

Die neuen technischen und inhaltlichen Entwicklungen der digitalen Medien sind eine Herausforderung für Medienmacher, Publikum und Politik. Journalisten müssen beispielsweise immer mehr Informationskanäle beobachten und große Mengen an Daten auswerten. Für die Bürger können die Veränderungen in der Medienlandschaft zu einer stärkeren (politischen) Beteiligung führen und Medien werden genutzt, um für politische Belange Aufmerksamkeit zu erzeugen. Neue Entwicklungen wie soziale Medien oder das Internet der Dinge werden bezüglich des Daten- und Verbraucherschutzes kontrovers diskutiert. Das Dossier möchte Grundlagen zum Rundfunk- und Medienrecht vermitteln, die neuen Herausforderungen und Nutzungsmöglichkeiten aufzeigen und eine kritische Auseinandersetzung mit der sich ständig wandelnden Welt der Medien und der sie regulierenden Medienpolitik fördern.

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