LED-Fernseher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin

1.9.2012

Globo Communicação e Participações S.A.

Umsatz 2011: BRL 11,000 Mrd. (€ 4,728 Mrd.)

Aktuelle Entwicklungen

Prozesse

Ein so großer Medienkonzern wie Globo ist unweigerlich in verschiedene juristische Auseinandersetzungen verwickelt. Im Juni 2012 jedoch ist bemerkenswerterweise bekannt geworden, dass der brasilianische Staat einen Zivilprozess gegen das Unternehmen angestrengt hat. Ursache ist ein Vorfall im Big-Brother-Container. Im Januar 2012 (12. Staffel) war dort vor laufenden Kameras ein vermeintlicher Lustmord gezeigt worden. Nach Angaben des zuständigen brasilianischen Ministeriums wird Globo aufgefordert zu verhindern, dass "egal, ob im Free- oder Pay-TV, Szenen gezeigt werden, die in irgendeiner Weise tatsächlich kriminelles Handeln zeigen oder die Vermutung aufkommen lassen, dass kriminelle Handlungen begangen werden." Das Ministerium wünscht sich eine Verurteilung des Unternehmens zu Sozialbeiträgen, in denen die Rechte der Frauen dargestellt werden und animierte die Fiskalbehörden, das Big-Brother-Format stärker zu besteuern.

Markt

Internationale Auszeichnungen: Das Nachrichtenformat "Jornal Nacional" gewinnt bei den Emmy Awards 2011 in New York in der Kategorie Nachrichten den ersten Preis. Sieben Mal war die Sendung bereits nominiert, bevor es im Oktober 2011 klappte. Die Auszeichnung ging wegen seiner Berichterstattung über den Einmarsch öffentlicher Ordnungskräfte in eine der größten Favelas (Complexo Alemao) an das Format. Schon im Frühjahr hatte Globonews den in den USA vergebenen International Design Excellence Award gewonnen. Für den visuellen Relaunch der Sendung räumen die Macher der Abteilung Kunst im Journalismus von TV Globo in der Kategorie Designstrategie ab. Für seine Berichterstattung über den "versehentlichen Mord" am brasilianischen Elektrotechniker Jean Charles de Menezes, der 2005 in der Londoner U-Bahn von der Polizei fälschlicherweise für einen Terroristen gehalten wurde, landet Globonews im Wettbewerb PromaxBDA Promotion auf dem dritten Platz. Ein weiterer Relaunch ereilte die populären Nachrichtensendungen "Bom dia Rio" und "RJTV". Seit Mitte April wird aus einem neuen Studio im Jardim Botânico aus Rio gesendet. Das Highlight: 180° Perspektive durch großzügige Glasfenster ermöglicht den Blick auf Rios Top-Sehenswürdigkeiten: Zuckerhut, Lagoa, Jockey-Club, die Strände von Ipanema und Leblon und den Christo Redentor.

Die Fernsehsparte des Konzerns macht der Geschäftsführung ohnehin viel Freude. Octávio Florisbal, CEO Rede Globo, feiert auf einem Medienkongress in Sao Paulo Anfang Oktober 2011 sogar die "Wiedergeburt des Fernsehens". Durch neue Technologien wie HD, Smart TV oder Video on Demand (VoD) sei Nachfrage nach neuen Produkten und Inhalten entstanden, die Globo gerne bedienen wird. Das Augenmerk der Sendergruppe, so betonte Florisbal, wird in der kommenden Zeit vor allem auf die soziale Klasse "C" (Mittelschicht) gerichtet, die gesellschaftlich immer mehr an Einfluss gewinnt. "Wir wollen umfassender werden und mehr Inhalte auch für diese Zielgruppe schaffen, ohne an Qualität zu verlieren", sagte Florisbal. Dies Aufgabe, für alle sozialen Schichten gleichermaßen hochwertige mediale Angebote zu mache, würde immer komplexer, sagte er CEO. Dies mache es der Konkurrenz leichter, im Markt mitzumischen. Für die Rechte an den brasilianischen Fußballmeisterschaften 2012 bis 2015 musste Globo dementsprechend das Doppelte ausgeben. "Die Bieter haben teilweise sehr aggressive Angebote gemacht. Wir haben den Zuschlag bekommen und denken, dass wir die Investition in den vier Jahren auch wieder einspielen", sagte Florisbal. Die Sicherung der Fußballübertragung war nach dem herben Verlust der Rechte an den Olympischen Spielen 2012 in London (sie gingen an Record) ein absolutes Muss für den Konzern. Im Februar 2012 konnte Florisbal dann auch Erfolg bei den Bieterverfahren für die Fußballweltmeisterschaften 2018 in Russland und 2022 in Quatar vermelden. Die erworbenen Übertragungsrechte schließen neben dem öffentlichen Fernsehen auch Pay-TV, Smartphones und Internet mit ein.

Mit Besorgnis registriert Florisbal die Aktivitäten der ausländischen Medienkonkurrenz. In Zeiten, wo es für sie nur wenige Chancen gebe, im heimischen Markt zu wachsen, würde Brasilien immer interessanter. "Es ist wichtig, dass wir den Markteintritt dieser Player regulieren." Die Unternehmensberatung Ernst&Young hatte bereits vor einigen Jahren diese Entwicklung vorhergesehen. In einer Studie über die Emerging Markets Brasilien, Indien, Russland und China macht sie ausländische Investoren auf die Einstiegsmöglichkeiten aufmerksam. In der Studie wird vor allem auf das Potential des Fernsehens und der Mobilfunkplattformen hingewiesen.

Globo sucht angesichts dieser Entwicklung und auch wegen des durch die Finanzkrise geschwächten europäischen Marktes die Flucht nach vorne. Internationale Koproduktionen werden für den Konzern immer wichtiger. Auf dem im März 2012 in Miami abgehaltenen Napte-Kongress (National Association of Television Program Executives) verkündete der Direktor für Internationale Inhalteentwicklung, Guilherme Bokel, dass neun neue Projekte mit und für die USA produziert würden - und zwar auf Englisch.

Mit geringem medialen Rummel, dafür aber mit einigermaßen großem Erfolg vertreibt Globo seit Anfang 2011 seine Fernsehinhalte als Kauf- oder Leihversion zum Download. Auf der Seite www.globomarcasdigital.com.br kann sich der Konsument zwischen dem Kauf der gesamten Staffel oder einzelner Episoden entscheiden. Im Verleih bleibt der Inhalt für 48 Stunden auf der Festplatte erhalten. Im Angebot sind sowohl alte wie auch aktuelle Serien. Beworben wurde dieser neue Service lediglich in Globo-eigenen Produkten: Mit Werbebannern auf den Webseiten oder Anzeigen in den Printmedien


Neue Technologien

Für die Zukunft sieht Globo immer noch großes Wachstumspotential in den Bereichen digitales Fernsehen und besonders im mobilen Markt. In den Jahren 2012-2014 würde Globo "eine Konsolidierung der digitalen Plattformen" erleben, sagte Octávio Florisbal. Gleichzeitig sieht der CEO TV Globo aber ein "großes Potential" in der Mobilität. Demzufolge weisen aktuelle Studien darauf hin , dass bis zum Jahr 2016 100 Millionen mobile Endgeräte Smartphones sein werden.

Entsprechend geraten IPhone und IPad immer mehr in den Fokus der Entwickler. Seit Juni 2012 bietet Globo.com eine IPhone-App an, mit der es möglich ist, Inhalte von Globo TV (sowohl öffentlich wie auch Pay-TV) mobil anzusehen. Ab August 2012 sthet die App auch für das Ipad zur Verfügung, während die Android-Varianten erst am Jahresende erwartet werden. Im Juni 2011 lancierte die Globo-Gruppe erstmalig Werbeinhalte, die a) ausschließlich für das IPad geeignet sind und b) vom Werbetreibenden nicht in einem Gesamtpaket mit traditioneller Werbung in Print- oder andern Offline-Medien eingekauft werden mussten. Für das Unternehmen RJZ/Cyrela standen knapp drei Wochen lang diverse Applikationen zur Interaktion mit den Kunden (Lokalisierung, Videos, Fotogalerien) zur Verfügung. Globo verstärkt damit seinen Anspruch auf eine Führungsrolle im Bereich Multiplattformen und dem dazugehörigen Marketing. Im März 2011 lancierte Rede Globo die App "Morde e Assopra", die zur gleichnamigen Telenovela gehört (Bite and Blow in der englischen Übersetzung). Die App soll es Anwendern leichter machen, sich auf witzigere und weniger komplizierte Art bei jemandem zu entschuldigen. Dafür stehen verschiedene Arten von Entschuldigungsprototypen zur Verfügung, die durchs Telefon geseufzt werden.

Im Bereich der Mobilfunkplattformen baut die Globo-Gruppe vor. So steht eine Applikation im Raum, die in Zukunft Fernsehinhalte leichter auf mobile Endgeräte übertragen soll und vor allem die Beteiligung und Interaktion mit den Zuschauern vereinfacht. Bei der kommenden brasilianischen Big Brother Staffel sollen die Hausbewohner nicht mehr per SMS abgewählt werden, sondern mittels eines simplen Klicks auf das Foto des jeweiligen Kandidaten aus dem Haus fliegen. Benchmark ist laut Raymundo Barros, Technologiedirektor der Sendergruppe, der japanische Markt. Dort werden bereits 80 Millionen mobile Endgeräte verwendet, die die neue Applikation verarbeiten können. „Bis zur Fußballweltmeisterschaft 2014 wollen wir 30 Millionen solcher Endgeräte im Markt haben“, sagte Barros.


Ein weiteres Projekt richtet sich an die Millionen Pendler Brasiliens. Seit Oktober 2009 zeigt das Fernsehnetzwerk in 300 Autobussen der Kette BusMídia in São Paulo sechsminütige Zusammenschnitte beliebter Serien und Telenovelas. Es gäbe darüber hinaus Expansionspläne, sagt Jorge Rosa, Promotiondirektor für Multimediainhalte von Rede Globo. Die Sendergruppe stattet demnach 30 Busse mit Full TV digital aus, um die Übertragung von Livesendungen zu testen. Da die Übertragung von Ton in den öffentlichen Verkehrsmitteln der Wirtschaftsmetropole verboten ist, wird auch die gleichzeitige Übertragung des Tons auf mobile Endgeräte getestet.

Mit der Lancierung des Produktes "Geomídia" verfolgt Globo ein ähnliches Ziel für die etwa drei Millionen Pendler in den öffentlichen Verkehrsmitteln Rio de Janeiros. Sie sollen auf ihrem Arbeitsweg von Nachrichten und Informationen des Netzwerks begleitet werden. Zu diesem Zweck hat das Unternehmen eine Marktanalyse in Auftrag gegeben, die die pendelnde Bevölkerung zwischen 16 und 30 mit ihren unterschiedlichen Bildungsniveaus in Zeitraster einteilt. Dadurch wird ein tages- und stundengenauer Informationszuschnitt möglich: Mal flimmern mehr Nachrichten, mal mehr Sport oder Kultur über die Bildschirme. 150 Busse wurden bereits mit Flachbildschirmen ausgestattet. Die Zeitrasterplanung ermöglicht in Zukunft darüber hinaus ein perfektes Zusammenspiel mit Globos Werbepartnern.



Expansion und neue Zielgruppen Mit großem Aufwand bereitet sich die Globo Gruppe auf die Fußballweltmeisterschaft 2014 (Rio ist Austragungsort des Finales) und die Olympischen Spiele 2016 vor. Die bestehenden Strukturen seien nicht ausreichend für den erwarteten medialen Ansturm sagte der CEO von TV Globo, Octavio Florisbal. Demzufolge seien drei große und ein kleineres Gebäude im Neubau, um allen Fernsehteams "Obdach zu gewähren". "Wir investieren mehr als 500 Millionen Reais in den Ausbau der Infrastruktur", freute sich Florisbal. Das neue Gebäude in São Paulo ist derweil fertig gestellt; darüber hinaus sind weitere Projekte in Brasilia geplant. Wie ernst es Globo tatsächlich mit der medialen Vollattacke auf allen Plattformen zu den anstehenden Großereignissen ist, war bereits bei der Austragung der Copa América 2011 zu beobachten. Für das Fußballturnier in Argentinien wurden 134 Reporter von TV Globo, globoesporte.com und Sportv entsandt, die Inhalte für die 24-stündigen Übertragungen garantierten. Den Reportern stand dabei ein eigener Satellit zur Datenübertragung zur Verfügung.

Seit Ende 2011 hat der Medienriese besonders im Bereich TV die erstarkende Mittelklasse Brasiliens als Zielgruppe ins Auge gefasst. Die so genannte Klasse C (A und B gelten als Oberschicht) umfasst nach Angaben von Octávio Florisbal (CEO TV) "110 Millionen Menschen und zeichnet für etwa 50 Prozent des Konsums in Brasilien verantwortlich".

Seit dem 1. April 2011 können sich auch die Jüngsten in der virtuellen Welt von Globo vergnügen. Unter http://www.mundodositio.com.br ist eine neue Community entstanden, die sich an die Zielgruppe der Fünf- bis Zehnjährigen richtet. Mehr als 30 Spiele und Aktivitäten werden angeboten, einige davon auch mit pädagogisch wertvollem Hintergrund, wie die Gruppe betont. Der Zugang erfolgt zum Teil gratis, natürlich möchte die Gruppe aber eine langfristige Kundenbindung etablieren. Das Monatsabonnement kostet knapp sieben Reais. Globo hat über ein Jahr in die Entwicklung dieser neuen Plattform investiert. 60 Programmierer, Zeichner, Animationsspezialisten, Spieledesigner, Musiker und Journalisten waren involviert.

Telenovelas Die Erfolgsserie „Caminho das Índias“ gewinnt bei den 37. Emmy Awards 2010 den Preis für die beste Telenovela. Es ist bereits der vierte Emmy für Globo nach den Erfolgen 1981, 1982 und 1983. Außerhalb Brasiliens wird die für 50 Millionen US-Dollar produzierte Serie zum ersten Mal in Rumänien ausgestrahlt. Im April 2010 meldet der Direktor für Internationales, Ricardo Scalamandré, stolz, dass die Serie bereits an 90 Länder verkauft wurde. „Normalerweise brauchen wir zwei Jahre, um diese Verkaufszahl zu erreichen, Caminho das Índias hat es in 90 Tagen geschafft.“ Der bislang erfolgreichste Soap-Verkaufsschlager der Globo-Gruppe ist „Da Cor do Pecado“. Sie wurde in 100 Ländern ausgestrahlt.

Das Merchandising für in Telenovelas gezeigte Produkte wird ausgebaut. Im Mai 2010 präsentiert das Unternehmen Globo Marcas den ersten virtuellen Shop ausschließlich für Produkte der Novela „Passione“. Dort sind neben anderen Requisiten auch Schuhe, Schmuck und Taschen im Angebot. Im Januar 2011 eröffnet die "Loja BBB", das Online-Shopping-Paradies für die Zuschauer der 11. Staffel Big Brother Brasil.

Globo wagt mit seinen Eigenproduktionen den Sprung auch auf schwieriges Terrain: Seit Anfang 2011 strahlt einer der beiden meistgesehenen Kanäle Chinas, CCTV-8, die Produktionen "Mulher" und " A Casa das Sete Mulheres" aus. Der Kanal hat im Land etwa 200 Millionen Zuschauer und ist auf Fernsehdramen mit viel Herzschmerz spezialisiert. Gleichzeitig wurde die Erfolgsnovela "Caminho das Índias" an dies saudische Middle East Broadcasting verkauft. Sie versorgt 22 Länder im arabischen Afrika und mittleren Osten mit Inhalten. Die Novela wird in Zukunft unter anderem in Ägypten, Syrien sowie Qatar und Saudi Arabien zu sehen sein. Auch das persische Publikum wird in Zukunft Globo-produzierte Schnulzen über die Mattscheiben flimmern sehen. Der Satellitensender PMC Familiy wird in den kommenden drei Jahren sieben Novelas ausstrahlen. Weiter verkauft Globo seine Inhalte in Zukunft an Taiwan, Vietnam, die Mongolei





Dossier

Medienpolitik

Die neuen technischen und inhaltlichen Entwicklungen der digitalen Medien sind eine Herausforderung für Medienmacher, Publikum und Politik. Journalisten müssen beispielsweise immer mehr Informationskanäle beobachten und große Mengen an Daten auswerten. Für die Bürger können die Veränderungen in der Medienlandschaft zu einer stärkeren (politischen) Beteiligung führen und Medien werden genutzt, um für politische Belange Aufmerksamkeit zu erzeugen. Neue Entwicklungen wie soziale Medien oder das Internet der Dinge werden bezüglich des Daten- und Verbraucherschutzes kontrovers diskutiert. Das Dossier möchte Grundlagen zum Rundfunk- und Medienrecht vermitteln, die neuen Herausforderungen und Nutzungsmöglichkeiten aufzeigen und eine kritische Auseinandersetzung mit der sich ständig wandelnden Welt der Medien und der sie regulierenden Medienpolitik fördern.

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