LED-Fernseher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin

1.9.2012

Clear Channel Comm.

Umsatz 2011: $ 6,161 Mrd. (€ 4,426 Mrd.)

Geschichte und Profil

Clear Channel, heute das mächtigste Radioimperium der USA, erblickte 1972 durch einen Zufall das Licht der Welt. Der Investmentbanker L. Lowry Mays hatte für eine Anlegergruppe eine Finanzierung zum Ankauf einer Radiostation arrangiert. Als das Interesse der Investoren abkühlte, übernahm Mays den Sender gemeinsam mit dem ortsansässigen Autohändler B. J. „Red“ McCombs und gründete die San Antonio Broadcasting Company. 1975 quittierte Mays den Bankdienst und widmete sich ganz dem Radiogeschäft. Er kaufte seine erste überregionale Station und nannte sein Unternehmen Clear Channel Communications („Clear Channel“ bezeichnet im amerikanischen Radiomarkt eine Station, die USA-weit exklusiv auf einer Frequenz zu empfangen ist). Das hohe Preisniveau und die restriktiven gesetzlichen Bestimmungen verdarben Mays Anfang der 90er Jahre kurzzeitig die Lust am Radiomarkt. Er entdeckte das Fernsehen für sich und erwarb bis 1992 sieben TV-Stationen. 1992 und 1996 wurden im Telecommunications Act die Konzentrationsbeschränkungen im US-Radiomarkt schrittweise aufgehoben. 1994 kontrollierte Clear Channel 35 Radio- und neun TV-Stationen, 1997 waren es bereits 175 Radio- und 18 TV-Stationen.

Ende der 90er Jahre schaffte Mays endgültig den Sprung zum Medienmogul. 1999 wurde Clear Channel durch die Übernahme von Jacor Communications zum zweitgrößten Radioanbieter der USA. Die Nummer 1, AMFM wurde 2000 für 23,8 Milliarden Dollar erworben. Im gleichen Jahr übernahm Clear Channel SFX Entertainment, den größten Anbieter von Musik- und Sportereignissen in Amerika. Heute besitzt Clear Channel in den USA über 800 Radiostationen, hält Beteiligungen an über 240 Radiostationen in Australien, Mexiko und Neuseeland und betreibt 800 000 Außenwerbeflächen in mehr als 60 Ländern. Die Live-Unterhaltungssparte Clear Channel Entertainment wurde Ende 2005 unter dem Namen "Live Nation" in einem Spin-Off als eigenständige, börsennotierte Firma ausgegründet. Dieser Schritt war notwendig geworden, weil der Spielraum des Unterhaltungsanbieters unter dem Dach des Großkonzerns durch kartellrechtliche Bestimmungen immer stärker eingeschränkt wurde. Allerdings gehören sowohl L. Lowry Mays als auch sein Sohn Randall T. Mays immer noch dem Board of Directors von Live Nation an.

Am 16. November 2006 kündigte die Unternehmensleitung an, Clear Channel Communications für 18,7 Milliarden Dollar an eine Investorengruppe um die Beteiligungsfirmen Thomas H. Lee Partners (Insidern bekannt durch ihre Beteiligung an der Übernahme von ProSiebenSat1 Media durch Haim Saban) und Bain Capital Partners zu veräußern. Die Familie Mays sollte das Unternehmen auch unter den neuen Eignern weiterführen. Nach Bekanntgabe der Jahresbilanz 2006 verweigerten die Großaktionäre Fidelity Management & Research (9%) und Highfields Capital Management (5%) ihre Zustimmung zu der Transaktion, da sie das Unternehmen für unterbewertet und das Übernahmeangebot für zu niedrig hielten. Am 25. Septemberb 2007 befürworteten schließlich über 70 Prozent der Aktionäre den Merger. Nachdem am 8. Januar auch die Federal Communications Commission (FCC) und am 14. Februar das Kartellamt ihre Zustimmung gegeben hatten, fand am 30. Juli 2008 die Übernahme von Clear Channel Communications durch die eigens zu diesem Zweck gegründete CC Media Holdings für 24 Milliarden US-Dollar statt. Seitdem versucht die Holding, die Übernahme durch die Investoren zu finalisieren.

Die mittelfristige Strategie des Clear Channel-Imperiums sieht vor, in jedem Markt einen starken Player für jeden Vertriebskanal für Unterhaltungsprodukte zu installieren. Eine Fülle von kritischen Diskussionen in amerikanischen Blogs und eine Reihe anhängiger Fälle wegen Kartellrechtsverstößen und Wettbewerbsbehinderung zeigen, dass diese Strategie nicht überall auf Gegenliebe stößt. Den Vorwürfen begegnet Clear Channel durch die Konzentration auf die Kernbereiche Radio und Außenwerbung und die Entflechtung des Konzerns. Sinkenden Werbeerlösen versucht Clear Channel durch die Initiative „Less is More“ zu begegnen. Durch Reduzierung der Spots sollen Hörer, die zu Internetradios und Satellitenkanälen abgewandert sind, für das klassische Radio zurück gewonnen werden. Trotz vielfältiger Probleme gelingt es Clear Channel weiterhin, seine Marktposition zu stabilisieren, gleichwertige Konkurrenz ist nicht in Sicht. Mit der Gründung der Künstlerbetreuung Artist Nation unter dem Dach der formal eigenständigen Entertainment-Firma Live Nation ist es der Familie Mays zudem gelungen, ihre Aktivitäten im Musikgeschäft strategisch auszuweiten. Während die CD-Verkäufe in den vergangenen sechs Jahren um die Hälfte einbrachen, haben sich die Umsätze mit Live-Events im gleichen Zeitraum verdoppelt. Konzerterlebnisse kann man nicht illegal kopieren. Folgerichtig kündigte Superstar Madonna im Herbst 2007 nach einem Vierteljahrhundert ihren Plattenvertrag bei Warner und wechselte nicht zu einem anderen Major, sondern zum Veranstalter Live Nation. Artist Nation ist nun für alles verantwortlich, was die Madonnenvermarktung betrifft. Zu dieser Strategie passen die Mobile- und Internetaktivitäten der Radiogruppe. Der unternehmenseigene Think Tank „Format Lab“, ursprünglich eingerichtet, um digitale Radiokanäle mit Programm zu versorgen, produziert seit April 2006 werbefreies Material für über 80 Kanäle und stellt seine Programme im Internet und für mobile Plattformen kostenfrei zur Verfügung. Seit Ende 2008 wurde das Angebot jedoch erheblich reduziert und der Internetauftritt des Format Labs durch das Musikportal „iheartmusic.com“ ersetzt. Auf der Website werden Streams von über 750 Clear Channel Stationen sowie Musikvideos, einzelne Songs und ganze Alben kostenfrei angeboten. Das Portal richtet sich vornehmlich an iPhone- und Blackberry-Besitzer, die ihre Geräte mittels einer ebenfalls kostenfrei zur Verfügung gestellten Anwendung mit iheartmusic vernetzen können. Die Konvergenz von Internet und Radio wird forciert. So sollen die Hörerzahlen nicht nur erhalten, sondern möglichst ausgebaut werden, um die Rentabilität anderer Unternehmensbereiche zu verbessern. Die Musik kann man inzwischen getrost verschenken. Verdient wird nicht mehr mit Platten, sondern mit Konzerten und Merchandising. Seit dem Start von iheartradio ist die Gesamthörerzahl von Clear Channel Stationen nach eigenen Angaben um 15 Prozent gestiegen.

Der Verkauf der Gruppe Clear Channel im Juli 2008 an die Investmentfirmen Thomas H. Lee Partners und Bain Capital Partners lief nicht ohne Widerstände ab. So hatte die Federal Communications Commision (FCC) ihre Genehmigung am 8. Januar 2008 nur unter Auflagen und einschließlich kritischer Stellungnahmen von zwei der fünf Kommissionsmitglieder erteilt. Die zum Zeitpunkt des Übernahmeantrags bestehenden Besitzverhältnisse standen nicht in Einklang mit den Media Ownership Rules der FCC und wurden nur durch Bestandsschutzklauseln ermöglicht. Diese gelten jedoch nicht mehr für die neuen Eigner. Die FCC verlangte deshalb als Bedingung für die Übernahme den Verkauf von 48 im einzelnen aufgeführten Radiostationen innerhalb der Top-100-Märkte der USA - unabhängig von der ohnehin beabsichtigten Trennung von den 448 kleineren Stationen. Der Verkauf wurde im Laufe des Jahres über einen Trust abgewickelt.

Im Rahmen der Prüfung des beantragten Mergers von Clear Channel Communications und CC Media Holdings musste die FCC sich mit zwei ablehnenden Petitionen sowie zwei informellen Einwendungen auseinandersetzen. Die vorgebrachte Kritik richtete sich unter anderem gegen die einseitige, rechtslastige politische Berichterstattung von Clear Channel Stationen. Die ideologische Ausrichtung der Radioprogramme, so die Befürchtung, würde sich durch die Beteiligung von Bain Capital Partners noch verstärken, da einer der Gründer des Investmentunternehmens Mitt Romney ist, Gouverneur von Massachussetts und war einer der ehemaligen republikanischen Kandidaten für die Nominierung zur Präsidentschaftswahl 2008. Außerdem wurden wettbewerbsschädigende Praktiken kritisiert. Das Unternehmen nutze seine marktbeherrschende Stellung zur Manipulation des Werbemarktes, so der Vorwurf. So sollen Werbekunden dazu angehalten worden sein, ihre gesamte Radiowerbung über Clear Channel Stationen laufen zu lassen, um überhaupt Werbezeiten zu erhalten. Weiterhin wurde auf das Risiko einer Überführung der Unternehmenskontrolle von öffentlichen Gesellschaftern an Private Equity-Unternehmer hingewiesen.

Alle Einwendungen wurden jedoch abgewiesen, da sie entweder formale Kriterien nicht erfüllten oder nach Ansicht der Kommission keine wesentlichen, substantiellen Hinderungsgründe darstellten. Gleichwohl wurden die beiden demokratischen Kommissionsmitglieder dazu veranlasst, der Genehmigung „concurring statements“ hinzuzufügen, in denen sie ihre Zweifel zum Ausdruck brachten. Ein zentraler Punkt in dieser Ergänzung ist die Frage nach der Rolle von Investmentfirmen in der Medienbranche. Problematisch sei vor allem die mit der Private Equity-Beteiligung verbundene hohe Neuverschuldung, die die finanzielle Stabilität oder gar den Fortbestand des Unternehmens gefährden könne. Es sei nicht ausreichend geklärt worden, ob so dem Gemeinwohl langfristig gedient werden könne. Die FCC befand dennoch, dass der Merger dem öffentlichen Interesse nicht nur nicht schade, sondern sogar diene, da er den Verkauf der besagten 48 Radiostationen mit sich bringe und damit den Wettbewerb verbessere.

Seit der Übernahme durch CC Media Holdings werden Clear Channel Wertpapiere nicht mehr an der New Yorker Börse, sondern über die außerbörsliche Plattform „Pink Sheets“ gehandelt. Da die dort geführten Titel weder die üblichen, strengen, gesetzlichen Pflichten erfüllen, noch bei der amerikanischen Börsenaufsicht SEC registriert sein müssen, gelten Geschäfte mit Pink-Sheet-Titeln als äußerst riskant.


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