LED-Fernseher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin

1.9.2012

Clear Channel Comm.

Umsatz 2011: $ 6,161 Mrd. (€ 4,426 Mrd.)

Aktuelle Entwicklungen

Am 20. Januar 2009 kündigte CEO Mark Mays in einer Rundmail seinen Mitarbeitern die Streichung von 1.850 Arbeitsplätzen an. Das Unternehmen stehe einer nie da gewesenen gesamtwirtschaftlichen Notlage gegenüber, so die Begründung. Mit neuen Schulden kann Clear Channel das Geschäftsjahr 2011 noch durch finanzieren, doch hängt das Überleben des Konzerns von der Konjunktur des Werbemarktes ab. Insgesamt standen zum 31.12.2010 19,74 Mrd Dollar Schulden in den Bilanzen.

Mark Mays hat angekündigt, sich aus der Geschäftsführung zurückziehen zu wollen sobald ein Nachfolger gefunden sei, spätestens aber zum März 2011. Da bis zum September 2011 der Aufsichtsrat keinen geeigneten Kandidaten präsentieren konnte, bleibt er weiterhin an der Spitze der Mediengruppe.

Die Geschäfte folgen dem allgemeinen Aufwärtstrend der Medienbranche, die Anzeigeneinnahmen entwickeln sich im Jahr 2011 positiv. Im zweiten Quartal 2011 stiegen die Umsätze um acht Prozent auf 1,60 Mrd Dollar, im Vergleich erzielte die Mediengruppe CC Media Holdings im ersten Quartal 2011 einen Anstieg von fünf Prozent entsprechend 1,32 Mrd Dollar, vergleichsweise in Q2/ 2010 1,49 Mrd Dollar. Ein Teil des Zuwachses im zweiten Quartal 2011 wurde buchhalterisch durch Wechselkursschwankungen erzielt, bereigt wären die Umsätze insgesamt um vier Prozent gewachsen. Diese vier Prozent erreichte im Einzelnen das Radiogeschäft, getrieben von der Akquisition von Westwood One im April 2011. Die Aussenwerbeumsätze stiegen um fünf Prozent, das stärkste Wachstum hier erzielten digitale Werbeflächen.

Stärker wuchsen die internationalen Umsätze in der Außenwerbung, wo ein Plus von 71 Mio Dollar entsprechend 19 Prozent zu verzeichnen war. Wechselkursbereinigt ergibt sich allerdings ein Wachstum von nurmehr sechs Prozent.

Gleichzeitig konnte das Unternehmen die Kosten im Zaum halten, um die Verluste aus den werbeschwachen Vorjahren weiter zu verringern. Die Nettoverluste betrugen im zweiten Quartal 38 Mio Dollar, eine echte Verbesserung zu den 77 Mio des Vorjahresquartals.

Zukunftsträchtig scheinen die Entwicklungen auf dem digitalen Sektor. Die Smartphone-App iHeartRadio wird dieses Jahr zur Vorzeigeapplikation für die Zukunft des Radios. Die kostenlose App vereinigt über 800 Radiosender der Clear Channel Gruppe mit nutzergenerierten Playlisten, die gleichfalls als "Radios" von anderen zu empfangen sind. Damit zieht die Senderkette mit Konkurrenten wie Pandora und Spotify gleich, deren Herzstück die personalisierten Radios der aktiven Zuhörer sind. Zudem bleibt die App zumindest bis zum April 2012 frei von Werbung.

Die zunehmende Nutzung von Smartphones als mobile Endgeräte fürs Radiohören vergrößert die Reichweite beträchtlich und verjüngt gleichzeitig die Zielgruppe. So berichtet Clear Channel von 34 Mio Downloads seiner iHeartRadio-App und von zusätzlichen 50 Mio Stunden Monatsreichweite allein durch die App. Auch der Musikkatalog mit 11 Mio Titeln von über 400.000 Künstlern ist beeindruckend.

Der wachsenden Bedeutung von Facebook versucht Clear Channel durch die Integration seiner "iHeartRadio App" gerecht zu werden. Die App nutzt die offene Schnittstelle zum Facebook-System und erlaubt das Kontaktieren von Freunden über Facebbok Connect. Kontakte sehen so in den Statusnachrichten, welche Kanäle und Musikstücke ihre Freunde gerade hören und können diese kommentieren. Gleichzeitig bietet diese Verknüpfung die Möglichkeit, Werbeaktionen und Nachrichten aus dem Clear Channel-Netzwerk als so genannte "Sponsored Stories" auf Facebook zu verbreiten. Die Senderseite wird als Facebook App unter http://www.facebook.com/iheartradio geführt. Eine ähnliche Präsenz gibt es unter der Twitteradresse twitter.com/iHeartRadio.

Auch zum Ende des dritten Quartals 2011 ist die Übernahme von Clear Channel jedoch nicht abgeschlossen. Die Krise an den Geldmärkten führte zu Differenzen bei der Bewertung des 20-Mrd-Dollar-Deals. Die führenden Beteiligungsgesellschaften Thomas H. Lee Partners und Bain Capital Partners haben Klage gegen die finanzierenden Banken eingereicht, um die Übernahme zu erwzingen. Beteiligt an der Finanzierung sind auch die Deutsche Bank, die Credit Suisse, die Citigroup, Morgan Stanley, Wachovia und die Royal Bank of Scotland.

Die Umsätze der CC Media Holding wuchsen im dritten Quartal 2011 um sieben Prozent von 1,48 auf 1,58 Mrd Dollar. Im Radiogeschäft betrug das Wachstum gleichfalls sieben Prozent und erreichte 55 Mio Dollar. Insgesamt stand ein Minus von 74,1 Mio Dollar in den Büchern, bedeutend weniger als im dritten Quartal 2010, wo ein Minus von 154,7 Mio Dollar zu verzeichnen war. Insgesamt drücken immer noch 20 Mrd Dollar laufende Kredite den Medienkonzern. Die Betriebskosten stiegen um neun Prozent. Clear Channel Outdoor verzeichnete ein Plus von acht Prozent auf 748 Mio Dollar. Die Erlöse stiegen um sieben Prozent auf 189 Mio Dollar.

Zum Oktober 2011 wurde im MTV-Mitbegründer Robert Pittman ein Schwergewicht der amerikanischen Medienbranche zum Geschäftsführer und Executive Chairman der CC Media Holdings bestellt. Damit endete die seit dem Verkauf an Finanzinvestoren schwelende Führungsdiskussion. Er sitzt im Aufsichtsrat der Clear Channel Outdoor Holdings und verantwortet ebenso alle internationalen Geschäfte.

In den USA wurde zum Dezember eine Vermarktungsallianz mit Cumulus Media geschlossen, der Nummer Zwei am amerikanischen Radiomarkt. Clear Channel-Radios werden künftig auf dem Rabattportal SweetJack promotet und können hier regionale Angebote nach dem Vorbild von Groupon oder LivingSocial anbieten, die über die Radios beworben werden. Cumulus Media bringt seine 570 Radiosender in die iHeartRadio-App bei ClearChannel ein und kann somit seine Reichweite beträchtlich vergrößern.

Im Gesamtjahr 2011 erzielte Clear Channel einen Umsatzsprung von 5 Prozent auf insgesamt 6,161 Mrd Dollar verglichen zum Geschäftsjahr 2010, das mit 5,87 Mrd Dollar abschloss. Im Radiogeschäft stiegen die Umsätze um 4 Prozent oder 118 Mio Dollar, die Außewerbung in den USA wuchs um 4 Prozent oder 47 Mio Dollar. Echte Umsatztreiber waren die internationalen Außenwerbegeschäfte, die um 11 Prozent oder 159 Mio Dollar stiegen. Die Verschuldung konnte von 463 auf 269 Mio Dollar gesenkt werden. Die Nettoverluste des Gesamtkonzerns konnten von 62,66 Mrd Dollar zu Ende 2010 auf 43,027 Mrd Dollar gesenkt werden.Darin nicht eingerechnet sind die Langzeitkredite des Konzerns, die sich zum Jahresende 2011 auf 20,207 Mrd Dollar beliefen.

Im ersten Quartal 2012 meldete die CC Media Holdings einen Umsatzanstieg um drei Prozent von 1,32 Mrd im Vorjahresquartal auf 1,36 Mrd Dollar. Der Einzelbereich Media & Entertainment wuchs um sechs Prozent oder 39 Mio Dollar. Die nationale Außenwerbung nahm vier Prozent oder zehn Mio Dollar mehr ein, während die internationalen Outdoor-Umsätze um zwei Prozent oder neun Mio Dollar zurückgingen, bedingt durch Wechselkursschwankungen. Das operative Einkommen vor Steuern und Abschreibungen fiel von 313.991 auf 260.360 Mio Dollar. Insgesamt stiegen die Verluste von 131 auf 144 Mio Dollar. Die beliebte iHeartRadio App überschritt 75 Mio Downloads und erreichte im März 2012 107 Mio Hörerstunden.

Im April 2012 stellte Clear Channel ein zentrale Vermarktung aller Medien unter der Leitung des bisherigen Vice President Digital Sales Tim Castelli vor. Die Multiplattformstrategie soll großen Markenartiklern in den USA die Werbebuchung quer über alle Medien attraktiver machen. Die mobile iHeartRadio App hat Konkurrenten wie das Streaming Radio Pandora und selbst Spotify bislang davon abgehalten, Clear Channel-Radios allzu viele Kunden und Hörer abzuwerben. Auch das iHeartRadio Music Festival wird im Herbst 2012 wieder stattfinden und als Marketingthema während des gesamten Sommers genutzt werden.

William Eccleshare wurde zum CEO der Clear Channel Outdoor Holdings sowohl fürs USA-Geschäft wie für internationale Aktivitäten ernannt. John Hogan dient künftig als CEO und Vorsitzender der Geschäftsführung der Clear Channel Media and Entertainment.

Das abgeschlossene zweite Quartal 2012 brachte verglichen mit 2011 ein statisches Wachstum von 1.602.494 Mrd Dollar. Das operative Einkommen vor Steuern und Abschreibungen betrug 531,933 Mio Dollar, ein Zuwachs von sechs Prozent im Vergleich zu den 503.187 Mio des Vorjahresquartals. Der Einzelbereich Media & Entertainment wuchs um drei Prozent oder 21 Mio Dollar. Die nationale Außenwerbung nahm ein Prozent oder zwei Mio Dollar mehr ein. Die internationalen Outdoor-Umsätze stiegen um ein Prozent oder sieben Mio Dollar. Insgesamt konnte der Konzern seinen Verlust von 53.179 auf 39.025 Mio Dollar verringern.


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