LED-Fernseher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin

1.7.2011

Mediaset SpA

Umsatz 2010: € 4,293 Mrd.

Management

Silvio Berlusconi hat eine ökonomische, mediale und politische Machtfülle ohnegleichen errungen. Seit 1994 scheut sich der reichste Mann Italiens nicht, seine TV-Überlegenheit zur Eroberung der Regierungsmacht einzusetzen. Berlusconi bestimmt als Chef der Exekutive die Richtlinien des Fernsehgeschäfts. Er kontrolliert über eine breite Parlamentsmehrheit direkt den bis vor Kurzem einzigen Konkurrenten von Mediaset, die öffentliche Rundfunkanstalt RAI. Und er bleibt Mehrheitseigentümer eines hoch profitablen TV-Imperiums. Die Monokultur schadet nicht nur der Demokratie, sie führte auch zu einer stetigen Minderung der Programmqualität in Italien, wo den Zuschauern meist eine Mischung aus seichten Shows, Gewinnspielen, Gewaltfilmen, Reality-Shows, Wiederholungen, Hollywood-Produktionen und Zeichentrickfilmen geboten wird.

Italiens Fernsehlandschaft stellt einen Ausnahmefall dar. Der italienische Privat-TV-Monopolist hält eine höchst komfortable Vormachtstellung: Mediaset schöpft 58 Prozent aller Werbeinvestionen auf dem italienischen TV-Markt ab und erzielte 2009 eine durchschnittliche Einschaltquote von 38,8 Prozent. In der Tat braucht Mediaset von seinem gezähmten Rivalen keine Wettbewerbsoffensiven zu befürchten, ein Kampf um die Gunst der Zuschauer findet mit der RAI nicht statt. Mediaset hält an seiner traditionellen Strategie fest: Den Marktanteil in Italien konsolidieren und hohe Renditen erwirtschaften – so heißt die Devise in Berlusconis TV-Hauptquartier in Cologno Monzese bei Mailand. Der starken Expansion von Murdochs italienischem Ableger Sky Italia im Bezahlfernsehen versucht Mediaset neuerdings mit dem Aufbau eigener Pay-TV-Angebote unter dem Markennamen Mediaset Premium Paroli zu bieten.

Seit dem Einstieg Berlusconis in die Politik 1994 hält der geduldige und diplomatische Fedele Confalonieri die Zügel im Firmen-Imperium des Multimilliardärs in der Hand. Der bis dahin autokratisch geführte Konzern, der ganz dem charismatischen Gründer auf den Leib geschneidert war, wird seither stärker von Managern geprägt wie Mediaset-CEO Giuliano Adreani. Der wahre Statthalter Berlusconis ist jedoch Confalonieri, den sie im Konzern "lo Zio" (den Onkel) nennen. Dass Berlusconi Mediaset 1999 nach weit fortgeschrittenen Verhandlungen schließlich nicht an Rupert Murdoch verkaufte, wird dem Veto seiner erwachsenen Kinder und dem beharrlichen Widerstand Confalonieris zugeschrieben. Die Familie Berlusconi hat starken Einfluss im Unternehmen: Sohn Pier Silvio ist als Vizepräsident Mitglied des Executive Committees von Mediaset, Tochter Marina ist Präsidentin der Dachholding Fininvest und des Verlagshauses Mondadori und gilt als einflussreichste Frau in der italienischen Wirtschaft. Nach und nach zogen in jüngster Zeit auch die Kinder aus zweiter Ehe - Barbara, Eleonora und Luigi Berlusconi -in Konzerngremien ein. Berlusconis zweite Frau Veronica Lario fungiert als Verlegerin der Tageszeitung "Il Foglio". Berlusconis jüngerer Bruder Paolo wurde bereits 1990 als Verleger der Tageszeitung "Il Giornale" eingesetzt.


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