LED-Fernseher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin

1.7.2011

Mediaset SpA

Umsatz 2010: € 4,293 Mrd.

Aktuelle Entwicklungen

Lange hat es gedauert, bis Mediaset einen Wettbewerber im italienischen Fernsehgeschäft ernst nehmen musste. Dann war es soweit: Der 2003 an den Start gegangene Satellitensender Sky Italia, ein Mailänder Ableger des US-Medienkonzerns News Corp. von Rupert Murdoch, ist für Berlusconis TV-Konzern zu einem veritablen Konkurrenten herangewachsen. Mit 190 Spartenkanälen und 4,9 Mio. Abonnenten (März 2011) baute Sky in wenigen Jahren seine Marktposition in Italien rasch aus. Der Umsatz auf dem italienischen Markt verdreifachte sich in sechs Jahren auf 2,7 Mrd. Euro, womit der Bezahlsender an Mediaset auf dessen Heimatmarkt vorbeizog. Mit großem Fußball, Hollywood-Blockbustern und Themenkanälen gewann der Abosender insbesondere die konsumfreudigen, kaufkräftigen und jungen Zuschauer im reichen Norden des Landes. Gezielt warb Sky dazu Quotenzugpferde bei Mediaset ab.

Für den Mediaset-Konzern, der nach drei Jahrzehnten seiner ersten ernsten Herausforderung begegnet, bedeutet der Aufstieg von Sky einen Wendepunkt. Die Mailänder Sendergruppe breitet sich nun stark im terrestrischen Digitalfernsehen aus, wo sie elf der insgesamt 37 Kanäle besetzt. Der Zugang zu dem neuen Geschäftsfeld war Berlusconi 2004 durch die Rundfunkreform seines damaligen Kommunikationsministers Maurizio Gasparri eröffnet worden. Das Mediengesetz hatte die vom römischen Verfassungsgericht angeordnete Verbannung des Senders Retequattro auf den Satelliten verhindert und die Einführung des terrestrischen Digitalfernsehens verfügt. Vor allem aber baute die Mailänder Fernsehgruppe 2008 Mediaset Premium zu einem Abonnentensender mit sechs Kanälen aus. Das fulminante Wachstum kam 2010 nahezu zum Erliegen. Die Abos stiegen gegenüber dem Vorjahr nur noch leicht an auf 3,8 Mio. Im operativen Geschäft schrieb die Premium-Tochter erstmals seit der Gründung schwarze Zahlen. Unter dem Namen Gallery gibt es drei spezielle Spartenangebote mit Filmen (Familie, Frauen, Action). Daneben setzt auch Mediaset Premium stark auf Sport. Gezeigt werden Live-Übertragungen der Meisterschaftsspiele der zwölf wichtigsten italienischen Fußball-Klubs, alle Partien des UEFA Cups und die Begegnungen der Champions League. Außerdem überträgt der Bezahlsender von Mediaset komplett die Motorrad-WM. "Wir haben uns in ein großes Abenteuer gestürzt, um mit Mediaset Premium das Pay-TV-Monopol aufzubrechen", sagte Pier Silvio Berlusconi. Mediaset Premium steigerte seinen Umsatz 2010 um 25% auf 700 Mio. Euro. "Für die Zukunft schließe ich nicht aus, dass wir uns mit ihnen (Murdoch) auch im Ausland messen werden", hatte Berlusconi Jr. 2009 noch kampflustig angekündigt. Doch das ehrgeizige Ziel, die Zahl der Karteninhaber 2010 auf 4,9 Mio. zu steigern, musste im Verlauf des vergangenen Jahres zurückgenommen werden. Sky hatte die Preise für sein wesentlich reichhaltigeres Angebot in vielen Fällen auf das Niveau von Mediaset gesenkt. So gestaltet sich die Diversifikation im Bezahlfernsehen für Mediaset schwieriger als erwartet. Die aggressive Konkurrenz von Murdoch im Kampf um Marktanteile war Berlusconi aus dem Duopol mit der RAI nicht gewohnt.

Der Erfolg von Sky hat Bewegung in die verknöcherte italienische Fernsehlandschaft gebracht. Zwar erklärt Mediaset-Präsident Confalonieri unverdrossen: "Unser Kerngeschäft bleibt das frei empfangbare Fernsehen, in das wir weiter investieren". Doch offenbar veranlasst die Erkenntnis, dass der herkömmliche TV-Markt auch in Italien überreif ist und der Konsum immer stärker fragmentiert wird, die Mediaset-Spitzen nun dazu, das Risiko einzugehen, sich mit Premium-Angeboten selbst Konkurrenz zu machen. Die Erosion seiner Monopolposition im Privatfernsehen tritt inzwischen klar zutage. Zwar sicherte sich Berlusconis Sendergruppe 2010 den Löwenanteil des italienischen TV-Werbekuchen - 63% der 3,8 Mrd. Euro flossen in Mediaset-Kassen. Doch der Fernsehmagnat verliert Zuschauer in Scharen. Vom Quotenrekord des Jahres 2003, als 45% des Fernsehpublikums seine drei Sender einschalteten, büßte Mediaset sieben Prozentpunkte (2010: 37,6%) ein. Natürlich hat das zum Ende des Nicht-Angriffspakts geführt, den Berlusconi mit seinem alten Freund und Verbündeten Rupert Murdoch einst geschlossen hatte. Ende 2008 ließ der Regierungschef eine ursprünglich zu seinen eigenen Gunsten eingeführte Ermäßigung der Mehrwertsteuer auf Satellitenabos streichen. Damit verdoppelte sich der Steuersatz von 10 auf 20%. Sky Italia hatte schon nach der "Lex Gasparri" bei der EU-Kommission in Brüssel Beschwerde gegen die römische Medienpolitik wegen Wettbewerbsverzerrung eingelegt. So wurde etwa die Verbreitung der Decoder für das terrestrische Digitalfernsehen staatlich subventioniert. Der Europäische Gerichtshof verurteilte Mediaset 2010 zur Rückzahlung von 220 Mio. Euro erhaltener Subventionen.

Nach dem Rezessionsjahr 2009 verzeichnete Mediaset im vergangenen Jahr eine deutliche Verbesserung der Geschäftslage. Die Werbeeinnahmen, der Umsatz und die Gewinnmargen stiegen deutlich. In Spanien profitierte Telecinco von dem Werbespot-Verbot für den Staatssender RTVE. Telecinco steigerte die Einnahmen 2010 um 35%, nachdem sie durch die Werbekrise im Vorjahr in gleicher Höhe geschrumpft waren. Zugleich schloss der Mailänder Fernsehkonzern in Spanien die Übernahme des Telecinco-Konkurrenten Cuatro ab und dehnte seinen Einfluss damit deutlich aus. Das spanische Tochterunternehmen fusionierte mit Cuatro zum größten Anbieter im frei zugänglichen Fernsehen auf der iberischen Halbinsel. Gemeinsam erzielen die Sender eine Einschaltquote von rund 25%. Mediaset ist mit einem Kapitalanteil von 42% größter Aktionär des Duos. Der spanische Medienkonzern Prisa hält 17%. Die Fusion wertete man als Auftakt zur Neuordnung des von starken Einnahmeverlusten gebeutelten spanischen Fernsehmarkts. Im Zuge des Zusammenschlusses verkaufte Prisa auch 22% ihres Pay-TV-Anbieters Digital+ für 500 Mio. Euro an Berlusconis Telecinco. Gegenwärtig habe Mediaset keine weiteren Übernahmen vor, sagte Konzernpräsident Confalonieri auf der Aktionärsversammlung im April 2011.

Die Konjunkturflaute in Italien und die Krise in Spanien warfen Mediaset 2011 erneut zurück. Der Konzernumsatz stagnierte im ersten Quartal, während die Werbeeinnahmen um 2,4% fielen. Der Nettogewinn ging deutlich zurück, in Spanien weitaus stärker als in Italien.


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