LED-Fernseher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin

1.9.2012

The Nielsen Company

Umsatz 2011: $ 5,532 Mrd. (€ 3,974 Mrd.)

Geschichte und Profil

The Nielsen Company ist ein globaler Informations- und Medienanbieter. Ursprünglich hieß das Unternehmen VNU Group, die Abkürzung stand für „Verenigde Nederlandse Uitgeversbedrijven“ (Vereinigte Niederländische Verlagsbetriebe).

Die Wurzeln des Unternehmens liegen in Haarlem in den Niederlanden, inzwischen werden jedoch über 90 Prozent des Umsatzes außerhalb des Landes erwirtschaftet. VNU entstand 1964 durch den Zusammenschluss der zwei größten niederländischen Verlage für Verbraucherzeitschriften, "Cebema" und "De Spaarnestad". Im Laufe der 60er und 70er Jahre vergrößerte sich das Unternehmen hauptsächlich, indem es weitere Verlage und Verlagsdruckereien in den Niederlanden aufkaufte. 1967 erwarb der Konzern den Zeitungsverlag Het Nieuwsblad van het Zuiden und den katholischen Buchverlag Het Spectrum. Nach der Übernahme durch VNU verlagerte Het Spectrum seine Aktivitäten von religiösen Publikationen auf niederländische Übersetzungen international bekannter Bestseller-Autoren wie J. R. R. Tolkien und Somerset Maugham. 1968 wurden der Zeitschriftenverlag Nederlandse Rotogravure Maatschaapij (NRM) und die Offsetdruckerei Smeets in den Konzern integriert. Mit dem Erwerb der Fachverlage für Wirtschaftszeitschriften Intermediar (1973) und Diligentia (1975) begann eine Neuorientierung des Unternehmens auf Wirtschafts- und Handelspublikationen.

Der Konzern kaufte 1985 den US-Informationsdienst Disclosure und benutzte diesen als Basis, um seine Aktivitäten auf dem nordamerikanischen Markt aufzubauen. Das starke Engagement in den USA war anfangs von größeren Verlusten gekennzeichnet. So wurde der 1986 übernommene Verlag für Computermagazine Hayden Publishing bereits nach wenigen Jahren wieder verkauft.

Auf dem Heimatmarkt machte die Übernahme des Verlages Audet (1988) VNU zum Marktführer im niederländischen Zeitungssektor. Als dann in den Niederlanden und Belgien der Startschuss für das private Fernsehen fiel, war VNU zunächst mit Minderheitsanteilen an verschiedenen Sendern beteiligt, die im Laufe der frühen 90er Jahre konsequent aufgestockt wurden. Zielstrebig arbeitete VNU weiter daran, seine Marktstellung in den USA im Sektor Business-Information auszubauen. 1992 übernahm der Konzern 50 Prozent an der Softwarefirma Spectra Marketing Systems und beteiligte sich an einem Joint Venture mit Arbitron. Maßgeblichen Einfluss auf die Medienbranche sicherte sich VNU 1994 durch die Übernahme der BPI Communications Inc., dem Herausgeber der etablierten Branchenblätter "Billboard" und "Hollywood Reporter". Der "Dutch Info Giant" (The Industry Standard) läutete 1998 durch den Erwerb des Informationsdienstleisters World Directories (Print- und Online-Telefonverzeichnisse) für 2,1 Mrd. $ und den Verkauf fast aller Druckereibetriebe, Tageszeitungen und TV-Beteiligungen eine generelle Neuorientierung ein. Somit bewegte sich der Konzern seit dem Ende der 90er Jahre von den klassischen, verlegerischen Geschäftsfeldern in Richtung Markt- und Medienforschung weg. Im Rahmen dieser Umorientierung kaufte VNU 1999 das amerikanische Unternehmen Nielsen Media Research für 2,7 Mrd. $. Diese Firma hat in den USA und in Kanada das Monopol auf die Ermittlung von TV-Einschaltquoten. Ausschlaggebend für VNUs Akquisition von Nielsen Media Research dürfte allerdings die Marktstellung des Unternehmens als Innovationsführer im Bereich Internet-Ratings gewesen sein. Ein weiterer wichtiger Schritt des Konzerns hin zum Anbieter von Markt- und Medieninformationen war die Übernahme des amerikanischen Marktforschungsriesen ACNielsen im Frühjahr 2001 für 2,3 Milliarden Dollar.

ACNielsen wurde 1923 in den USA von Arthur C. Nielsen Sr. gegründet. Nielsen erfand die bis heute eingesetzte Methode des Handelspanels, der Datenerhebung im Geschäft und das Konzept des Marktanteils. Nach dem Zweiten Weltkrieg expandierte das Unternehmen u. a. nach Westeuropa, Australien und Japan. In Deutschland übernahm ACNielsen 1979 die „Schmidt & Pohlmann Gesellschaft für Werbestatistik“ zu 100 Prozent und gründete daraus die „A.C. Nielsen Werbeforschung S + P GmbH“. 1996 wurde der Bereich der Medienforschung „Nielsen Media Research“ im Rahmen eines Umstrukturierungsprozesses als eigenständiges Unternehmen aus dem Konzern ausgegliedert. Durch die Übernahme der beiden Firmen durch VNU waren sie Anfang 2001 wieder unter einem Dach vereint. Im selben Zug trennte sich der Konzern von seinen Verbraucher- und Bildungspublikationen, u.a. durch den Verkauf der Directories Sparte Ende 2004 für knapp 2,1 Mrd. €. 2005 strebte VNU mithilfe der Übernahme des auf Pharmazie spezialisierten Marktforschungsunternehmens IMS Health einen Einstieg in den Medizin- und Gesundheitssektor an. Die Fusion wurde allerdings durch den Widerstand der Aktionäre verhindert.

2006 wurde VNU Ziel einer freundlichen Übernahme durch private Finanzinvestoren. 80 Prozent der Firmenanteile gingen an die Finanzinvestorengruppe Valcon Acquisition, ein Konsortium aus sechs Private Equity Unternehmen, darunter die Blackstone Group, Kohlberg Kravis Roberts, Thomas H. Lee & Partners, AlpInvest Partners, Carlyle Group und Hellman & Friedman. Der Großaktionär Knight Vinke Asset Management hatte sich zunächst gegen die Übernahme gewehrt, später aber auf ein erhöhtes Angebot eingelassen, wonach der Marktwert des Unternehmens inklusive Schulden 8,7 Milliarden Euro betrug. Bis Anfang 2007 kaufte Valcon auch die restlichen Anteile an VNU, welches dadurch zu einem nicht mehr börsenorientierten Privatunternehmen wurde.

2007 gab Nielsen die Übernahme des Unternehmens NetRatings bekannt, welches auf Publikumsforschung im Onlinebereich spezialisiert ist. Im August 2007 folgte die Übernahme von Telephia, einem Marktforscher im Bereich Telekommunikation und mobiler Medien. Weiterhin unterzeichnete die Firma einen der höchstdotierten Outsourcingverträge in der US-Geschichte. Die indische Dienstleitungsfirma Tata Consultancy Services erhält in den kommenden 10 Jahren 1,2 Milliarden Dollar für IT-Betreuung, Buchhaltung und Datenverarbeitung.

Gleichzeitig änderte VNU seinen Namen in „The Nielsen Company“. Damit sollte der bekannte Markenname Nielsen besser genutzt werden. Die Namensänderung ging mit einer verstärkten Integration und Vereinheitlichung der weltweiten Unternehmensaktivitäten einher. Die Nielsen Company kauft weiterhin Unternehmen auf und baut damit ihre Monopolstellung vor allem im amerikanischen Markt aus. Dies wird von manchen Kunden und Beobachtern kritisch betrachtet, vor allem im Zusammenhang mit Problemen, die durch die von Nielsen verwendeten Messmethoden auftreten. Im April 2007 wurden Nielsen//NetRatings sowie der Hauptkonkurrent ComScore vom Interactive Advertising Bureau (IAB = US-amerikanischer Interessenverband der Online-Werbewirtschaft) aufgefordert, ihre Messmethoden überprüfen zu lassen. In den vergangenen Jahren war es immer wieder zu großen Unterschieden in den Angaben der beiden Anbieter gekommen. Von der Überprüfung erhofft sich die IAB vor allem mehr Transparenz bei den Nutzerzahlen, auf deren Basis die Werbepreise im Online-Bereich festgelegt werden. Die Untersuchung wir im Moment vom unabhängigen Media Rating Council (MRC) durchgeführt. Nielsen befand sich zu diesem Zeitpunkt schon in Vorgesprächen mit dem Media Rating Council. Ursprünglich sollten die Ergebnisse bereits 2008 veröffentlicht werden. Da es jedoch bereits während der Überprüfung zu Änderungen in Nielsens Messmethoden gekommen war, wird das vollständige Ergebnis erst in diesem Jahr vorliegen.

Außerdem wird daran gearbeitet, mit neuen Erhebungsmethoden ein noch genaueres Bild vom Kunden zu zeichnen. So will Nielsen als langfristig die gesamte Mediennutzung und das Kaufverhalten einer Person möglichst vollständig erfassen. Bisher wird beispielsweise die Internetnutzung einer Personengruppe und das Kaufverhalten einer zweiten Personengruppe in sogenannten „Panels“ ermittelt, anschließend werden die gesammelten Daten mithilfe von statistischen Verfahren verknüpft. Analysiert man allerdings alle Mediennutzungsmuster und das Kaufverhalten von nur einer Personengruppe, lassen sich genauere Aussagen treffen, beispielsweise über die Werbewirkung. Obwohl Nielsen darauf hinweist, dass die Anonymität gewahrt wird, ist für viele Panelteilnehmer die Grenze zum „gläsernen Kunden“ hier scheinbar überschritten. Die Teilnahmebereitschaft sinkt bereits bei der gemeinsamen Erfassung von Internetnutzung und Fernsehverhalten so stark, dass die Nielsen Company laut New York Times zunächst wieder von den Plänen abgerückt ist.

Auch beim Fernsehen gelobt Nielsen Besserung. In der Vergangenheit war es mehrmals zu erheblichen Verzögerungen bei der Ermittlung der Einschaltquoten gekommen. Nielsen will nun die Server erneuern, um der ständig wachsenden Menge an Daten besser gerecht zu werden. Mitte 2007 wurde bereits die Erhebung von Einschaltquoten angepasst, da es durch den zunehmenden Einsatz von DVD-Recordern unter Werbetreibenden die Sorgen gibt, dass Werbung nicht mehr gesehen wird, da die Zuschauer die Vorspulfunktion nutzen. Dank des neuen Quotensystems können Werbespots getrennt von den redaktionellen Inhalten ausgewertet werden. Außerdem soll die Fernsehnutzung außer Haus (in Sportstudios, Kneipen) zukünftig automatisch und nicht mehr durch Nutzer-Tagebücher erhoben werden. Im kommenden Herbst wird darüber hinaus eine gemeinsame Quote für den Fernsehkonsum über TV und Onlinestream eingeführt.

Zu Letzterem sah sich Nielsen vor allem durch die Neugründung des Marktforschungskonsortiums CIMM durch die größten US Medienkonzerne im September 2009 gezwungen. Der „Coalition for Innovative Media Measurement” (CIMM) gehören unter anderem die Medienunternehmen NBC Universal, Time Warner, News Corp., Discovery, Viacom, CBS und Walt Disney aber auch wichtige Werbekunden wie Procter & Gamble, AT&T und Unilever an. Das Konsortium kritisierte die Messmethoden von Nielsen als nicht zeitgemäß und hat ein Pilotprojekt zur Erforschung und Entwicklung einer plattformübergreifenden Quotenmessung für TV, Internet und mobile Dienste gestartet.

Zum Ende des Jahres 2009 verkaufte Nielsen acht Fachmagazine an das Investoren-Konsortium darunter „The Hollywood Reporter“, ein Magazin der US-amerikanischen Film- und Unterhaltungsindustrie, sowie „Adweek“, eine Fachzeitschrift der Werbebranche. Den Besitzer wechselten außerdem das renommierte Musikmagazin „Billboard“, das die US-amerikanischen Musik-Charts ermittelt, sowie die Zeitschriften „Brandweek“, „Mediaweek“, „The Clio Awards“, „Backstage“ und „Film Journal International“. Nach Medienberichten zahlte das neu formierte Konsortium „E5 Global Media“ für die acht Zeitschriften aus der „Business Media“-Sparte des Marktforschers Nielsen etwa 84 Millionen US-Dollar. Das Buchmagazin „ Kirkus Review“ und das Journalistikfachblatt „Editor und Publisher“ sollten ursprünglich zum Jahresende eingestellt werden. Für beide Zeitschriften fanden sich jedoch Käufer. Das Fachmagazin „Radio Records“ wurde bereits im Juni eingestellt. 2010 verkaufte Nielsen seine Reisemagazine an NorthStarTravel Media und die Lebensmittelzeitschriften an Stagnito Media. Somit verlegt Nielsen nur noch sieben Zeitschriften. Das Abstoßen der verlustreichen Titel erlaubt Nielsen eine weitere Fokussierung auf die Kerngeschäfte und gewinnbringende Projekte.


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