LED-Fernseher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin

1.9.2012

The Nielsen Company

Umsatz 2011: $ 5,532 Mrd. (€ 3,974 Mrd.)

Aktuelle Entwicklungen

Geschäftsentwicklung


2010 stieg der Umsatz der Nielsen Company im Vergleich zu 2010 währungsbereinigt um 6,6 % auf 5,126 Milliarden US-Dollar. Zum ersten Mal seit fünf Jahren konnte Nielsen wieder einen positiven Gewinn (103 Millionen US-Dollar) melden. Auch 2011 schrieb das Unternehmen wieder schwarzer Zahlen mit einem Gewinn von 104 Millionen US-Dollar. Der Umsatz stieg um 8 % auf 5,532 Milliarden US-Dollar. Im ersten Habjahr 2012 blieb der Umsatz mit einem Wachstum von 1% auf 2,725 Milliarden US-Dollar zwar beinahe gleich, allerding konnte das Unternehmen durch Umstrukturierungen und Kosteneinsparungen einen Halbjahresgewinn von 128 Millionen Dollar verzeichnen (1. Halbjahr 2011: 112 Millionen US-Dollar Verlust). Allerdings musste das Unternehmen im Juni seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr aufgrund der schlechten Umsatzzahlen aus Europa von 5-7% auf 5-6% nach unten korrigieren.

Im Juli 2010 wurde Nielsen vom MRC die Erlaubnis zur TV-Quotenmessung in den 25 größten lokalen Märkten in den USA erteilt. Diese 25 Gebiete umfassen 49% der amerikanischen Bevölkerung und erhalten jedes Jahr 64% der gesamten Jahreswerbeausgaben. Allerdings forderte die MRC massive Nachbesserungen am 2009 endgültig eingeführten Active/Passive-Meter, dem Quotenmessegerät für digitales Fernsehen.

Darüber hinaus musste Nielsen Ende 2010 massive Fehler bei der Messung des Internetverkehrs eingestehen. Die Messgeräte hatten bei der Erfassung von langen URLs (über 2000 Zeichen) über 3 Monate hinweg versagt, so dass Nielsen die Internetnutzung auf Kundenwebsites um bis zu 22 Prozent unterschätzte.

Immer wieder wurde auch Nielsen's zu kleine Stichprobe in der Fernsehquotenmessung bemängelt. Deswegen wird das Unternehmen diese auch durch die Kombination verschiedener Panels ab Herbst 2012 besonders in den lokalen Fernsehmärkten im Süden der USA deutlich ausbauen.

Trotz wiederholter Kritk hält Nielsen, auch dank technischer Innovationen, seine Monopolstellung in der Medienforschung im Bereich Fernsehen und Internet. Im November 2011 konnte Nielsen die Akkreditierung seines neu implementierten Online Campaign Ratings durch das MRC verkünden. Es ist das erste akkreditierte Tool zur Messung von Online-Werbekampagnen, welches ein traditionelles Onlinepanel mit den aggregierten demographischen Informationen der Internetanbieter kombiniert. Das System liefert bereits 24 Stunden nach dem Beginn einer Werbekampagne erste Daten und wird bereits von Medienunternehmen wie Disney/ABC Television und Facebook genutzt.

Ein Erfolgsfaktor des Unternehmens ist seine starke Position im Bereich der crossmedialen Messung von Mediendaten. So testet Nielsen seit Sommer 2012 zusammen mit großen Medienunternehmen erstmals ein System zur Messung der Tablet-PC-Nutzung. Diese Daten sollen langfristig mit der TV- und PC-Nutzung kombiniert werden. Auch an der Integration von Smartphonedaten wird unter dem Stichwort Multi-Screen-Measurement (Internetnutzung) bzw. Extended-Screen-Ratings (Quotenerfassung) gearbeitet.

Allerdings hat sich die UK Measurement Company, der Industrieverband zur Messung des Internettraffics in Großbritannien, gegen die Verlängerung des Ende 2012 auslaufenden Vertrages mit Nielsen entschieden. Damit hat Nielsen in kürzer Zeit neben Spanien und den Niederlanden auch den lukrativen britischen Markt an seinen größten Konkurrenten ComScore verloren.

Börsengang

Nach der vollständigen Übernahme 2007 durch die Finanzinvestorengruppe Valcon Acquisiton war Nielsen ein reines Privatunternehmen. Aufgrund der hohen Schulden (2009 über 8,5 Milliarden Dollar) entschloss sich das Unternehmen jedoch zum größten Börsengang aus Privatbesitz der letzten vier Jahre. Im Januar 2011 gab Nielsen mit 71 Millionen Stammaktien zu je 23 US-Dollar und außerdem Anleihen aus im Wert von 250 Millionen US-Dollar aus. Nielsen erhofft sich einen Nettoerlös von bis zu 1,8 Mrd. US-Dollar. Und tatsächlich stieg die Aktie an der New York Stock Exchange seit Januar um 29% (Stand April 2012). Auch dank des Börsenganges konnte Nielsen seine Schulden auf 6,3 Milliarden US-Dollar reduzieren. Analysten kritisieren jedoch weiterhin das schlechte Schuldenmanagement des Konzerns.

Im März 2012 kündigten die Hauptaktionäre, ein globales Bankenkonsortium u.a. Morgan Stanley, Deutsche Bank, Citigroup und Credit Suisse den Verkauf von ca. 30 Millionen Aktienanteilen an. Sie erhoffen sich davon Einkünfte von bis zu 900 Millionen Dollar.

Juristische Auseinandersetzungen

Im Januar 2011 wies ein US-amerikanisches Bundesgericht nach zweijährigen Rechtstreit Vorwürfe des Monopolmissbrauchs von Sunbeam Television gegen Nielsen zurück. Die Fernsehstation aus Florida konnte nicht beweisen, dass Nielsen Mitbewerber aus den Lokalmärkten der Fernsehquotenmesung drängt. Nachdem Nielsen im Sommer 2008 in Florida neue Messmethoden eingeführt hatte, sanken die Quoten und damit die Einnahmen des privaten Fernsehsenders beträchtlich. Sunbeam hatte Nielsen vorgeworfen, begünstigt von der Monopolstellung zu überhöhten Preisen fehlerhafte Leistungen anzubieten.

Im März 2011 reichte Nielsen selbst Klage gegen den Konkurrenten ComScore wegen fünffacher Patentverletzung ein. Mehr als 30 ComScore-Produkte sollen die Patentrechte des Konzerns bei der Messung und Analyse von Internetinhalten verletzen, heißt es in der Anklageschrift. ComScore reagierte mit einer Klage beim United States District Court wegen Patentrechtsverletzungen durch Nielsen NetRatings. Im Dezember 2011 kam es zu einer Einigung. Jedes Unternehmen kauft die jeweils strittigen Patente von Anderen ab.

Den bislang schwersten Vorwürfen sieht sich Nielsen durch eine Klage vom größten Nachrichtensender Indiens NDTV (New Delhi Television Limited) ausgesetzt. Nach Angaben des Senders sollen Mitarbeiter der Nielsen-Tochterfirma TAM India gegen Bestechung Fernsehquoten manipuliert haben. NDTV wirft Nielsen in der Anklageschrift schwere Fahrlässigkeit und Betrug vor. Der Sender fordert 1,3 Milliarden US-Dollar Entschädigung für den Gewinnausfall und die Schädigung von Reputation und Markenwert durch zu niedrige Quoten. TAM (Television Audience Measurement) India ist für die Fernsehquotenmessung in Indien verantworlich und ein Joint-Venture der Nielsen Company und einem seiner Hauptkonkurrenten Kantar Media Research. Bereits seit 2004 hatte NDTV immer wieder Vorwürfe der Korruption und ungenauen Messung erhoben. Im Frühjahr 2012 konfrontierten NDTV Vertreter von Nielsen mit Beweisen der Bestechlichkeit. Konkret sollen TAM Mitarbeiter im Raum Mumbai dem Nachrichtensender angeboten haben, dass Panel-Haushalte dahingehend zu beeinflussen, dass sie gegen Bestechungsgeld von monatlich 250-500 US-Dollar nur ausgewählte Sender schauen würden. Der Sender könne somit innerhalb von 2-3 Wochen seine Quoten in bestimmten Zielgruppen verdreifach könne. Nach Darstellung von NDTV versprach Nielsendarsaufhin sowohl schärfere Sicherheitsmaßnahmen bei der Quotenmessung als auch die Vergrößerung der Stichprobe. In Indien werden 148 Millionen TV-Haushalte über lediglich 8000 Panelhaushalte erhoben. (Deutschland im Vergleich: 5640 Panelhaushalte für 40 Millionen TV Haushalte) TAM kam einem von NDTV im April verlangten Stopp der Veröffentlichung weiterer Quoten bis zur Durchführung der angekündigten Nachbesserungen nicht nach. Der Sender verklagt nun in New York TAM, Kantar Media, mehrer Nielsenunternehmen, den CEO David Calhoun sowie meherer Direktoren von Nielsen, da TAM trotz besserem Wissen weiterhin fehlerhafte Daten veröffentlicht. Nielsen hat sich zu den Ende Juli 2012 erhobenen Vorwürfen bislang nicht geäußert.


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