LED-Fernseher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin

1.7.2011

RAI Radiotelevisione Italiana S.p.A.

Umsatz 2010: € 3,012 Mrd.

Management

Der Kampf um die Kontrolle der RAI ist in den vergangenen Jahren härter geführt worden denn je, auch wenn die direkte Einflussnahme der Regierungsmehrheit auf den Staatssender lange vor dem Auftritt Berlusconis auf der politischen Bühne gang und gäbe war. Mit der im Frühjahr 2004 verabschiedeten Novelle des Mediengesetzes ("Legge Gasparri") ist unter anderem die Führungsstruktur bei der RAI reformiert worden. An der Sender-Spitze steht nun ein neunköpfiger Verwaltungsrat. Sieben seiner Mitglieder werden von einem parlamentarischen Aufsichtsausschuss ernannt, zwei durch den Aktionär, das Ministerium für Wirtschaft und Finanzen. Dem Führungsgremium steht ein Präsident vor, der mit dem Generalintendanten deutscher Sender vergleichbar ist. Der Kandidat für den Posten wird von der Opposition vorgeschlagen. Erst neun Monate nach dem Auslaufen des Mandats des alten Rats gelang es im März 2009, eine neue RAI-Führung zu bestellen. Regierung und Opposition einigten sich schließlich auf einen Außenseiter in dem Rennen und nominierten Paolo Garimberti, ehemaliger stellvertretener Chefredakteur der römischen Tageszeitung "La Repubblica", als Präsidenten. Formal gewählt wird dieser dann von den parlamentarischen Aufsehern. Die Zusammensetzung des Rats spiegelt die politischen Kräfteverhältnisse in der Abgeordnetenkammer wider. Fünf der neun Mitglieder wurden vom rechten Regierungslager bestimmt, zwei weitere entsendet der Finanzminister als Fast-Allein-Aktionär. Daneben schlägt der Finanzminister auch den Generaldirektor vor. Im Frühjahr 2009 erhielt Mauro Masi den einflussreichen Posten. Masi war zuvor im Regierungsamt Generalsekretär von Ministerpräsident Berlusconi. Zwei Jahre später tritt der regierungstreue Manager, der den Sender mit der Einer-gegen-alle-Methode geführt hatte, zurück. Bei einer Abstimmung hatten von 1438 teilnehmenden RAI-Mitarbeitern nur 77 Masi ihr Vertrauen ausgesprochen. Als Nachfolgerin wurde im Mai 2011 Lorenza Lei ernannt. Die Amtszeit des Verwaltungsrats und des Generaldirektors beträgt drei Jahre.

Die RAI finanziert sich zu 57% aus Rundfunkgebühren, 35% werden durch Werbung erwirtschaftet. Hinzu kommen Erträge aus Lizenzen etc. Die jährliche Rundfunkgebühr wurde 2010 auf 110,5 € angehoben. Ein finanzielles Problem ist für das Staatsunternehmen, dass rund 27 % der Haushalte die Gebühr nicht entrichten. Dem Sender gehen so jährlich 500 Mio. Euro durch die Lappen. Das Parlament setzt jährlich eine Obergrenze für die Werbeeinnahmen fest. Da sich die RAI maßgeblich über Rundfunkgebühren finanziert, soll der Wettbewerb zwischen öffentlichem und privatem Fernsehen um die Werberessourcen beschränkt werden. Doch in den vergangenen Jahren verlor die RAI dramatisch an Marktanteilen. Anfang 2011 entfielen nur 24% der italienischen TV-Werbeinvestitionen auf die staatliche Senderfamilie.


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