LED-Fernseher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin

1.7.2011

Quebecor Inc.

Umsatz 2010: CAD 4,000 Mrd. (€ 2,930 Mrd.)

Geschichte und Profil

Von der Lokalzeitung zum Medienimperium – binnen 50 Jahre gelang Quebecor-Gründer Pierre Péladeau (geb. 1925 in Montréal) ein beispielloser Siegeszug. Zunächst zog es den jungen "Monsieur P.", wie der 1925 in Montréal geborene Péladeau genannt wurde, ins Showbusiness, bis er schließlich 1950, nun mehr mit Hochschulabschlüssen in Jura und in Philosophie in der Tasche, als Verleger sein Glück versuchte. Péladeau kaufte das Lokalblättchen Le Journal de Rosemont auf, das pleite gegangen war, und belebte es erfolgreich wieder. 1964 gründete er die Tageszeitung Le Journal de Montréal, die heute größte Tageszeitung der Stadt und schuf ein Jahr später das Medienunternehmen Quebecor Inc. Unter diesem Dach kam 1967 die Quebec-weite Tageszeitung Le Jounal de Québec hinzu, außerdem Wochenzeitungen, Zeitschriften, Bücher und eine Druckerei. In den 1970er und 80er Jahren kamen erste englischsprachige Zeitungen hinzu, 1974 die Wochenzeitung Sunday Express (Montréal) und 1983 die Winnipeg Sun.

1987 kaufte Péladeau die Papierfabrik Donohue auf, ein Coup, der dem Unternehmen die volle Kontrolle über den gesamten Druckprozess sicherte: Quebecor vereinte nun sowohl Redaktionen, Verlage, Druckereien und Papierlieferanten unter einem Dach. In den 1980er Jahren folgten weitere Aufkäufe von Druckfirmen und machten Quebecor zur größten kommerziellen Druckerei Kanadas. Die Fusion von Quebecor Printing und World Color Press im Jahre 1999 ließen einen internationalen Druckgiganten entstehen. Péladeau verblieb bis zu seinem Tode 1997 als CEO im Unternehmen. Zwei Jahre später gelang dem Unternehmen ein weiterer großer Erfolg: Durch den Zukauf der Sun Media Corp. wurde Quebecor zur zweitgrößten Zeitungsgruppe Kanadas – mit acht Tages- , über 200 Regional- und Lokalzeitungen und den wichtigsten Boulevardblättern Quebecs. Damit stärkte Quebecor nicht nur seine wirtschaftliche Situation, sondern avancierte endgültig zum wichtigsten konservativen Medienunternehmen der Region.

Im Oktober 2000 öffnete Quebecor ein neues Kapitel seiner Firmengeschichte: Das Unternehmen überbot ein Angebot des Konkurrenten Rogers und zahlte 5,4 Milliarden Dollar für den größten Kabeldienstleister Quebecs, Vidéotron und seine französischsprachige TV-Sendergruppe TVA. Im Zuge dieses Zukaufs schuf das Unternehmen die Tochtergesellschaft Quebecor Media, die von nun an gemeinsam mit der Drucksparte Quebecor World unter dem Dach Quebecor Inc. firmierte. Während sich Quebecor Media in den darauf folgenden Jahren zusehends vergrößerte und durch weitere Zukäufe, wie der Vidéotron-Tochter Netgraphe (einem Internetportal, das unter anderem Quebecs wichtigste Suchmaschine toile.qc.ca beherbergt), seine Marktposition stärken konnte, geriet Quebecor World mehr und mehr unter Druck. Ausgelöst durch den von Analysten als völlig überzogen und geschäftsschädigend eingeschätzten Kaufpreis für Vidéotron und den Umbruch durch die Digitalisierung im Druckwesen, wuchsen die finanziellen Probleme von Quebecor World rasant an. Zu spät führte der ehemals weltgrößte kommerzielle Druckkonzern nötige Rationalisierungsmaßnahmen durch und versäumte es, Kosten zu senken. In Kombination mit dem schwachen Europageschäft führte die Entwicklung schließlich zu einer Finanzkrise, die dem Druckhaus im Jahre 2008 beinahe den Bankrott eingebracht hätte. Die Rettung erfolgte in letzter Minute durch den Quebec Superior Court, der dem Unternehmen Insolvenzschutz gewährte und eine Finanzspritze der Investoren Credit Suisse und Morgen Stanley zusicherte. Außerdem wurde der europäische Teil des Unternehmens verkauft und man setzte einen rigiden Sanierungsplan auf. 2009 änderte das Unternehmen seinen Namen in World Color Press und begann damit gleichzeitig eine umfassende Restrukturierung, die eine langsame Erholung einleitete. Dennoch reichten die Anstrengungen nicht für eine völlige Genesung der Tochtergesellschaft aus und so wurde World Color Press im Juli 2010 vom US-amerikanischen Druckgiganten Quad/Graphics übernommen.


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