LED-Fernseher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin

1.7.2011

Quebecor Inc.

Umsatz 2010: CAD 4,000 Mrd. (€ 2,930 Mrd.)

Aktuelle Entwicklungen

Quebecor Media vergrößerte 2007 sein Zeitungsgeschäft durch den Zukauf von Osprey Media, einem der größten kanadischen Verlage, dem 20 Tageszeitungen und 34 weitere Zeitungen angehören. Auch das Fernsehgeschäft wächst kontinuierlich weiter und hat sich nicht zuletzt durch den Quoten-Hit "Star Académie", der frankokanadischen Variante des allgegenwärtigen Casting-Formats, die Marktführerschaft auf dem französischensprachigen Markt Kanadas gesichert. Im April 2011 ging Quebecor mit einem englischsprachigen Informationskanal namens Sun TV on air, der dem amerikanischen Fox News nachempfunden ist und auch inhaltlich dessen Ausrichtung hat. Dies sorgte schon im Vorfeld für einen Sturm der Entrüstung in den Konkurrenzmedien und vor allem progressiven Blogs, da, so die Kritiker, das konservative Medienimperium dadurch seine Meinungsmacht bedeutend ausbauen könne. Außerdem, so die Befürchtung, könnte ein an die Boulevardmedien der Sun-Gruppe orientierter Fernsehsender Einfluss auf die kanadische Politik haben. Der zukünftige Senderchef und ehemaliger Regierungssprecher, Kory Teneycke entgegnete der Kritik: "Das derzeitige Nachrichtenangebot im kanadischen Fernsehen ist beschränkt, die Nachrichten sind selbstgefällig und politisch korrekt. Das ist langweilig.(...) Unser Ziel ist es, die Leute nicht zu Tode zu langweilen, das überlassen wir den anderen."

Im Frühsommer 2010 trat Quebecor Media aus dem kanadischen Presserat aus, nachdem die beiden großen Tageszeitungen des Unternehmens Le Journal de Montreal und Le Journal de Quebec sich unzufrieden über die Arbeit der unabhängigen Organisation gezeigt hatten. Besonders die Rügen des Presserats, die auf Hinweise von Lesern hin ausgesprochen werden, würden die journalistische Freiheit der Blätter einschränken, so ein Unternehmenssprecher. Für den Presserat ist der Austritt ein herber Rückschlag, da das Organ nun nur noch weniger als die Hälfte der frankokanadischen Journalisten repräsentiert.

Im September 2010 lancierte Quebecor unter der Flagge von Videothron ein neues drahtloses Netzwerk und eröffnete damit einen beispiellosen Revierkampf mit dem ebenfalls in Montreal ansässigen Hauptkonkurrenten Rogers Communications. Das Eintreten Videotrons in den Mobilfunkmarkt verändert die Marktsituation dramatisch, da das Unternehmen ein Netzwerk aufbauen will, das groβe Teile des ländlichen Gebiets abdeckt. Da Videothron in diesen Gegenden bereits über eine breite Kundschaft im Internet- und TV-Bereich verfügt, könnte dies eine immense Hebelwirkung entfalten. Auch die 87.000 Handykunden, die bislang aufgrund eines Partnervertrages das Netz von Rogers Communications nutzen, werden nach Ende des Deals zu Videotron überwechseln. Beide Anbieter verfolgen die Strategie, möglichst vielen Kunden Internet, Fernsehen, Festnetztelefonie und Mobilfunkvertrag aus einer Hand zu verkaufen.

Doch Quebecor bekommt bereits Gegenwind aus einer anderen Richtung: nur wenige Tage nach der Lancierung des neuen Netzwerks, startete der Kommunikations-dienstleister Bell Canada Enterprises sein neues Produkt Fibe TV, einen internet-basierten Fernsehservice, der ein qualitativ besseres Signal liefert als Videothron. Auch die Wettbewerber Bell und Telus Inc. kündigten entsprechende Vorhaben an.

Trotzdem konnte das Unternehmen seinen Umsatz im zweiten Quartal 2011 weiter steigern, auf nun mehr 1,05 Milliarden US-Dollar. CEO Pierre-Karl Péladeau dachte bereits laut über neue Strategien nach, wie etwa Exklusiveinhalte für die Mobilfunksparte. Währenddessen berät die Kanadische Rundfunk- und Telekommunikationskommission (CRTC) noch über den Umgang und die Regulierung mit TV-Inhalten auf neuen Plattformen. Somit muss sich Quebecor noch gedulden, bis die CRTC eine endgültige Entscheidung gefällt hat. Bei einer Anhörung der CRTC im Juni 2011 wagte Péladeau einen ersten Vorstoß und bekräftigte, Kabelanbieter bräuchten das Exklusivrecht um konkurrenzfähig zu bleichen, denn anderenfalls könnten nur große Anbieter, wie Konkurrenz bell überleben und die Marktkonzentration würde erheblich zunehmen.


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