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LED-Fernseher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin

1.9.2012

Grupo PRISA

Umsatz 2011: € 2,714 Mrd.

Geschichte und Profil

Der Gründer der Gruppe Prisa, José Ortega Spottorno (1916-2002), Sohn des Philosophen und Schriftstellers José Ortega y Gasset, ist von Beruf Ingenieur, widmet sich aber dem Schreiben. Während des spanischen Bürgerkrieges emigrieren er und seine Familie nach Genf. Anders als Ortega y Gasset kehrt Spottorno jedoch nach Kriegsende nach Spanien zurück, wo er ab 1962 die von seinem Vater gegründete Zeitschrift "Revista de Occidente" leitet. Sein Wunsch ist es, so bekräftigt er 1971, ein Blatt nach dem Vorbild der 1917 gegründeten Intellektuellenzeitung "El Sol" herauszugeben. Dieses soll "tolerant, offen und europäisch" sein. Außerdem soll die Zeitung Freiheit und Demokratie verteidigen, deren Durchbruch er für die nahe Zukunft in Spanien voraussieht. 1966 gründet Spottorno zunächst den Verlag Alianza Editorial. In Zusammenarbeit mit Carlos Mendo und Darío Valcárcel folgt 1972 der Startschuss für die Verlagsgesellschaft Prisa. Das Startkapital beträgt nur 500.000 Peseten, wird aber in den folgenden Jahren stark aufgestockt. 1974 existieren 381 Aktionäre.

Nukleus der Gruppe wird die nationale spanische Tageszeitung "El País" ("Das Land"). Die Gründung im Jahr 1976, wenige Monate nach dem Tod von Diktator Franco, stellt eine historische Notwendigkeit dar, so der italienische Journalist Giancarlo Salemi. Spanien braucht nach mehreren Jahrzehnten der Zensur und gelenkter Presse ein Organ, das die Transición, den demokratischen Umbruch 1975-78, begleitet. Im ersten Editorial der Zeitung am 4. Mai 1976 heißt es: "Die Reform des Staates hat noch nicht begonnen, soviel möchten wir Ihnen in unserer ersten Ausgabe sagen. Akzeptieren Sie diese ungeduldige Begrüßung als Eindruck einer soeben geborenen Zeitung!"

Die für die Publikation einer Zeitung noch immer erforderliche Genehmigung durch das Ministerium für Information erhält die Gruppe Prisa mit Verhandlungsglück und der Fürsprache von Manuel Fraga, dem damaligen spanischen Botschafter in London. Die beiden führenden Köpfe der ersten Stunde waren der Verleger Jesús de Polanco (1929-2007) und der Journalist Juan Luis Cebrián (geb. 1944). Der Jurist Polanco, der 1958 den Buchverlag Santillana gegründet hat, bürgt persönlich für die erste Druckmaschine und zahlte die ersten Gehälter aus eigener Tasche. "Er glaubte an das Projekt, als niemand glauben wollte", so der erste Chefredakteur von "El País, Juan Luis Cebrián, der das Blatt in den folgenden Jahren zur einflussreichsten Zeitung Spaniens macht. Dafür nimmt er sich die Ratschläge von Jaques Fauvet, dem Chefredakteur der Pariser Tageszeitung "Le Monde" zu Herzen. Dieser möchte nach eigener Aussage in seinen Spalten jedwede Form der Ungerechtigkeit anprangern und für Minderheiten Partei ergreifen. Die ersten Seiten von "El País" befassen sich stets mit internationalen Themen, wobei insbesondere Spaniens Platz in Europa betont wird. 1996 blickt Cebrián mit Stolz auf die Anfangsjahre der "El País" zurück: Die Freiheit, die wir erkämpft haben, war kein Geschenk, sondern eine erst kürzlich erfolgte Eroberung, die nicht vergessen werden darf." Worte, die insbesondere für die letzte Februarwoche des Jahres 1981 gelten, als die junge spanische Demokratie durch den Putschversuch von Oberstleutnant Tejero bedroht wird. "El País" titelt: "Staatsstreich: El País, für die Verfassung". Eine zweite Sonderausgabe folgt noch am selben Tag mit der Schlagzeile "Staatsstreich im Begriff zu Scheitern" über einem Bild, das Tejero mit erhobener Pistole im Parlament zeigt. Wegen der klaren Parteinahme König Juan Carlos´ für die Verfassung und aufgrund von Massenprotesten in den großen Städten des Landes scheitert der Putschversuch schließlich. Als Cebrián 1988 den Chefredakteursposten abgibt, ist "El País" die meistgelesene Zeitung in Spanien, das Land seit zwei Jahren Mitglied in der Europäischen Gemeinschaft und die Prisa-Gruppe dabei, kräftig zu expandieren. Der Chef der Prisa, Jesús de Polanco, wandelt die Gruppe 1984 in eine Holding um. 1985 wird der Radiobetreiber Cadena SER (Sociedad Española de Radiodifusión) gekauft, dessen Vorgänger Radio Madrid und Radio Barcelona zwei der ersten Radiostationen in Spanien waren. Zu Cadena Ser gehören 285 Radiostationen im ganzen Land. Als die Prisa im Juli 1992 auch noch beim Radionetwork "Antena 3" einsteigt, wettern die größten Wettbewerber der "El País", die Tageszeitungen "ABC" und "El Mundo" (RCS Media Group in der Mediendatenbank) gegen das entstandene "Informationsmonopol", da die Prisa der sozialdemokratischen Partei PSOE des damaligen Ministerpräsidenten Felipe Gonzalez nahe steht. Polanco reagiert polemisch auf die Vorwürfe und spricht von Madrilener Journalisten als "Sklaven ihrer Eitelkeit" und von einem Interessensyndikat. Als das Kartellamt 1994 die Fusion von Cadena SER und Antena 3 billigt, kommt es zu einem weiteren Schlagabtausch in den Meinungsspalten der großen Tageszeitungen. Prisa und "El País" werden als "Sprachrohr der Exekutive" und als "Propagandainstrument" betitelt. Die Vorwürfe sind übertrieben, obschon die Prisa zu einem mächtigen Pressekonzern herangewachsen ist. Als die konservative Partei Partido Popular (PP) von José Maria Aznar 1996 an die Macht kommt, besitzt die Holding neben "El País" und den umfangreichen Hörfunkaktivitäten auch 25 Prozent an der Gesellschaft "Sogecable", zu dem u. a. der erste spanische Pay-TV-Sender "Canal+", zwei Satellitenprogramme und die Filmproduktionsfirma "Sogecine" gehören. Hinzu kommen die Verlage "Gruppo Estructura-Cinco Dias", "Edipaís" und "Progresa". In den Jahren nach dem Börsengang im Jahr 2000 expandiert die Prisa in erster Linie in Lateinamerika. 2001 kauft man den brasilianischen Verlag "Moderna", ebenfalls 2001 wird die Hälfte des mexikanischen Rundfunksenders "Radiopolis" erworben (ein Joint-Venture mit der mexikanischen Gruppe Televisa) und 2004 folgen die Akquisitionen von "Caracol" (Kolumbien) sowie "Radio Continental" (Argentinien). Heute ist Grupo Prisa nach eigenen Angaben eines der größten Medienkonglomerate im portugiesisch/spanischsprachigen Raum.


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