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LED-Fernseher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin

1.9.2012

Grupo PRISA

Umsatz 2011: € 2,714 Mrd.

Management

Jesús de Polanco, einer der Gründer und langjährige Vorsitzende von Grupo Prisa, starb am 21. Juli 2007 im Alter von 77 Jahren. Für seine Verdienste erhielt er posthum das große Kreuz der heiligen Isabel, eine der höchsten Auszeichnungen des spanischen Staates. Von seinen Mitarbeitern war er ehrfürchtig "Don Jesús" genannt worden, von seinen Gegnern im konservativen Lager mitunter "Jesús der Allmächtige". Er selbst pflegte zu sagen, er sei im Grunde "schlicht und ergreifend ein Unternehmer. Ein Buchverkäufer." Mit dieser Haltung – einer Mischung aus Bodenständigkeit und Understatement - gelang es Polanco, aus einigen kleinen Verlagsaktivitäten einen der größten Medienkonzerne der spanischsprachigen Welt zu schaffen. In Madrid finanzierte er sich sein Jurastudium als Buchhändler, bevor er 1958 den Verlag Santillana gründete. Dieser publizierte Schulbücher auch für den lateinamerikanischen Markt und ist heute Teil der Prisa.

Die Gruppe, von der Polanco indirekt 64,4 Prozent besaß, expandierte unter seiner Leitung kräftig, an der Börse jedoch hat das Unternehmen den Anlegern hingegen bislang keine Freude bereitet. So ist der Preis der Prisa-Aktie in den letzten zehn Jahren von 20,8 auf mittlerweile drei Euro geschrumpft. Im Kampf um die Vorherrschaft auf dem spanischen Pay-TV-Markt gelang es Polanco einst, die Konkurrenzplattform "Vía Digital" der ehemals staatlichen Telefongesellschaft Telefonica zu übernehmen. Fernsehen ist in Spanien ein einträgliches Geschäft. Jeder Spanier sitzt durchschnittlich 242 Minuten täglich vor der Glotze – ein Spitzenplatz in Europa. Der Radiozweig der Gruppe, Cadena SER, ist das erfolgreichste Radiounternehmen auf der Iberischen Halbinsel. Polanco stand als Gründer der größten Tageszeitung Spaniens und Vorsitzender des größten Medienunternehmens des Landes des Öfteren im Zentrum öffentlicher Debatten der noch immer tief gespaltenen spanischen Gesellschaft. Dem Unternehmen wurde eine Nähe zur langjährigen sozialdemokratischen Regierung von Felipe Gonzalez nachgesagt, in dessen Zeit als Ministerpräsident die Prisa groß geworden ist. Die Nähe sei jedoch lediglich ideell und in der Geschichte habe es keinerlei Engagement der Sozialdemokraten in den Eigentümerstrukturen gegeben, erklärte der ehemalige Chefredakteur von "El País", Jesús Ceberio 1998. In den lukrativen Privatfernsehmarkt konnte Grupo Prisa dennoch erst einsteigen, als der Sozialdemokrat Zapatero den konservativen Aznar abgelöst hatte. Im November 2005 ging der Free-TV-Sender "Cuatro" auf Sendung.

Polanco sah sich starken Anfeindungen aus den Reihen des konservativen Partido Popular ausgesetzt, worauf er wenig zimperlich reagierte. Zuletzt warf er der Partei des ehemaligen Ministerpräsidenten Aznar den Wunsch nach einem neuen Bürgerkrieg vor. Der PP hatte beschlossen, die Prisa-Medien im Kommunalwahlkampf 2007 zu boykottieren. Polanco bezeichnete diese bemerkenswerte Wahlkampfstrategie als "puren Franquismus". Nach seinem Tod übernahm Ignacio de Polanco, 52 und eines seiner vier Kinder, die Führung des Konzerns. Bislang war er ihr Vizepräsident. "Kontinuität und Entwicklung des Werks meines Vaters sind die Herausforderungen, die wir erfolgreich bestehen werden. Denn wir haben die besten Mitarbeiter, die man sich vorstellen kann," erklärte Polanco in einer Pressemitteilung. CEO bleibt weiterhin Juan Luis Cebrián, Gründungsmitglied der Prisa und langjähriger Chefredakteur der "El País".


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