30 Jahre Deutsche Einheit Mehr erfahren
LED-Fernseher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin

1.9.2012

Grupo PRISA

Umsatz 2011: € 2,714 Mrd.

Aktuelle Entwicklungen

Als die traditionsreiche Pariser Gazette „Le Monde“ 2005 in wirtschaftliche Schieflage geriet, sprang neben dem Rüstungs- und Medienkonzern Lagadére auch die Prisa-Gruppe ein und erwarb für ca. 25 Millionen Euro einen 14,8-Prozent-Anteil. „Le Monde“ war in den 70er Jahren Vorbild bei der Gründung der „El País“, das Engagement also möglicherweise „Ehrensache“ für den damaligen Prisa-Chef de Polanco. Ende 2005 erhöhte die französische Tochtergesellschaft IPR (Investissements Presse Régionale) den Anteil an der Gesellschaft „Le Monde SA“ auf 17,69 Prozent.

Nach dem Wahlsieg von Ministerpräsident Zapatero konnte die Prisa im Heimatland Spanien wieder mit günstigeren politischen Bedingungen rechnen. Zapateros Vorgängerregierung hatte durch Gesetze eine weitere Expansion des Marktführers erschwert und beispielsweise die Mehrwertsteuer für das Pay-TV erhöht. „Wir haben unter Aznar alle Expansionen vor Gericht durchfechten müssen,“ wird ein Mitarbeiter in der Tageszeitung „Die Welt“ zitiert. Trotz des politischen Wechsels sieht sich die Prisa-Gruppe in erster Linie nach Expansionsmöglichkeiten im Ausland um. Im Juli 2007 macht man den Kauf der größten chilenischen Radiokette IARC perfekt, zu der acht Programme gehören. Damit besitzt Grupo Prisa über 1200 Radiosender in den beiden Amerikas.

2008 konnte das mit Abstand umsatzstärkste Geschäftsjahr der Prisa abgeschlossen werden. Der Umsatz stieg um neun Prozent auf 4 Mrd. Euro. Allerdings halbierte sich der Nettogewinn auf 83 Mio. Euro, weil der Konzern nach dem Expansionskurs der Vergangenheit unter der hohen Schuldenlast stöhnte. 49,5 Prozent des Umsatzes (1,98 Milliarden Euro) entfielen auf das Fernsehgeschäft, 10,7 Prozent (429 Millionen Euro) auf den Printbereich, 14,5 Prozent (579 Millionen Euro) entfielen auf den Buchverlags- und Bildungssektor. Der Radiobereich trug zu 8,7 Prozent (318 Millionen Euro) zum Umsatz bei.

In Zukunft dürfte sich der Konzern unter dem Ruder des frisch gekürten Präsidenten Ignacio de Polanco auch verstärkt dem hispanoamerikanischen Markt zuwenden, der Gewinne verspricht. In Kalifornien und Florida repräsentieren Bürger mit hispanischen Wurzeln die größte Minderheit. Diese verschafft sich zunehmend Gehör – auf Spanisch. Zum einen durch Massendemonstrationen für ein Bleiberecht für illegal eingewanderte Hispanics, zum anderen durch ein verstärktes kulturelles Selbstbewusstsein, das seinen Ausdruck in Latino-Stars wie Jennifer Lopez und der Hispano-Version der amerikanischen Nationalhymne findet.

Im August 2007 fiel der Aktienkurs der Fernsehtochter Sogecable in Folge eines „Fernseh-Krieges“ um die Übertragungsrechte der ersten Fußball-Liga. Diese bildeten den Kern des Pay-TV-Programms von Sogecable. Das Monopol ging jedoch an das katalanische Unternehmen Mediapro verloren, wenngleich die Gerichte den Streit zwischen beiden Konzernen noch nicht letztinstanzlich gelöst haben. Seit 2009 hat Mediapro fast alle Clubs der ersten und zweiten Liga unter Vertrag, darunter die Zugpferde Real Madrid und F.C. Barcelona.

Mediapro macht der Prisa unterdessen auch in ihrem Stammgeschäft Konkurrenz: Ende September 2007 erschien erstmals die neue linksliberale Zeitung „Publico“. Das Blatt griff mit einem Verkaufspreis anfänglich 0,50 Euro die Tageszeitung „El País“ an. Chefredredakteur ist Ignacio Escolar. Die Startauflage betrug 250.000 Exemplare, ist mittlerweile aber auf unter 100.000 Exemplare geschrumpft.

Im Folgejahr verlor die Prisa-Aktie an Wert. Zum ersten Mal in der Geschichte des Konzerns mussten die Aktionäre auf ihre Dividende verzichten. Der anschließende Rückkauf der Pay-TV-Tochter Sogecable von der Börse wurde ein finanzielles Fiasko. Der Schuldenberg von Prisa verdoppelte sich auf 5 Mrd. Euro und dem Konzern blieb nichts anderes übrig als Immobilien und einzelne Geschäftsfelder ganz oder teilweise zu verkaufen. Inzwischen unterzeichnete Prisa den Verkauf von Minderheitsbeteiligungen im Pay-TV-Geschäft an Telefónica und die italienische Mediaset (Berlusconi). Auch der Privatsender „Cuatro“ wurde an die spanische Mediaset-Tochter Telecinco weitergereicht, um die Schulden abzubauen.

Ein weiterer Lichtblick war der Einstieg des US-Fonds Liberty, der von dem deutsch-amerikanischen Mäzen Nicolas Berggruen verwaltet wird (siehe Artikel in der SZ vom 29.11.2010). Durch Anteilsverkäufe wurde der Schuldenberg mittlerweile auf drei Mrd. Euro Euro (Dezember 2011) reduziert werden. Zu Jahresbeginn 2012 unterzeichnete die Gruppe ein Refinanzierungsabkommen mit ihren Gläubigerbanken, um die Fälligkeiten um zwei Jahre hinauszuzögern. Gleichzeitig erhielt die Gruppe eine neue Kapitalspritze in Höhe von 150 Mio. Euro von ihren Hauptaktionären. An einem harten Sparkurs wird der Konzern aber nicht vorbeikommen. Die Belegschaft soll in den nächsten Jahren um 18 Prozent auf 12.500 Beschäftigte reduziert werden. Aus dem traditionellen Famielienkonzern ist ein mittlerweile an der New Yorker Börse gelistetes Unternehmen geworden, an dem Hedge-Funds, Investmentfirmen und Multimilliardäre beteiligt sind.


Dossier

Medienpolitik

Die neuen technischen und inhaltlichen Entwicklungen der digitalen Medien sind eine Herausforderung für Medienmacher, Publikum und Politik. Journalisten müssen beispielsweise immer mehr Informationskanäle beobachten und große Mengen an Daten auswerten. Für die Bürger können die Veränderungen in der Medienlandschaft zu einer stärkeren (politischen) Beteiligung führen und Medien werden genutzt, um für politische Belange Aufmerksamkeit zu erzeugen. Neue Entwicklungen wie soziale Medien oder das Internet der Dinge werden bezüglich des Daten- und Verbraucherschutzes kontrovers diskutiert. Das Dossier möchte Grundlagen zum Rundfunk- und Medienrecht vermitteln, die neuen Herausforderungen und Nutzungsmöglichkeiten aufzeigen und eine kritische Auseinandersetzung mit der sich ständig wandelnden Welt der Medien und der sie regulierenden Medienpolitik fördern.

Mehr lesen

Dossier

Deutsche Fernsehgeschichte in Ost und West

Hier der "Tatort", dort der "Polizeiruf", hier die "Tagesschau, dort die "Aktuelle Kamera": Diese Sendungstitel stehen für TV-Ikonen in Ost und West. Welche Brüche und Gemeinsamkeiten zeichnet die Fernsehgeschichte im geteilten Deutschland aus? Was hat sich seit der Wende verändert?

Mehr lesen