LED-Fernseher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin

1.9.2012

The Hearst Corporation

Umsatz 2011: $ 3,800 Mrd. (€ 2,730 Mrd.)

Geschichte und Profil

Gegründet wurde das Medienimperium von George Hearst. Der 30jährige Bauernsohn machte sich 1850 von Missouri nach Kalifornien auf, wo er die ertragreichsten Gold- und Silberminen Amerikas entdeckte und zu einem der wohlhabendsten Männer der USA wurde. 1880 kaufte Hearst die Tageszeitung "San Francisco Examiner" als publizistische Unterstützung für seine politische Karriere, 1886 ging er als Senator nach Washington. Die verlustbringende Zeitung interessierte ihn kaum, er hielt sie allenfalls für nützlich, um zu gegebenem Anlass ein Sprachrohr zu besitzen. Erst sein Sohn William Randolph (1863-1951), dem Orson Welles 1941 mit "Citizen Kane" ein filmisches Denkmal gesetzt hat, transformierte das Unternehmen zu einem Medienunternehmen, das freilich immer auch Anteile an anderen Geschäftsfeldern hielt. Bevor er die Zeitung seines Vaters im Sommer 1887 übernahm, sah sich Hearst Jr. zwar in den bekannteren Redaktionen an der Ostküste um, doch hat er, entgegen eines hartnäckigen Gerüchts, nie als Reporter für die Joseph Pulitzers "New York World" gearbeitet. Vom "Examiner" aus baute Hearst Jr. das größte Medienimperium der Welt. Nach dem Kauf mehrerer Zeitungen, investierte er 1918, mitten in einer der schlimmsten Zeitungskrisen der US-Geschichte, in das Filmgeschäft und baute ein eigenes Studio auf. Nachdem Charlie Chaplins "United Artists" eine Partnerschaft ausschlugen, fand er in dem Ungarn Adolph Zukor einen kongenialen Partner für seine Produktionsfirma mit dem Namen "Cosmopolitan Productions". Der Name Hearst und die Filmfigur Kane gelten seither als Synonym für den Typus des aggressiven, machtsüchtigen Medienmoguls.

Die Auflagenzahlen steigerte der Hearst durch Freiexemplare und den größten, plakativsten Überschriften der gesamten Westküste. Neben Pulitzer gilt Hearst als Erfinder des sogenannten "yellow journalism", dessen Erfolg auf dem Zuspitzen von Meldungen beruhte, auf Emotionalisierung und Skandalisierung. Legendär ist Hearsts Briefwechsel mit dem Maler Frederic Remington, den er 1898 nach Kuba schickte, damit dieser den erwarteten Ausbruch des Krieges zwischen Spanien und den USA illustrierte. Remington fand nach seiner Ankunft in Havanna alles ruhig und friedlich vor und schickte folgendes Telegramm: "Alles ruhig hier. Es gibt keinen Krieg. Möchte zurück". Hearst kabelte: "Bitte bleib. Du sorgst für die Bilder. Ich sorge für den Krieg". Wenig später explodierte das Kriegsschiff USS Maine. Remington lieferte Bilder, und Hearst machte Auflage. Hearst setzte seine Blätter bedenkenlos für seine politischen Ambitionen ein, im Stile eines barocken Monarchen regierte er sein Medienreich von Castle San Simeon aus, einem riesigen Landsitz an der Westküste, wo er mit seiner Geliebten residierte. Er war ein leidenschaftlicher Kunst- und Antiquitätensammler, wovon das heute öffentlich zugängliche Castle San Simeon zeugt. Der Privatmann zählt sicher zu den größten Geldverschwendern der modernen Industriegeschichte. Heute gehören der Hearst Corp. 15 Tageszeitungen. Die beiden größten erscheinen in San Francisco und in Houston mit Auflagen von mehr als einer halben Million Exemplaren. Die Hearst Corp. verfügt zudem über einen eigenen Nachrichtendienst (Hearst News Service), Zeitschriften wie "Harper´s Bazaar" oder "Cosmopolitan" sowie Filmstudios, Bildagenturen, Verlage, TV-Sender und Produktionsfirmen. Im Gegensatz zum Konzern, der seit Jahren von familienfernen Managern geleitet wird, war der "Examiner" bisher stets Sache des Hearst-Clans. Im Jahr 2000 zwang das Kartellamt die Familie jedoch, das Traditionsblatt zu verkaufen. Die Hearst Corp. habe, so die Kartellwächter, mit dem Erwerb des Konkurrenzblattes "San Francisco Chronicle" in der Region eine Monopolstellung eingenommen. Eine Fusion der beiden großen Zeitungen wurde dadurch unmöglich, was dazu führte, dass die US-Zeitungskrise beide Blätter voll erfasste und an den Rand der Insolvenz führte. Der "Examiner" ist heute ein Gratisblatt, das mit dem Herzstück des Unternehmens nichts mehr zu tun hat. Der "Chronicle" hingegen häuft pro Jahr etwa 50 Millionen USD Verlust an und wäre längst eingestellt worden, wenn die Hearst-Familie nicht mit ihrem Vermögen bürgte. Die Printausgabe ist nach wie vor bedroht, so dass absehbar ist, dass in einer der größten Städte der USA bald keine Tageszeitung mehr erscheint. Die Bürger beginnen sich zu organisieren. Hearst wird auf seinem Heimatmarkt von diesen Privatinitiativen aus Private-Equity, Universitäten angegriffen, die entlassene Journalisten einstellen und den Rest mit Absolventen der school of journalism, die zur Berkley-Universität gehört. Dass es Gespräche zwischen der Initiative und der New York Times gibt, die eine San Francisco Ausgabe plant, deutet auf eine neue Entwicklung des amerikanischen Lokaljournalismus hin. Hier lag bislang die Stärke von Hearst.

Vor fünfzig Jahren trugen Printprodukte 77 Prozent zum Umsatz bei. Heute sind es nur noch fünfzehn Prozent. Liest man freilich den Annual Report des Unternehmens, zeigt sich schnell, dass Hearst seinem Selbstverständnis nach immer noch ein Medienunternehmen mit starkem Akzent auf den Printmedien ist. Der Kollaps der US-Autoindustrie und des Immobilienmarktes mit der daran angeschlossenen Finanzierung - Geschäftsfelder, in denen Hearst ebenfalls tätig ist - hat das Management an die Bedeutung des Kerngeschäftes erinnert. Dass Investitionen in diesem Feld allerdings sorgfältig überlegt sein müssen, hat Hearst schmerzlich erfahren. Im August 2006 kaufte Hearst vom Konkurrenten MediaNews acht Zeitungen. Neben dem Traditionsblatt "Connecticut Post" handelt es sich um die Zeitungen "The Darien News-Review", "The Greenwich Citizen", "Fairfield Citizen-News", "New Canaan News-Review", "New Milford Spectrum", "Norwalk Citizen News" und "Westport News". Zusätzlich werden die MediaNews-Zeitungen "The Stamford Advocate", "Greenwich Time" und "The News-Times of Danbury" künftig von Hearst geführt. Über den Kaufpreis, sowie eventuelle Konsequenzen für die Belegschaften der Zeitungen wurde zunächst nichts bekannt. Doch trotz des frischen Geldes von Hearst stand die MediaNews Group Inc. im Dezember 2008 vor dem Zusammenbruch. Als größter Anteilseigner mußte Hearst für den Großteil der Kredite einstehen. Traditionell hat das Medienhaus notleidende Blätter über andere Projekte solange finanziert, bis der Sanierungsprozess eingeleitet und abgeschlossen war. Ende 2008 stellte sich heraus, dass diese Geschäftspolitik zu einer Falle geworden war. MediaNews ging in die Insolvenz und bescherte Hearst einen Verlust von mindestens 155 Millionen USD. Dieser Deal trug vermutlich mit dazu bei, dass der Vorstandsvorsitzende Victor F. Ganzi 2008 gehen musste und der schon fast legendäre Frank A. Bennack, der das Unternehmen zwischen 1979 und 2002 führte, aus dem Ruhestand zurück geholt wurde.

Dabei war Ganzi installiert worden, um den schwierigen Prozess des Übergangs in das digitale Zeitalter zu bewerkstelligen. Bennack galt dafür als zu alt. In den 80er Jahren erwarb Hearst Corp. drei TV-Stationen und 1991 20 Prozent am Sport-Kabelnetz ESPN. Seit Mitte der 80er Jahre gehören Magazinverlage wie Esquire und Redbook zum Portfolio. Dazu kamen mehrere Wirtschafts- und Branchendienste. Außerdem hält der Konzern an einigen Landwirtschafts- und Forstbetrieben in Kalifornien und Kanada fest. Durch die Zusammenlegung der TV-Sparte mit Argyle Television kontrolliert Hearst heute 26 lokale TV-Stationen in den USA. Im Herbst 2009 nutze Hearst die Krise, kaufte alle frei handelbaren Aktien von Argyle und nahm den Unternehmensteil von der Börse. Hearst hatte den Aktionären im Sommer 2007 schon einmal ein Angebot gemacht, damals für knapp 23 Dollar je Aktie. Die Aktionäre lehnten das Angebot ab, weil sie es für zu niedrig hielten. Zwei Jahre später kaufte Hearst die Anteile für 4,50 pro Stück. Seit den letzten großen Akquisitionen im TV-Geschäft, drückt das Geschäftsverhalten von Hearst gleichwohl eine gewisse Ratlosigkeit aus. Keine Sparte blieb von der Krise verschont und wo die Zukunft des Medienmarktes entschieden wird - ob bei Apple, Google, Microsoft oder doch bei den Verlegern selbst - ist schwer zu prognostizieren. Hearst ist zu einem Beteiligungsunternehmen und zu einem omnipräsenten Kooperationspartner geworden. Es hält zahlreiche Minderheitsbeteiligungen an Start-Up Unternehmen und Technologie-Firmen, die an der Zukunft der Internet-Publizistik arbeiten. Manche reüssieren, manche verschwinden so schnell wie sie gegründet wurden. Ein Erfolg war z. B. die Beteiligung an der Firma E-Inc., die Hearst vor dreizehn Jahren eingegangen war. E-Inc. fertigt für fast alle gängigen E-Reader die Displays. Der Verkauf der Beteiligung im Herbst 2009 konnte die Bilanz wenigstens etwas erhellen.

Der Glaube an die Zukunft der Printmedien ist bei Hearst trotz (oder gerade wegen) der diversen Internetaktivitäten vorhanden. Die Mehrfachverwertung, aus der sich das Vermögen von William Randolph seit je her speiste, gehört nach wie vor zur Firmenstrategie. So werden die Archivinhalte des ältesten Medienkonzerns der Welt etwa in Form von Lizenzen für Videospiele zu Geld gemacht, wo Hearst mittlerweile mit UGO Entertainment ein ernstzunehmendes Unternehmen besitzt. Die Strategie des Konzerns bestand immer darin, einen verhältnismäßig glatten und einheitlichen Stil über alle Medien zu verbreiten. Als Hearst das ehemalige Kultmagazin "Electronic Gaming Monthly" von Ziff Davis übernahm, lautete ein Kommentar: Dies ist mehr als ein Besitzerwechsel. In Kürze würde der Davis-Stil der Vergangenheit angehören, die Redaktion und die Herausgeber würden durch andere ersetzt und die 20jährige Geschichte von Electronic Monthly wäre zu Ende.

2003 begann der Bau der neuen 500 Millionen US-Dollar teuren Zentrale, eines Glasaufbaus auf das bestehende sechsstöckige Gebäude am Manhattaner Columbus Circle. Das 46-stöckige Haus des Londoner Architekten Norman Foster nimmt seit Sommer 2007 alle 2000 Hearst-Mitarbeiter in New York auf, die vorher auf fünf Gebäude verteilt waren. Dass Hearst auch solche Summen nicht durch Kredite finanzieren muss, zeigt die Finanzkraft des familiengeführten Unternehmens. Neue Formate wie Huffington Post beobachtet man deshalb zwar mit leichtem Argwohn. Über den Umsatz, den Frau Huffington mit Ihrem Angebot generiert, können Hearst-Manager gleichwohl nur müde lächeln.


Dossier

Medienpolitik

Die neuen technischen und inhaltlichen Entwicklungen der digitalen Medien sind eine Herausforderung für Medienmacher, Publikum und Politik. Journalisten müssen beispielsweise immer mehr Informationskanäle beobachten und große Mengen an Daten auswerten. Für die Bürger können die Veränderungen in der Medienlandschaft zu einer stärkeren (politischen) Beteiligung führen und Medien werden genutzt, um für politische Belange Aufmerksamkeit zu erzeugen. Neue Entwicklungen wie soziale Medien oder das Internet der Dinge werden bezüglich des Daten- und Verbraucherschutzes kontrovers diskutiert. Das Dossier möchte Grundlagen zum Rundfunk- und Medienrecht vermitteln, die neuen Herausforderungen und Nutzungsmöglichkeiten aufzeigen und eine kritische Auseinandersetzung mit der sich ständig wandelnden Welt der Medien und der sie regulierenden Medienpolitik fördern.

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