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1.9.2012

The Hearst Corporation

Umsatz 2011: $ 3,800 Mrd. (€ 2,730 Mrd.)

Geschäftsfelder

Zeitungen und Zeitschriften
Der Konzern besitzt acht Wochenzeitungen und 15 Tageszeitungen, darunter "Houston Chronicle", "San Francisco Chronicle", "San Antonio Express-News", "Albany Times Union" oder "Seattle Post-Intelligencer". Hearst setzt stark auf die Online-Strategien seiner Zeitungen und misst Erfolge kaum noch an der verkauften Auflage. Wichtiger erscheint der Konzernleitung die erzielte Reichweite, die sich durch das Internet vervielfacht hat. Dieser Ansatz gilt analog für die Magazinsparte. Insgesamt erreichen die Magazine 74 Millionen US-Leser in der Zielgruppe der über achtzehn Jährigen. Mit einer Auflage von 2,6 Mio. Exemplaren ist die Frauenzeitschrift "Cosmopolitan" seit Jahren das erfolgreichste Blatt der 18 Hearst-Titel in den USA. Dazu kommen "Esquire" (1,8 Mio. Auflage), "Good Housekeeping" (5,1 Mio.), "Harper's Bazaar", "Marie Claire" und "Town & Country" (je rund 500.000). Die monatliche Gesamtauflage der Hearst-Titel liegt bei 20 Mio. Exemplaren. Darüber hinaus sind weltweit mehr als 100 Lizenzausgaben und eigene fremdsprachige Ausgaben auf dem Markt, die "Cosmopolitan" erscheint in 53 Ländern, in England erscheinen 19 Hearst-Magazine. Die Hearst Corp. war von Beginn an regional gut aufgestellt, und auch neue Online-Modelle beruhen auf der Publikation regionaler Inhalte. Neben regionalem Content sind es Special-Interest-Angebote, die maßgeblich zum Umsatz des Konzerns beitragen. Für viele Regionen und für viele Interessen oder Vorlieben gibt es eigene Print- und Online-Angebote. Hearst setzt zudem auf die Zielgruppe der ethnischen Gruppen. Besonders um die spanisch sprechenden US-Amerikaner bemüht sich das Unternehmen, die in vielen Regionen der USA schon die Bevölkerungsmehrheit bilden. Über rein spanische Titel und über spanische Beilagen in englischsprachigen Zeitungen wird versucht, diese Gruppen zu binden.

In den USA hat Hearst zusammen mit Oprah Winfrey, der bekanntesten Talkshow-Moderatorin Amerikas ("The Oprah Winfrey Show"), 2000 das Frauenmagazin "O" an die Kioske gebracht. Das Magazin wurde das erfolgreichste Start-up und verzeichnete mit seinen 2,7 Millionen Exemplaren eine höhere verkaufte Auflage als "Vogue". Allerdings lässt sich dieser Erfolg wohl nicht wahllos kopieren: Das 2003 nach demselben System gestartete Frauenmagazin "Lifetime Magazine" für Zuschauerinnen des Lifetime-Kabelfernsehens erfüllte die Erwartungen nicht und wurde innerhalb eines Jahres eingestellt. Dies hing vielleicht auch damit zusammen, dass nach einem Streit mit dem Satellitenbetreiber EchoStar (Dish Network in der Mediendatenbank) das "Lifetime Magazine" im Fernsehen zeitweise nicht zu sehen war. Entwicklungsmöglichkeiten der Zeitschriften und Zeitungen sieht der Konzern offenbar hauptsächlich im Internet. Mit der Kooperation mit dem Internetpionier Brightcove sicherte man sich die Möglichkeit, den Online-Auftritt von Zeitungen mit Videoproduktionen aufzuwerten.


Fernsehen und Radio
Hearst Television in Baltimore, Milwaukee und Pittsburgh umfassen zusammen 26 TV-Stationen sowie sieben Radiostationen. Von 1997 bis 2009 hieß die Abteilung Hearst-Argyle Television Inc.. und war als einziger Unternehmensteil an der Börse platziert. 2009 kaufte das Unternehmen die restlichen Anteile, nahm das Unternehmen von der Börse und benannte es in Hearst Television um. Insgesamt erreicht die Hearst Corp. mit seinen Sendern fünfzig Millionen Haushalte über das herkömmliche Fernsehen. In den letzten Jahren hat der Konzern durch verschiedene Akquisitionen versucht, die Reichweite durch Internet-TV auszubauen. Mit Erfolg: Während die Werbeeinnahmen im herkömmlichen TV um drei Prozent zurückgingen, stiegen sie im Netz um 48 Prozent. Wie NBC ist Hearst an der SlingMedia beteiligt. Mit der Sling Box kann jedes Programm, das im Wohnzimmer ankommt, auf jeden Screen der Welt umgeleitet werden. Verträge mit Kabel- oder Satellitenkunden können dadurch umstandslos in die mobile Welt erweitert werden.

Im Kabelfernsehen ist die Hearst Corp. über ein Joint Venture mit Disney zu 75 Prozent an den Arts & Entertainment (A&E) Television Networks beteiligt (NBC hält 25 Prozent). Zu A&E gehören erfolgreiche Kabelsender wie Arts & Entertainment oder The History Channel, der mittlerweile in 75 Ländern zu sehen ist. Ebenfalls gemeinsam mit Disney ist Hearst an Lifetime Television, dem brasilianischen Pay-TV-Sender "TVA" und den weltweit erfolgreichsten Sport-Kabelsendern ESPN und ESPN2 beteiligt. Man nutzte die Strategie der Mehrfachverwertung von Inhalten und den Erfolg starker Labels, als man im Juli 2002 das spanischsprachige "Cosmopolitan Television" startete. Zielpublikum sind 5 Mio. Zuschauer in Lateinamerika. Hearst verbindet weiter eine 50:50-Partnerschaft mit PRAMER SCA (Buenos Aires), einer Tochter von Liberty Media.


Online-Dienste
Hearst hat früh in Onlineaktivitäten investiert und im Gegensatz zu einigen anderen Konzernen auch nach dem Börsencrash am Beginn des Jahrtausends an seiner Strategie festgehalten. Der Grundgedanke war und ist, dass TV-Stationen, Buch- und Plattenläden physische Hindernisse auf dem Weg zum Konsumenten darstellen, die das Internet beseitigt. Zeitungen betrachtet das Management vor allem als Tor zu einem lokalen Markt und als einen wesentlichen Teil einer mehr oder weniger geschlossenen Gesellschaft. Ähnlich wie die WAZ Gruppe in Deutschland hat das Unternehmen seine lokalen Zeitungen allmählich zu einer großen Online-Community zusammengefasst, zu der auch Zeitungen aus anderen Konzernen gehören. Der "San Francisco Chronicle" und der "Houston Chronicle" sind Teil eines Konsortiums von 200 US-Zeitungen, die eine strategische Partnerschaft mit Yahoo! eingegangen sind. Man will auf diese Weise dem Konkurrenten Google auf dem umkämpften Anzeigenmarkt der Regionen begegnen. Strategische Partnerschaften gibt es deshalb auch mit Microsoft. Die Zuversicht ist groß, da man in einer Stadt wie Houston, wo man früher mit dem Chronicle 750.000 Leser erreichte, über kombinierte Websiten aller Hearst-Produkte mittlerweile 90 Prozent der Bevölkerung erreicht.

Produkte, die nicht massenkompatibel sind, weil die Nische, in der sie sich bewegen, zu klein erscheint, können durch das Netz durchaus erfolgreich sein. In den aufkommenden "virtuellen Welten", in denen sich die Avartare von Millionen Jugendlicher bewegen, versucht Hearst mit digitalen Magazinen eine neue Käuferschicht zu erschließen. In "Virtual MTV" wird Hearst zusammen mit dem Musiksender eine digitale Ausgabe mit dem Titel "Seventeen" herausgeben. Ein anderes Beispiel für ein neues Geschäftsmodell ist der Kartenverkauf des Sportstadions in Albany, der ausschließlich über die Website der Hearst-Zeitung "Albany Times Union" läuft und hohe Gewinne abwirft - mit dem Nebeneffekt, dass der Nutzerkreis der Website den Leserkreis erweitet. Auch steigt der Bekanntheitswert der Zeitungsmarke. Die Seite des "San Francisco Chronicle", die bezeichnenderweise "San Francisco Gate" heißt, ist die fünftgrößte Zeitungswebsite der USA. Nicht nur die Zeitungen, auch andere Medien können auf ähnliche Erfolge im Netz verweisen. So verzeichnen die Webseiten der lokalen Rundfunkstationen insgesamt 1,2 Milliarden Besucher im Jahr.

UGO.com ist vor allem für Männer gemacht, mit den üblichen Themen Autos, Sport und Frauen. highschoolplaybook.com, die in den USA besonders populäre High School-Sportveranstaltungen via Handy, TV und Internet verbreitet, wird vermutlich auch eher von Männern genutzt. Mit HomeArts.com und Women.com verfügt Hearst über zwei der populärsten Online-Adressen für Frauen. Zusammen mit den Fox Studios produziert Hearst eine Serie von zwei bis drei Minuten "Webisodes", die auf der Seite von cosmogirl.com laufen werden. Die strategische Partnerschaft mit Fox soll dabei helfen, die bestehenden Marken mit originären TV-Inhalten zu versorgen. Dazu kommen gut zwei Dutzend business-to-business Angebote sowie Hearst Interactive, das in Start-ups der Netzökonomie investiert. Wie jedes große Medienunternehmen versucht Hearst, eine eigene Online-Gemeinde zu bilden und zu pflegen.

Im November 2006 beteiligte man sich mit einer Summe von 10 Millionen Euro an der Plauderseite Gather.com. Verglichen mit der Summe, die Rupert Murdoch für MySpace bezahlte (580 Millionen USD), stellte das Geschäft eine übersichtliche Investition dar. Answerology, von Hearst im März 2008 übernommen, ist eine typische Acquisition. An dieser erst 2005 gelaunchten Seite kann man auch sehen, wie tönern die Füße sind, auf denen zum Teil große Investitionen ruhen (über den Kaufpreis wurde stillschweigen vereinbart). Answerology soll eine Gemeinde anziehen, die an der "Weisheit und den objektiven Ratschlägen" anderer User interessiert sind. Die Seite passe zu dem Verständnis, so ein Firmensprecher, das Hearst vom "Service Journalismus" habe. Der Fragensteller kann auf der Seite sogar Wünsche äußern, von wem er eine Antwort bekommen möchte – etwa von einem "22-25 jährigen, männlichen Intellektuellen aus Boston"! Vielversprechender ist da vielleicht das Hearst Digital Network, das alle Zeitschriftentitel des Konzerns auf einer Website bündelt. Eine eigene Produktionsfirma (Hearst Digital Media) versorgt die Seiten mit Multimediabeiträgen.

Bei Hearst Digital Media laufen mittlerweile alle Onlineaktivitäten zusammen. Im Februar 2008 einigte sich Hearst mit dem Mobilfunkhersteller Nokia über eine Zusammenarbeit. Hearst trat dem Nokia Media Network bei, mit dem weltweit mehr als 100 Millionen Mobilfunknutzer erreicht werden können. Aus dem gleichen Grund beteiligte sich Hearst an Kaango. Wie mit eBays Kijiji können Netzseitenbetreiber über Kangoo Werbung auf ihre Seiten aufnehmen und dann von den Clicks profitieren. Mit 11 Verlagshäusern, zu denen auch der New York Times Verlag gehört, hat sich Hearst außerdem auf eine strategische Online-Partnerschaft geeinigt, um die Immobilienanzeigen für die Zeitungen zu sichern. Große Hoffnung ruht auf dem Projekt Skiff, das Hearst zusammen mit anderen Verlagen finanziert. Skiff soll in diesem Jahr einen e-Reader herausbringen, der die Abhängigkeit der Verlage von Apples iTunes gar nicht erst entstehen lässt. Eigene Hardware und offene Software soll die Verleger im Geschäft halten.

Die Seiten der lokalen Rundfunkstationen verzeichnen 1,2 Milliarden Besucher im Jahr. Auch hier hat sich die regionale Basis der Geschäftsmodelle als Vorteil erwiesen. Als der Sturm "Katrina" New Orleans zu Teilen vernichtete, erhielt die Bevölkerung die verlässlichsten Nachrichten von den Hearst-Webseiten WDSU in New Orleans und WAPT in Jackson. Flüchtlinge verließen sich vor allem auf die Nachrichten der Lokalsender, was wiederum andere Sender bewog, die Beiträge zu übernehmen. Auftrieb hat seither auch der Online-Wetterkanal des Konzerns, den Hearst zusammen mit NBC betreibt. NBCweatherPlus.com ist eine Zusammenfassung lokaler Wetterstationen.


Produktion und Vertrieb
Mehrere Produktionsfirmen bedienen eigene und fremde Sender. Hearsts Produktionsfirmen beliefern, etwa den Discovery Channel mit Dokumentar-Programmen. Als Produzent von Zeichentrick, Reality-Sendungen und TV-Movies kooperiert die Hearst Corp. mitunter auch mit dem ZDF. Hearst verfügt über zwei Distributionsfirmen, die für den Vertrieb der Produktionen sorgen. Lakeshore Entertainment bedient den internationalen Markt, Tribune Entertainment die USA.


Sonstige
Der Konzern hat aus seinen Erfahrungen mit IT ein Kerngeschäft entwickelt. Es widerspricht der Philosophie des Konzerns nicht, dass mittlerweile eine Health-Care-Sparte gibt. Medizintechnik ergänze das Firmenportfolio, so der Vorstand. Es handle sich hier um eine technisch hoch entwickelte Branche, die Rückstände in der IT-Nutzung habe. Auch die Finance-Sparte passte eigentlich in das Protfolio eines Unternehmens wie Hearst, dessen große Acquisitionen meist cash finanziert werden. Wie der Kauf der Argyle-Aktien zeigt, lässt sich die Familie nicht gern in die Bilanz schauen.


Dossier

Medienpolitik

Die neuen technischen und inhaltlichen Entwicklungen der digitalen Medien sind eine Herausforderung für Medienmacher, Publikum und Politik. Journalisten müssen beispielsweise immer mehr Informationskanäle beobachten und große Mengen an Daten auswerten. Für die Bürger können die Veränderungen in der Medienlandschaft zu einer stärkeren (politischen) Beteiligung führen und Medien werden genutzt, um für politische Belange Aufmerksamkeit zu erzeugen. Neue Entwicklungen wie soziale Medien oder das Internet der Dinge werden bezüglich des Daten- und Verbraucherschutzes kontrovers diskutiert. Das Dossier möchte Grundlagen zum Rundfunk- und Medienrecht vermitteln, die neuen Herausforderungen und Nutzungsmöglichkeiten aufzeigen und eine kritische Auseinandersetzung mit der sich ständig wandelnden Welt der Medien und der sie regulierenden Medienpolitik fördern.

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