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1.9.2012

TF1 S.A.

Umsatz 2011: € 2,620 Mrd.

Geschäftsfelder

Zum Zeitpunkt der Privatisierung vor 25 Jahren bestand TF1 aus einem Fernsehsender, einem Werbezeitenvermarkter und einer Filmproduktion. Heute sind es drei (bald vier) frei empfangbare Vollprogramme, zwölf Spartensender im Pay-TV und 25 weitere Filialen, von Eventproduktion bis Teleshopping.

Kern des Unternehmens ist nach wie vor der gleichnamige, überaus erfolgreiche Fernsehsender, in seiner populären Ausrichtung mit RTL vergleichbar. „La Une“ sorgt für rund 60% des Konzernumsatzes. Die noch immer überdurchschnittlich guten Quoten basieren zu einem hohen Grad auf Importware, d.h. auf erwiesen publikumstauglichen US-Serienformaten („The Mentalist“, „Dr. House“, „Grey’s Anatomy“, „CSI“), plus die üblichen Casting- und Reality-Formate.

Die zahlreichen Aktivitäten, die Patrick Le Lay nach und nach aufgebaut hat, sind im wesentlichen Ergänzungen zum Geschäft mit TF1. Mit der Diversifikation soll die Abhängigkeit vom Werbemarkt verringert und die Kontrolle über die Verwertungskette erhöht werden. So ist TF1 Entreprises der Vermarktungsarm für Lizenzen, Spiele, Musik-CDs und die Verlagsfiliale TF1 Publishing. TF1 Publicité vermarktet die TF1-Gruppe, TF1 Droits Audiovisuels verwaltet und erweitert den (Filme-)Rechtekatalog, auf TF1vision.com werden Kino- und TV-Programme on-demand vertrieben. Mit TF1 Films Production ist man als Koproduzent für internationale Kinofilme aktiv, TF1 Production wiederum kümmert sich senderintern um die Programmproduktionen (Fernsehfilme und -serien, Entertainment, Dokumentationen, Sport). Das 1998 gegründete e-TF1 betreut den Auftritt des Senders im Internet, auf Mobiltelefonen und in allen „emerging media“.

Neben den weiteren frei empfangbaren Sendern NT1 (2010 von der Groupe AB zu 100% übernommen) und TMC (80% , 20% gehören nach wie vor dem Fürstentum Monaco) bietet der Konzern im Pay TV mehrere Themenkanäle an: LCI (100%, Nachrichten), TF6 (Télévision Nouvelle Génération, 50/50 Joint Venture mit M6), Série Club (50/50 Joint Venture mit M6, TV-Serien), TV Breizh (100%, bretonisches Regional-TV) und den „Pôle Découverte“ (100%, drei Pay TV-Kanäle): Stylia (vormals Odyssée, Dokumentationen zu den Themen l’art de vivre, l’élégance, luxe), Histoire (Geschichte), Ushuaia TV (Ökologie, Nachhaltigkeit).

Eine besondere Stellung nimmt Eurosport ein, das TF1 2001 zur Gänze übernahm. Die Sendergruppe (Eurosport France, Eurosport International, Eurosport 2, Eurosportnews, Eurosport Asie Pacifique) ist nach eigenen Angaben die „führende internationale Entertainment Plattform im Sport“. Eurosport wird in 20 Sprachen an 125 Mio. TV-Haushalte in 59 Ländern gesendet und berichtet über 120 Sportarten, überwiegend live. Dieses Angebot wird in Italien seit 2004 durch das frei empfangbare Satellitenprogramm Sport Italia ergänzt.

Von dem 50-prozentigen Anteil an dem weltweit empfangbaren, frankophonen Nachrichtensender France24 (die andere Hälfte hält die öffentlich-rechtliche Sendergruppe France Télévisions) hat sich TF1 mittlerweile getrennt. France 24 geht zusammen mit den anderen internationalen Sendern TV5 und Radio France International (RFI) auf in der staatlichen Rundfunkgesellschaft AEF (Audiovisuel Extérieur de la France). TF1 erhielt im Gegenzug zwei Millionen Euro.

Investitionen auf einem anderen Sektor werden am 28.7.2011 gemeldet. TF1 kauft 65,7% der Gratis-Tageszeitung Metro France für etwa sechs Millionen Euro vom schwedischen Metro-Konzern (TF1 besitzt 34,3% bereits seit 2003). Eine schlüssige Begründung fällt zunächst schwer: Metro France macht Verluste (1,2 Mio. Euro 2010, 2 Mio. Euro im ersten Halbjahr 2011), der Markt ist umkämpft (weitere Gratiszeitungen in Frankreich sind 20 Minutes und Direct Matin). Für TF1 aber soll der Titel (als „etablierte Marke“ mit durchschnittlich 760.000 verteilten Exemplaren pro Tag) Paolinis Strategie einer Diversifikation unterstützen. Eine ungewohnte Branche ist es allemal für den Fernsehkonzern TF1. So ungewohnt, dass die Topmanager ihre neue Umsonstzeitung einmal sogar selbst verschenkten, u.a. TF1-Generaldirektor Nonce Paolini. Am 13.10.2011 stand er frühmorgens mit grüner Kappe am Ausgang des Bahnhofs Saint-Lazare, um etwas über die Wirklichkeit eines Zeitungsverteilers zu lernen.


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