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1.9.2012

TF1 S.A.

Umsatz 2011: € 2,620 Mrd.

Aktuelle Entwicklungen

Die Vorherrschaft im französischen Zuschauermarkt ist ungefährdet; 2011 konnte TF1 einen Marktanteil von 23,7% erzielen (2010: 24,5%). Damit bleibt der Sender das publizistische Flaggschiff im französischen TV. Sein Nachrichtenformat „20 heures“ versammelt jeden Abend bis zu sieben Millionen Zuschauer vor dem Fernseher – Europarekord.

Aber das sind nur Zahlen auf Papier. Waren es 2008 eben noch 10 Millionen, die die Hauptnachrichten schauten, waren es 2009 noch 26,1% und 2005 sogar 32,3%, die TF1 übers Jahr eingeschaltet hatten. Die 2011er Quote von 23,7% bedeutet für TF1-Verhältnisse insofern nichts anderes als ein untrügliches Zeichen für einen dauernden Sinkflug. In den vergangenen fünf Jahren, schreibt Telerama im Juni 2011, hat der Sender ein Viertel seiner Zuschauer verloren. In erster Linie verursacht durch die Zuwächse beim terrestrischen Digitalfernsehen TNT, gegen das Le Lay so lange gekämpft hat. Man sieht: nicht an allem ist Nonce Paolini schuld, natürlich nicht. Da in Frankreich sieben von zehn Haushalten ihr Programm über die Hausantenne empfangen, da über TNT heute 19 statt wie früher (d.h. bis zum Start des TNT am 31.3.2005) nur sechs Kanäle empfangbar sind, ist die dominante Position von TF1 nach dieser quasi-tektonischen Verschiebung... einfach weniger dominant als früher. So sieht es auch PDG Paolini in einem Interview zum 25. Jubiläum der Privatisierung von TF1: „Trotz des heftigen Konkurrenzkampfs verfügt TF1 nach wie vor über einen sehr soliden Zuschauer-Marktanteil von etwa 23% - ein Wert, der Spitzenkräfte in den europäischen Medien durchaus beeindruckt.“ (L’Express vom 13.4.2012) Kaum vorstellbar ist im Rest Europas auch die Tatsache, dass 2011 von den 100 quotenstärksten Programmen Frankreichs nicht weniger als 99 auf TF1 liefen. Finanziell war 2011 kein gutes Jahr für TF1. Schien die große Wirtschaftskrise doch 2010 überwunden, mit einem um über zehn Prozent gestiegenen Konzernumsatz und einem verdoppelten Nettogewinn, so hinterließ das Jahr 2011 einen faden Nachgeschmack: Der Umsatz stagnierte, der Gewinn sank um 20%, der Aktienkurs hat sich fast halbiert.

Manifest wurde der schleichende Abstieg von TF1 besonders am 9. Mai 2011. An diesem Montagabend schauten nur 5,8 Millionen die Nachrichten um 20 Uhr („la grande messe“). Auf dem öffentlich-rechtlichen France 2 waren es fünf Millionen, eine Quotendifferenz von nur 3,3%, die geringste seit Beginn der Messungen. Eine Katastrophe. Libération widmete damals der „Krise bei TF1“am 13.5.2011 sogar den Titel und schrieb: „Nichts geht mehr, seit Nonce Paolini 2007 die Zügel übernommen hat“. Dann ging es Schlag auf Schlag. Bei den Präsidentschaftswahlen 2012 gab es, verglichen mit der Konkurrenz von France 2, geringere Einschaltquoten sowohl am Abend des ersten Wahlgangs, als auch beim großen Duell zwischen Sarkozy und Hollande zwischen den Wahlgängen und am Abend des zweiten und entscheidenden Wahlgangs. Das Wirtschaftsblatt „La Tribune“ nannte TF1 gleich „den anderen Verlierer der Wahl“. Laurence Ferrari tritt am 30.5. von ihrem Posten als Anchor-Woman der 20 Uhr-Hauptnachrichten zurück.

Letzte Meldung aus „Le Figaro“ vom 30.5.2012: Hier wird auf die Gerüchte von der Wiedereinführung der Werbung auf den öffentlich-rechtlichen Sendern France 2 und France 3 verwiesen, die Sarkozy im Januar 2009 zwischen 20.00 Uhr und 6.00 Uhr abgeschafft hatte. Was bedeuten würde, dass die 200 Mio. €, die France 2 und France 3 am Abend mit Werbung erwirtschaften könnten, auch und vor allem bei TF1 ein Schlag ins Kontor wären. Die Börse vom 30.5. reagiert unmittelbar, der TF1-Titel sinkt um 4,8% auf 6,10 €.


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