LED-Fernseher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin

1.9.2012

3. ProSiebenSat.1

Umsatz 2011: € 2,756 Mrd.

Geschäftsfelder

Die ProSiebenSat.1 Media AG ist auf allen Stufen der TV-Wertschöpfung aktiv. Dies umfasst Produktions- und Distributionsaktivitäten sowie die Vermarktung (Werbezeiten, Multimedia, Merchandising). Die Strategie des Konzerns zielt auf den Ausbau seiner Position auf dem Free-TV-Markt und im Internet sowie die Stärkung von Randbereichen (Diversifikation). Der neue Vorstandschef Ebeling kündigte (ähnlich wie seine Vorgänger) an, bis 2014 30 Prozent der Einnahmen außerhalb der Werbung erzielen. Im Zuge kontinuierlicher Konzernumbau-Maßnahmen bemüht sich P7S1 immer wieder sowohl um Konzentration auf Kernkompetenzen wie auch um Expansion.

1.) Free-TV
Kernstück des Unternehmens sind die inzwischen in der "German Free TV Holding" zusammengefassten Sender Sat.1, ProSieben und Kabel 1, die 2009 einen durchschnittlichen Zuschauermarktanteil (Zuschauer ab 3 Jahren) von 21,9 % erreichten. ProSiebenSat.1 beziffert seinen Anteil auf dem Markt der deutschen Fernsehwerbung auf 43 Prozent (Stand 2009). 2010 erreichte die deutsche Sendergruppe bei den "werberelevanten" Zuschauern zwischen 14 und 49 Jahren insgesamt einen Gesamtmarktanteil von 28,5 Prozent (nach 28,8 Prozent im Vorjahr, bereinigt um den verkauften Nachrichtensender N 24). Im Jahr 2010 erreichte Pro Sieben in dieser Zielgruppe 11,6, Sat.1 10,7 und kabel eins 6,2 Prozent.

Ein wichtiger Schritt zu Synergien und weiteren Einsparungen ist die 2009 vollzogene "Bündelung der inländischen TV-Aktivitäten", das heißt der Umzug des Berliner (vormals Mainzer bzw. Hamburger) Senders Sat.1 ins Sendergruppen-Hauptquartier nach Unterföhring. Den Rückzug vom Standort Berlin komplettierte 2010 der Verkauf von N 24, das als nicht mehr zum Konzern gehöriger Nachrichtenkanal noch auf Jahre hinaus allen Sendern der Gruppe Nachrichten zuliefern soll. Seitdem sämtliche deutschen P7S1-Sender unter einem Dach sitzen, wird besonders emsig an Synergieeffekten gearbeitet. Anfang 2010 wurde die Ebene von für einzelne Sender zuständigen Chefredakteuren abgeschafft.

1a) Sat.1
Der Sender, für den aktuell Vorstandsmitglied Andreas Bartl die Verantwortung trägt (nachdem Guido Bolten, der 2008 Geschäftsführer Matthias Alberti abgelöst hatte, im Januar 2010 ausschied), ist 2009 trotz Mitarbeiter-Protesten und des ersten Streiks im deutschen Privatfernsehen aus Berlin nach Unterföhring umgezogen. Beim Publikumserfolg erlebt Deutschlands ältester Privatsender seit je ein heftiges Auf und Ab. 2006 hatten Quotenbringer wie die Telenovela "Verliebt in Berlin" (bis zu 38,6 Prozent Marktanteil bei den "Werberelevanten") und US-Serien wie "Navy CIS" (bis zu 22,0%) sowie ein verbessertes Kostenmanagement dazu geführt, dass Sat.1 nach Konzernangaben "zur Riege der profitabelsten TV-Sender im deutschen TV-Markt" gehörte; der durchschnittliche Marktanteil lag bei 11,3%. Seither rangiert er überwiegend unter der 11-Prozent-Marke. Mutige Entscheidungen wie die zu einer Hauptnachrichtensendung, die wie die ARD-"Tagesschau" um 20.00 Uhr beginnt, und zur Ausstrahlung teuer hergestellter deutscher Fiction-Serien zahlten sich kaum aus. Es kam zu zahlreichen Umstrukturierungen; N24-Geschäftsführer Torsten Rossmann etwa wurde zeitweilig zum weiteren Geschäftsführer ernannt. Große Teile der Berliner P7S1-Unternehmen gingen 2009 im Rahmen einer Auslagerung an die konzernfremde Fernsehwerft GmbH über. Auch machten nur wenige Berliner Sat.1-Mitarbeiter den Umzug nach Bayern mit - was dem Konzern zur Einsparung durchaus zupass kam. Inzwischen ist von rund 500 bei Sat.1 entfallenen Stellen die Rede.

War das Sat.1-Programm 2009 noch von kostspieligen Flops wie den Neuverpflichtungen Johannes B. Kerners, des langjährigen Multi-Talkers des ZDF, und Oliver Pochers (dessen erfolglos gebliebene Late-Night-Show im Frühjahr 2011 endet) gekennzeichnet, so gab es 2010 Image-trächtige und wirtschaftlich relevante Erfolge. Sat.1 konnte seine langjährigen, häufig vergeblichen Bemühungen um deutsche Fernsehserien mit den Publikumserfolgen "Danni Lowinski" und "Der letzte Bulle" krönen, die beide fortgesetzt werden. Die Bestseller-Verfilmung "Die Wanderhure" erwies sich im Oktober 2010 mit einem Zielgruppen-Marktanteil von 32,4 Prozent als erfolgreichstes "Eventprogramm" des Senders seit 2003. Auch der Erwerb teurer Fußballrechte für die reanimierte Fußball-Show "ran" (in der Sat.1 schon bis 2003 von der Fußball-Bundesliga berichtet hatte) erwies sich als richtig, als mit Bayern München 2010 erstmals seit 2002 wieder eine deutsche Mannschaft das Champions League-Finale erreichte. Mit zeitweise mehr als zwölf Millionen Zuschauern bescherte das Endspiel Sat.1 einen Marktanteil 45,8 Prozent in der Zielgruppe (bei allen Zuschauern: 43,8 Prozent).

1b) ProSieben
Zumeist knapp unter der 12-Prozent-Marke liegt Pro Siebens Zielgruppen-Marktanteil aufs Jahr gesehen (2010: 11,6 Prozent, 2009: 11,9 Prozent). Traditionell erfolgreich sind Hollywood-Blockbuster wie "Fluch der Karibik", die Marktanteile von bis zu 40% erreichen. Zu den wesentlichsten Erfolgsgaranten gehört Stefan Raab, der im März 2009 das zehnjährige Jubiläum seiner viermal pro Woche ausgestrahlten Show "tv total" beging. Mit der Samstagabendshow "Schlag den Raab" entwickelte er einen veritablen Exportschlager. 2010 sorgte der Dauerbrenner für noch spektakulärere Erfolge, als er sich im Vorfeld des "Eurovision Song Contest" zum lange kaum für möglich gehaltenen Joint Venture mit der öffentlich-rechtlichen ARD zusammenfand und in einer Reihe von abwechselnd auf Pro Sieben und in der ARD übertragenen Shows die Sängerin Lena Meyer-Landrut als deutsche Teilnehmerin bestimmte - deren Song "Satellite" den Song Contest tatsächlich auch noch gewann. Selbst wenn die Einschaltquoten vor allem der ARD zugute kamen - ein gewaltiger Image-Erfolg für Pro Sieben (den der im Sendezeit-Ausfüllen äußerst routinierte Raab auch für seine eigenen Shows zu nutzen vermochte). Ende 2010 verlängerte Raab seinen Vertrag mit dem Sender um fünf Jahre. Auch 2011 ist Raab außer in zahllosen, teils schwächelnden Pro Sieben-Shows ("tv total Wok-WM") auch in Kooperation mit der ARD in Song Contest-Sendungen unterwegs.

Ebenfalls langfristig erfolgreich laufen Castingshows wie "Popstars" (bis zu 30%) und "Germany´s next Topmodel" mit Heidi Klum; das Finale der dritten Staffel erreichte 30,0 Prozent Marktanteil in der werberelevanten Zielgruppe. Mit zahlreichen Begleitaktivitäten zwischen Zeitschrift, Internet und Computerspiel entwickelte sich "GNTM" zu einem Paradebeispiel für die crossmediale Vermarktung, die P7S1 als eine Kernkompetenz betrachtet.

1c) Kabel1, N24 und Sixx
Der Zielgruppen-Marktanteil von Kabel1 steigt auch 2010 (6,2 Prozent; 2009: 6,1, 2008: 5,5 Prozent). Anstelle von Wiederholungen von Spielfilmklassikern aus Leo Kirchs Archiven, die das Programm des einstigen "Kabelkanals" früher bestimmten, prägen vor allem Dokutainment-Formate das Profil des Senders.

Der als Nachrichtenkanal bezeichnete Sender N24 (der freilich im Abendprogramm längst vor allem US-Dokumentationen à la "Job am Limit: Einsatz im Atomkraftwerk" zeigte) erreichte 2008 bei den "Werberelevanten" 1,3 und beim Gesamtpublikum 1,0 Prozent der Zuschauer. Seit dem Wegzug von Sat.1 war er das einzige ProSiebenSat.1-Standbein in der Hauptstadt - bis er im Juni 2010 durch Verkauf aus dem Konzern ausschied. Schon 2009 hatte der neue Vorstandschef Ebeling mit der Interview-Aussage, dass Nachrichten im Fernsehen "für das Image bei Politikern wichtig" seien, "aber nicht unbedingt bei allen Zuschauern", Medienpolitiker verärgert. Nach langen Verkaufsverhandlungen erwarb die neuformierte N24 Media GmbH, hinter der der frühere "Spiegel"-Chefredakteur Stefan Aust und N24-Geschäftsführer Torsten Rossmann (mit jeweils 26 Prozent) sowie weitere Manager stecken, den Sender und die Berliner Produktionsgesellschaft "MAZ & More". Das komplexe Geschäft beinhaltet bis Ende 2016 (für die Zulieferung sämtlicher Nachrichtenformate der Sender Sat.1, ProSieben und kabel eins) bzw. bis 2014 (für die Erstellung des Sat.1-Frühstücksfernsehens und des "Sat.1-Magazins") laufende Zulieferungsverträge mit P7S1. Die Herauslösung von N24 aus der Sendergruppe lässt sich P7S1 41 Mio. Euro kosten, erwartet aber (weil N24 für die Nachrichtenzulieferung knapp die Hälfte der bislang veranschlagten Summe, rund 30 Millionen Euro pro Jahr, erhalten soll) ab 2011 positive Effekte "in einer jährlichen Größenordnung von mehr als 25 Mio. Euro." 2011 während der in allen Mediengattungen viel beachteten Katastrophe in Japan machte sich das Fehlen von nachrichtenjournalistischer Expertise im Konzern bemerkbar.

Trotz des N24-Verkaufs schrumpfte die Anzahl der deutschen P7S1-Sender nicht. Im Mai 2010 ging, zunächst nur digital (mit etwa 40 Prozent technischer Reichweite), "Sixx" auf Sendung. Geschäftsführerin Katja Hofem-Best, die zuvor für Discovery Communications den deutschen Männersender Dmax aufgebaut hatte, will damit ein Fernseh-Äquivalent zum Segment der zahlreichen Frauenzeitschriften schaffen. Der Frauensender kündigte an, zunächst auf Unterbrecher-Werbung zu verzichten und stattdessen mit Sonderwerbeformen (und Werbekunden, die bisher nicht im TV, sondern nur in der Presse warben) zu experimentieren. Gezeigt werden u.a. Oprah Winfrey-Shows und Serien, deren Rechte aus Output-Deals der Sendergruppe mit amerikanischen Studios stammen.

1d) Vermarktung
Beim konzerneigenen Werbezeitenvermarkter SevenOneMedia stellte das Bundeskartellamt im Juni 2007 Unterlagen sicher, die wettbewerbswidrige Absprachen belegen sollten. Dabei ging die Behörde, wie zugleich auch beim Werbezeitvermarkter IP (RTL), Hinweisen über so genannte "Share Deals" (Werbezeitvermarkter gewähren Mediaagenturen hohe Rabatte, wenn diese einen großen Anteil Werbespots bei ihnen buchen) nach. ProSiebenSat1 erklärte sich zur Zahlung eines Bußgeldes von 120 Millionen Euro bereit, um weitere Untersuchungen abzuwenden (ebenso wie RTL, das 96 Millionen Euro zahlen musste). Diese Strafe und die erforderliche Umstellung des Rabattsystems, die den Unterföhringern schlechter gelang als RTL, belasteten ProSiebenSat1 lange erheblich. 2009 wurden die Konzernfirmen SevenOne Media und SevenOne Interactive zum "mit Abstand größten medienübergreifenden Vermarktungsunternehmen im deutschen Werbemarkt" fusioniert. Seit 2010 ist dieses zu einem Viertel am gemeinsam mit G + J Electronic Media Sales (Gruner + Jahr/ Bertelsmann), IP Deutschland (RTL-Group/ Bertelsmann) und Tomorrow Focus (Burda) gegründeten Joint-Venture "Ad Audience" beteiligt. Das deutsche Unternehmen soll mit der gewaltigen Online-Werbemacht von Google konkurrieren. Inzwischen empfinde sich SevenOne, so der Branchendienst meedia.de, "nicht mehr nur als TV-Vermarkter, sondern als Bewegtbild-Vermarkter".

2.) TV-Produktion und -Vertrieb
Immer wieder werden bei P7S1 der Ausstieg aus der und der Einstieg in die Fernsehproduktion verkündet. Bemühungen, die ProSiebenSat.1-Produktion, die überwiegend als technischer Dienstleister fungiert, im Zuge einer Konzentration auf Kernkompetenzen zu verkaufen, blieben lange erfolglos. Daraus entwickelte sich u.a. 2008 die Übernahme der IT-Abteilung durch IBM im Rahmen eines Outsourcing-Vertrags; auch der geplante Ausbau eines neuen Playout-Centers in München war mit Stellenstreichungen verbunden.

2005 gründete das Unternehmen gemeinsam mit dem Produzenten Christian Popp die Firma "Producers at work" (PAW). Popp war zuvor für die Herstellung der erfolgreichen Telenovelas/Daily Soaps bei der zur Bertelsmann AG gehörenden UFA tätig. Während Konkurrent RTL im Bereich der TV-Produktion mit Firmen wie UFA und der Fremantle Media blendend aufgestellt ist, bleibt der Erfolg von "Producers at Work"-Produktionen noch oft aus. So wurden 2008 die am Donnerstag nacheinander programmierten Sat.1-Serien "Plötzlich Papa - Einspruch abgelehnt" und "Dr. Molly & Karl" vorzeitig abgesetzt. Die Telenovela "Anna und die Liebe" knüpfte erst spät an den erhofften "Verliebt in Berlin"-Erfolg an. Inzwischen produziert PAW auch für konzernfremde Unternehmen (wie ZDF/ ORF). Daneben wurden weitere Produktionsfirmen wie die "Red Seven Entertainment", die Unterhaltungsformate inhouse produzieren soll anstatt sie an externe Produzenten zu vergeben, und die PAW-Tochter "Magic Flight Film" gegründet. Beide sind inzwischen Teil der 2010 neu gegründeten Red Arrow Entertainment Group, die auch "die internationale Expansion der Gruppe im Bereich Produktion, Programmvertrieb und Formatentwicklung vorantreiben" soll. Alte und neue Beteiligungen (wie an der belgischen Produktionsfirma "Sultan Sushi") und Kooperationen (wie mit dem schwedischen Produzenten Pontus Gårdinger) werden hier gebündelt. 2010/11 machte die Internationalisierung einige beachtliche Fortschritte (siehe unten, "aktuelle Entwicklungen").

Darüber hinaus zum Konzern gehört die internationale Vermarktungsabteilung SevenOne International, die die Eigenproduktionen der Gruppe weltweit vertreibt: Zu einem gewaltigen Exporterfolg entwickelte sich das von der (konzernunabhängigen) Brainpool AG für ProSieben entwickelte Format "Schlag den Raab". Adaptionen der Sendung, bei der Zuschauer den Moderator Stefan Raab herausfordern und im Falle eines Sieges bis zu 500.000 € einstreichen können, laufen in 14 Ländern zwischen England und China. SevenOne International vertreibt Produktionen Dritter, aber auch eigene Produktionen wie die in acht Länder zwischen Frankreich und der Ukraine verkaufte Telenovela "Verliebt in Berlin" international. Die dabei erzielten Gewinne werden nicht veröffentlicht.

3.) Transaktions-TV
Um die Abhängigkeit vom Werbemarkt zu verringern, übernahm ProSiebenSat.1 im Juni 2005 sämtliche Anteile an der Euvia Media AG, die den Call-In-Sender 9Live und den Reise-Shoppingkanal sonnenklar.tv betreibt. 9Live finanziert sich hauptsächlich durch Telefonanrufe. Der Umsatz dieses Geschäftsbereichs verdoppelte sich im Vergleich zunächst nahezu (auf 95,8 Mio. Euro). Wollte der heftig umstrittene Sender sich 2006 noch "durch innovative Programmformate" von Mitbewerbern abgrenzen, führten mehrere Kurswechsel ab 2008 nicht zu Erfolg. Eine neue Sendung der einstigen WDR- und Sat.1-Moderatorin Margarethe Schreinemakers erreichte Marktanteile zwischen 0,0 und 0,2 Prozent und wurde eingestellt ("Tagesspiegel"). Mit Programmideen wie Teleshopping und Gewinnspiele für Minderjährige (vgl. dwdl.de) erregt der Sender bei Medienkritikern Ärger, macht aber keine guten Geschäfte mehr. 2010 versucht 9Live mit einer "Multiplayer-Skill-Gaming-Plattform" sein Geschäftsmodell ins Internet zu verlängern, doch beklagt der Konzern weiterhin Umsatzrückgänge im Transaktions-Geschäft, auch aufgrund der im März 2009 in Kraft getretenen "Gewinnspielsatzung der Landesmedienanstalten". Gerüchte, er könne den (nicht in die "German Free TV Holding" integrierten) Sender verkaufen, kommen immer wieder auf und werden von Konzernseite dementiert.

4.) Digital/ Internet
Vor allem das Internet gewann bei den Konzernaktivitäten rasant Bedeutung. In der Konzernbilanz zählt der Digital/ Online-Bereich zu den Diversifikationsaktivitäten (die alles umfassen, was nicht zu den Bereichen Free TV- deutschsprachig und Free-TV international zählt, also Online, Basic Pay-TV, Call-TV, Video-on-Demand, Music, Licensing/Merchandising, Radio und Print). Ihre Erlöse lagen 2010 bei 373,2 Mio. Euro (2009: 357,6 Mio. Euro).

Bereits 2006 wurde das Video-on-Demand-Portal "maxdome" gestartet. Dank einer Kooperation mit dem Internetprovider United Internet (gmx, web.de) - von 2008 bis Ende 2010 50-prozentiger Miteigner - erreicht maxdome nach eigenen Angaben rund 200.000 aktive Nutzer (Stand: 2009/10). Die Anzahl der in "Deutschlands größter Online-Videothek" verfügbaren Titel stieg inzwischen auf 35.000 und umfasst auch: Filme in HD-Qualität (High Definition), ZDF-Produktionen wie die zahllosen Rosamunde Pilcher-Verfilmungen sowie dank eines Rechtevertrags mit Universal Music über 1000 "Konzerte verschiedener Stilrichtungen". Zeitweise ließen sich bei Maxdome auf Kanälen wie "Schalke 04 TV" auch Fußballspiele verfolgen, die das Free-TV nicht übertrug. Seit 2010 strebt Maxdome wie zahlreiche Wettbewerber durch Kooperationen mit Hardware-Herstellern die Verbreitung auf hybriden Fernsehern und Receivern an, die das Internet aufs Fernsehgerät bringen sollen. SevenOne Media wiederum entwickelt eigene Sonderwerbeformen für den HbbTV-Standard.

2008 neu eingeführte Videoportale der Free-TV-Sender wie www.ProSieben.tv, auf denen Eigenproduktionen wie "Galileo" und aktuelle "Germany`s next Topmodel"-Folgen meist zumindest eine Woche nach der TV-Ausstrahlung kostenlos abrufbar sind, sind ebenfalls mit dem (überwiegend) kostenpflichtigen maxdome-Angebot verbunden. Der Anlauf, diese Angebote mit entsprechenden des Mitbewerbers RTL zu einem "deutschen Hulu" zusammenzulegen, scheiterten 2011 zunächst am Bundeskartellamt (siehe "aktuelle Entwicklungen").

2006 erwarb die Sendergruppe Anteile an den Onlineplattformen "MyVideo.de" (einer deutschen Variante der erfolgreichen amerikanischen Bewegtbild-Webseite "Youtube") und "lokalisten.de" (seit 2008 zu 90 Prozent in P7S1-Besitz; 2009 zumindest nach PageImpressions unter den zehn erfolgreichsten deutschen Webseiten), die es Nutzern erlauben, eigene Inhalte im Internet zu präsentieren und sich untereinander zu vernetzen. So wie die Verlagsgruppe Holtzbrinck (Mediendatenbank), die "StudiVZ" erwarb, erkannte auch ProSiebenSat.1 Vermarktungspotentiale auf diesem Gebiet. Viele Inhalte wie zeitweise etwa die (von der konzerneigenen "Producers at work" hergestellte) Telenovela "Anna und die Liebe" tauchten auf mehreren konzerneigenen Plattformen auf. Unter dem Label "MyVideo Prime TV" vermarktet P7S1 2009 mit monatlich 1,45 Millionen Zuschauern bzw. Unique Usern (2010: 2,5 Mio.) "eine der größten vermarktungsfähigen Reichweiten im Bereich Bewegtbild im deutschsprachigen Internet." Seit 2011 kooperiert das ProSiebenSat1-Unternehmen SevenOne Media auch mit Axel Springer und übernimmt "die exklusive Zweitvermarktung von Werbeplätzen" von dessen Online-Angeboten wie bild.de.

Bereits 2007 übernahm der Konzern eine Mehrheitsbeteiligung an der Ratgeberplattform "wer-weiss-was.de", 2008 eine an "Webnews.de", einem "Social-News"-Angebot, das auf den Erfolg des US-Angebots "digg.com" spekuliert. Bei Webnews ist Holtzbrinck Minderheitspartner. Außerdem wurde "Feeem Media" (inzwischen: "fem.com") erworben, ein Internetportal für Frauen. Das entsprach Marktforschungs-Ergebnissen, denen zufolge weibliche Zielgruppen im Internet noch nicht hinreichend adressiert würden und Engagements konkurrierender Medienkonzerne im selben Segment (Springer: aufeminin.com, Burda: bequeen.de). Inzwischen firmiert die "strategischen Allianz der Frauen-Angebote von ProSiebenSat.1" unter dem Namen 2010 gestarteten digitalen Fernsehsenders "Sixx".

Die Preissuchmaschine "billiger.de", ebenfalls mehrheitlich 2007 erworben und noch 2008 Objekt von Internationalisierungs-Bestrebungen, wurde wieder verkauft, da "eine sinnvolle Vernetzung zu unserem TV-Content jedoch kaum realisierbar" schien.

5.) Pay-TV
Bei SevenSenses wird das Pay-TV Angebot des Konzerns gebündelt, das in Deutschland in den Kanälen "Sat.1 Comedy" und "kabel eins classics" besteht. Die wenigen Eigenproduktionen dieser Sender wie die zeitweise produzierte "Die Niels Ruf-Show" ("Sat.1 Comedy" und zeitweise auf Sat.1) werden teilweise auch über "Maxdome" angeboten.

6.) weitere Diversifikation
Seit 2005 betreibt das Unternehmen in Kooperation mit Warner Music das Label "starwatch music", das eigene Künstler aufbauen und vermarkten soll. Die Popband "Monrose", die als erster Sieger aus der ProSieben-Show "Popstars" hervorging, ist bei diesem Label ebenso unter Vertrag wie der deutsche Swingsänger Roger Cicero und der irische Sänger Chris der Burgh. Das "Künstlermanagement von familieneigenen und -fremden Stars" zählt zur Mission des Unternehmens. Angekündigt wurden die "Gründung eines Profit Centers für Live-Entertainment" wie "Public-Viewing-Events" zu "Germany's next Topmodel". Mit der 2010 ins Leben gerufenen Agentur "talent management agency" stieg Starwatch Music wiederum "ins Künstler-Management ein". Auch die ZDF-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein steht dort unter Vertrag (die während der Fußball-WM 2010 allerdings nicht als besonders gut beratene öffentlich-rechtliche Journalistin auffiel).

Die 2006 gegründete ProSiebenSat.1 Mobile krankte daran, dass sich Handy-TV bislang nicht in Deutschland durchsetzte. Die Spiele-Plattform "sevengames.com" und deren Ableger für Handy-Empfang sollen am wachsenden Markt für Computerspiele und für Multiplayer-Online-Games partizipieren. ProSiebenSat.1 beteiligte sich mit neun Prozent am US-amerikanischen Spieleproduzenten ZeniMax. Auch in diesem Segment werden Synergien gesucht. Beispielsweise erschloss SevenOne Interactive "Germany's next Topmodel" für das In-Game-Advertising, das heißt band Werbepartner (die Kosmetikmarke Maybelline Jade und den Einzelhändler C&A) in das begleitende Online-Spiel "Germany's next Topmodel - the Game" ein.

Zu weiteren Neuentwicklungen der ungemein umtriebigen Diversifikationssparte zählen das Liveshopping-Portal prosiebenproducts.de ("Jeden Tag ein Mega-Deal!"), das in TV-Spots beworbene Produkte (auch aus der eigenen Markenwelt "We love") online verkauft, und die konzerneigene Mobilfunkmarke "Fyve".


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