LED-Fernseher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin

1.7.2011

6. Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck

Umsatz 2010: € 2,260 Mrd.

Management

Mit seinen mehr als 50 Tochterunternehmen und den 13.872 Mitarbeitern ist der Mutterkonzern ein relativ anonymes Gebilde geblieben. Eine eigene Markenpolitik wird nicht betrieben und man versucht, keine unnötige Aufmerksamkeit zu erregen. Die Unternehmensphilosophie beruht auf Qualität, Dezentralität und Individualität. Die Verlagsgruppe gliedert sich in vier Geschäftsbereiche: Publikumsverlage, Bildung und Wissenschaft, Zeitungen und Wirtschaftsinformationen und elektronische Medien und Services. Bei bestimmten Zielgruppen, etwa Wissenschaftlern oder Geschäftsleuten, nimmt Holtzbrinck eine führende Stellung ein. Mit seinen renommierten Buchverlagen kann es der schwäbische Verbund an Geltung mit dem wirtschaftlich potenteren Rivalen Bertelsmann leicht aufnehmen. "Die anderen mögen größer sein, wir aber haben Fischer und Rowohlt", soll der Firmengründer Georg von Holtzbrinck auf dem Totenbett gesagt haben. Hinzu kommt eine Reihe bedeutender Regionalzeitungen, der "Tagesspiegel" in Berlin und das bekannte Wochenblatt "Die Zeit". Seit dem überraschenden Ausscheiden Dieter von Holtzbrincks Ende Juni 2006, des "stillen Tycoons", als Gesellschafter und Aufsichtratsvorsitzender hält Stefan von Holtzbrinck die Zügel des Unternehmens fest in der Hand. Dieter, der den Konzern 20 Jahre lang geleitet hatte, legte seine Planungen und Investitionsrechnungen langfristig auf mindestens zehn Jahre an. Als Motto galt: "Firma geht vor Familie", wonach mind. 80% der Gewinne in die Firma reinvestiert werden mussten. Gezielt akquirierte er Regionalzeitungen, die beim fälligen Generationenwechsel Probleme bekamen und bei denen sich mehrere Familienstämme um die Führung stritten. Das Beste seien gezielte Zukäufe bei notleidenden Unternehmen, die saniert werden müssen, glaubte Dieter. Die moderierende Art der Unternehmensführung seines Bruders Dieter und die Fokussierung auf langfristige Ziele will Stefan fortführen. Das Verhältnis zwischen Dieter und Stefan von Holtzbrinck soll zunehmend schwierig gewesen sein. Während sein älterer Stiefbruder zuweilen zu mehr Vorsicht riet, setzt Stefan von Holtzbrinck heute vermehrt auf wirtschaftliche Expansion abseits des Kerngeschäfts. Stefan widmet sich dem Ausbau des digitalen Geschäftsbereichs. Im Jahr 2011 soll nach seiner Vorstellung etwa ein Viertel des Gesamtumsatzes im Internet erwirtschaftet werden. Mit langfristigen, partnerschaftlichen Kooperationen will man die Zukunft der Verlagsgruppe als wettbewerbsfähiges "Mittelstandsunternehmen" (Konzernangabe) sicherstellen. Stefan lenkt sein Reich über eine Holding, die mit nur rund 70 Mitarbeitern relativ schwach besetzt ist. Er hält viel von der Führungsphilosophie "Steuern durch Nicht-Steuern";. Konzerndenken sei ihm "fremd";, gestand er in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Die "intellektuell-kreative Tätigkeit" der Lektoren und Verleger in seinem Haus stünde dem entgegen. Jeder Mitarbeiter habe die "größtmögliche Freiheit, seinen Ideen und Geschäften nachzugehen: In unserem Haus finden Sie viele politische Facetten." Dieter von Holtzbrinck gab einmal kund, es sei nicht mehr zeitgemäß, eine inhaltliche Linie exakt vorzugeben: Es käme auf die "Sozialpflichtigkeit der Journalisten" an, sie müssten fair die komplexen Zusammenhänge von vielen Seiten darstellen. Er selbst sah sich als "Sparringspartner der Chefredakteure". Dabei ist dem unscheinbaren Verlag eine prononciert liberal-konservative Note wohl am liebsten. Eine politische Nähe zur CDU zeigte sich in der Vergangenheit bei einigen Personalien, etwa der Partnerschaft mit dem verstorbenen Kohl-Regierungssprecher und ehemaligem "Zeit-Herausgeber " Diether Stolze oder der zeitweise engen Allianz mit Kohl-Freund Kirch über den Fernsehsender Sat.1. (Von 1990 bis 1992 war Stefan von Holtzbrinck zudem als Assistent der Geschäftsführung der Kirch-Gruppe in München tätig). Eine offene Parteinahme hat die Familie Holtzbrinck, die enge Beziehungen zu Israel über die Jerusalem Foundation unterhält, freilich immer vermieden. Starker Mann im Hintergrund war lange Zeit der Österreicher Michael Grabner, enger Vertrauter Dieter von Holtzbrincks, der beispielsweise persönlich die Sanierungsarbeit bei der Handelsblatt-Gruppe in Düsseldorf übernahm. Er wechselte im März 2007 – ein Jahr früher als geplant - in den Gesellschafterausschuss des größten österreichischen Verlagskonzerns "Mediaprint". Von einem abrupten Strategiewechsel will Stefan von Holtzbrinck aber nichts wissen. Den Geschäftsbereich Wirtschaftsinformationen übernimmt Finanzchef Dr. Jochen Gutbrod, der zuvor bereits bei Holtzbrinck Digital tätig war. Am 20. Juni 2007 erklärte der frühere baden-württembergische Ministerpräsident Lothar Späth (CDU) seinen Rücktritt vom Amt des Aufsichtsratsvorsitzenden. Späth, der diese Aufgabe erst im Juni 2006 von Dieter von Holtzbrinck übernommen hatte, begründete diesen Schritt mit kollidierenden Interessen aus seiner Vollzeittätigkeit als Deutschlandchef der Investmentbank Meryll Lynch. Die Bank betätigt sich vermehrt im Medienbereich. Die Anteile der Holtzbrinck-Verlagsgruppe teilen sich die Geschwister Monika Schoeller und Stefan von Holtzbrinck zu je 50%. Dieter von Holtzbrinck hat seine Anteile seit 2006 schrittweise in eine gemeinnützige Stiftung überführt.


Dossier

Medienpolitik

Die neuen technischen und inhaltlichen Entwicklungen der digitalen Medien sind eine Herausforderung für Medienmacher, Publikum und Politik. Journalisten müssen beispielsweise immer mehr Informationskanäle beobachten und große Mengen an Daten auswerten. Für die Bürger können die Veränderungen in der Medienlandschaft zu einer stärkeren (politischen) Beteiligung führen und Medien werden genutzt, um für politische Belange Aufmerksamkeit zu erzeugen. Neue Entwicklungen wie soziale Medien oder das Internet der Dinge werden bezüglich des Daten- und Verbraucherschutzes kontrovers diskutiert. Das Dossier möchte Grundlagen zum Rundfunk- und Medienrecht vermitteln, die neuen Herausforderungen und Nutzungsmöglichkeiten aufzeigen und eine kritische Auseinandersetzung mit der sich ständig wandelnden Welt der Medien und der sie regulierenden Medienpolitik fördern.

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