LED-Fernseher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin

1.7.2011

6. Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck

Umsatz 2010: € 2,260 Mrd.

Geschäftsfelder

Buch: Die Publikumsverlage sind der älteste Geschäftsbereich der Holtzbrinck-Gruppe. Heute setzt Holtzbrinck jährlich über 500 Mio. Euro mit Verlagen wie S. Fischer (Verlagsleitung: Monika Schoeller), Rowohlt (Alexander Fest), Kiepen-heuer & Witsch (Helge Malchow) und Henry Holt um. Es handelt sich aber um ein wenig einträgliches Geschäft, für das Holtzbrinck in der Vergangenheit Unternehmensberater wie McKinsey engagiert hat, um das Geschäftsergebnis insgesamt zu verbessern.

Wissenschaft und Bildung: Zu dem Geschäftszweig gehören „Scientific American“ mit dem Ableger „Spektrum der Wissenschaft" (Heidelberg), die Schulbuchverlage Schroedel (Hannover) und Diesterweg (Frankfurt) und vor allem die britische Macmillan Education Gruppe, die in Indien und China stark expandier. Dazu kommt die Nature Publishing Group, die die renommierte Wissenschaftszeitschrift „Nature“ verlegt und als Leitmedium wissenschaftlicher Publizistik für Biologen, Mediziner und Physiker gilt. Nur jedes zwölfte eingesandte Manuskript wird veröffentlicht. Weitere Wissenschaftsverlage sind u.a. Palgrave MacMillan, Digital Science/Digital Education und der US-Collegeverlag Macmillan New Ventures.

Holtzbrinck Medien: Holtzbrinck besitzt zwei überregionale Tageszeitungen, den „Tagesspiegel" in Berlin und das Wochenblatt „Die Zeit" in Hamburg. Das Segment Regionalzeitung umfasst fünf größere Blätter, darunter die „Saarbrücker Zeitung" (Holtzbrinck-Anteil: 52,3%) mit den angeschlossenen Tochterunternehmen „Lausitzer Rundschau" in Cottbus und „Trierischer Volksfreund" sowie „Südkurier" (Konstanz) und „Main-Post" (Würzburg).

In der deutschen Wirtschaftspublizistik ist Holtzbrinck die Nummer eins - dank der Düsseldorfer Handelsblatt-Gruppe („Handelsblatt", „Wirtschaftswoche", „VDI-Nachrichten" und etliche Fachpublikationen). Das Blatt „Euro“, in dem „DM“ aufgegangen war, wurde verkauft. Weiterhin besitzt die Gruppe eine Beteiligung an der europäischen Ausgabe der Wirtschaftstageszeitung „Wall Street Journal". Elektronische Medien: Drei Tochterunternehmen setzen die allgemeine Strategie für den digitalen Geschäftsbereich um: Holtzbrinck Ventures, Holtzbrinck eLab und Holtzbrinck Networks. Holtzbrinck eLab entwickelt in erster Linie eigene Internet- und Mobilanwendungen und beteiligt sich nur in Einzelfällen an extern kreierten Geschäftsmodellen, wozu der übernommene IT-Informationsdienst „Golem.de“ und das Gesundheitsportal „NetDoktor.de“ zählen (beide im Juli 2007). Beispiele für eigens entwickelte Geschäftsideen sind „autoplenum.de“, eine Informations- und Bewertungsplattform rund um das Automobil und die Vertical Commerce GmbH, die E-Commerce-Plattformen entwickelt und betreibt. Dr. Stephan Roppel leitet die Geschäfte bei Holtzbrinck eLab. Die 2000 gegründete Holtzbrinck Ventures GmbH beteiligt sich an jungen Unternehmen mit Risikokapital. Unter anderem wurden das Online-Netzwerk „StudiVz“, der Marktplatz für Handwerks- und Dienstleistungsauktionen „My Hammer“ und die größte Online-Partneragentur im deutschsprachigen Raum „Parship“ übernommen. Seit Juli 2012 im Portfolio: DropGifts, ein Portal für Online-Gutscheine.

Für strategische Investments ist die Holtzbrinck Networks GmbH zuständig. Langfristige Beteiligungen werden in den Bereichen E-Commerce, Online Portale, Online Abonnements und E-Travel angestrebt. Zum Unternehmen gehören beispielsweise die auf den Büchervertrieb spezialisierte Firma „buecher.de“ und meinestadt.de, einem lokalen Suchportal für deutsche Städte.

Von StudiVZ, welches nach eigenen Angaben 2,5 Millionen Studierende erreichte, versprach sich Holtzbrinck gute Einnahmen aus zielgruppengerechter Werbung. Probleme bereitete die Internationalisierung von StudiVZ: Ausländische Ableger von StudiVZ konnten schon zu Beginn in Spanien und Italien nicht recht Fuß fassen. Ende 2008 wurde dann endgültig das Aus für die Plattformen studiQG (Frankreich), studiLN (Italien), estudiLN (Spanien) und studentIX (Polen) bekannt gegeben. Im Juni 2012 folgte dann das Aus für die deutschen VZ-Seiten. Nachdem das Portal 80 Prozent seiner Nutzer an Konkurrent Facebook verloren hatte, beschloss der Holtzbrinck-Verlage ein strategische Neuausrichtung. StudiVZ und SchülerVZ wurden in "Poolworks", bzw. "Idpool" umbenannt und konzentrieren sich künftig auf Bildungsangebote.

Services: Zum Unternehmen gehört nach dem Verkauf von zahlreichen Radiobeteiligungen sowie von seinem 47-prozentigen Anteil am Nachrichtensender n-tv noch die TV-Produktionsfirma AVE, die die Firmen Spektrum TV und Zeit TV besitzt. Diese Firma stellt u.a. politische Talkshows her. Langfristig könnte AVE zum Spezialisten der Verlagsgruppe für das Internet- und Mobilfernsehen aufgebaut werden. Seit Dezember 2006 hält der Konzern auch 40,3% der Anteile an Gute Laune TV, einem Sender rund um deutsche Schlagermusik.


Dossier

Medienpolitik

Die neuen technischen und inhaltlichen Entwicklungen der digitalen Medien sind eine Herausforderung für Medienmacher, Publikum und Politik. Journalisten müssen beispielsweise immer mehr Informationskanäle beobachten und große Mengen an Daten auswerten. Für die Bürger können die Veränderungen in der Medienlandschaft zu einer stärkeren (politischen) Beteiligung führen und Medien werden genutzt, um für politische Belange Aufmerksamkeit zu erzeugen. Neue Entwicklungen wie soziale Medien oder das Internet der Dinge werden bezüglich des Daten- und Verbraucherschutzes kontrovers diskutiert. Das Dossier möchte Grundlagen zum Rundfunk- und Medienrecht vermitteln, die neuen Herausforderungen und Nutzungsmöglichkeiten aufzeigen und eine kritische Auseinandersetzung mit der sich ständig wandelnden Welt der Medien und der sie regulierenden Medienpolitik fördern.

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