LED-Fernseher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin

1.9.2012

5. Hubert Burda Media Holding GmbH & Co

Umsatz 2011: € 2,745 Mrd.

Geschichte und Profil

Im Jahr 1926 tritt der 23-jährige Franz Burda in die kleine Offenburger Druckerei seines Vaters ein. Ein Jahr später erreicht die Druckerei mit der Herstellung der "Süddeutschen Radio-Zeitung Sürag" ihre Kapazitätsgrenze, was den promovierten Volkswirtschaftler zu einem reichen Mann macht. 1933 hat die "Sürag", der Vorgänger von "Bild + Funk", bereits eine Auflage von 60 000 Stück. Mit dem "Dritten Reich" arrangiert sich der in die NSDAP eingetretene Franz Burda trefflich; er produziert Karten und Luftbildpläne für das Militär. Nach Kriegsende unter den französischen Besatzungstruppen darf Burda Schulbücher, Briefmarken und eine Soldatenzeitung drucken. Der Druckspezialist, dem die Technische Hochschule Karlsruhe den Titel Ehrensenator verleiht, wandelt 1954 seine neue Zeitschrift "Das Ufer" in "Bunte Illustrierte" um. Die "Bunte" wird die Grundlage für eine forcierte Expansion. Während Burdas Frau Aenne mit einem Schnittmusterverlag ("Burda Moden" - 2009 in "burda style" umbenannt) Erfolge feiert, kauft der "Senator" Zeitschriften (u.a. "Freundin") und etabliert 1948 den publicity-trächtigen Medienpreis "Bambi". Während sich seine Söhne Franz und Frieder für Druck, Technik und Finanzen des Verlagshauses interessieren, wird der jüngste Sohn Hubert (Jahrgang: 1940) auf verlegerische Aufgaben vorbereitet. Der promovierte Kunsthistoriker muss 1970 sein erst 1969 gestartetes Männermagazin "M" wieder einstellen und arbeitet ab 1976 als Chefredakteur der "Bunten". Sein Vater lanciert weitere Blätter wie "Freizeit-Revue" oder "Glücksrevue". 1983 erwirbt Franz Burda 24,9 Prozent am Axel-Springer-Verlag (Axel Springer AG in der Mediendatenbank). Nach seinem Tod im September 1986 bekommen in einer 'Realteilung' Franz und Frieder Burda Vertriebsfirmen, Papierfabriken und Beteiligungen wie das Springer-Aktienpaket (das sie 1988 an die Verlegerwitwe Friede Springer verkaufen) zugesprochen. Der längst in München residierende Hubert Burda bekommt den Burda-Verlag, den er mit neuen Titeln nach vorne bringen will.

Zunächst muss Hubert Burda allerdings eine schwere Niederlage wegstecken: 1992 scheitert die Boulevardzeitung "Super", die der "Bild"-Zeitung vor allem beim ostdeutschen Publikum Konkurrenz machen sollte. Abrupt zog sich der australische Verleger Rupert Murdoch, auf dessen langfristiges Engagement bei der Zeitung Burda finanziell angewiesen war, aus dem Projekt zurück. Ein Erfolg werden hingegen das in Lizenz herausgegebene Frauenmagazin "Elle", ebenso deren deutsches Pendant "Lisa", die in Ostdeutschland sehr verbreitete Wochenzeitschrift "Super Illu", und vor allem das 1993 zusammen mit Helmut Markwort als Chefredakteur eingeführte Montagsmagazin "Focus". Das Projekt, dem kaum ein Beobachter eine reale Erfolgschance eingeräumt hat, war der Versuch, das Meinungsmonopol des "Spiegel" zu brechen und ähnliche Auflagenzahlen zu verzeichnen. "Es kann nicht sein, dass die Wirklichkeit nur aus einer Sicht gespiegelt wird", so Hubert Burda. Der Erfolg gibt ihm recht: Das Magazin verändert die Presselandschaft im Bereich wöchentliche Nachrichten in Deutschland. Zeitweise tragen die Gewinne des Focusmagazins ein gutes Drittel des Burda-Verlagsgeschäfts.

In den neunziger Jahren beteiligt sich Burda mit dem Partner RCS Rizzoli (Kooperation von 1995 bis 2004) an der Hamburger Verlagsgruppe Milchstraße ("TV Spielfilm"), die er 2004 ganz übernimmt. Zugleich übernimmt er mithilfe des Zwischenhändlers Hans Barlach, damals Verleger der Boulevardzeitung "Hamburger Morgenpost", die Gruner+Jahr-Tochter "Magazinverlag am Fleetrand" und legt die darin erscheinende Programmzeitschrift "TV Today" mit dem Konkurrenten "TV Spielfilm" zusammen. Beide Titel sind seither sowohl "nebeneinander konkurrierende Medienmarken" mit "zwei völlig separaten Titelbildern", als auch "Deutschlands größter Werbeträger unter den Kaufzeitschriften" mit identischem Inhalt. Die Burda Holding steigt zum damals größten Anzeigenvermarkter auf. Aus dem Zeitungsgeschäft verabschiedet sich der Medienkonzern 2005, um das Portfolio zu bereinigen und sich auf Zeitschriften und Internet zu konzentrieren: Die "Schweriner Volkszeitung" wird an den Schleswig-Holsteiner Zeitungsverlag verkauft, der 100 Arbeitsplätze streicht. Burda trennt sich auch von seinen 2.055 teilzeitbeschäftigten Zustellern.

Frühe Internet-Träume wie Europe Online (1994), das in Kooperation mit AOL Europe zum größten Internetprovider Europas aufsteigen sollte, scheiterten (1996 beendet der Konzern die Zusammenarbeit, 2002 meldet Europe Online Insolvenz an). Doch baut Burda die Sparte Burda Digital massiv aus. Längst wirft sie Gewinne ab (2008: 19,5 Prozent). 2005 ruft Hubert Burda die Digital Life Design (DLD) ins Leben: eine Konferenz in München, die digitale Innovationen auf den Gebieten Spiele, Kunst, Wissenschaft zum Gegenstand hat und Medienexperten, Politikern und Managern die Möglichkeit zum Austausch bietet. 2007 stellt etwa Nicholas Negroponte auf der DLD seine "One Laptop per Child"-Intiative vor, mit der er Kindern aus strukturschwachen Ländern Zugang zur digitalen Welt verschaffen möchte. Zugleich verspricht sich Hubert Burda Medien eine Vorreiterrolle bei der Gestaltung der Digitalisierung. Dass 2010 die Teilnahme an der DLD-Conference nicht mehr gratis ist, sondern rund die Hälfte der zugelassenen Teilnehmer eine Gebühr von 2.500 Euro entrichtete, passt perfekt ins Bild der Bemühungen, mit Online-Einnahmen die zurückgehenden Erlöse aus dem klassischen Geschäft zu ersetzen.

Die Jahre 2009/2010 bilden eine Zäsur in der Unternehmensgeschichte, insofern dass Hubert Burda das operative Geschäft an seine lange aufgebauten Nachfolger übergab.


Dossier

Medienpolitik

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Dossier

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