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1.9.2012

5. Hubert Burda Media Holding GmbH & Co

Umsatz 2011: € 2,745 Mrd.

Management

Verleger Hubert Burda
Bis 2009 war das Verlagsunternehmen ganz auf den Alleinbesitzer Hubert Burda zugeschnitten, der auch dem Vorstand vorstand. Tatsächlich nutzte der omnipräsente Chef dieses Jahr dann wie angekündigt "zur Sicherung einer kontinuierlichen Führungsnachfolge in seinem Unternehmen": Zum Jahreswechsel 2010 übernahm Finanzvorstand Paul-Bernhard Kallen den Vorstandsvorsitz, der dann am 9. Februar seinen 70. Geburtstag "rauschend" (siehe "bunte.de") begehen und als "glücklichster Verleger Deutschlands" (meedia.de) nette Laudatios ("Er ist auch der einzige Mensch, den ich kenne, der mit einer gewissen Wollust Luhmann im Bett lesen kann", dichtete etwa Hanser-Verlags-Chef Michael Krüger in der "FAZ") genießen konnte.

Künftig will Hubert Burda "als geschäftsführender persönlich haftender Gesellschafter seine verlegerische und unternehmerische Richtlinienkompetenz wie bisher aktiv und in vollem Umfang wahrnehmen". Wie er dem "Spiegel" sagte, sollen in "zehn bis fünfzehn Jahren" seine Kinder die Führung des Konzerns übernehmen, der weiterhin ganz in Familienbesitz bleiben solle.

Wie eh und je (und auch 2010/11, etwa in seiner fortbestehenden Eigenschaft als Präsident des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger) hatte Hubert Burda auch in seinem letzten Jahr als operativer Chef, 2009, Gespür für Themensetzung auf der Höhe der Zeit bewiesen. So wurde seine Äußerung (auf der von seinem Unternehmen veranstalteten "Digital Life Design-Konferenz") von den "lousy pennies", die sich im Internet lediglich verdienen ließen, geradezu sprichwörtlich. Ebenso breit zitiert: seine Attacken gegen Internet-Angebote der öffentlich-rechtlichen Sender und den Suchmaschinen-Giganten Google. Seine Artikel wie "Journalismus im Internet/ Wir werden schleichend enteignet", der sich in der "FAZ" vor allem gegen "Google News" wandte ("Onlinewerbung funktioniert. Aber sie landet vor allem bei Suchmaschinen wie Google oder Yahoo"), wurden off- und online umfassend diskutiert (siehe Altpapier, Carta).

Schon seit Hubert Burda sich vom übermächtigen Bild des Vaters Franz emanzipiert und mit dem spektakulären Erfolg "Focus" auch als politischer Verleger etabliert hat, pflegt er den Gestus, klare Worte zu sprechen und einen patriarchalischen Führungsstil, um den Mitarbeitern das Gefühl zu geben, Teil einer großen Familie zu sein. Da wirkt die Haltung des Vaters ("Wir sind autoritär, aber mir machen's lustig") fort. Der Verleger malt und singt gern oder spielt Trompete, tritt als Kunst- und Kulturmäzen hervor und zeigt sich an Kunst und Wissenschaften (Hirnforschung) interessiert. Burda genießt sein schillerndes Image, das auch vom populären "Bambi" profitiert. Die glamouröse Preisverleihung, um deren Austragung längst deutsche Großstädte wie München, Berlin und andere konkurrieren, wird im ARD-Programm stets live übertragen. Dieser Vertrag läuft bis 2011; damit werde "das Engagement des Senders für Bambi und damit für das Haus Hubert Burda Media in der Vergangenheit gewürdigt", so eine Verlagsmitteilung.

Burda ist verheiratet mit der studierten Ärztin und Schauspielerin Maria Furtwängler, bekannt vor allem als niedersächische NDR-"Tatort"-Kommissarin und aus Filmen wie "Die Flucht" im ARD-Programm. Tief getroffen hat Burda der Tod seines Sohnes Felix 2001. Die Felix Burda Stiftung wurde 2002 ins Leben gerufen, um die Zahl der tödlichen Darmkrebserkrankungen zu reduzieren, indem sie für die Früherkennung wirbt.

Burdas Nachfolger
Zu seinem Nachfolger als Vorstandschef bestimmte Hubert Burda mit Paul-Bernhard Kallen einen Volkswirt und ehemaligen McKinsey-Berater. Kallen agiert als Vorstand Technologie, Finanzen, Ausland, dem die Geschäftsbereiche Burda Digital, die Tomorrow Focus AG, Direkt, Druck und die internationalen Töchter unterstehen. Seinen ersten Auftritt als neuer Chef hatte er Anfang 2010 bei der Burda-Veranstaltung DLD. Im Juni stellte er dann die Geschäftszahlen für 2009 (Geschäftsbericht/ PDF) - passend zu Burdas neuem "Social Media Newsroom" im Internet - auch in Form eines knapp zweiminütigen Youtube-Videos vor.

Auch strategisch hat Hubert Burda eine klare Regelung getroffen und Philipp Welte als starken Mann für die inländischen Verlage und verlagsnahe Dienstleistungen etabliert. Der ehemalige Burda People Group-Geschäftsführer war erst 2007 zu Axel Springer gewechselt, kam aber schon 2008 zurück, als Burdas langjähriger Stellvertreter im Vorstand, sein Schulfreund Dr. Jürgen Todenhöfer (jenseits der Branchengrenze durch Bücher wie "Wer weint schon um Abdul und Tanaya?" bekannt), in den Ruhestand ging. Seither organisiert Welte mit seinem "Change"-Programm den verschachtelten Konzern kräftig um. Im Sommer 2010 werden rund 40 Maßnahmen im Rahmen dieses Programms protokolliert.

Was mit zu Weltes schneller Rückkehr beigetragen haben dürfte: der schnelle Abschied der erst zum April 2008 überraschend als Cross Media-Vorstand verpflichteten Christiane zu Salm, Gründerin des umstrittenen "Transaktionssenders" 9Live, noch im selben Jahr (Pressemitteilung). Die Presse spekulierte intensiv über die Gründe ("Vielleicht war sie einfach zu amerikanisch, zu unbekümmert, zu jugendlich für das patriarchalisch geführte Haus", "SZ"; "Geklappt hat in ihrer kurzen Zeit bei Burda eigentlich nichts", "taz"). Damit ist vor allem das Geschäftsfeld Handy-TV gemeint, in dem sich Burda und die Verlagsgruppe Holtzbrinck engagierten, ohne es in Deutschland vorantreiben zu können.

Weitere Manager


Den Vorstandsposten für Finanzen gab Kallen im Juli 2010 und damit schon ein Jahr früher als zunächst geplant an seinen bisherigen Stellvertreter Holger Eckstein ab.

Zum Ende 2010 aus dem Vorstand aus schied der „1. Journalist“ des Konzerns und „Focus“-Gründer Helmut Markwort, Jahrgang 1936. Schon zuvor hatte er die Verantwortung für den „Focus“ und weitere Zeitschriftenbereiche an Welte abgegeben. Sein Nachfolger als "Focus"-Chefredakteur wurde nach schleppend vollzogenem Übergang zum 1. Juli 2010 Wolfram Weimer, gemeinsam mit Uli Baur. Über mögliche Rivalitäten zwischen Weimer und Markwort, der Herausgeber blieb, wurde gern spekuliert (u.a. weil Weimer den dank Fernsehwerbung besonders mit Markwort verbundenen Slogan "Fakten, Fakten, Fakten" durch "Relevanz, Relevanz, Relevanz" zu ersetzen ankündigte, siehe wuv.de). Nach gut einem Jahr musste Weimer seinen Posten tatsächlich wieder räumen (vgl. Presseecho im Altpapier). Das Magazin leitet seitdem allein der bisherige Co-Chefredakteur schon zu Zeiten Markworts, Uli Baur. Im März erschien seine 1000. Ausgabe, 2013 steht das Jubiläum des 20-jährigen "Focus"-Bestehens bevor.


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