LED-Fernseher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin

1.9.2012

5. Hubert Burda Media Holding GmbH & Co

Umsatz 2011: € 2,745 Mrd.

Geschäftsfelder

Die Burda Media Holding gliedert sich in die Geschäftsbereiche Verlag Inland und Verlag Ausland, Digital, Direktmarketing und Druck. Den größten Anteil am Umsatzerlös haben die Verlags-Bereiche. Im Jahr 2008 erwirtschafteten sie 686,9 (Inland) bzw. 419,9 Mio. Euro (Ausland). 2009 sanken diese Umsatzerlöse auf 606,6 bzw. 343,2 Mio. Euro. Es folgen die Bereiche Burda Digital, Burda Direktmarketing und Burda Druck. Im Jahr 2012 sollen die Bereiche Digital und Direktmarketing etwa die Hälfte des Gesamtumsatzes ausmachen. 2008 erwirtschafteten der Digital-Bereich 19,5 Prozent, 2009 dann bereits 23,9 Prozent der Umsätze. Das Direktmarketing trug 8,1 Prozent zum Gesamtergebnis bei.

2009 setzt der neue starke Mann bei Burda, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende und Zeitschriften-Vorstand Philipp Welte, sein nicht zuletzt auf Kostensenkung zielendes "Change-Programm" mit den "strategischen Dimensionen" "Concentrate. Integrate. Innovate" um, das er mit einer viel diskutierten E-Mail an die Mitarbeiter ("Auch die deutsche Industrie steckt mittlerweile in einem furchtbaren Abwärtstrudel und reißt die Welt der Medien über gekappte Marketing-Budgets sukzessive mit hinab in die Tiefe") einleitete.

Im Rahmen dieses Programms werden die Grenzen zwischen klassischen Geschäftsbereichen zusehends aufgehoben. So bündelte Burda als "deutscher Marktführer im Food-Journalismus" seine Marken dieses Segments (wie die Zeitschriften "Meine Familie & Ich", "Lust auf Genuss", den Fernsehsender TV.Gusto und Web-Angebote wie bongusto.de) unter dem Dach von "Burda Food.net". Mit der "Style Group" wurde "eines der größten deutschen Medienunternehmen mit journalistischen Angeboten für Frauen" aus der Burda People Group (u.a. "Bunte", "InStyle") und dem ebenfalls in München ansässigen Verlag Arabellastrasse ("Elle", "Freundin") mit gemeinsamer Online-Redaktion integriert. Ferner organisierte Welte das "Burda Community Network GmbH" als "höchst sensible 440-Millionen-Euro Schnittstelle zwischen der Markenwelt unserer Kunden und der Medienwelt unseres Hauses", also als zentrale Vermarktungsorganisation für Hubert Burda Media. 2010 wurde der Bereich "Burda Digital" neu strukturiert (siehe unten bei "Digital"; noch mehr Umstrukturierungen: weiter unten bei "Aktuelle Entwicklungen").


Verlag
Hubert Burda Media und seine Partnerverlage publizierten 2011 weltweit 311 Titel (2008: 261; 2009: 268; 2010: 303), davon 82 im Inland. Zur Verlagsgruppe gehören neben den oben genannten, neu formierten Einheiten die Medien Park Verlage in Offenburg („Freizeit Revue“, „Burda Modemagazin“, „Lisa“) und der Super Verlag („SUPERillu“) in Berlin.

Der Name Burda Yukom als Corporate-Publishing-Marke verschwindet 2012, nachdem Hubert Burda Media 2009 auch die 25,1 Prozent an der Gesellschaft übernahm, die zuvor noch der Unternehmensgründer Manfred Hasenbeck gehalten hatte. Das Geschäft mit Unternehmenspublikationen geht in der Burda Creative Group auf.

Die "Bunte", eines der Burda-Flaggschiffe, geriet 2010 in bösere Schlagzeilen des "Stern" (Gruner + Jahr): Die angebliche Beauftragung einer externen Agentur mit "Recherchen" über das Privatleben von Politikern wie Franz Müntefering und Oskar Lafontaine bescherte ihr viel Kritik - auch von Politikern wie der früheren Bundesjustizministerin Brigitte Zypries. Philipp Welte wiederum sprach gegenüber der "FAZ" wütend vom "journalistischen Sonnendeck des 'Stern'", vom "Irrglaube, man habe ein höheres Entrüstungsguthaben", und von "moralintrunkenen Hamburger Kollegen". Zur eskalierenden Aufregung verfasste "Bunte"-Chefredakteurin Patricia Riekel gleich mehrere Stellungnahmen. 2011 erzielte Burda in dieser Sache einen juristischen Erfolg gegen den "Stern".

Die Zahl der im Inland verkauften Zeitschriften geht kontinuierlich zurück, von 389 Mio. Exemplaren 2009 (2007: 398,5 Mio.) über "rund 350 Mio." (2010) auf "rund 331 Mio." (2011). Im rückläufigen Inlandsmarkt liefert sich Burda mit den Konkurrenten Bauer (Verlagsgruppe Bauer in der Mediendatenbank) und Gruner + Jahr dennoch weiterhin harte Kämpfe um die Marktführerschaft (siehe unten, aktuelle Entwicklungen).

Mit der WAZ-Gruppe und dem Vertriebsunternehmen MZV (Moderner Zeitschriften Vertrieb) schloss Burda 2009 eine "strategische Allianz für den nationalen Vertriebsmarkt". Das Gemeinschaftsunternehmen sieht sich inzwischen als "größter Zeitschriftenvertrieb Deutschlands". Diese Zusammenarbeit wurde im Werbemarkt weiter vertieft: Das Burda Community Network BCN übernahm die Vermarktung der Publikumstitel von Gong-Verlag und WAZ-Women Group.

Im Rahmen des "Change"-Programms wurden Titel wie die Internet-Zeitschrift "Tomorrow" und die Frauenzeitschriften "Young" und "Amica" eingestellt. Andererseits experimentiert Burda gern mit Probeausgaben. Zu aufgegebenen Projekten zählte etwa 2007 "Ivy", dessen potenzielle Reichweite zunächst noch auf 21 Millionen deutsche Mitglieder der LOHAS-Zielgruppe (Lifestyle of Health and Sustainability) geschätzt worden war. Nach zwei Monaten des Erscheinens aufgegeben wurde 2010 das nicht inhaltlich, aber in puncto Auflage ambitionierte wöchentliche Yellowheft "Chatter, das neue Starmagazin": Das auf Zeitungspapier gedruckte, 50 Cent billige Heft versprach Werbekunden ausdrücklich "500.000 Exemplare garantierte verkaufte Auflage!" und sollte Titeln der Rivalen Klambt ("Grazia", "Ok!" ) und Bauer Konkurrenz machen.

Zu nach Probeausgaben regelmäßig eingeführten Zeitschriften zählt das nun zweimonatlich erscheinende Heft "Mein schönes Land" - ein Versuch, am in allen deutschen Großverlagen fasziniert beobachteten Erfolg der Zeitschrift "Landlust" (Landwirtschaftsverlag GmbH, 48084 Münster) zu partizipieren. Auch "Donna", als "Mitglied der 'freundin'-Familie" ein "Magazin für Frauen ab 45", erscheint monatlich. Überhaupt bereichert Burda den Zeitschriftenmarkt immer wieder durch eine Fülle neuer Zeitschriften, die freilich überwiegend als "One-Shots" ausprobiert und im Erfolgsfall in niedriger Frequenz mit geringen Auflagen weiter erscheinen werden. Es handelt sich um Titel wie "Saveurs" nach der gleichnamigen französischen Marke der Éditions Hubert Burda, das von Burda-Journalistenschülern entwickelte "Hollyhome" (das "die Marktlücke zwischen Lifestyle- und Wohnmagazinen schließen" sollte), um "Instyle Sports" als Heft-im-Heft sowie eine neue Ausgabe des 2007 in der Printfassung eingestellten Lifestyle-Heftes "Max" (Berliner Zeitung: "An die einst große Marke ...erinnerten zuletzt ein Jahreskalender mit Erotikfotos und ein unwürdiger Internet-Auftritt"). Als Test eines ganz neuen Titels erschien ferner "Pavillon – Wohnen Garten Lebensart". Das Backmagazin "Sweet Dreams" ("richtet sich an Naschkatzen und Backfans") wird ab 2012 vierteljährlich erscheinen.

Vom Markt nahm Burda dagegen den "Freundin"-Ableger "Freundin Wellfit", der im zweiten Quartals 2011 immerhin mehr als 190.000 Exemplare verkaufte.

Direktmarketing
Burda Direct verfügt nach eigenen Angaben über 100 Mio. Kundenkontakte, 300 Dienstleistungsaufträge und 1.000 Mitarbeiter. Das Unternehmen ist in den Bereichen People & Data Dienstleistungen, Zeitschriftenabonnements, Vorteilsangebote, Sport-Marketing (Burda Sports Group) auch international aktiv. Angeboten werden Leistungen im Bereich E-Business und Customer Relationship Management (CRM), der Betrieb von Community-Plattformen sowie Call-Centern und die Verknüpfung von On- und Offline-Marketing.

Nach einer Neufassung des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb erregte Burda mit der Drohung Aufsehen, Call-Center von den inländischen Standorten Schwerin und Schutterwald nach Polen und Frankreich zu verlegen

Druck
Am Stammsitz des Unternehmens in Offenburg werden Massenblätter wie „Freizeit-Revue“, „Glücks-Revue“ oder „Lisa“ gedruckt, die anzeigenorientierten Blätter wie „Focus“, „Elle“ oder „Bunte“ in München. Hinzu kommt die Druckereien in Vieux-Thann (Frankreich). Wegen Überkapazitäten im europäischen Tiefdruckmarkt und Nachfragerückgang schloss der Konzern 2009 seine Tiefdruckerei im slowakischen Bratislava. 2011 baute Burda seine deutschen Druckkapazitäten durch den Zukauf der Nürnberger Druckerei U.E. Sebald aus der Insolvenzmasse der Schlott-Gruppe aus..

Digital
Der verschachtelte Digital-Bereich gilt schon länger als zweite tragende Säule des Verlags und soll zur wichtigsten aufsteigen. 2011 besteht er aus sechs Geschäftsfeldern mit rund 50 Beteiligungen: Consumer Electronics (u.a. "Chip", Online-Shops wie Cyberport), "elektronische Zeitung" (die zu rund 60 Prozent zur Burda-Gruppe gehörende, börsennotierte Tomorrow Focus AG, "Holiday Check", "Elite Partner"), Business Community (die rund 29-prozentige Xing-Beteiligung), Venture Portfolio (u.a. suite 101, "Glam"), Conferencing/Innovations-Plattform (DLD als Veranstalter der internationale Digitalkonferenz DLD) und Direktmarketing (Burda Direkt Services). Bei seiner Gründung 2010 sah sich "Burda Digital" als "eines der führenden europäischen Internetunternehmen mit Anbindung an ein Medienhaus": "Der Gesamtumsatz der Unternehmen und Beteiligungen beträgt 670 Millionen Euro, Burdas konsolidierter Anteil beträgt 380 Millionen Euro". Geschäftsführer sind Kallen und Jörg Lübcke (für Finance & Operations). 2011 trug die Sparte nach dem neuen Geschäftsfeldzuschnitt mit 937, 2 Mio. Euro bereits 43 Prozent zum Gesamtumsatz des Konzerns bei.

Die Tomorrow Focus AG entwickelt, betreibt und vermarktet rund 50 Marken im Internet (u.a. focus.de, tvspielfilm.de, max.de, fitforfun.de, cinema.de). Sie rangierte unter den deutschen Internet-Vermarktern 2010 auf Platz zwei hinter der Deutschen Telekom, belegt in den monatlichen Berechnungen der AGOF jedoch mitunter den ersten Platz (vgl. internetworld.de). Sie ist auch Teil der inzwischen kartellrechtlich gebilligten Allianz der deutschen Internet-Vermarkter Seven One Media (ProSiebenSat.1), G + J Electronic Media Sales (Gruner + Jahr/ Bertelsmann) und IP Deutschland (RTL-Group/ Bertelsmann). Dieses in Düsseldorf ansässige Unternehmen namens "Ad Audience" soll nach eigenen Angaben rund drei Viertel der deutschen Internetnutzer erreichen und vor allem mit der gewaltigen Werbemacht Googles konkurrieren.

Zu den wichtigsten Beteiligungen der Tomorrow Focus AG gehören Anteile an der HolidayCheck AG (inzwischen 80 Prozent) und der EliteMedianet GmbH. 2009 übernahm sie für rund 13 Mio. Euro auch die letzten 36,93 Prozent am Betreiber des hochprofitablen Partnervermittlungsportals elitepartner.de (nachdem sie 2007 für 58 Prozent 8,4 Millionen Euro bezahlt hatte). Die HolidayCheck AG betreibt ein Hotel-Bewertungsportal von und für Urlaubsreisende. Vor allem solche E-Commerce-Angebote, weniger redaktionelle Angebote, sorgen für Gewinne bei Tomorrow Focus.

Weitere im Lauf der Jahre angesammelte Burda-Beteiligungen, die von der Umtriebigkeit des Konzerns im Digitalgeschäft zeugen, sind u.a.: die sevenload GmbH, die eine Videoplattform nach YouTube-Vorbild betreibt und seit Dezember 2010 mehrheitlich zu Burda gehört, das Spiele-Portal GameDuell (21,45 %) und die Community Hallohund (Slogan: "Grund zum Wedeln"), die inzwischen zur Facebook-Seite umgewandelt wurde. Der Online-DVD-Verleih Amago wurde 2008 eingestellt. Im selben Jahr stieg Hubert Burda Media für einen ungenannten Kaufpreis bei "Glam Media" ein, dem nach eigenen Angaben reichweitenstärksten Frauennetzwerk im Internet (New York, Brisbane/ Kalifornien) und eine "der am schnellsten wachsenden globalen Medienmarken im Internet". Nach erfolgreicher Markteinführung von glam.de in Deutschland baute Burda 2009 wie auch erneut im Februar 2010 mit "mehr als 30 Millionen Euro" seine Beteiligung aus. "Glam ist das Netzwerkmodell der Zukunft. Wir können Reichweite aufbauen, ohne eigene Ressourcen einzusetzen", wurde Manager Marcel Reichart in der "FAZ" zitiert. 2009 startete mit brash.de ein nach gleichem Muster aufgebautes "Männernetzwerk". Außerdem übernahm Burda von der aufgelösten Bertelsmann-Beteiligung Lycos Europe GmbH die Wissenscommunity "Lycos iQ" (die anschließend in "Cosmiq" umbenannt wurde und 2011 an die gutefrage.net GmbH, eine Holtzbrinck-Tochter, verkauft wird) sowie vorübergehend via Tomorrow Focus eine Mehrheit am britisch-deutschen "Restplatzvermarkter" Adjug, der unverkaufte Werbeplätze im Internet vermittelt. 2011 reduzierte der Konzern seinen Anteil wiederum (auf 20 Prozent) zugunsten der japanischen Dentsu Inc..

Eine als "riskant" (meedia.de) eingestufte Investition ins Digitalgeschäft war 2011 Burdas Einstieg beim US-Unternehmen Ubermedia, einem Entwickler von Anwendungen für das Microblogging-Netzwerk Twitter: Burda Digital hat über die internationale Investmentgesellschaft DLD-Ventures für 5,6 Millionen Dollar einen unbezifferten Anteil erworben. Weniger riskant dürfte die Übernahme von ebalance.de, einem "Ernährungsportal zum Abnehmen und Gewicht halten", vom Berliner Unternehmen Thesis health GmbH sein.

Seine vielleicht spektakulärste Transaktion tätigte Burda Digital im Herbst 2009 durch den Kauf von 25,1 Prozent des deutschen Business-Netzwerks Xing - nachdem zuvor über den Kauf des börsennotierten Unternehmens durch den US-Wettbewerber LinkedIn spekuliert worden war. Damit avancierte Hubert Burda Media zum größten Aktionär der AG und ist nun auch auf dem zukunftsweisenden Feld der sozialen Netzwerke vertreten. Das Netzwerk konnte im September 2010 mehr als zehn Millionen Mitglieder vermelden (davon 4,2 Mio. in Deutschland) und verfügt, weil rund sieben Prozent der Nutzer einen kostpflichtigen Account haben, über eine solide Einnahmebasis. Eine Erhöhung des inzwischen bereits rund 29-prozentigen Burda-Anteils an Xing wird erwogen.

Vor dem Hintergrund von Hubert Burdas regelmäßiger Kritik an Google und dessen Google News sorgte ferner der Start der eigenen Nachrichtenaggregatoren finanzen100.de (seit 2011 vollständig im Besitz von Burdas TomorrowFocus) und nachrichten.de ("FAZ": "Ein Nachrichtenportal ganz ohne Redakteure") in Deutschlands Medienszene für Aufsehen. Für diese Online-Angebote werden hunderte von Online-Nachrichtenquellen durchsucht, die Gewichtung bleibt allein Algorithmen überlassen. Die Urheber der Inhalte sollen an den Werbeerlösen beteiligt werden. Von durchschlagenden Erfolgen dieser Geschäftsidee, die auch bereits Nachahmer fand (M. DuMont Schauberg betreibt die traditionsreiche Netzeitung seit 2010 ohne Redaktion) war allerdings nicht mehr zu hören.

2010 hatte sich der wortmächtige Verlagsvorstand Welte wiederholt aufsehenerregend skeptisch über Internetangebote geäußert, etwa in einem Horizont-Interview, dass fast alle journalistischen Internet-Angebote in Deutschland "tief defizitär" seien, und angekündigt, der Konzern werde "einen nicht unerheblichen Teil" seiner "verlagsgetriebenen Online-Aktivitäten auf ein notwendiges Minimum herunterfahren". Ob diese auch als "Dusk", also "Abenddämmerung", bezeichnete Neustrukturierung der Burda-Onlineangebote mit kleineren Aktionen wie der Einstellung des Frauenportals bequeen.de und des Klatschportals vipdip.de bereits abgeschlossen ist, blieb unklar. Vor dem Hintergrund, dass sich mit dem focus.de-Chefredakteur (und Tomorrow Focus-Co-Geschäftsführer) Jochen Wegner einer der wenigen langjährig profilierten Internetjournalisten Deutschlands aus dem Konzern verabschiedete, regten Weltes Äußerungen Debatten unter Bloggern (Thomas Knüwer: "Das angekündigte Harakiri des Hauses Burda") und Mediendiensten an.

Ausgestiegen ist Burda Digital 2011 aus der burda:ic GmbH: Der Publisher von Online-Spielen wurde an ProSiebenSat.1 verkauft und firmiert inzwischen unter dem Namen seiner erfolgreichen Plattform "alaplaya".

Rundfunk und digitaler Rundfunk
Die Burda Broadcast GmbH und die Focus TV-Produktions GmbH ergänzen den Geschäftsbereich Digital des Offenburger Konzerns um mehr als 30 direkte und indirekte Radio- und TV-Beteiligungen wie "BB Radio", "Ostseewelle"und "Antenne Bayern" (Übersicht). Die Focus TV-Produktions GmbH stellt Formate für Privatsender wie ProSieben, RTL, Sat.1, VOX, RTL2 her. Bis 2010 betrieb sie den Spartensender "Focus Gesundheit", der auf Pay-TV-Plattformen verbreitet, jedoch mangels Perspektive eingestellt wurde. Schon 2008 waren Pläne für Bezahlsender zu den Themenfeldern Haus & Garten und Reisen auf Eis gelegt worden. Auch ein zu Christiane zu Salms Zeiten angekündigter Versuch, mit Fußballrechten ins Pay-TV-Geschäft einzusteigen, blieb ergebnislos. Die regelmäßige Sendung "Focus TV" auf Pro Sieben strich der Sender 2009 aus seinem Programm. 2011 konnte Burdas Fernseh-Sparte wieder ein paar Erfolge verbuchen (siehe "aktuelle Entwicklungen").

Ihre Beteiligung am digitalen "Feinschmeckerkanal" TV Gusto baute Hubert Burda Media dagegen über die Konzerntochter Abantis auf 83,5 Prozent (von 50) aus. 2009 wurde der Sender in das "Burda Food.net" eingeordnet und wandelte sich zum Pay-TV-Angebot "Bongusto". Dessen Sendungen, zu denen inzwischen auch Lizenzeinkäufe von der BBC zählen, werden "nur noch über die Netze von Kabel Deutschland, Unitymedia, Kabel BW sowie im IPTV von Telekom, Alice und Arcor" verbreitet, nicht mehr digital via Satellit und online. Burda berichtet von "mehr als 1,1 Millionen Abonnenten" des Spartenkanals.

Am Free-TV-Sender RTL 2 ist die Hubert Burda Media GmbH mit 1.1% Prozent beteiligt. Seine 51-prozentige Beteiligung am 2007 gestarteten landesweiten österreichischen Fernsehsender Austria 9 verkaufte Hubert Burda Media 2009 an die Mitgesellschafter Conrad Heberling und Josef Andorfer. Zu dem Zeitpunkt rangierte Austria 9 bei einem Marktanteil von unter einem Prozent in Österreich.

Auch Burdas Beteiligung im Bereich mobiles Fernsehen hat sich nicht ausgezahlt. Der zur Fußball-EM 2008 anvisierte Start des Handy-Fernsehens auf Basis des Standards DVB-H, zu dem sich die Burda-Gruppe 2006 mit der Verlagsgruppe Holtzbrinck an der Neva Media GmbH beteiligt hatte, gelang nicht. Das Gemeinschaftsunternehmen Mobile 3.0 erhielt zwar 2007 von den Landesmedienanstalten den Zuschlag als Betreiber eines DVB-H-Netzes, doch verzögerten sich weitere Genehmigungsverfahren. Mehr als ein Testbetrieb mit "über 150 Personen" kam nie zustande. "Zum jetzigen Zeitpunkt haben noch nicht alle Landesmedienanstalten eine Sendelizenz an Mobile 3.0 vergeben, so dass es aus rechtlichen Gründen nicht möglich ist, zur Fußball-EM Mobile-TV auf der Basis von DVB-H in dem ursprünglich geplanten Umfang anzubieten", kommentierte Mobile 3.0 süßsauer die Probleme mit dem föderalistischen deutschen Mediensystem. Auch 2011 gibt es weiterhin kein nennenswertes Handyfernseh-Angebot in Deutschland.


Dossier

Medienpolitik

Die neuen technischen und inhaltlichen Entwicklungen der digitalen Medien sind eine Herausforderung für Medienmacher, Publikum und Politik. Journalisten müssen beispielsweise immer mehr Informationskanäle beobachten und große Mengen an Daten auswerten. Für die Bürger können die Veränderungen in der Medienlandschaft zu einer stärkeren (politischen) Beteiligung führen und Medien werden genutzt, um für politische Belange Aufmerksamkeit zu erzeugen. Neue Entwicklungen wie soziale Medien oder das Internet der Dinge werden bezüglich des Daten- und Verbraucherschutzes kontrovers diskutiert. Das Dossier möchte Grundlagen zum Rundfunk- und Medienrecht vermitteln, die neuen Herausforderungen und Nutzungsmöglichkeiten aufzeigen und eine kritische Auseinandersetzung mit der sich ständig wandelnden Welt der Medien und der sie regulierenden Medienpolitik fördern.

Mehr lesen

Dossier

Deutsche Fernsehgeschichte in Ost und West

Hier der "Tatort", dort der "Polizeiruf", hier die "Tagesschau, dort die "Aktuelle Kamera": Diese Sendungstitel stehen für TV-Ikonen in Ost und West. Welche Brüche und Gemeinsamkeiten zeichnet die Fernsehgeschichte im geteilten Deutschland aus? Was hat sich seit der Wende verändert?

Mehr lesen