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4.7.2012

ITV plc

Umsatz 2011: £ 2,432 Mrd. (€ 2,802 Mrd.)

Geschichte und Profil

Die Geschichte von ITV ist die Geschichte der Konsolidierung des privaten britischen Fernsehmarktes. 1954/55 wurde das „Independent Television“ als werbefinanzierte Alternative zur öffentlich-rechtlichen BBC eingeführt, aufgeteilt in 15 regionale Lizenzen, die wie das deutsche ARD-Fernsehen ein Gemeinschaftsprogramm mit regionalen Fenstern zu bilden hatten. ITV gilt als kommerzieller Sender gleichwohl als „Public Service Broadcaster“ und muss quasi-öffentlich-rechtliche Auflagen hinsichtlich Umfang, Qualität und Ausgewogenheit von Nachrichten- und Informationsprogrammen erfüllen. Bis Ende der 1990er Jahre hatten sich hier zwei Medienunternehmen durchgesetzt: Granada und Carlton kontrollierten 11 der 15 ITV-Lizenzen. Granada war 1934 gegründet worden, um eine Kette von Filmtheatern zu übernehmen. Ein Jahr später erfolgte der Börsengang, und bis in die 70er Jahre, als aus Filmpalästen Bingo-Schuppen wurden, gehörte das Unternehmen zu den größten Kino-Betreibern landesweit. Gleich mit der Einführung von ITV stieg Granada 1954 mit der Lizenz für den Norden Englands ins Fernsehgeschäft ein: Granada Television sendet noch heute von Manchester aus, erfand die Daily Soap („Coronation Street“ läuft seit über 40 Jahren) und wurde eines der profitabelsten TV-Unternehmen Großbritanniens. Carlton hatte in der Druckbranche begonnen und wechselte Mitte der 1980er Jahre in die Film und TV-Produktion (Post Production, Special Effects). 1986 gelang mit der Übernahme eines 20%-Anteils am ITV-Sender Central der Einstieg in den Fernsehmarkt. Nach der ersten Deregulierung des TV-Marktes durch die Regierung Thatcher erhielt Carlton bei der Neuvergabe der Lizenzen 1991 dann den dicksten Fisch: London. Das neue Programm hieß Carlton Broadcasting. 1993 gelang mit der Übernahme der restlichen 80% von Central TV der nächste große Coup. Bis 2000 kamen noch vier weitere ITV-Lizenzen dazu. Carlton und Granada hatten schon seit 1998 beim Aufbau einer eigenen digitalen Pay-TV-Plattform kooperiert. Doch ONdigital wurde einer der größten Flops der britischen Mediengeschichte: Im April 2002 wurde das noch kurz zuvor in ITV Digital umbenannte Projekt abgeschaltet – die beiden Unternehmen hatten zusammen rund eine halbe Milliarde Pfund in den Sand gesetzt. Über eine mögliche Fusion hatten Carlton und Granada parallel stets ebenso erfolglos verhandelt – sie hätte allerdings kaum den damals gültigen Kartellvorschriften entsprochen. Doch im Mai 2002 präsentierte die britische Regierung ein deutlich liberalisiertes Mediengesetz: Bislang durfte ein TV-Unternehmen maximal 15% aller Werbebuchungen im Free-TV-Bereich auf sich vereinigen. Im Umkehrschluss bedeutete dies, dass die Beherrschung des ITV-Verbundes durch ein großes Medienunternehmen tabu war. Doch diese Vorschrift wurde nun genauso gekippt wie die Aufteilung des Ballungsraums London auf zwei ITV-Lizenzen für den Werktag bzw. das Wochenende. Der Weg zum einheitlichen ITV war frei, im Oktober war die sechs Milliarden Pfund schwere Fusion von Granada und Carlton perfekt. Allerdings dauerte es wegen Prüfungen der Kartellbehörden noch knapp anderthalb Jahre, bis Aktien der ITV plc erstmals am 2. Februar 2004 an der Londoner Börse gehandelt wurden.


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