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4.7.2012

ITV plc

Umsatz 2011: £ 2,432 Mrd. (€ 2,802 Mrd.)

ITV ist das führende privatwirtschaftliche Free-TV-Unternehmen in Großbritannien. Zum Portfolio des Konzerns gehören diverse TV-Sender, Produktionsfirmen und Online-Portale.
iTV in Bangkok, ThailandiTV in Bangkok, Thailand (© ddp/AP, Sakchai Lalit)

Überblick

ITV ist das führende privatwirtschaftliche Free-TV-Unternehmen in Großbritannien. Zum Portfolio des Konzerns gehören diverse TV-Sender, Produktionsfirmen und Online-Portale.

Basisdaten

Hauptsitz: The London Television Centre, Upper Ground London SE1 9LT, Großbritannien Telefon: 0044-20-7620-2000 Telefax: 0044-20-7261-3520 Internet: www.itvplc.com

Branche: Fernsehsender, Produktion, Distribution, Rechtehandel Rechtsform: Aktiengesellschaft Geschäftsjahr: 1.01.-31.12. Gründungsjahr: 2003 (1934 Granada, 1985 Carlton)

Geschäftsführung

Management:

  • Adam Crozier, CEO
  • Paul Dale, Chief Technology Officer
  • Andy Doyle, Group HR Director
  • Mary Fagan, Group Communications and Corporate Affairs Director
  • Peter Fincham, Director of Television, Channels and Online
  • Andrew Garard, Group Legal Director
  • Ian Griffiths, Group Finance Director
  • Fru Hazlitt, Managing Director of Commercial and Online
  • Kevin Lygo, Managing Director
  • Simon Pitts, Director of Strategy and Transformation

  • Aufsichtsrat:

  • Archie Norman, Wesfarmers Ltd.
  • Adam Crozier, ITV plc
  • Mike Clasper, HM Revenue & Customs
  • Ian Griffiths, ITV plc
  • Andy Haste, RSA Insurance Group
  • Lucy Neville-Rolfe, UK Trade and Investment Strategic Group
  • John Ormerod, Tribal Group plc

  • Besitzverhältnisse: News Corp. (18%), Rest Streubesitz

    Geschichte und Profil

    Die Geschichte von ITV ist die Geschichte der Konsolidierung des privaten britischen Fernsehmarktes. 1954/55 wurde das „Independent Television“ als werbefinanzierte Alternative zur öffentlich-rechtlichen BBC eingeführt, aufgeteilt in 15 regionale Lizenzen, die wie das deutsche ARD-Fernsehen ein Gemeinschaftsprogramm mit regionalen Fenstern zu bilden hatten. ITV gilt als kommerzieller Sender gleichwohl als „Public Service Broadcaster“ und muss quasi-öffentlich-rechtliche Auflagen hinsichtlich Umfang, Qualität und Ausgewogenheit von Nachrichten- und Informationsprogrammen erfüllen. Bis Ende der 1990er Jahre hatten sich hier zwei Medienunternehmen durchgesetzt: Granada und Carlton kontrollierten 11 der 15 ITV-Lizenzen. Granada war 1934 gegründet worden, um eine Kette von Filmtheatern zu übernehmen. Ein Jahr später erfolgte der Börsengang, und bis in die 70er Jahre, als aus Filmpalästen Bingo-Schuppen wurden, gehörte das Unternehmen zu den größten Kino-Betreibern landesweit. Gleich mit der Einführung von ITV stieg Granada 1954 mit der Lizenz für den Norden Englands ins Fernsehgeschäft ein: Granada Television sendet noch heute von Manchester aus, erfand die Daily Soap („Coronation Street“ läuft seit über 40 Jahren) und wurde eines der profitabelsten TV-Unternehmen Großbritanniens. Carlton hatte in der Druckbranche begonnen und wechselte Mitte der 1980er Jahre in die Film und TV-Produktion (Post Production, Special Effects). 1986 gelang mit der Übernahme eines 20%-Anteils am ITV-Sender Central der Einstieg in den Fernsehmarkt. Nach der ersten Deregulierung des TV-Marktes durch die Regierung Thatcher erhielt Carlton bei der Neuvergabe der Lizenzen 1991 dann den dicksten Fisch: London. Das neue Programm hieß Carlton Broadcasting. 1993 gelang mit der Übernahme der restlichen 80% von Central TV der nächste große Coup. Bis 2000 kamen noch vier weitere ITV-Lizenzen dazu. Carlton und Granada hatten schon seit 1998 beim Aufbau einer eigenen digitalen Pay-TV-Plattform kooperiert. Doch ONdigital wurde einer der größten Flops der britischen Mediengeschichte: Im April 2002 wurde das noch kurz zuvor in ITV Digital umbenannte Projekt abgeschaltet – die beiden Unternehmen hatten zusammen rund eine halbe Milliarde Pfund in den Sand gesetzt. Über eine mögliche Fusion hatten Carlton und Granada parallel stets ebenso erfolglos verhandelt – sie hätte allerdings kaum den damals gültigen Kartellvorschriften entsprochen. Doch im Mai 2002 präsentierte die britische Regierung ein deutlich liberalisiertes Mediengesetz: Bislang durfte ein TV-Unternehmen maximal 15% aller Werbebuchungen im Free-TV-Bereich auf sich vereinigen. Im Umkehrschluss bedeutete dies, dass die Beherrschung des ITV-Verbundes durch ein großes Medienunternehmen tabu war. Doch diese Vorschrift wurde nun genauso gekippt wie die Aufteilung des Ballungsraums London auf zwei ITV-Lizenzen für den Werktag bzw. das Wochenende. Der Weg zum einheitlichen ITV war frei, im Oktober war die sechs Milliarden Pfund schwere Fusion von Granada und Carlton perfekt. Allerdings dauerte es wegen Prüfungen der Kartellbehörden noch knapp anderthalb Jahre, bis Aktien der ITV plc erstmals am 2. Februar 2004 an der Londoner Börse gehandelt wurden.

    Management

    Seit Anfang 2010 ist Adam Crozier als Nachfolger des erfolglosen Michael Grade CEO von ITV. Crozier gilt als Multitalent: Zuvor leitete er die Tierfutter-Abteilung von Lebensmittelkonzern Mars, den englischen Fußballverband, die britische Post und die Werbeagentur Saatchi & Saatchi. Dafür, dass er ITV in den Geschäftsjahren 2010 und 2011 in Folge der Finanzkrise wieder in ruhige Fahrwässer führte, erhielt er allein im vergangenen Jahr inklusive Boni und Aktienpaketen drei Millionen Pfund an Gehalt.

    Geschäftsbereiche

    ITV plc ist seit der Verschmelzung der Konzerne Granada und Carlton in nur noch drei Geschäftsfelder (Broadcast, Granada, News) aufgeteilt und dominiert unangefochten den britischen Free-TV-Markt. Nach dem ITV Digital-Debakel 2002 sieht sich der Konzern aus gutem Grunde nicht mehr selbst als Pay-TV-Betreiber, sondern kooperiert mit den am Markt etablierten Anbietern, darunter Rupert Murdochs BSkyB und Kabelgesellschaften wie Telewest/NTL (Virgin Media). Beteiligungen im Post-Produktions- (Moving Picture Company), Verlags- (Carlton Books) und Kinowerbungs-Bereich (Carlton Sreen Advertising, Screenvision) stehen mittelfristig zum Verkauf bzw. sind bereits veräußert.

    TV-Sender
    ITV plc hält derzeit 11 der 15 regionalen ITV-Lizenzen für das analoge Programm ITV 1. Damit beherrscht ITV plc de facto mit England und Wales den wichtigsten Teil des britischen Free-TV-Marktes: Die verbleibenen ITV-Lizenzgebiete Schottland (Grampian TV, Scottish TV), Nordirland (Ulster TV) und Kanalinseln (Channel TV) sind nach Größe und Werbeeinnahmen klar nachrangig. ITV plc ist zudem mit 16,9 Prozent an der Scottish Media Group, die die ITV-Lizenzen für Schottland hält, beteiligt.

    ITV 1 (analog) Programmprofil: familienorientiertes Vollprogramm.

    ITV 2 (digital) ITV 2 ist seit dem Ende der eigenen digitalen TV-Plattform ITV Digital im Jahr 2002 im Programmbouquet der digitalen Free-TV-Plattform „Freeview“, im digitalen Pay-TV-Angebot von BSkyB und in vielen britischen Kabelnetzen zu empfangen. Programmprofil: auf junges Publikum ausgerichteter Unterhaltungskanal.

    ITV3 (digital) ITV 3 ging im November 2004 als auf Sendung und ist ebenfalls über Freeview, Sky Digital und im digitalen Kabelnetz zu empfangen. Programmprofil: Wiederholungskanal für ITV-Produktionen und Spin-offs aus dem Programm von ITV.

    ITV 4 (digital) ITV 4 ging 2005 auf Sendung und ist auch über Freeview, das digitale Kabelnetz und Satellit empfangbar. Programmprofil: Männerorientierter Kanal, in dem hauptsächlich Sport und US-amerikanische Action- und Comedyserien ausgestrahlt werden.

    CITV ist seit Ende 2006 auf Sendung und teilt sich den Sendeplatz mit ITV 4. CITV ist ein Kooperationsprojekt mit dem ebenfalls zu 75 Prozent zu ITV gehörenden Frühstückssender GMTV. Programmprofil: Sender für Kinder bis neun Jahren.

    Produktionsfirmen (ITV Production/ITV Global Content):
    Die Produktionssparte ITV Production, die aus der bisherigen Granada Media Group hervorging, ist eine der drei größten europäischen TV-Produktionsfirmen und im nationalen wie internationalen Produktionsgeschäft aktiv. Zu den Top-Programmen gehören die Soaps „Coronation Street“ und „Emmerdale“ und Shows wie „I’m a celebrity – get me out of here“, aber auch hochwertige TV-Movies sowie News- („Tonight with Trevor McDonald“) und Kulturprogramme („The South Bank Show“). Seit 1998 produziert Granada auch für nicht zum Konzern gehörende TV-Anbieter wie die BBC, Channel 4, Channel 5 und Rupert Murdochs Sky Television. Internationale Tochterfirmen existieren in dien Vereinigten Staaten (Granada Entertainment USA), Australien (Granada Australia) und Deutschland (Granada Produktion für Film und Fernsehen).

    Online
    Trotz des Debakels mit OnDigital/ITV Online vor sechs Jahren setzt ITV weiter auf die wachsende Bedeutung des Internets. Der größte Konkurrent auf dem Online-Markt ist die BBC, die mit dem Portal bbc.co.uk und der Mediathek iPlayer Pionierarbeit in Sachen Internetfernsehen leistete. Als Antwort darauf launchte ITV Ende 2006 den Onlineableger ITV.com, auf dem man neben 1000 Stunden Archivmaterial auch kostenlos auf alle Sendungen der letzten 30 Tage, sowie User Generated Content zurückgreifen kann. ITV.com bleibt trotz deutlicher Steigerungen 2007-2008 aber weiter mit 9,4 Millionen unique users hinter dem Erfolg der BBC zurück, obwohl der Konzern sein „Catch-up“- und Archivangebot analog zum BBC iPlayer seit Ende 2008 als ITVplayer relaunched hat.

  • Granada International: Ko-Produktionen und internationaler Vertrieb von Granada-Content, ca. 60.000 Programmstunden, in 120 Ländern aktiv
  • Granada Ventures: Auswertung der Zweitrechte von ITV-Programmbeständen (Video, DVD, Bücher, Merchandising)
  • Granada Resources: Studios und Post-Produktionsanlagen in London, Manchester und Leeds (mit Aufgabe der Studiokapazitäten von Yorkshire Television wird der Standort Leeds 2009 abgewickelt, die Produktion der dort beheimateten Shows zieht, soweit die Formate nicht ohnehin eingestellt werden, nach Manchester um).
  • Friends Reunited: Web 2.0 Social Networking-Plattform, steht zum Verkauf
  • Die Kinowerbe-Firma Carlton Screen Advertising wurde im Rahmen der Konzentration aufs Kerngeschäft 2008 verkauft.


    Wichtige Beteiligungen
  • 16,9 % an der Scottish Media Group (ITV-Lizenzen für Scottish TV und Grampian TV)
  • 40 % an Independent Television News (ITN), liefert Nachrichten für ITV, Channel 4 und Five
  • 50 % an Screenvision: Kinowerbung in Kontinentaleuropa und USA
  • 25 % an Mammoth Screen Limited: Distribution, integriert in Granada International)
  • 51% an Jaffe/Braunstein Entertainment LLC (US-amerikanische Fernsehproduktionsfirma, integriert in Granada Entertainment USA)
  • 100 % an Silverback Production (unabhängige skandinavische Produktionsfirma, seit 2008)
  • 25 % an Crackit Productions (unabhängige brit. Produktionsfirma, seit 2008)
  • 25 % an Carbon Media (unabhängige brit. Produktionsfirma, seit 2009)

  • Engagement in Deutschland
    Seit Februar 2000 mischt der Konzern mit der Granada Produktion für Film- und Fernsehen GmbH (mittlerweile umbenannt in ITV Studios Germany) auf dem deutschen TV-Markt mit. Die in Berlin und Köln ansässige Firma produziert mit „Ich bin ein Star – holt mich hier raus“ (RTL) die deutsche Version von „I’m a celebrity…“, sowie Formate wie „Let’s Dance“ (RTL) oder „Das perfekte Dinner“ (Vox). 2008 übernahm ITV zudem 50,1 % der Anteile an der Produktionsfirma Imago TV.
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    Dossier

    Medienpolitik

    Die neuen technischen und inhaltlichen Entwicklungen der digitalen Medien sind eine Herausforderung für Medienmacher, Publikum und Politik. Journalisten müssen beispielsweise immer mehr Informationskanäle beobachten und große Mengen an Daten auswerten. Für die Bürger können die Veränderungen in der Medienlandschaft zu einer stärkeren (politischen) Beteiligung führen und Medien werden genutzt, um für politische Belange Aufmerksamkeit zu erzeugen. Neue Entwicklungen wie soziale Medien oder das Internet der Dinge werden bezüglich des Daten- und Verbraucherschutzes kontrovers diskutiert. Das Dossier möchte Grundlagen zum Rundfunk- und Medienrecht vermitteln, die neuen Herausforderungen und Nutzungsmöglichkeiten aufzeigen und eine kritische Auseinandersetzung mit der sich ständig wandelnden Welt der Medien und der sie regulierenden Medienpolitik fördern.

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    Dossier

    Deutsche Fernsehgeschichte in Ost und West

    Hier der "Tatort", dort der "Polizeiruf", hier die "Tagesschau, dort die "Aktuelle Kamera": Diese Sendungstitel stehen für TV-Ikonen in Ost und West. Welche Brüche und Gemeinsamkeiten zeichnet die Fernsehgeschichte im geteilten Deutschland aus? Was hat sich seit der Wende verändert?

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