Dossierbild Afrikanische Diaspora

30.7.2004 | Von:
Nkechinyere Mbakwe

Kann Schwarzsein seriös sein?

Women of Color im deutschen Fernsehen

Die Vermarktung "des Anderen"



Die Wissenschaftlerin Bell Hooks ist – wie Dorothy Gilliam – der Auffassung, dass mittels der Massenmedien bestimmte Bilder und Darstellungsformen des Konstrukts der Rasse und des Schwarzseins institutionalisiert und verbreitet werden. Sie spricht dabei explizit von der Vermarktung von Schwarzen: Schwarzsein gelte als Würze, die dazu diene, die Eintönigkeit der weißen Kultur zu beleben.[6] Sich mit Schwarzen zu treffen und ihre Kultur zu mögen, sei mittlerweile "cool".[7] Die Begegnung mit "dem Anderen" werde als aufregend, intensiv und gleichzeitig bedrohlich empfunden.

Diese "andere Würze", das Schwarzsein, verbunden mit Unterhaltung als das Programmsegment, das sich neben Nachrichtensendungen am besten verkauft, wird in der Fernsehlandschaft zu einem Faktor, der gewinn bringende Zahlen verspricht. Dementsprechend finden sich schwarze Frauen im deutschen Fernsehen nicht ohne Grund in erster Linie im Unterhaltungssektor privater Sender wieder: "black sells!" Schwarze Frauen werden zum exotischen Aushängeschild der jeweiligen Rundfunkanstalten.

Der Moderator und die Moderatorin in der Gesellschaft

Das Fernsehen gilt heute als verlässlicher Indikator sozialen Lebens. Die Medienrealität wird zur faktischen Wirklichkeit, zur Richtschnur für Denken und Handeln.[8] So genannte Vielseher übernehmen im erhöhten Maße die vermittelte Sicht des Fernsehens als ihre Realität. Das Fernsehen prägt somit maßgeblich das Bild der schwarzen Frau in der westlichen Gesellschaft.

Nachrichtensprecherinnen und -sprecher sowie Moderatorinnen und Moderatoren sind heute zentrale Instanzen der Weltvermittlung des Fernsehens. Moderatorinnen und Moderatoren jeweiliger Fernsehformate werden zu Fernsehstars, in denen sich ein Publikum wieder erkennt. Vielen Zuschauern erscheint die Präsentatorin oder der Präsentator oftmals als die Sache selbst; Wissenschaftler sprechen von einem Trend der Personifizierung.[9] Zu den schwarzen Fernsehvorbildern gehören etwa Arabella Kiesbauer (ProSieben) und der Afro-Deutsche Cherno Jobatey (ZDF). So zählt dieser seit 1992 zum Moderationsteam des ZDF-Frühstücksfernsehens: Schwarze Männer finden sich in Deutschland zumindest im Sektor des Infotainments wieder.

Perspektiven

Der Risikobereitschaft Einzelner war es zu verdanken, dass weiße Frauen heute auch in "unüblichen" Bereichen zu sehen sind. Der Risikobereitschaft Einzelner könnte dementsprechend in Zukunft zu verdanken sein, dass ebenfalls "schwarze" Frauen in "unüblichen" Bereichen vor die Kamera treten. Schwarze würden beginnen, auch "seriösere" Themen im Fernsehen zu präsentieren, möglicherweise die Nachrichten zu sprechen. Das Weltbild des weißen Betrachters könnte sich allmählich an das gezeigte Bild der Welt anpassen.

Mit der Zeit könnte sich ein neues "normales" Erscheinungsbild Schwarzer etablieren. Es könnte normal werden, dass Schwarze neben Programmen der Unterhaltung ebenfalls solche der Information moderieren. Doch solange der Mut zum Risiko fehlt und die Entscheidung der betreffenden Personen weiterhin allein an "bisherigen" Quotenerfolgen gemessen wird, wird sich auch in nächster Zeit nichts verändern: Es wird keine schwarze Nachrichtensprecherin und auch keinen schwarzen Nachrichtensprecher geben.

Vielleicht konnte mit Hilfe dieser Arbeit der Blick der Leserin und des Lesers für diese und ähnliche Themen geschärft werden. Denn Schwarze sind nur "ein" Beispiel für deutsche Minderheiten und Medien stellen nur "eine" Möglichkeit dar, Öffentlichkeit zu schaffen. Entsprechend könnte die Situation schwarzer Frauen in Führungspositionen oder als Professorinnen an Universitäten untersucht werden. Diese Arbeit zeigt, dass bestimmte Vorurteile gegenüber Schwarzen noch tief verwurzelt sind. Oder – wie würde Deutschland z.B. auf eine "schwarze Miss Germany" reagieren?

Dieser Aufsatz ist ein Auszug aus der im Jahr 2000 erstellten gleichnamigen Diplomarbeit von Nkechinyere Mbakwe. Nähere Informationen unter email:info@chinaza.de.

Fußnoten

6.
Siehe B. Hooks: Black looks: race and representation, New York 1992, S 14.
7.
Dies., S. 19.
8.
Siehe B. Röben/C. Wilß: "Fremde Frauenwelten in den Medien: Eine Einleitung", in: dies. (Hg.): Verwaschen und verschwommen: Fremde Frauenwelten in den Medien, Frankfurt/M. 1996, S. 11-19, hier S. 19.
9.
Siehe K. Hickethier: Film- und Fernsehanalyse, Stuttgart 1996, S. 173.

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